Es ist Mitternacht, BILD...

Ein Graf fegt durch Deutschland

Von PETER BARTELS | Das Beste kommt auch bei BILD neuerdings zum Schluss. Widerwillig. Immerhin. Diesmal sogar ein Graf, ein Brüderchen von Fürstin Gloria, direkt verwandt mit Prinz Philipp, dem greisen Gemahl der Queen: Alexander Graf von Schönburg-Glauchau. Jetzo eine Art Straßenfeger, der  „Deutschland“ den Marsch blasen durfte. Jedenfalls dem rot-grünen Merkel-Deutschland…

Ihro Gnaden Alexander von Schönburg (50) am Sonntag Abend um 23.51, BILD-Net: „Das große Reinemachen hat begonnen. Wer nicht mitmacht, ist verdächtig. Es reicht schon der kleinste Hinweis, dass irgendwas, irgendwer, irgendwann Anstoß erregen könnte, schon wirft sich der progressive Internet-Mob auf Straßennamen, Denkmäler, Gebäude, historische Figuren. Nicht um zu diskutieren, sondern um zu tilgen.“

Dann geht Thurn & Taxis-Glorias Bruder Alexander (vor knapp 51 Jahren in Mogadischu geboren; Papa Joachim sollte da für das Auswärtige Amt den Rundfunk aufbauen, später war er stellvertretender Chefredakteur einer Jagd-Postille), ins Detail:

– Die Berliner Fraktionschefin der Grünen, Antje Kapek (43), fordert, den Namen der Mohrenstraße in Berlin-Mitte zu ändern. Vielleicht in Möhrenstraße?

– Gegen J.?K. Rowling (54) und ihre Harry-Potter-Bücher wurde zum Boykott aufgerufen. Ihr Vergehen war, dass sie Frauen weiter „Frauen“ nennen will und nicht, wie angeblich genderpolitisch korrekt, „menstruierende Personen“.

  • In Kalifornien soll nun der John-Wayne-Flughafen in Orange County unbenannt werden, weil der berühmte Western-Held angeblich ein Rassist war.

Die Welt ist nicht genug

Um dann zu seufzen: „Bevor wir … weitere Statuen niederreißen, Comedy-Serien aus den 70er-Jahren und Filme wie „Vom Winde verweht“ im Giftschrank verschwinden lassen, sollten wir einmal kurz durchatmen. Das Problem an der neuen kulturellen Hygienekultur ist: Egal wie sehr wir schrubben, es wird uns nicht gelingen, eine blitzeblanke Welt zu erschaffen.“ Und sie wäre der Merkel-Meute ja auch nicht genug; nicht nur der Sand der Sahara würde unter den grün-roten Sozis bald knapp werden, auch der auf dem Mars…

Schließlich gestatten die Chefs um Julian Reichelt dem Grafen sogar einen Doppel-Seufzer:  „Die Welt ist nun einmal nicht perfekt … Wenn ich lange genug suche, finde ich … (übrigens auch bei Gandhi oder Nelson Mandela) einen Makel … Immer wenn wir Menschen mit dem Anspruch auftreten, eine perfekte Welt zu schaffen, endet das böse … Heute aber leben wir in der freiesten, besten, wohlhabendsten Gesellschaft, die es je gegeben hat…“

Und dann eine Mischung aus Konfuzius, Buddha, Marc Aurel: „Was unsere Gesellschaft so stark gemacht hat? Die Abkehr von Ideologie, die freie Debatte, das Kompromisse finden, das Aushalten Andersdenkender … Wir müssen auch Dinge ertragen, die uns belästigen, an denen wir uns reiben, über die wir streiten und über die wir debattieren können … Wir können nicht einfach alles, was uns stört, eliminieren.“

Das letzte Hemd und BILD …

„Abkehr von der Ideologie?“ …  „Freie Debatte??“ … „Aushalten Andersdenkender???“ Alexander der große Glatte!! Vom wolkenschiebenden Postboten Wagner bis zum „stolzen Linken“ Chefredakteur Reichelt: Mal sind die Bäcker, Maurer, Architekten, Ärzte von Pegida „dumpfe Deutsche“, mal die Millionen Wähler der AfD Nazis. „Ertragen“? … „Reiben“? … „Streiten“? … „Debattieren“? … „Eliminieren“ passt da schon besser, Herr Graf: Und willst Du nicht mein Bruder sein, so schlag ich Dir den Schädel ein … DAS ist die Journaille heute. Von der Süddeutschen Alpenpravda, bis zur krampfhaft juvenilen taz-FAZ, dem längst erloschenen stern, der ewig gestrigen ZEIT und … BILD. Das letzte Hemd hat keine Taschen … und BILD keine Leser mehr. Insofern ist es wurscht, ob „Schnacksel“-Glorias Brüderchen zur mitternächtlichen Geisterstunde mal ins Horn des Gesunden Menschenverstands tröten, den Journalisten von gestern mimen darf.

Geisterstund hat Gold im Mund?

Gestern sagte Günter Prinz, der wirklich erfolgreichste BILD-Chef aller Zeiten (netto sieben Millionen Käufer täglich), nach jedem Quartal: „Wir müssen mehr für junge Leser tun …“. Heute sagt Julian Reichelt, mit BILDtöter Kai Diekmann der wirklich erfolgloseste BILD-Chef aller Zeiten (netto 700.000 Käufer), wahrscheinlich ab und an: „Wir müssen mal wieder was für die Alten tun…“

Natürlich weiß der junge Mann (40), dass die um Mitternacht längst poofen … Nicht nur wegen der präsenilen Bettflucht im Morgengrauen, sondern weil sie das präpotente Gequatsche der jugendlichen Greise nicht mehr ertragen und längst weg sind … zu PI-NEWS, Jouwatch, Compact, Tichy’s, der Achse des Guten. Gerannt, geschlurft, gerollt. Und nie mehr wieder kommen!


Ex-BILD-Chef Peter Bartels.
Ex-BILD-Chef Peter Bartels.

PI-NEWS-Autor Peter Bartels war zusammen mit Hans-Hermann Tiedje zwischen 1989 und 1991 BILD-Chefredakteur. Davor war er daselbst über 17 Jahre Polizeireporter, Ressortleiter Unterhaltung, stellv. Chefredakteur, im “Sabbatjahr” entwickelte er als Chefredakteur ein TV- und ein Medizin-Magazin, löste dann Claus Jacobi als BILD-Chef ab; Schlagzeile nach dem Mauerfall: “Guten Morgen, Deutschland!”. Unter “Rambo” Tiedje und “Django” Bartels erreichte das Blatt eine Auflage von über fünf Millionen. Danach CR BURDA (SUPER-Zeitung), BAUER (REVUE), Familia Press, Wien (Täglich Alles). In seinem Buch “Die Wahrheit über den Niedergang einer großen Zeitung” (KOPP-Verlag) beschreibt Bartels, warum BILD bis 2016 rund 3,5 Mio seiner täglichen Käufer verlor. Kontakt: peterhbartels@gmx.de.