Fatales Wirken: Der Emissär des damaligen österreichischen Bundeskanzlers Leopold Figl, Rudolf Moser (links im Bild), begrüßt den italienischen Ministerpräsidenten Alcide De Gasperi 1952 vor seinem Haus in Kärnten.

Von REYNKE DE VOS | Ob unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg tatsächlich die Chance für die in vielfachen eindrücklichen Willensbekundungen der Bevölkerung sowie die in politischen und kirchlichen Petitionen zum Ausdruck gebrachte Forderung nach Wiedervereinigung des 1918/19 geteilten Tirols bestand, ist umstritten. Unumstritten ist, dass das Gruber-De Gasperi-Abkommen vom 5. September 1946 in Paris, Grundlage für die (1969/1972 erst errungene) Autonomie der „Provincia autonoma di Bolzano“, dem die regierenden Parteien sowie der zeitgeistfromme Teil der Opposition in Wien, Innsbruck und Bozen heute den Rang einer „Magna Charta für Südtirol“ zubilligen, sich für Österreichs Politik jahrzehntelang als „furchtbare Hypothek“ (Bruno Kreisky) erwies.

Allem Anschein nach fügte sich der österreichische Außenminister Gruber seinerzeit ebenso seinem italienischen Gegenüber Alcide De Gasperi wie den drängenden Siegermächten, um überhaupt etwas mit nach Hause bringen zu können. Es waren jedoch nicht allein die Unzulänglichkeiten des damals zur Pariser Friedenskonferenz entsandten österreichischen Personals sowie das mitunter selbstherrliche Gebaren Grubers respektive der Druck, den die (west)alliierten Siegermächte auf die Beteiligten ausübten, die schließlich ein anderes als das von den (Süd-)Tirolern erhoffte Ergebnis zeitigten. Eine soeben abgeschlossene, aus drei voluminösen Bänden bestehende Dokumentation zeigt, dass auch hinter den Kulissen Akteure emsig und weitgehend inkognito am Geschehen beteiligt waren.

So übte der Kärntner Unternehmer Rudolf Moser, enger Freund Kanzler Leopold Figls, einen fatalen Einfluss aus. Sein lautloses Mitwirken inkognito erstreckte sich nahezu auf den gesamten für den Südtirol-Konflikt zwischen Österreich und Italien bedeutsamen Geschehensablauf vom Kriegsende bis zur sogenannten „Paket“-Lösung Ende der 1960er Jahre, bisweilen lenkte er ihn in bestimmte Bahnen. In Italien, wohin seine Firma „A. Moser & Sohn, Holzstoff- und Pappenfabrik, Sachsenburg“ gute Geschäftskontakte unterhielt und sich Moser häufig für länger aufhielt, stand er mit namhaften Persönlichkeiten des Staates in engem Kontakt; Papst Pius XII empfing ihn mehrmals in Rom persönlich. Insofern nimmt es nicht wunder, dass sich der absolut diskret agierende Moser nach 1945 geradezu ideal für die Aufnahme, Pflege und Aufrechterhaltung einer trotz Südtirol-Unbill dennoch äußerst belastbaren Verbindung zwischen ÖVP und Democrazia Cristiana (DC) eignete, die sich weltanschaulich ohnedies nahestanden. Dazu passte, dass er sich der Rolle des (partei)politischen Postillons und verdeckt arbeitenden Unterhändlers mit geradezu missionarischem Eifer hingab.

Das für das Nachkriegsschicksal der Südtiroler fatale Wirken Mosers ergab sich im Frühjahr 1946. Während nämlich die österreichische Bundesregierung offiziell – besonders Kanzler Figl, der in seiner Regierungserklärung am 21. Dezember 1945 vor dem Nationalrat gesagt hatte: „Eines aber ist für uns kein Politikum, sondern eine Herzenssache, das ist Südtirol. Die Rückkehr Südtirols nach Österreich ist ein Gebet jedes Österreichers“ – die Selbstbestimmungslösung mittels Volksabstimmung verlangte, was Außenminister Gruber gegenüber den Siegermächten und dem Vertreter Italiens in Paris bis dahin einigermaßen aufrecht erhalten hatte, wurde Rom auf der Ebene parteipolitischer Beziehungen vertraulich darüber in Kenntnis gesetzt, dass sich Wien gegebenenfalls auch mit einer Autonomielösung anstelle eines Plebiszits einverstanden erklären könne. Das Signal dazu gab Figl via Moser, der den gebürtigen Trientiner De Gasperi am 3. April 1946 zu einer ausgiebigen geheimen Unterredung traf.

Dieses widersprüchliche politische Gebaren sollte sich, wie die Publikationen des Historikers und Publizisten Helmut Golowitsch zeigen, unter allen auf Figl folgenden ÖVP-Kanzlern bis in die für das österreichisch-italienische Verhältnis äußerst schwierigen 1960er Jahre fortsetzen, unter der ÖVP-Alleinregierung unter Josef Klaus ihren Kulminationspunkt erreichen und darüber hinaus – wie man als Beobachter späterer Phasen hinzufügen muss – gleichsam eine politische Konstante bilden, der in aller Regel die beanspruchte Schutz(macht)funktion Österreichs für Südtirol untergeordnet worden ist. Allen damals führenden ÖVP-Granden stand Rudolf Moser als emsig bemühtes, lautlos werkendes und wirkendes Faktotum zur Seite: Sei es als Organisator konspirativ eingefädelter Spitzentreffen inkognito – mehrmals in seinem Haus in Sachsenburg – , sei es als Emissär, mal als besänftigender Schlichter, mal operierte er als anspornender Impulsgeber. Mitunter war er verdeckt als Capo einer geheimen ÖVP-Sondierungsgruppe unterwegs oder auch gänzlich unverdeckt als Mitglied einer offiziellen ÖVP-Delegation auf DC-Parteitagen zugegen. Und nicht selten nahm er die Rolle eines Beschwichtigerers von ÖVP-Politikern und -Funktionären wahr. Über Inhalt und Ergebnis geheimer Treffen und konspirativer Begegnungen wurden weder Süd- noch Nordtiroler Politiker informiert. Während des gesamten Zeitraums, für die Golowitschs Dokumentation steht, agierten ÖVP-Kanzler und ÖVP-Parteiführung unter gänzlichem Umgehen der dem südlichen Landesteil naturgemäß zugetanen Tiroler ÖVP. Das ging sogar so weit, dass der legendäre Landeshauptmann Eduard Wallnöfer wegen „wachsender Unstimmigkeiten mit der Wiener Parteizentrale“ – insbesondere während der Kanzlerschaft des Josef Klaus – eine „Unabhängige Tiroler Volkspartei“ (nach Muster der bayerischen CSU) ernsthaft in Erwägung zog.

Mosers Engagement ging so weit, dass er sich nicht scheute, daran mitzuwirken, hinter dem Rücken des damaligen Außenminister Kreisky (SPÖ) sozusagen „christdemokratische Geheimdiplomatie“ zu betreiben und dessen mit Giuseppe Saragat ausgehandeltes „Autonomie-Maßnahmenpaket“ zu desavouieren, welches die Südtiroler Volkspartei (SVP) dann auch am 8. Januar 1965 für „zu mager“ befand und infolgedessen verlangte, es müsse nachverhandelt werden. Schon am 6. Januar 1962 hatte er in einer an ÖVP-Politiker und -Funktionäre verschickten „Südtirol-Denkschrift“ bemerkt, Kreisky betreibe „eine dilettantisch geführte Außenpolitik.“ Das bezog sich just auf den seit den verheerenden Auswirkungen des Pariser Abkommens ersten zielführenden Schritt der Wiener Südtirol-Politik, nämlich den Gang Kreiskys 1960 vor die Vereinten Nationen. Die Weltorganisation zwang mittels zweier Resolutionen Italien zu „substantiellen Verhandlungen zur Lösung des Streitfalls“ mit Österreich, womit der Konflikt zudem internationalisiert und der römischen Behauptung, es handele sich um eine „rein inneritalienische Angelegenheit“ die Grundlage entzogen ward. In den Rom-freundlichen Kreisen der Bundes-ÖVP war dies jedoch mit Unwillen registriert worden. Staatssekretär Ludwig Steiner (ÖVP) versuchte ebenso wie (der spätere Außenminister) Kurt Waldheim, Kreisky zu bewegen, „die „österreichische UNO Initiative zurückzunehmen“.

Ging es Golowitsch in Band 1 („Südtirol – Opfer für das westliche Bündnis. Wie sich die österreichische Politik ein unliebsames Problem vom Hals schaffte“; Graz (Stocker) 2017, 607 Seiten, 34,80 €) darum, aufzuzeigen wie es Rom gewissermaßen unter Mithilfe aus Wien ermöglicht wurde, die betrügerische Scheinautonomie von 1948 zu verfügen und wie das „demokratische Italien“ unter Führung der DC skrupellos die faschistische Politik der Entnationalisierung der Südtiroler fortsetzte, so steht in den Bänden 2 ( „Südtirol – Opfer geheimer Parteipolitik“; 462 Seiten, 29,90 €) und 3 („Südtirol – Opfer politischer Erpressung“; 528 Seiten, 29,90 € ) – beide 2019 ebenfalls im Stocker-Verlag, Graz erschienen – das geheime Zusammenspiel zwischen ÖVP und DC sozusagen en Detail im Mittelpunkt. Dies insbesondere während der für den hauptsächlich vom „Befreiungsausschuß Südtirol“ (BAS) mit anderen als „nur“ politischen Mitteln von Mitte der 1950er bis Ende der 1960er Jahre und gelegentlich darüber hinaus getragenen Freiheitskampf. Hierin zeigt Golowitsch Punkt für Punkt die – ja, man muss es in aller Deutlichkeit vermerken – Ergebenheitspolitik der ÖVP(-geführten respektive Allein-)Regierung(en) gegenüber Italien anhand getroffener geheimer Absprachen zwischen ÖVP- und DC-Politikern auf.

Die römische Politik stand damals unter wachsendem Druck des BAS, dessen in Kleingruppen operierende Aktivisten Anschläge auf italienische Einrichtungen in Südtirol, vornehmlich Hochspannungsmasten, verübten. Trotz Massenverhaftungen und Folterungen von gefangenen BAS-Kämpfern in den Carabinieri-Kasernen wurden die italienischen Behörden dieser Bewegung nicht Herr. Italien erpresste infolgedessen Österreich mit dem Einlegen seines Vetos gegen die anstehende EWG-Assoziierung, indem es verlangte, in enger Zusammenarbeit mit den italienischen Sicherheitsdiensten den Südtiroler Widerstand zu brechen und gänzlich zu eliminieren. Woraufhin die ÖVP-Alleinregierung unter Kanzler Klaus in Südtirol-Fragen zunehmend auf italienischen Vorstellungen einschwenkte. Dies zeigte sich insbesondere zufolge des sogenannten „Porzescharten-Attentats“, bei dem angeblich vier italienische Militärs zu Tode gekommen sein sollten. Aufgrund überzeugender Archivstudien und Analysen des (Militär-)Historikers Hubert Speckner sowie dreier Gutachten öffentlich bestellter und vereidigter Spreng(mittel)sachverständiger besteht indes heute kein ernstzunehmender Zweifel mehr daran, dass die offizielle Geschehensdarstellung für das „Attentat, das keines war“, als Konstrukt italienischer Dienste gelten muss. Golowitsch breitet Speckners Erkenntnisse in seiner eingängigen Dokumentation noch einmal minutiös und detailreich vor uns aus.

Was folgt aus all dem? Der BAS hat 1967 auf der Porzescharte kein Attentat verübt. Die dafür verantwortlich gemachten Personen (Prof. Dr. med. Erhard Hartung, Egon Kufner sowie der bereits verstorbene Peter Kienesberger) sind zu Unrecht verfolgt und von Italien zu gewissenlosen Terroristen gestempelt worden. Mehr als ein halbes Jahrhundert nach dem Geschehen, das sich offenkundig anders denn offiziell dargestellt abspielte, wäre es an der Zeit, das florentinische Schandurteil aus der Welt zu schaffen, mit denen sie gänzlich wahrheits- und rechtswidrig für eine offenkundig nicht begangene Tat verurteilt und damit zu blutrünstigen Mördern gestempelt worden sind. Es versteht sich daher eigentlich von selbst, dass die trotz Freispruchs (in Österreich) nach wie vor mit dem Makel der Täterschaft behafteten und in ihrer persönlichen (Reise-)Freiheit eingeschränkten Personen endlich offiziell und überdies öffentlich vernehmlich zu rehabilitieren sind.

Doch mehrere aus FPÖ-Parlamentsfraktion heraus an den damaligen Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) sowie den vormaligen Bundespräsidenten Heinz Fischer gerichtete Versuche erwiesen sich als ergebnislos. Faymann erklärte in seiner schriftlichen Antwort das Kanzleramt für unzuständig. Und Fischer verwies die „Betroffenen“, deren Taten – seien sie bewiesen oder unbewiesen; seien sie begangen oder nichtbegangen; seien sie von BAS-Aktivisten verübt oder diesen durch italienische Manipulationen unterschoben worden – bereits ein halbes Jahrhundert und länger zurückliegen, darauf, sie sollten doch bitteschön Gnadengesuche einreichen. Mit Verlaub – das ist Chuzpe. Die zu Unrecht beschuldigten und zudem menschenrechtswidrig – wie österreichische und deutsche Höchstgerichte feststellten – in Florenz verurteilten Drei der „Causa Porzescharte wären doch von allen guten Geistern verlassen, so sie um Gnade bettelten für eine Tat, die sie nicht begangen haben. Dass indes maßgebliche Organe der Republik Österreich, die sich damals schon hasenfüßig und Italien gegenüber unterwürfig verhielten, auch 50 Jahre danach noch ihrer Fürsorgepflicht für zwei ihrer jahrelang politisch und justitiell verfolgten Staatsbürger (offenkundig) nicht nachkommen (wollen), darf man mit Fug und Recht eine Schande nennen.

Eine Schande für die österreichische Politik war es auch, die von Rom unter ständigen Hinweisen auf das EWG-Veto verlangte „Präventivhaft“ – wie sie in Italien auf der Grundlage fortbestehender faschistischer Rechtsnormen möglich war – über geflüchtete Südtiroler zu verhängen und sogar deren Auslieferung zu verlangen, füglich zu umgehen. Weil dies die österreichische Rechtsordnung nicht zuließ, erdachte man im Wiener Innenministerium einen Rom entgegenkommenden Ausweg: Die von den italienischen Stellen namhaft gemachten Südtiroler wurden kurzerhand in Schubhaft genommen. Gelang es diesen Schubhäftlingen, eine gerichtlich verfügte Aufhebung ihrer Inhaftierung zu erreichen, sperrte man sie unter einem neuen Schuldvorwurf wieder ein.

Derartige und andere unschöne Vorgehensweisen stehen im Zentrum von Helmut Golowitschs Dokumentation zur Südtiroler Zeitgeschichte, welche den Maximen von Wahrheit und Gerechtigkeit verpflichtet ist. Seine Tatsachenschilderung und Beschreibung der Zusammenhänge in einer quellengesättigten, dreibändigen historisch-politischen Darstellung führt zu einer notwendigen vertieften, korrigierenden Sicht auf die österreichischen Südtirolpolitik, der weite Verbreitung zu wünschen ist.

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15 KOMMENTARE

  1. Die dafür verantwortlich gemachten Personen (Prof. Dr. med. Erhard Hartung, Egon Kufner sowie der bereits verstorbene Peter Kienesberger) sind zu Unrecht verfolgt (…)
    (s.o.)

    „Nur medizinisch tätig gewesen“
    (…). Das italienische Urteil bezeichnet er als „erwiesen menschenrechtswidrig“: „Im Rahmen des Südtiroler Freiheitskampfes habe ich mich ausschließlich medizinisch betätigt und so Südtiroler Freiheitskämpfer vor Folter oder Tötung durch Carabinieri bewahrt“, rechtfertigt er sich gegenüber der Stadt Meerbusch. „Schmutzige Anschläge“ seien von den „Freiheitskämpfern“ nicht begangen worden. Er bringt statt dessen den italienischen Geheimdienst ins Spiel.
    Hartung wurde Ende der 70er-Jahre Erster Sprecher der „Kameradschaft der ehemaligen Südtiroler Freiheitskämpfer“ und erläutert seitdem seine Sicht der Dinge in Vorträgen und Veröffentlichungen.
    (…)
    Uni-Rektor scheiterte vor Gericht
    Ein Versuch des damaligen Uni-Rektors Gert Kaiser, Hartung 1994 wegen des Verdachts rechtsextremer Aktivitäten fristlos zu kündigen, scheiterte. Das Verwaltungsgericht Düsseldorf gab Kaiser zunächst recht, doch das Urteil wurde vom Oberverwaltungsgericht Münster kassiert.

    https://rp-online.de/nrw/staedte/meerbusch/integrationsrat-schillernder-kandidat_aid-12744961

  2. @ StopMerkelregime 17. November 2019 at 14:28

    Ganz so einfach ist das nicht. Beispielsweise erfüllen die Basken (auch in Frankreich) alle Voraussetzungen für das Anrecht auf einen eigenen Staat. Eigene Sprache (krass erfüllt), nachvollziehbarer historischer Lebensraum, kulturelle Eigenheiten etc.

    Ob es letztendlich besonders schlau wäre, einen eigenen Staat zu gründen, steht auf einem anderen Blatt. Aber damit haben Sie recht, der spanische Staat wäre zerstört.

  3. OT
    Tut mir leid, aber ich muß weg!

    „Ich will meine Ehre zurück“ fordert die zwangsgeräumte Seniorin Ingrid P.

    Dieser schlichte Satz sowie die Umstände, in denen eine betagte Bürgerin unseres Landes leben muß, machen mich sehr betroffen.
    Die Zwangsräumung war wohl, wie die HAZ in einem vorherigen Artikel bemerkte, zu Unrecht.

    Die Dame hat ein arbeitsreiches und gewiß untadeliges Leben geführt und wird trotzdem und auch noch zu Unrecht aus ihrer Wohnung, ihrem Nest, mit Gewalt entfernt.

    Welche Schmach, welche Schande in aller Öffentlichkeit für eine Dame ihrer Generation!

    In einer Zeit, wo Begriffe wie EHRE mit den Füßen getreten werden, wo selbst plötzlich sogar die Grünen anfangen, von Ehre zu schwadronieren, sollte man so schnell und so gut wie es jetzt noch möglich ist, versuchen, der Dame ihre „Puppenstube“ wieder herzurichten!

    Dieser schändliche Umgang mit einem alten deutschen Menschen sagt sehr viel über den moralischen Zustand Deutschlands aus!

    Pfui Deibel!

    „Hilfsbereitschaft und Ratlosigkeit: So diskutieren die Leser über den Fall Ingrid P.

    „Ich will meine Ehre zurück“: Ingrid P. lebt seit der Zwangsräumung im Kleinwagen auf dem Parkplatz vor ihrer früheren Wohnung. Schon seit zwei Jahren. Der Fall hat unsere Leser aufgewühlt. Zwischen Hilfsbereitschaft und Ratlosigkeit – Auszüge der Diskussion bei Facebook.

    Hannover
    Am Sonnabend berichtete die HAZ über diesen Fall, der bei den Menschen in Hannover eine Welle der Anteilnahme ausgelöst hat: Ingrid P. hat ihre Wohnung 2017 nach 60 Jahren durch eine Zwangsräumung verloren. Seitdem lebt sie in ihrem Renault Clio auf einem Parkplatz direkt gegenüber der Wohung nahe dem Hauptbahnhof. All ihre Habseligkeiten sind ordentlich im Autountergebracht. In der Seitentür hat sie stets Kleingeld für die Parktickets bereit. Doch die hochbetagte Dame befindet sich in einer Art Schockstarre, in stummem Protest gegen das Unrecht, das man ihr aus ihrer Sicht antat, ein Unrecht, das sie nie verwunden hat. „Meine Wohnung war eine Puppenstube“, wieder und wieder sagt sie das, wenn man mit ihr durch die heruntergelassene Autofensterscheibe spricht. „Ich tue niemandem etwas. Ich will nur meine Wohnung, meine Ehre zurück“, betont sie.
    Lesen Sie hier den vollständigen Bericht: „Nach Zwangsräumung: 81-Jährige Hannover lebt seit zwei Jahren im Auto“

    „Hilfsbereitschaft und Ratlosigkeit: So diskutieren die Leser über den Fall Ingrid P.

    „Ich will meine Ehre zurück“: Ingrid P. lebt seit der Zwangsräumung im Kleinwagen auf dem Parkplatz vor ihrer früheren Wohnung. Schon seit zwei Jahren. Der Fall hat unsere Leser aufgewühlt. Zwischen Hilfsbereitschaft und Ratlosigkeit – Auszüge der Diskussion bei Facebook.

    Lesermeinung: „Ein echter Alptraum“
    In Reaktion auf unseren Bericht diskutieren die Leser lebhaft auf der Facebook-Seite der HAZ. Anteilnahme, Mitleid und Verständnis überwiegen. So schreibt etwa Silke Yränheikki: „Das, was sie alles durchmachen musste, ist ein echter Alptraum. Nach solchen Erfahrungen ist es schwierig, wieder in das alte Leben zurückzukehren. Hoffentlich kriegt sie die Kurve.“ Und Leserin Katrin Weber ergänzt: „Wohngarantie für Menschen ab 70 Jahre ist wohl selbstverständlich. Wie ist das bei dieser alten Dame möglich?“ Und Meira Farooqi ergänzt kurz: „Omg, so traurig“. Omg ist die gebräuchliche Web-Abkürzung für „Oh my God“, zu Deutsch „Oh, mein Gott.“

    Soziale Kälte oder eine Sache des Prinzips?
    Leserin Sarah Kunkenschröder teilt mit vielen den Impuls, irgendwie helfen zu wollen: „Würde ihr gerne mal ein angenehmes Bett und ein wenig Familie bieten“, schreibt Kunkenschröder. Allerdings sind sich die Kommentatoren überwiegend durchaus bewusst, dass im Fall von Ingrid P. zunehmende soziale Kälte ein Teil der Fallproblematik ist, aber nicht allein eine Rolle spielt. So merkt Toby Areschin an: „Bei dieser ,armen‘ alten Dame handelt es sich eher um eine Sache des Prinzips, denn der sozialen Kälte unseres Systems.“ Tatsächlich ist Ingrid P., wie sie der HAZ berichtete, zwar obdachlos, aber nicht bettelarm. Sie hat Geld für die Parkscheine, sie duscht täglich im Bahnhof, vermutlich gegen eine kleine Gebühr im öffentlich Sanitärbereich, und sie leistet sich täglich ein Frühstück mit Kaffee und Brötchen – ohne Butter. „Ich bin ja Diabetikerin“, sagt sie selbst zur Erklärung.

    Der Standort von Ingrid P. – er soll nicht angegeben werden
    Viele Leser fragen in der Facebook-Diskussion nach dem genauen Standort, an dem Ingrid P. ihre Clio parkt. Offensichtlich wollen die Kommentatoren Ingrid P. gezielt Hilfe zukommen lassen. Die HAZ allerdings hat in ihrem Bericht Ort und Adresse nicht genannt und dafür gesorgt, dass er auch in der Facebook-Diskussion der Leser nicht auftaucht. Denn dem Impuls, der Seniorin helfen zu wollen, steht höherwertig der Schutz ihrer Privatsphäre entgegen, selbst wenn diese auf einen Kleinwagen auf einem Parkplatz beschränkt ist.“

    https://www.haz.de/Hannover/Aus-der-Stadt/Obdachlos-im-Kleinwagen-So-diskutieren-die-Leser-ueber-den-Fall-Ingrid-P

  4. @ wen es interessiert

    Da hier heute nicht viel los zu sein scheint, hier ein teilweise OT Hinweis. Besonders hier wahrscheinlich unterrepräsentierten Reggae-Fans, aber auch dem Rest möchte ich die Musik und auch die Texte von Tiken Jah Fakoly nahe bringen. Er ist Globalisierungsgegner, setzt sich gegen die Beschneidung weiblicher Genitalien ein („Non à la l’Excision“). Der gebürtige Elfenbeinküstler lebt aus Furcht vor Morddrohungen in Mali. Ich sehe zwar die Überbevölkerung als das eigentliche Problem Afrikas, muss aber das vor allem von Frankreich betriebene Ausbeutungssystem ebenfalls anerkennen.

    Youtube „Plus rien ne m’étonnes“. Viel Spass. Und ein wenig die Hüften bewegen.

  5. @StopMerkelregime

    Die Südtiroler sind keine Separatisten, sondern Österreicher, die gezwungen sind unter italienischer Herrschaft zu leben. Und das einer ach so freien und demokratischen EU. Sicherlich würde Italien nicht durch ein Ausscheiden Südtirols aus dem Italienischen Staatsgebiet zerstört.

  6. Zusatz: Fakoly wird hier natürlich nicht gespielt als Anti-Transatlantiker mit politischen Texten. Ich bin durch eine Dokumentation von Al Jazeera auf ihn aufmerksam geworden.

  7. @Barackler 17. November 2019 at 15:12
    StopMerkelregime 17. November 2019 at 14:28

    Ganz so einfach ist das nicht. Beispielsweise erfüllen die Basken (auch in Frankreich) alle Voraussetzungen für das Anrecht auf einen eigenen Staat. Eigene Sprache (krass erfüllt), nachvollziehbarer historischer Lebensraum, kulturelle Eigenheiten etc.

    Ob es letztendlich besonders schlau wäre, einen eigenen Staat zu gründen, steht auf einem anderen Blatt. Aber damit haben Sie recht, der spanische Staat wäre zerstört.

    _____

    Ich versteh auch kein Plattdeutsch und Schwaben könne ALLES außer Hochdeutsch.

    In der Schweiz werden sogar 4 Sprachen gesprochen und sie haben keine Probleme miteinander.

  8. Heuchlerisch?
    Mag sein – aber verglichen mit der absolut elenden, erbärmlichen BRD-Politik bez. den deutschen Ostgebieten wirkt die Südtirolpolitik Österreichs noch überaus patriotisch!

  9. @ StopMerkelregime 17. November 2019 at 16:09

    Plattdeutsch oder Schwäbisch sind hier keine geeigneten Vergleiche. Baskisch ist von Spanisch weiter entfernt als Chuck Norris von Pippi Langstrumpf. Der Vergleich mit der Schweiz taugt schon eher. Zumindest was die Sprache anbelangt. Aber die Geschichte ist völlig unterschiedlich. In Spanien gab es einen blutigen Bürgerkrieg (zum Einstieg: Ernest Hemingway „Wem die Stunde schlägt“). Ich habe einen betagten Basken kennen gelernt, der mir glaubhaft schilderte, wie er von Franquistas als 16-Jähriger gefoltert wurde. In der Schweiz wäre ihm das wohl eher nicht passiert.

  10. Österreichs Südtirolpolitik war immer verlogen, so wie die ganze österreichische Politik. Der Österreicher macht aus Beethoven einen Österreicher, aus Hitler einen Deutschen. Damit ist alles erklärt.
    Die Südtiroler hatten eine Chance, sich von Italien zu lösen. Als die Grenzen in Europa nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und dem Krepieren der DDR neu gezogen wurden und auch Kunststaaten wie „Jugoslawien“ oder die „Tschechoslowakei“ zerbrachen.
    Die Südtiroler wollten aber nicht, untewrnahmen nicht die geringste Anstrengung dazu. Aus gutem Grund: Sie leben als Italiener ganz hervorragend mit der Autonomie-Lösung, die sie erstritten haben. der Beweis: es ist die einzige deutsche Volksgruppe, die wächst!
    Was wäre auch ihr Vorteil? Einen Drecksstaat gegen einen anderen einzutauschen? Was sollt ihnen das bringen? Es ändert nichts: Bei einem Anschluß an Österreich würden sie genau so mit Negern geflutet werden (man sehe sich mal in Bozen um oder Meran) wie jetzt unter den Italienern. Jetzt genießen sie steuerliche Vorteile, in Österreich wäre das nicht so.
    Sie wollen daher lieber Italiener bleiben.

  11. Sowohl die Anzahl, wie auch die Inhalte der Kommentare zum Thema Südtirol zeigt, wie wenig die meisten mit der Tragödie „Südtirol“ anfangen können.

    Zunächst: Südtirol wurde schlichtweg geraubt, von der Entente den Italienern als Beute für deren Eintritt deren Seite versprochen, zementiert durch den Vertrag von St.. Germain.

    Nebenbei: Mit den Italienern hatten die Deutschen und Österreicher im letzten Jahrhundert allgemein nicht sehr viel Glück 😉

    Schlimme Jahre folgten: Es folgten Italienisierung und konsequente Umsiedlungspolitik (na, dämmerts?, woran erinnert das wohl?), um den deutsch – öseterreichischen Charakter auszumerzen, was die Bevölkerung zum Erhalt ihrer Kultur und Eigenart in den Untergrund trieb.

    Autonomieabkommen, Schengener Abkommen und „Europaregion Tirol – Südtirol – Trentino“ verwischen lediglich ein himmelschreiendes Unrecht, das so in Europa nicht weiter bestehen hätte dürfen.

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