Methoden wie im Nazi-Deutschland

Drei-Sterne-General soll aus Chor fliegen, weil er AfD-Mitglied ist

Von LUPO | Er war bis zum Ruhestand im Herbst 2018 als Drei-Sterne-General einer der ranghöchsten Offiziere bei der Bundeswehr und ist Träger des Bundesverdienstkreuzes – Generalleutnant der Luftwaffe a.D. Joachim Wundrak.

Der hochangesehene Offizier hat während seiner aktiven Zeit im Namen Deutschlands für Demokratie und Freiheit an vielen Brennpunkten der Welt gekämpft. Nur als einfacher Sänger in einem gemischten Chor im mittleren Niedersachsen ist der 64-Jährige bei einigen Mitsängern nicht länger gelitten, weil er für die AfD als Kandidat bei der Oberbürgermeisterwahl am 27. Oktober in Hannover antritt.

Wer sich um die Demokratie in Deutschland im Jahre der Herrin 2019 sorgt, findet im Schaumburger Land, unweit dem größten Binnensee Niedersachsens, dem Steinhuder Meer, praktische Anschauung, wie es mit der Toleranz in Deutschland rapide den Bach herunter geht. Dort gibt es seit 1961 den erfolgreichen Gemischten Chor Altenhagen-Hagenburg mit dem naheliegenden Namen „Meermusik“. Seit einem Jahr bringt sich Wundrak aktiv mit seiner Bassstimme in den repertoirereichen Chor ein. Natürlich unpolitisch und „in vorbildlicher Weise“, wie Vorsitzender Andreas Rose in der Hannoverschen Allgemeinen vom 10. Oktober betont.

Weil einigen Mitgliedern nicht gefiel, dass Wundrak AfD-Mitglied ist, forderten sie seinen Rauswurf. Der Vorstand weigerte sich, weil dies schon aus Satzungsgründen rechtlich nicht zulässig wäre. Dort heißt es unmissverständlich, dass Menschen, gleich welcher politischen Gesinnung, mitsingen dürfen.

Gleichwohl bauten einige Chormitglieder Druck auf und lancierten den Streit gezielt in die Öffentlichkeit. Es seien bereits Mitglieder wegen Wundrak ausgetreten, hieß es in den Zeitungen der Region. Man wolle eine Änderung der Satzung. Dass es sich allenfalls um drei von 100 Mitgliedern handelt, ging in der einsetzenden Aufgeregtheit unter. Hängen blieb unterschwellig, dass hier ein Störenfried der AfD Streit in einen friedlichen Chor trage und auszugrenzen sei.

Zum Glück verfügt der Chor noch über ausreichend vernünftige und mutige Verantwortungsträger. Dazu gehört auch die langjährige Chorleiterin Annette Wiborg, eine Grundschulrektorin. Man könne doch nicht Menschen willkürlich ausschließen, lautet ihr Petitum. „Ich habe deutlich gemacht, dass ich den Chor nicht mehr dirigieren kann, wenn das hier so läuft“, erklärte sie.

Joachim Wundrak äußerte sich klugerweise nicht zum Thema, wohl um kein Öl ins Feuer zu gießen. Er ist der derzeit ranghöchste von mehreren ranghohen ehemaligen Bundeswehrsoldaten, die sich der AfD angeschlossen haben. Das öffentliche ausgrenzende Mobbing gegen den verdienten Ex-General fällt paradoxerweise in eine Zeit, in der durch aktuelle Anschläge wie in Halle die Thematisierung von Antisemitismus Hochkonjunktur hat.

Bundesinnenminister Horst Seehofer und sein bayrisches Pendant Joachim Herrmann stempeln die AfD in propagandistischer Manier als geistige Brandstifter für Halle ab, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier konnotiert hierzu AfD-Nähe, wenn er in gleichem Atemzug (nationalsozialistische) Geschichte beschwört.

Sie unterschlagen dabei, dass AfD-Parteimitglieder, denen sie absurderweise Mitschuld vorwerfen, selbst seit langem an Leib und Leben angegriffen und gesellschaftlich ausgegrenzt werden. Und zwar mit denselben perfiden Nazi-Methoden, mit denen die Juden in Hitlerdeutschland anfänglich verfolgt, von der gesellschaftlichen Teilhabe ausgrenzt und schließlich vernichtet wurden. Wer hierzu leichtfertig oder bewusst die geistige Grundlage legt, wie sie sich jetzt im Schaumburger Land bei einigen Followern offenbart, muss tatsächlich als Brandstifter für Hetze und Ausgrenzung bezeichnet werden.