Jährlich 30 Prozent Vermehrung der Raubtiere

Wölfe: Immer mehr Angriffe auf Schafe – und auch auf Menschen

Von MANFRED W. BLACK | Karl-Heinz Jahnke ist Schäfer. Über Wochen ist seine Herde immer wieder von Wölfen attackiert worden. Viele Schafe haben die Überfälle nicht überlebt. Das ist nur ein Beispiel. Weltweit wird der Wolf, der keine Gräser frisst, wieder zur Gefahr. Ebenfalls für Menschen.

Die Angst, dass seine Schafe ein weiteres Mal von Wölfen angegriffen werden, sitzt ihm stets im Nacken“, berichtet die lokale Tageszeitung AZ über den Schaftierhalter Jahnke. Mehrfach in letzter Zeit sind Tiere in der Herde Jahnkes gerissen worden, die etwa 350 Schafe umfasst. In Suderburg – im Kreis Uelzen (Niedersachsen). Die vorläufige Bilanz: 32 tote Schafe. Und etliche schwer verletzte Tiere, denen oftmals große Stücke Fleisches aus dem Leib gerissen worden sind. Ob diese Schafe überleben werden, ist mehr als ungewiss. Die Fotografin Anne Friesenborg (Landkreis Celle) von der Bürgerinitiative „Wolfsfreie Dörfer“ sagte kürzlich der AZ: „Ein aufgerissener Leib, aus denen die Lämmer-Föten herausschauen – das ist ein grauenvoller Anblick.“

Schafherden werden immer wieder und immer öfter Opfer von erbarmungslosen Wolfsattacken, die den Züchtern auch psychisch zunehmend zusetzen. „Ich kann nicht mehr richtig schlafen. Ich bin erst beruhigt, wenn ich morgens meine Herde kontrolliert habe und sehe: Es ist alles gut gegangen“, erzählt der 56-jährige Schäfer Jahnke. So wie ihm geht es sehr vielen Schaftierhaltern in Deutschland.

Oft im Blutrausch: Wölfe fressen keine Gräser – sie bedrohen viele Schäfer-Existenzen

Die Verluste an Tieren haben für Karl-Heinz Jahnke, der mit seiner Schafherde ohnehin keine großen Jahresgewinne macht, erhebliche finanzielle Folgen, die auf Dauer seine berufliche Existenz bedrohen. Um das Schlimmste zu verhüten, schiebt Jahnke nun regelmäßig Nachtwachen. Abwechselnd mit einem Freund. „Neulich bin ich um 1.30 Uhr morgens hingefahren und habe stundenlang auf die Tiere aufgepasst“, schildert er. Wenn er vor Ort war, passierte seiner Herde – bisher – nichts. Denn dann wittern ihn die Raubtiere – und halten Abstand. Freilich kann Jahnke nicht ständig auch nächtens bei seinen Schafen sein. Die nächtlichen Einsätze gehen „an die Substanz“ (AZ).

Wölfe überfallen immer frecher Herden mit Schafen, Lämmern, Kälbern, Rindern oder Fohlen. Oft in der Dämmerung. Aber immer häufiger auch am hellichten Tag. Die gefährlichen Wolfsrudel haben längst gelernt, auch größere Herden zugleich von mehreren Seiten anzugreifen. Folge: Selbst attackierte Kühe oder Pferde geraten auf Weiden schnell in Panik, durchbrechen in ihrer Angst um ihr Leben die Umzäunungen und versuchen zu fliehen. Nicht wenige dieser großen Weidetiere wurden anschließend nie wieder gesehen.

Ganz zu schweigen von Schafsherden. Bei einem einzigen Angriff tötet ein einziger Wolf im Blutrausch meist mehrere ausgewachsene Schafe – oder Lämmer. Einzelne Tiere werden gefressen. Oder zunächst verschleppt. Oft als Nahrung für die Wolfswelpen, die keine Gräser fressen. Die Raubtiere haben auf ihren Raubzügen längst gemerkt, dass sie den Menschen als gefährlichen Feind nicht mehr zu fürchten haben.

Nicht selten ließen sich Wolfsrudel selbst von Schäfern – bewaffnet mit dem klassischen Schäferstock und begleitet von Hütehunden, Herden-Schutzhunden oder Herde-Schutzeseln – nicht mehr als hundert Meter weit von einer Wiese vertreiben. Besonders weibliche Schäfer haben auch tagsüber Angst vor aggressiven Wölfen.

EU-Recht stellt Wölfe unter strengen Artenschutz

Zahlreiche Wolf-Schützer behaupten immer wieder, Schäfer könnten ihre Herden durch Maschendrahtzäune schützen. Darüber können Schäfer nur noch lachen – oder weinen. Selbst 1,80 Meter hohe Zäune überspringt ein trainierter Wolf. Und auch Elektrozäune werden durch diese Raubtiere mit großen Sprüngen immer häufiger überwunden – oder untergraben.

Schäfer, die mit ihren Tieren in größeren Regionen auf Wanderschaft sind und deshalb häufig ihre Weideplätze wechseln, müssen mit großem zeitlichen und finanziellen Aufwand die neuen Weidegründe immer wieder neu umzäunen. Beliebig erhöht werden können die Zaun-Netze nicht. Sie sind schon in der bisher üblichen Höhe schwer und verhaken sich beim Umzug der Herde allzu oft im Gras oder auch im Feld.

Weil der Wolf nach EU-Recht unter strengem Artenschutz steht, ist es in der Regel strikt verboten, auf ihn zu schießen oder ihn auf andere Weise zu töten. Und natürliche Feinde – unter anderen Tieren – gibt es für erwachsene Wölfe zumindest in Westeuropa nicht mehr.

Weltweit: Wölfe töten auch Menschen

Die überregionalen Medien berichten kaum oder gar nicht kritisch über den Wolf, der immer weiter und immer angriffslustiger in die Kulturlandschaften Deutschlands eindringt. Selbst in Vororten von Großstädten wie Hamburg ist er bereits des Öfteren gesichtet worden. Wenn der Medien-Mainstream und linke Naturschützer heutzutage über die Wolfs-Thematik berichten, werden diese Tiere, die es Jahrhunderte in deutschen Landen nicht mehr gegeben hat, hartnäckig verharmlost und oft sogar grotesk verniedlicht.

So wird Menschen, die im Wald oder auf Wiesen auf das Raubtier treffen, von Wolf-Schützern etwa des Naturschutzbunds Deutschland (NABU) großmundig geraten, stehen zu bleiben und laut zu rufen oder in die Hände zu klatschen. Dann, so heißt es, würden die Tiere mit hoher Wahrscheinlichkeit das Weite suchen. Das wird wider besseres Wissen behauptet.

Denn es hat auch in den letzten Jahren in Europa etliche Angriffe auf Menschen gegeben. Zum Beispiel in Polen. In Griechenland wurde eine britische Touristin angefallen – und auf grauenvolle Weise von Wölfen gefressen. In Israel haben Wüsten-Wolfe (Gattung: „Arabische Wölfe“) häufig schon insbesondere kleine Kinder überfallen. In Indien – so informierte die Zeit vor ein paar Jahren, die insgesamt eigentlich als wolfsfreundlich gilt – sind beispielsweise von 1980 bis 2000 allein in drei Bundesstaaten 273 Kinder von Wölfen getötet worden.

Immer mehr Wolfsüberfälle auch in Deutschland

In Thüringen wurden 2018 nach offiziellen Angaben noch 28 „Übergriffe“ auf 70 Tiere gezählt, darunter 47 Schafe und 16 Ziegen. Im Jahr 2019 haben sich diese Zahlen in diesem Bundesland nach Angaben des Landesamts für Umwelt, Bergbau und Naturschutz bereits enorm gesteigert: Von Januar bis „in die ersten Novemberhälfte 2019 hat der Wolf mindestens rund 140 Schafe und Ziegen, vereinzelt auch Kälber und Fohlen“ (tag.24.de) gerissen.

„Bundesweit leben nach den Zahlen der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes für den Wolf aktuell 78 bestätigte Rudel, 9 Paare und 12 territoriale Einzeltiere“ (Nordkurier). Die Zahl der Wölfe wird von Jäger-Verbänden heute auf etwa 1300 geschätzt, die meisten davon leben in Brandenburg, Sachsen und Niedersachsen. Von einer bedrohten Tierart kann also nicht Rede sein. Denn diese Wölfe haben sich in den letzten Jahren jährlich um rund 30 Prozent vermehrt.

Die Zahl der Angriffe von Wölfen auf Nutztiere hat Jahr für Jahr auch insgesamt in Deutschland deutlich zugenommen. Laut einem Bericht der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes (DBBW) gab es 2018 nach vorsichtigen Schätzungen bundesweit 639 gemeldete Wolfs-„Übergriffe“. Sogar der NDR, der sonst immer wieder gern behauptet, Wölfe gehörten zu deutschen Wiesen, Feldern und Wäldern, berichtete: „Deutschlandweit wurden insgesamt 2067 Nutztiere – darunter 1656 Schafe – getötet, verletzt oder anschließend vermisst.“ Das ist im Vergleich zu 2017 eine Steigerung um 35 Prozent.

Die echten Opfer-Zahlen dürften noch höher liegen. Das sagen Schäfer, Bauern und Jäger immer wieder. Häufig erklären Gutachter von den zuständigen Landesämtern oder aus den „Wolf-Büros“ – die ganz überwiegend als ausgesprochen wolfsaffin gelten – nach Wolfsrissen, sie könnten angeblich nicht mit Sicherheit sagen, ob es sich bei den Angriffen um Wölfe, „Hybrid-Wölfe“ oder um „frei“ herum laufende Hunde handelt. In diesen vermeintlichen Zweifelsfällen fließen die Attacken zum großen Ärger der betroffenen Tierhalter nicht in die Wolfs-Statistiken ein.

Schäfer, Bauern und Jäger empören sich auf Versammlungen immer lauter darüber, dass sich Wölfe de facto zumindest außerhalb von Ortschaften völlig frei bewegen dürfen, während große Hunde an der Leine – und zumeist mit einem Maulkorb – geführt werden müssen. Artenschutz dürfe es keineswegs nur für den Wolf geben. Sondern auch für Schafe, Lämmer, Kälber oder Fohlen. Und ebenfalls für Menschen.