"Da bin ich nun, im Thüringer Landtag"

Aus dem Tagebuch einer Abgeordneten

Von NADINE HOFFMANN | Da bin ich nun, im Thüringer Landtag, in der letzten Reihe der AfD-Fraktion sitzend, zwischen unserem Alterspräsidenten – man, muss das die Linken gewurmt haben – und dem Dieter aus Gera, der immerhin im Rennen um das Oberbürgermeisteramt in die Stichwahl kam. Ein guter Platz, von hier aus behalte ich den Überblick. Gut, genau gegenüber sitzen die Linken und irgendwie schauen die immer giftig zu uns rüber.

Vielleicht haben die keinen Sex, das erklärte einiges. Manche sehen so aus, als seien sie mal eben kurz vor Neun aus dem Bett gefallen und haben sich weder waschen noch anziehen können oder wollen und sind dann gutmenschlich, aber muffelnd, in das hohe Parlament einmarschiert. Selbstgerecht und von einer irrwitzigen Spießigkeit durchdrungen, die aus jeder Pore trieft. Sie müssen mal live zusehen, die lachen nie.

„Wohl fühle ich mich“

Neben uns sitzt die dezimierte CDU, ihr Vorsitzender scheint sich gerne zu präsentieren, ist aber ansonsten uninteressant. Wichtiger sind die Mitglieder, die über Realitätssinn verfügen, und ja, es gibt sie noch.

Wohl fühle ich mich. An die Gepflogenheiten, die Abläufe und Routine muss ich mich erst gewöhnen, schließlich komme ich nicht aus einem Politikstudium, sondern frisch von der Arbeit. Apropos. Heute ist erstes und morgen zweites Arbeitsplenum, und mein erster Einsatz als Schriftführer vorne im Sitzungsvorstand steht bevor. Neben Dorothea Marx von der SPD, der man einen Vizepräsidentenposten zugeschanzt hat aufgrund der Änderung der Geschäftsordnung des Landtags, der die neue nationale Front zustimmte. Man sorgt ja untereinander füreinander.

Unsere Kandidatin ist, inzwischen, zweimal nicht gewählt worden.

Völlig destruktive Spielchen auf Steuerzahlerkosten, aber was schert’s die Musterdemokraten.

Ramelows primitiver Populismus gegen die AfD

Es hat ein bisschen was von einer Kampfarena. Wahlweise eines Showtribunals, hört man dem geschäftsführenden Ministerpräsidenten Ramelow am zweiten Tag so zu, wie er in seiner Regierungserklärung in immer tiefere Gefilde des primitiven Populismus gegen die AfD eintaucht und sich drin suhlt und planscht. Sind ja auch reichlich Kameras da und die Tribüne oben ist voll besetzt. Da muss man protzen und posaunen. Er gibt sich präsidial, das Reden hat man ihm erfolgreich beigebracht, aber unter uns, dieser Politiker vom Typus Stasiaktenträger Schrägstrich Kohleverkäufer ist Thüringens (geschäftsführender) Ministerpräsident? Die Ansprüche sind scheinbar gesunken.

Auf die anwesenden Kleinparteien will ich nur insofern eingehen, als dass die Grünen schon eine lustige Truppe sind, die sichtlich von sich selbst ergriffen den kurz bevor stehenden Weltuntergang beschwört wie eine Sekte. Armageddon in Erfurt, zu dumm, dass es ausgerechnet an diesem Abend schneite, als man die Apokalypse so schön herbei halluzinierte. Übrigens, wer an dieser Stelle den Stream anschaute und einen ironischen Zwischenruf bemerkte, das war ich. Ich konnte nicht mehr an mich halten.

Wer Linke ärgern will, sagt besonders freundlichen „Guten Morgen!“

Was bleibt ist unter anderem die Erkenntnis, dass die von Medien hoch geschriebenen und sich selbst für unfehlbar haltenden Altparteienakteure auch nur mit Wasser kochen. Manche vielleicht gar nicht. Das war mir vorher klar, aber man muss es auch fühlen, damit man es glaubt. Dass manche uns grüßen, manche nicht, nehme ich zur Kenntnis, mehr nicht. Wir sind ja nicht im Kindergarten. Wer Linke mal richtig ärgern will, sagt besonders freundlichen „Guten Morgen!“, wer sagt denn, dass solche Spielchen nicht auch Spaß machen können.

Es wird ein harter Weg, das ist mir, das ist uns klar. Aber wir tun es für die Sache. Das ist unser Vorteil. Noch halten die Linken und Grünen die Deutungshoheit in ihren Händen – aber nicht mehr lange!


(Nadine Hoffmann, geb. 1979 in Hildburghausen, ist Diplom-Biologin und wurde für die Landtagswahl in Thüringen auf Listenplatz 19 der AfD und als Direktkandidatin im Wahlkreis Hildburghausen I – Schmalkalden-Meiningen III aufgestellt. Mit einem Erststimmenergebnis von 29,0 Prozent zog sie am 27. Oktober 2019 als Direktkandidatin in den Thüringer Landtag ein)