Wie auch immer die Zukunft der AfD aussehen wird - eine "Fähnchen im Wind"-Partei will wohl keiner...

Ist eine „sympathisch und gewinnend auftretende" AfD das Erfolgsrezept?

Abgrenzung für Deutschland

Von PETER M. MESSER | In der Printausgabe des SPIEGEL vom 23. Mai wurde die Machtübernahme der „Völkischen“ in der AfD an die Wand gemalt. Kurz darauf wünschte sich Dieter Stein in der JUNGEN FREIHEIT eine „sympathisch und gewinnend“ auftretende AfD nach erfolgreicher Distanzierung gegen Rechtsaußen. Zu beidem eine kurze Anmerkung.

Jedem Versuch, sich von dem Vorwurf des „Völkischen“ reinzuwaschen, kann sich die AfD schon deshalb sparen, weil der Begriff des „Völkischen“ kein Kernbegriff des politischen Gegners ist, mit dem er seinen Feind bestimmt. Die Kernbegriffe sind vielmehr „Abgrenzung“ und „Ausgrenzung“. Die Grenze in allen ihren Erscheinungsformen ist der Feind schlechthin, und damit auch jegliche feste Struktur. Das „Völkische“ ist hier nur eine geschichtlich besonders gruselaffine Abgrenzungsform.

Selbst wenn die AfD in einer fairen Diskussion einen klar bestimmten Vorwurf des „Völkischen“ widerlegen könnte, bliebe es dabei, dass ihre Politik voll von Abgrenzungen (von Nation, Volksvermögen usw.) ist und dadurch immer eine Gemeinsamkeit mit „völkischen“ Positionen konstruierbar wäre – und so in der Begriffshandhabung der Gegenseite zu solchen Positionen führen könnte. Solche Ähnlichkeiten und Überführbarkeiten reichen bei den Feinden jeder Abgrenzung völlig aus, um eine Sache mit einer anderen gleichzusetzen, so dass man doch wieder dem Vorwurf des „Völkischen“ ausgesetzt wäre. Man kann auf den Versuch also verzichten.

Stattdessen sollte man endlich den eigentlichen und flügelübergreifenden Kern der eigenen Politik akzeptieren: Eine „Alternative für Deutschland“ zu sein heißt Abgrenzungsarbeit für Deutschland zu leisten, und damit auch für jeden einzelnen Deutschen. Egal ob es um den Schutz vor Massenmigration, Schuldenunion, gegen den Genderismus oder auch den Schutz der Freiheit des Einzelnen geht: im Kern geht es immer um die Aufrechterhaltung oder Wiederherstellung von Grenzen und Strukturen.

Als Grenzschützer ist man aber nicht nett und sympathisch (es sei denn aus Sicht der willentlich Geschützten). Man will ja andere vom Eigenen abwehren, nicht mit ihnen teilen und sich nicht dem Refugee empathisch öffnen.

Türsteher des eigenen Landes

Es gibt darum leider keine Grundlage für Dieter Steins Sehnsucht nach einer „sympathisch und gewinnend“ auftretenden AfD, die „einer Phantasie Raum gibt, die andere politische und gesellschaftlichen Mehrheiten vorbereitet.“ Das ist Rhetorik aus dem Kreativseminar. Stattdessen kommt es darauf an, Türsteher seines eigenen Landes und seines eigenen Lebens zu sein, und das setzt die Mentalität und am besten auch die Körperlichkeit eines Türstehers voraus. Dieter Steins „Unentschlossene“, für die ein „sympathisches und gewinnendes“ Auftreten der AfD entscheidend wäre, werden spätestens dann wieder abspringen, wenn ihnen der eigentliche Konflikt klar wird.

Das enthebt den angeblich „völkischen“ Flügel der AfD aber nicht aller Kritik. Eben wegen der Härte des realen politischen Konflikts zwischen Abgrenzern und Auflösern ist jedes Hantieren mit der deutschen Unheilsgeschichte nicht nur überflüssig. Es deutet vielmehr sogar auf eine mangelnde Konfliktfähigkeit hin, weil man sich und seine Interessen hinter einem hochglanzpolierten Deutschlandbild verstecken zu müssen glaubt.

Umgekehrt muss sich der liberal-konservative Flügel der Tatsache stellen, dass die Positionierung etwa gegen eine Schuldenunion oder für eine rationale Einwanderungspolitik die notwendige „Abgrenzungsenergie“ nicht alleine in sich selbst tragen, sondern der Stützung durch Nation und Volk als notwendiger Abgrenzungsfundamente bedürfen.

Nett und sympathisch wird es dabei in keinem Fall zugehen.