Am Mittwoch findet wegen Corona erstmals eine virtuelle Hauptversammlung der Deutschen Bank statt (auf dem Foto: Bankchef Christian Sewing).

Von DR. VIKTOR HEESE | Die diesjährige Hauptversammlung der Deutschen Bank am 20. Mai sollte unspektakulär verlaufen, nicht nur deswegen, weil sie erstmals virtuell abgehalten wird. Der ausgeknockte Ex-Global-Player wird Dividendenausfall, strenges Kostenmanagement und kleine Erfolgsfortschritte auf seinem dornigen Sanierungsweg ankündigen. Ein Appell um Staatshilfe, Androhung von Arbeitsplatzgefahr und Warnungen vor neuem Finanzcrash dürfte nicht laut zu hören sein. In der Corona-Zeit, wenn viele die Gunst der Stunde nutzen, um an Altmaiers Töpfe zu kommen, ist so etwas ungewöhnlich. Würde man doch dem Intensivpatienten noch am ehesten eine alarmierende Notlage abkaufen. Warum scheint der gefallene Titan gegen  Corona „immun“ zu sein?

„Sündenbewältigung“, Nachrichtenimmunität, Reue und Geduld bestimmen den Geschäftsalltag

Die Jubilarin, die in diesem Jahr ihr 150. Gründungsjahr feiert, hat ihren Fall dem eigenen Größenwahn und der Dummheit der Anleger zu verdanken. Die Gründe sind schnell genannt: rücksichtslose Renditejagd (Ackermanns berühmte 25 Prozent), maßlose Expansion im Profitparadies USA, Täuschung der gierigen Aktionäre mit Anglizismen und Geschichten vom Segen der New Economy, Papiertiger-Status der Aufsicht BaFin und letztendlich die Installierung von Rettungsschirmen für den Fall, wenn alles schief geht (Motto: Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren). Von diesen Altsünden haben sich die Frankfurter mangels Spielgeldes verabschiedet. Hochmut kommt vor dem Fall.

Der Aktienkurs liegt aktuell unter sechs Euro (93 Prozent Verlust vom Allzeithoch). Andere „Untergangskennzahlen“ sehen genauso schlimm aus (siehe Grafik unten). Dennoch: Die Bank verfügt immerhin noch über 57 Milliarden Euro Eigenkapital, mehr als die Aufsicht verlangt. Stimmt diese Zahl, sind es bei zwei Milliarden Aktien immerhin 28 Euro je Aktie. Der Kurs wäre hiernach viermal unterbewertet. Den Zahlen wird also wegen angeblicher Leichen im Keller kräftig misstraut, wenngleich die Börse oftmals auch “nach unten“ übertreibt. Wer einmal lügt….

Wie dem auch sei: bei schrumpfendem Geschäft – Umsatz, Bilanzsumme und Beschäftigung fallen regulär – und einem sukzessiven Ausstieg aus dem Investment-Banking ist trotz theoretischer Corona-Megagefahren kein Untergang zu befürchten. Die Bank hat das Schlimmste hinter sich. Zudem hat sie wenig Geld an deutsche Kleinbetriebe verliehen, die jetzt Corona-bedingt abgeschrieben werden müssten. 

Der „traditionelle“ Kapitalmarkt gibt der Bank heute wieder Geld

So pendelt der Aktienkurs seit zwei Jahren im Intervall zwischen sechs und zehn Euro, trotz eines Dauerbeschusses mit negativen Nachrichten (zuletzt wegen Fehlmanagement der US-Notenbank Fed) und der Herabstufung von Analysten. „Ist der Ruf mal ruiniert…“. Auch für die spekulativen Hedgefonds (Cerberus & Co.) ist der Finanzkonzern mittlerweile uninteressant geworden, weil er keine wertvollen Beteiligungen mehr besitzt. Hin und wieder wird mit Leerverkäufen in der Aktie gezockt. Das ist nicht existenzbedrohend, weil die Spekulanten sich oft verzocken und das Beispiel Deutsche Börse belegt, dass ein solches Treiben langfristig nachlässt, falls „nichts mehr zu holen ist“. Im Verlaufe der Jahrzehnte hat die Bank das ganze Tafelsilber verpulvert, zuletzt mit dem Börsengang der Fondstochter DWS.

Grafik: Der Aktienkurs der Deutschen Bank liegt aktuell unter sechs Euro (93 Prozent Verlust vom Allzeithoch).

Wie gesagt, die schlimmsten Jahre und Prozesse in den USA sind vorbei. So überrascht die Tatsache nicht, dass das Institut sich am seriösen Kapitalmarkt gegenwärtig problemlos refinanzieren kann. Auch am Schulden-Rating „Aaa“ von Moody ist nichts auszusetzen.

Altmaiers Hilfen, eine „Halbverstaatlichung“ und die SPD als Kontrolleur will keiner haben

Den Leser wundert dagegen etwas anderes. Die Bank will kein Geld vom Staat, wenngleich sie den Spruch vor großer „Corona-Angst“ pflichtgemäß nachplappert.

Eine Ablehnung wird zwar nicht zuletzt am Salär-Schnitt liegen, das bei Staatshilfe massiv beschränkt wird. Bankchef Christian Sewing, der das nicht allein entscheiden darf, verdiente 2019 immerhin noch fünf Millionen Euro, obwohl die Bank einen Verlust von über 5,4 Milliarden Euro einfuhr. Das ist zwar weiter eine bodenlose Farce, aber für die deutsche Wirtschaft immer noch besser, als wenn der Staat über den Sitz im Aufsichtsrat eine Chance zur „Politisierung“ des Bankgeschäftes bekommt.

Dann hätten wir sehr schnell bevorzugte Kreditvergaben an grüne und ökologische Unternehmen und Vorhaben zu befürchten. Das, was jetzt von der Koppelung der Staatshilfen (casus Lufthansa) an Öko- und wohl bald auch politischen Bedingungen zu hören ist, ist ein klares Warnsignal.

Vorschlag: Ex-Global Player sollte bald wieder „deutsch“ werden

Wer den 517 Seiten starken 2019er Geschäftsbericht des Ex-Superstars und seine verbliebenen Weltaktivitäten (Nr. 1 im Devisenhandel) unter die Lupe nimmt, muss fragen, ob hier der versprochene Schrumpfungsprozess ins Stocken geraten ist. Auch ein geschulter deutscher Aktionär versteht das nach der Internationalen Rechnungslegung (IFRS) verfasste Zahlenwerk kaum. Mehr „deutsch“ für den Kunden und den Anleger zu werden und mehr Kredite an Mittel- uns Kleinunternehmen zu vergeben, könnte nicht schaden.

Fazit

Welche Stichworte fallen uns sofort bei der Deutschen Bank ein? Vom Global Player zum Bankrotteur, faule Bilanzen, langer Abschied vom Investmentbanking, Dauersanierung, Gesundschrumpfung voll im Gange, massiver Job-Abbau, Deutsche Bank kaum noch „deutsch“, nicht das größte Sorgenkind in der Corona-Krise. Und last but not least: Totgesagte leben länger.


Dr. Viktor Heese.

Dr. Viktor Heese ist Dozent und Fachbuchautor. Spezialisiert hat er sich auf dem Gebiet der Börsen und Banken. Für Börsenanfänger hat er das Buch „Fundamental- versus Charttheorie. Methoden der Aktienbewertung im Vergleich“ (Springer 2015) verfasst. Er betreibt die Blogs prawda24.com und finanzer.eu und gibt den Börsenbrief „Der Zinsdetektiv“ heraus. Heese kommt aus Masuren und lebt seit über 40 Jahren in Köln. Kontakt: heese1@t-online.de.

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9 KOMMENTARE

  1. ++ CDU macht Linksradikale ohne Qualifikation zur Verfassungsrichterin! ++

    Noch offensichtlicher kann man einen Bock wohl kaum zum Gärtner machen: Die Linken-Politikerin Barbara Borchardt, die selbst Mitglied der linksextremen und vom Verfassungsschutz beobachteten „Antikapitalistischen Linken“ in Mecklenburg-Vorpommern ist, wurde als Landesverfassungsrichterin gewählt – mit den Stimmen der dortigen CDU-Abgeordneten. Nachdem sie im ersten Wahlgang die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit zunächst wegen der ablehnenden Ablehnung von CDU und AfD verfehlte, knickte die CDU ein und verhalf der linksradikalen Ideologin im zweiten Anlauf doch noch in das einflussreiche Amt. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) hatte offenbar mit dem Bruch der schwarz-roten Koalition gedroht.

    Übrigens ist Borchardt auch keine Volljuristin und verfügt somit nicht über die Befähigung zum Richteramt. Dennoch hat die CDU offenbar keine größeren Probleme damit, linksradikale Politiker in höchste Positionen zu bringen. Das passt ins Bild, nachdem die Union schon vor Monaten die Wahl des Linken-Politikers Bodo Ramelow zum Thüringer Ministerpräsidenten ermöglichte, der das SED-Regime noch immer nicht als Unrechtsstaat bezeichnen will. Für bürgerlich-konservative Wähler, die weiterhin Wert auf Distanz zum Linksextremismus legen, bleibt angesichts dieses Zustands der CDU nur noch die AfD als mögliche Wahloption.

    https://www.facebook.com/alternativefuerde/

  2. Glaubst du an den lieben Gott?
    Oder an Guevara?
    Ich glaube an die Deutsche Bank
    Denn die zahlt aus in bar ah
    Liebling, lass uns tanzen
    Hast du noch ’nen Pfefferminz
    ‚Nen Pfefferminz?

  3. …was ist charakterlich verottteter?
    …eine bank zu überfallen oder eine bank zu gründen?

  4. Bei der Bankenkrise 2008 lobte sich die Deutsche Bank dafür, dass sie keine Staatshilfen anfordern müsse.
    Das lag aber nur daran, weil sie vom Libor-Zins-Betrug profitierte.

  5. Ich bin ein ehemaliger Banker und kann noch rechnen.
    Die 57 Mrd EK der DB stimmen hinten und vorne nicht und sind erstunken und erlogen. Bei 1.379.300.000 umlaufende Aktien und 6 Euro Börsenwert haben die Aktien einen Wert von etwa 8,5 Mrd Euro. Diese Bank hätte man schon längst feindlich übernommen und ausgeschlachtet. Gewinn über 45 Mrd. Das ich nicht lache. Also Hand aufs Herz wieviel EK hat die DB noch. Maximal den Bösenwert, sonst wäre der Aktienkurs weitaus höher. Die Totenglocken läuten bald.

  6. francomacorisano 18. Mai 2020 at 15:46
    Die Deutsche Bank ist in Wahrheit eine amerikanische Heuschrecke und das schon immer.

  7. Dann schon lieber HSBC WKN 923893;
    Buchwert ca. 9,20 US-$, bei 184 Mrd US-$ Eigenkapital und 20,6 Mrd Aktien, Kurs ca. 4,50 Euro;
    hier wird Quratalsdividende gezahlt, zuletzt 0,51 US-$, jetzt nur 0,30 wegen Corona, die Zeiten werden auch besser;

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