In Zeiten von Stuttgart wichtiger denn je...

OpenEyez – die kostenlose SOS-App für mehr Sicherheit

Neben mehreren Buchtipps auf PI-NEWS möchten wir heute eine App vorstellen, die beachtliches Potential besitzt und den Lesern einen ausgesprochenen Mehrwert für ihre Sicherheit bietet. Dazu ist sie vollkommen kostenlos und (noch) werbefrei.

Nach den Ereignissen in Stuttgart vom Wochenende ist klar, dass auch in Deutschland immer häufiger und intensiver die zivilisatorische Machtfrage gestellt werden wird, die Einschläge kommen jedenfalls näher. Es ist fraglich, inwiefern die Polizei dauerhaft ein Garant für die Körperliche Unversehrtheit und/oder das Eigentum der Bürger sein kann. Darum wird es in kommenden Zeiten immer wichtiger werden, dass aufrichtige und tapfere Bürger bereit sind, wahre Zivilcourage zu leisten.

OpenEyez – offene Augen – ist der Grundsatz, wie die App wirken soll.

Alle Nutzer in der Region erhalten eine Mitteilung, wenn ein Alarm ausgelöst wurde. Dabei wird der Standort des Opfers für die Dauer des Alarms präzise auf einer Karte angezeigt. In Echtzeit kann nun schon bereits der nahe Nachbar, Passant oder der Onkel eines verschwägerten Cousins dem Opfer zu Hilfe eilen oder anderweitig im Rahmen seiner Möglichkeiten helfen. Weiterhin ist es dem Opfer und den Nutzern möglich, weitere Informationen über einen integrierten Messenger an sämtliche Nutzer zu streuen.

Es handelt sich demnach im Grunde um den bewährten Ansatz „Vorsicht, wachsamer Nachbar“. Jeder achtet auf den anderen und schaut hin, wenn es Probleme gibt. Die Nutzer müssen sich demnach vorher nicht kennen.

Es ist also auch nicht sonderlich wichtig, wie viele Downloads die App bereits deutschlandweit hat, sondern wie sich Nachbarschaften, Wohnviertel, Gemeinden und Bekanntenkreise miteinander vernetzen.

Anders als in herkömmlichen Sicherheits-Apps wird das Opfer also nicht an einen kostenpflichtigen Sicherheitsdienst (meist mit teuren Abos) weitergeleitet, die dann auch nichts anderes machen als die Polizei zu rufen, sondern es wird an die Zivilcourage und den Zusammenhalt einer Community appelliert. Jeder Nutzer ist gleichzeitig Helfer, aber auch (hoffentlich nie) Opfer, der auf schnelle Hilfe angewiesen sein könnte.

Damit die App zu einer „Waffe“ wird, ist es immens wichtig, dass sie weiterempfohlen wird und eine Graswurzelbewegung entsteht.

Der geneigte PI-NEWS-Leser hat jetzt sicher schon eine Vorstellung, für welche Situationen sich OpenEyez eignen kann. Sei es das Mädchen, das gerade belästigt wird und nur kurz jemanden braucht, der vom Balkon herunterschreit oder ein Einbruch, bei der das ganze Viertel eventuell wichtige Hinweise auf Personen und Fahrzeuge geben kann. Kurzum, die App eignet sich für sämtliche Situationen mit Straftaten.

Weitere Features: In der App hat jeder Nutzer auch die Möglichkeit, bis zu fünf Bekannte aus seinem Telefonbuch bei einem Alarm per SMS verständigen zu lassen. Dies ist dann auch räumlich unabhängig vom eingestellten Radius.

Weiterhin haben die Entwickler noch die Rubrik „NoGO-Area“ in OpenEyez integriert. Hier kann jeder Örtlichkeiten markieren, die er für gefährlich hält und deshalb andere Nutzer vor dieser Gegend warnen möchte.

Nachfolgend ein kurzes Interview von PI-NEWS mit dem App-Eigentümer Georg Schwarz. Schwarz ist seit 25 Jahren im Polizeidienst und hat in seiner Zeit auf den Straßen der Großstadt sowie auf dem Land viel Erfahrungen im Umgang mit Straftaten sammeln können. Und häufig, so erzählt er, sind die Informationen der Bürger von unschätzbarem Wert.

Georg Schwarz.
Georg Schwarz.

PI-NEWS: Wie kamen Sie auf die Idee, eine solche App zu machen?

Schwarz: Das hat sich in einem Nachtdienst ergeben, als ich telefonisch einen Einbruch entgegennahm, bei dem die Täter kurz zuvor geflüchtet waren. Ich entsandte also zwei Streifen in die Richtung. Eine Streife hatte dann sogar Sichtkontakt mit den Tätern, verlor aber wieder die Spur, nachdem diese in einen Park geflüchtet waren. Mehrere Passanten deuteten jedoch in die Fluchtrichtung der Täter, ähnlich einer Schnitzeljagd, so dass sie am Ende festgenommen werden konnten. Das war ein Schlüsselmoment, bei dem ich mir sagte, dieses Bürgerengagement und Infos müsste man doch per App professionalisieren und anbieten können. OpenEyez ist seit ca. zehn Monaten für Android und Ios verfügbar.

Wieso dann nicht gleich die Polizei rufen, wenn man Hinweise geben kann?

Wir sehen unsere App ja gar nicht als Ersatz für die Polizei, sondern als Ergänzung. Natürlich ist es gut, bei verdächtigen Wahrnehmungen die Polizei zu rufen, aber die gesamte Gegend dann in Echtzeit zu sensibilisieren, so dass der Bürger auch weiß, worauf er schauen soll, wäre sehr wertvoll. Außerdem, gerade auf dem Land, ist die Polizei oftmals 20 Minuten entfernt oder personell unterbesetzt oder gerade bei einem anderen Einsatz gebunden. Gerade hier ist der Zusammenhalt der Bürger und deren Informationen wichtig. OpenEyez ist aber in keiner Weise mit der Polizei verbunden, ausschließlich die Community ist untereinander vernetzt.

Was ist, wenn die falschen Personen nach einem Alarm kommen?

Sie meinen, falls Kriminelle dazukommen, um die Notsituation auszunutzen? Nun, das wäre das Blödeste, was ein Krimineller machen könnte, da ja jeder Nutzer registriert ist und sein Standort vollkommen nachvollziehbar wäre, wenn so etwas passieren würde. Ich denke, diese Fälle würden in etwa der Anzahl von Personen entsprechen, die von Wölfen aufgezogen wurden.

Möglicherweise haben aber einige Nutzer Angst, zur Hilfe verpflichtet zu werden, wenn sie als in der Nähe befindlich auftauchen.

In diesem Punkt unterscheidet sich häufig tatsächlich die reale Rechtslage vom Empfinden des Bürgers. Im Rahmen des Jedermannrechts kann jeder einschreiten, muss es aber nicht (Anm.: 127(1) StPO). Das gilt z.B. bei allen Straftaten, bei der der Täter auf frischer Tat betroffen oder verfolgt wird, das gilt bis zur vorläufigen Festnahme des Täters. Leider ist es in Deutschland so, dass diese Art der Zivilcourage den Bürgern politisch abtrainiert wurde. Viele glauben, sie dürften gar nichts mehr unternehmen. An der Rechtslage hat sich da aber in den geschätzt letzten 50 Jahren nichts geändert. Niemand soll sich aber durch unsere App in Gefahr begeben.

Haben Sie nicht die Sorge, dass die App von Bürgerwehren missbraucht werden könnte?

Ich glaube nicht, dass Bürgerwehren da etwas missbrauchen könnten. Weshalb auch? Bürgerwehren sind letztlich auch nur Zusammenschlüsse von couragierten Bürgern, die für zusätzliche Sicherheit sorgen wollen. Für diese Leute gelten Rechte und Pflichten wie für jeden anderen auch. Natürlich können auch sog. Bürgerwehren unsere App für die Koordinierung und Kommunikation einsetzen, geeignet ist sie dafür jedenfalls perfekt.

Wie sieht es bei OpenEyez mit dem Datenschutz aus?

OpenEyez erfüllt sämtliche datenschutzrechtlichen, gesetzlichen Maßgaben. In den Einstellungen kann der Nutzer weitreichende Änderungen vornehmen, zum Beispiel, ob er innerhalb der App sichtbar geschaltet werden will oder ob er Nachrichten überhaupt empfangen will, usw.. Im Falle eines Alarms wird auch nur der Standort des Auslösers genau angezeigt. Alle anderen Nutzer werden anonymisiert dargestellt (Nutzer XY ist 150 m entfernt).

Wie finanziert sich Ihre App?

OpenEyez wurde aus rein idealistischen Gründen realisiert. Wir haben sie von unserem Ersparten entwickeln und umsetzen lassen. Eine Firma aus Wien hat die App für uns gemacht. Natürlich hoffen wir, dass zumindest die Entwicklungskosten irgendwann durch Werbung ausgeglichen werden können, denn die waren schon recht hoch. Für den Nutzer bleibt die App in jedem Fall dauerhaft kostenlos.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Wünschen würde ich mir eine dauerhaft sinkende Kriminalität. Und zwar auf ein Niveau, dass es auch vom Bürger wahrgenommen werden kann. Leider scheint dies nicht der Fall zu sein, auch wenn es die Statistiken manchmal zu erträumen versuchen. Also wünsche ich mir, dass unsere App gut angenommen wird und sie einen kleinen Teil zur Sicherheit beitragen kann. Und ich möchte auch jeden Einzelnen dazu ermutigen, bei dieser Community mitzuwirken. Bei uns, einer Kleinstadt von 16.000 Einwohnern, haben wir schon eine recht hohe Dichte von ca. 400 Nutzern. Da überlegt sich der ein oder andere Einbrecher dann schon, ob er wirklich gerade unbeobachtet und ungestört handeln kann.

+++ Hier gehts zum Download der OpenEyez-App +++