190 Ärzte und Psychologen schreiben Offenen Brief an Kultusministerin Yvonne Gebauer

Widerstand gegen Maskenpflicht an NRW-Schulen wächst

Von MARKUS WIENER | Seit Beginn des neuen Schuljahres gilt in Nordrhein-Westfalen die Maskenpflicht für Schüler auch während des Unterrichts – einzig die Grundschüler bis zur vierten Klasse sind davon ausgenommen. Für alle anderen heißt es seit Mitte letzter Woche lernen und leben unter der Maske. Ohne ausreichend Sauerstoff, ohne Mimik, ohne kindliche Ungezwungenheit und mit riesigen Problemen beim Sprechen und Verstehen. Ministerpräsident Armin Laschet versucht mit dieser bundesweiten Extremposition offenbar Punkte gut zu machen im unionsinternen Wettstreit um die Kanzlerkandidatur. Hatte bisher doch der bayerische Corona-Diktator Markus Söder erheblich mehr mediale Lorbeeren eingeheimst, wenn es darum ging, Panik zu schüren und Grundrechte einzuschränken.

Was das für die Kinder bedeutet (die Lehrkräfte sind wohlweislich von der Maskenpflicht ausgenommen), mag man sich gar nicht ausmalen. Teilweise bis spätnachmittags wird eine wehrlose Altersgruppe, für die Corona zu 99,9 Prozent völlig ungefährlich ist, unter den Merkel-Maulkorb gezwungen. Während unsereiner froh ist, nach dem Spurt durch den Supermarkt den übergriffigen Stofffetzen so schnell wie möglich wieder loswerden zu können, bleibt den Kindern keine Wahl. Und dank Schulpflicht auch den Eltern nicht.

Zumindest, wenn alle weiter brav nach den Regeln spielen. Doch es könnte durchaus sein, dass dieser massive Eingriff in das Leben hunderttausender schulpflichtiger Kinder der sprichwörtliche Tropfen ist, der das Fass zum Überlaufen bringt. Denn auch wenn viele Deutschen sich inzwischen angewidert vom etablierten Politikbetrieb ins Private verabschiedet haben, so erwachen doch regelmäßig ihre Widerstandsgeister, wenn sie oder ihre Kinder unmittelbar von unangenehmen Folgen politischer Entscheidungen betroffen sind.

Eine Erfahrung, die der Autor in 15 Jahren Kommunalpolitik immer wieder erleben durfte: Asylkrise? Mir egal, bis plötzlich die eigene Nachbarschaft bereichert wird. Kriminalitätsanstieg? Geschenkt, solange man nicht selbst in Brennpunkten unterwegs sein muss. Bildungsmisere? Was soll’s, bis die eigenen Kinder plötzlich zu einer Minderheit in der Klasse gehören und gemobbt und schlimmeres werden.

Man mag diese zutiefst menschliche Verhaltensweise verurteilen oder Verständnis dafür aufbringen. In jedem Fall gilt es sie als eine Realität anzuerkennen. Deshalb ist es wenig verwunderlich, dass sich innerhalb weniger Tage nach der Maskenentscheidung von Laschet der Widerstand dagegen formierte. Angefangen von Petitionen im Internet über wachsende Teilnehmerzahlen auf Corona-Demos in NRW bis hin zu ersten Akten des zivilen Ungehorsams. Also die Art von gewaltfreien Regelbrüchen, die Linke und Medien so gerne loben, wenn  es “gegen rechts” oder für eine andere “gute Sache” geht.

Besonders schlau, da noch nicht einmal offiziell ein Regelbruch begangen wird, ist die sprunghafte Zunahme von ärztlichen Ausnahmeattesten für Schüler von der Maskenpflicht. Ein Phänomen, das sich so schnell verbreitet, dass die ersten Mainstreammedien schon Alarm schlagen:

In einschlägigen Telegram-Gruppen wie “ElternStehenAuf NRW” tauschen Eltern Erfahrungsberichte darüber aus, bei welchen Ärzten sie mit ihrem Anliegen Erfolg hatten, berichten N-TV und der “Kölner Express”. Dabei werde immer wieder der Verein der Mediziner und Wissenschaftler für Gesundheit, Freiheit und Demokratie (MWGFD) genannt, in dessen Unterstützungsregister zahlreiche Ärzte aufgeführt sind, die eine Antimaskenhaltung unterstützen. Der MWGFD habe sich in der Kritik an den überzogenen Corona-Beschränkungen zusammengefunden, heißt es auf der Website. Im Register lassen sich die Unterstützer nach Postleitzahl suchen, neben dem Namen ist auch der jeweilige Beruf aufgeführt. So dürfte es für Maskenverweigerer nicht schwer sein, einen Arzt zu finden, der diese Haltung unterstützt.

Unabhängig davon wenden sich inzwischen 190 Ärzte, Kinderärzte und Psychologen in einem Offenen Brief an die NRW-Kultusministerin Yvonne Gebauer (FDP) gegen eine Maskenpflicht an Schulen. Neben der fehlenden Rechtsgrundlage weisen sie auf den nicht vorhandenen Nachweis über Schutzwirkung und Verhältnismäßigkeit sowie auf die psychoimmunologischen Folgen für Kinder hin.

In den Schulen selbst dürften die Verantwortlichen spätestens dann an Grenzen stoßen, wenn sich die Schüler beginnen zu organisieren. Man kann schließlich nicht halbe oder ganze Schulklassen vom Unterricht ausschließen. Die Masse macht’s! Ob es dann wohl auch mediale Lobgesänge auf den politischen Aktivismus der Schüler wie bei „Fridays for Future“ geben würde? Die Antwort auf diese Frage kennen wir natürlich alle. So oder so werden die nächsten Wochen aber spannend. Und zur zweiten zentralen Corona–Demo am 29. August in Berlin werden sich seit der Maskenpflicht für Schüler mit Sicherheit auch aus NRW noch mehr Menschen auf den Weg in die Hauptstadt machen.


Markus Wiener.

PI-NEWS-Autor Markus Wiener schreibt bevorzugt zu Kölner und tagespolitischen Themen für diesen Blog. Der Politologe und gelernte Journalist ist parteiloses Mitglied des Kölner Stadtrates und der Bezirksvertretung Chorweiler. Seit über 20 Jahren widmet er sein politisches und publizistisches Engagement der patriotischen Erneuerung Deutschlands. Der gebürtige Bayer und dreifache Vater ist über seine Facebook-Seite erreichbar.