Schwere Zeiten für CDU/CSU und SPD

Jan Marsalek: Der Erzschurke und seine Helfer

Von MANFRED ROUHS | Der frühere Wirecard-Geschäftsführer Jan Marsalek wird weltweit gesucht, jetzt sogar mit Hilfe von „Aktenzeichen XY“. Aber dort, wo diese Sendung gesehen wird, hält er sich wahrscheinlich nicht mehr auf. Korrupte philippinische Beamte sollen ihm zu einer falschen Identität verholfen haben, heißt es. Damit ist die Schuld in den fernen Osten abgeschoben.

Mit genau derselben Methode hat Wirecard jahrelang seine Bilanzen frisiert: Das Unternehmen behauptete phantastische Umsätze in Asien, von denen zwar die Spatzen von den Dächern pfiffen, dass es sie nie gegeben hat. Aber wer will das so genau wissen, wenn steigende Aktienkurse schnelles Geld versprechen?

Karl Theodor zu Guttenberg (CSU) kann in diesen Tagen froh sein, dass er schon lange nach Plagiatsvorwürfen im Zusammenhang mit seiner ersten Dissertation politisch weg  vom Fenster ist. Andernfalls wäre er es spätestens nach der Wirecard-Pleite, denn seine Beraterfirma hat Wirecard bis kurz vor Toresschluss unterstützt – ausgerechnet im Asiengeschäft. Auch die Bundesregierung soll den Medienberichten zufolge hilfreich gewesen sein, als sich Wirecard daran machte, einen chinesischen Zahlungsdienstleister zu übernehmen.

Zuständigkeitshalber wäre es Sache deutscher Aufsichtsbehörden unter dem Dach des Finanzministeriums gewesen, eine betrügerische Pleite wie die von Wirecard zu verhindern. Im politischen Berlin mag allerdings niemand für die offensichtlichen Versäumnisse Verantwortung übernehmen. Der zuständige Minister, Olaf Scholz, schlüpft in diesen Tagen sogar formal in die Rolle eines „Kanzlerkandidaten“ der SPD, obwohl jedermann klar ist, dass diese Partei auf absehbare Zeit nur noch als Juniorpartner für die Kanzlerschaften anderer in Frage kommt, wenn überhaupt. Problembewusstsein fühlt sich anders an.

Kaum etwas dürfte in naher Zukunft im politischen Berlin so spannend sein wie ein Untersuchungsausschuss zum Wirecard-Skandal. Den forderten bislang AfD, FDP und Linke. Wie jetzt das „Handelsblatt“ meldet, könnten sich die „Grünen“ diesem ideologisch ungleichen Bündnis anschließen, womit die erforderliche parlamentarische Mehrheit beisammen wäre.

SPD und CDU mauern. Das ist nachvollziehbar. Wer will schon gerne wenige Monate vor der Bundestagswahl unangenehme Fragen beantworten, wenn der gute Kumpel von gestern mit Hilfe von „Aktenzeichen XY“ gesucht wird?


PI-NEWS-Autor Manfred Rouhs, Jahrgang 1965, ist Vorsitzender des Vereins Signal für Deutschland e.V., der die Opfer politisch motivierter Straftaten entschädigt. Der Verein veröffentlicht außerdem ein Portal für kostenloses Online-Fernsehen per Streaming und hat die Broschüre Coronazeit – Leben im Ausnahmezustand“ herausgegeben. Manfred Rouhs ist als Unternehmer in Berlin tätig und vermittelt Firmengründungen in Hong Kong.