Elite ohne Empathie

Die arrogante Ignoranz der „Shutdown“-Verfechter

Von WOLFGANG HÜBNER | Ich bin weder Virologe noch verantwortlicher Politiker. Aber aufgrund von Lebens- und Politikerfahrung würde ich mich als Realisten mit Bodenhaftung bezeichnen. In dieser Eigenschaft fällt mir von Tag zu Tag in dieser merkwürdigen Zeit mehr auf, wie wenig, ja geradezu ignorant und arrogant sich die zahlreichen Verfechter einer immer weiter verlängerten sozialen und wirtschaftlichen Auszeit samt Maskenzwang, Grundrechtseinschränkungen etc. mit den massiven Folgen für viele Millionen Menschen, ja für die gesamte Nation auseinandersetzen. Ich wage ohne großes Risiko die Voraussage: Das wird sich bitter rächen.

Die Zahl der Kurzarbeiter steigt in schwindelerregende Höhen, damit auch die Zahl derer, die Einkommensverluste erleiden; ganze Branchen wie zum Beispiel die Gastronomie, das Hotelgewerbe, die Touristikindustrie oder Kultur und Sport sind existenziell gefährdet, damit aber auch Millionen oft hochqualifizierte Arbeitsplätze von Menschen, die Mieten bezahlen, Kredite bedienen, Partner und Kinder versorgen müssen; Eltern und Alleinerziehende, die von Kitas und Schulen seit etlichen Wochen allein gelassen sind mit ihren Problemen in oft kleinen Wohnungen; Alte und Kranke, die in Heimen ohne liebevollen Beistand seelisch verkümmern.

Und da rede ich noch gar nicht von all den traumatisierten, zutiefst verunsicherten und verängstigten Mitmenschen, die nun die Straßenseite wechseln, wenn ich demonstrativ ohne Maske meinen täglichen Spaziergang durchs Viertel oder einen Park mache. Die menschenverachtende Parole von der angeblichen Notwendigkeit der „Sozialen Distanzierung“ ist eine Saat, deren „Früchte“ noch lange nach der Beendigung des akuten „Shutdowns“ unser gesellschaftliches Leben vergiften und spalten werden. Denn das wird leider so sein: Diejenigen, ob jung oder alt, die diese Gegenwart erleben, werden sich nie wieder so unbefangen begegnen können wie vor dem März 2020!

Unwille und Unfähigkeit zur Empathie

All das und noch viel mehr müsste auch jenen bemerkbar sein, die in der Politik, den öffentlichen, privaten oder sozialen Medien sowie den gesellschaftlichen Institutionen Woche um Woche vor einer zu schnellen Rückkehr in die Normalität warnen, die es langfristig ohnehin nur noch in  verkrampfter Weise geben wird. Es mag Gründe geben, vor dieser Rückkehr zu warnen. Allerdings müssten diese Gründe jetzt immer belegbarer und transparenter präsentiert werden. Wo ist das der Fall? Und wo finden kontroverse öffentliche bzw. öffentlich verfolgbare Diskussionen über Sinn und Unsinn der Beschränkungen, von Strafen wie Bußgeldern in Deutschland statt? Schon daran mangelt es in einer Weise, die  schlicht demokratiefeindlich ist.

Was jedoch noch schwerer wiegt, ist die skandalöse Unfähigkeit oder auch der geradezu zynische Unwille zur Empathie mit den unzähligen Menschen, die von den Folgen des „Shutdowns“ in tiefe existenzielle Sorgen getrieben werden. Wo ist die Bundeskanzlerin, wo der Bundespräsident, wo sind in den 16 Bundesländern die Ministerpräsidenten, wo die Bürgermeister, wo die  Gewerkschaftsvorsitzenden, wo die Amtskirchenoberhäupter, wo die Kulturrepräsentanten – wo sind sie alle, um sich an jedem einzelnen Tag in diesen Corona-Wochen mit den Problemen und Ängsten zu konfrontieren, ja, sie überhaupt wahrzunehmen?

Jeder aus dieser „Elite“, der das faktisch verweigert oder sich davor drückt – mit welchen Begründungen auch immer -, hat das moralische Recht verloren, in dieser herausgehobenen Stellung zu sein. Wer in einer grundgesetzlich definierten Demokratie weite Teile des Volkes unter Androhung von Strafen in unbefristete Haft nimmt, ist jeden Tag nicht nur erklärungspflichtig, sondern auch empathiepflichtig. Wer das nicht ist oder sein will, dessen Lust an der Macht wird vor der Bereitschaft zum Machtmissbrauch niemals zurückschrecken. Muss ich wirklich Namen nennen?


Hübner auf der Buch-
messe 2017 in Frankfurt.

PI-NEWS-Autor Wolfgang Hübner schreibt seit vielen Jahren für diesen Blog, vornehmlich zu den Themen Linksfaschismus, Islamisierung Deutschlands und Meinungsfreiheit. Der langjährige Stadtverordnete und Fraktionsvorsitzende der „Bürger für Frankfurt“ (BFF) legte zum Ende des Oktobers 2016 sein Mandat im Frankfurter Römer nieder. Der leidenschaftliche Radfahrer ist über seine Facebook-Seite erreichbar.