"Nuklearia"-Demo in Gundremmingen

Atomkraft ist gut fürs Klima!

Am Wochenende hielt der Verein „Nuklearia“ eine pro-Atomkraft-Demonstrationen in Bayern ab, um auf den klimaneutralen Nutzen der Atomkraft hinzuweisen. Die Gegendemonstranten verweigerten eine freundliche Aufforderung zum Dialog.

Am Samstag demonstrierten etwa 40 Menschen vor dem AKW Isar 2 in Niederaichbach bei Landshut, am Sonntag etwa 80 Menschen vor dem AKW Gundremmingen. Unter den Rednern war YouTuber Simeon Preuß, der laut Augsburger Allgemeinen erzählte, wie er selber früher einen „Horror“ vor der Atomkraft hatte, weil man ihm es so gesagt habe.

„Wir müssen unsere wundervollen Planeten schützen“, so Preuß, doch was die Kernkraftgegner wollten, führe zum Gegenteil. Hätte die Nuklearia nur zehn Prozent des Budgets der „millionenschweren“ Lobby der Atomkraftgegner, das sie zur „Desinformation“ nutzen, „wäre der Atomausstieg vom Tisch“, zitierte die Augsburger Allgemeine Preuß.

Die AfD-Bayern-MdBs Petr Bystron und Wolfgang Wiehle nahmen ebenfalls an der Demo teil. Die Atomkraft sei eine Spitzentechnologie, die nur wenige Länder weltweit beherrschten, so Bystron. „Der deutsche Atomausstieg war eine ideologisch motivierte Fehlentscheidung. Diesen Wissensstand aufzugeben, auf alle künftigen Innovationen in Bereich saubere Kernfusion und neue Reaktortypen, die Atommüll verbrennen, zu verzichten, ist ein dramatischer Fehler und ein fataler deutscher Alleingang.“

Alle übrigen Länder, welche die Atomenergie beherrschten, bauten ihren technologischen Vorsprung weiter aus, sagte der Abgeordnete, Aufsichtsrat der Stiftung KENFO zur kerntechnischen Entsorgung im Bundestag, während Deutschland mittlerweile Atomstrom aus Frankreich und der Tschechischen Republik importieren müsse, weil Wind und Sonne nicht zuverlässig den Bedarf decken können.

„Die Atomkraft ist auch nötig, um die Klimaziele zu erreichen – das hat sich sogar bis hin zu Greta Thunberg und dem Weltklimarat IPCC herumgesprochen. Wer das Klima mit der Absenkung des CO2-Ausstoßes schützen will, kann nicht gleichzeitig aus der Atomkraft aussteigen. Das ist unsinnig und utopisch,“ so Bystron.

Der Veranstalter der Gegendemo Thomas Wolf radelte mit einer „Atomkraft? Nein danke!“-Fahne um die Demo herum, reagierte aber nicht auf eine Einladung des Nuklearia-Vorsitzenden Rainer Klute zu einem „gepflegten Gespräch“. Im Jahr 2015 seien sie noch bei einer Podiumsdiskussion in Erlangen aufeinandergetroffen, „danach seien die Atomkritiker jedem direkten Dialog aus dem Weg gegangen“, sagte Klute der Augsburger Allgemeinen.

Die Technikhistorikerin und Beisitzerin im Nuklearia-Vorstand Dr. Anna Veronika Wendland hat am 14.7. zusammen mit dem Atomgegner Dr. Rainer Moormann im Memorandum »Warum wir die deutschen Kernkraftwerke jetzt noch brauchen« die Argumente für eine Laufzeitverlängerung zusammengefasst:

„Angesichts des Klimanotstandes und der aktuell zu langsam voranschreitenden Energiewende schlagen wir – Atomkraftbefürworterin die eine, Atomkraftkritiker der andere – vor, die noch am Netz befindlichen sechs deutschen Kernkraftwerke (KKW) möglichst unter Staatsregie mit strengen Auflagen weiterlaufen zu lassen. Stattdessen sollten im selben Umfang besonders klimaschädliche Braunkohle-Kapazitäten zeitgleich stillgelegt werden, was die deutschen CO2– Gesamtemissionen um ca. 10 % senken würde. Falls bis 2030 die erforderlichen wesentlichen Fortschritte auf dem Weg zu Großspeichern für ein weitgehend auf Erneuerbaren Energien basierendes System nicht zu beobachten wären, müsste zwangsläufig über einen Neubau von Kernkraftwerken – zusätzlich zum Erneuerbaren-Ausbau – nachgedacht werden. Zur Vorbereitung dieser Diskussion sollten öffentliche Fördermittel ab sofort auch in Hinblick auf ein solches Szenario eingesetzt werden. Die EEG-Umlage sollte durch ein steuerfinanziertes Modell ersetzt werden.“