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Masken, Belehrungen, Drohungen

Ein ganz normaler Arbeitstag in Corona-Deutschland

Von KARSTEN S. | Berlin. Heute Morgen schnappe ich mir meine Tasche und fahre zum Bahnhof. Über Lautsprecher Belehrung zur Maskenpflicht. Habe ich auch schon auf einem Plakat im Durchgang gelesen. Schnell noch die Maske griffbereit in die Jackentasche gestopft und ab auf den Bahnsteig. Bin etwas spät dran. Stehe in der Masse und warte auf den Zug. Niemand hat eine Maske auf. Der Zug kommt. Ziehe die Maske aus der Tasche und setze sie auf. Plötzlich sind alle vermummt. Ist das nicht immer noch eine Straftat? Warum sind im Zug seit Corona so viele Plätze frei? Die Gespräche sind verstummt. Masken vereinsamen.

Ziehe mir die Maske unter die Nase, damit ich freier atmen kann. Wenn jemand vorbeikommt, schrecke ich zusammen und ziehe sie mir wieder über die Nase. Beäuge misstrauisch meine Mitfahrer. Könnte ja ein Blockwart dabei sein, der mich anpöbelt. Belehrung zur Maskenpflicht über die Lautsprecher. Steige am Postdamer Platz aus. Maske runter. Die Massen haben plötzlich wieder Gesichter. Erhasche kurzen Blick auf den Zeitungskiosk. Zwei Schlagzeilen nebeneinander: „Neue Hotspots entdeckt- kommt die zweite Welle?“ Darunter: „Krankenhäuser haben Angst vor Schließung – Patienten bleiben aus.“

Wir strömen dichtgedrängt zur S-Bahn. Sie kommt. Masken wieder rauf. Belehrung über die Lautsprecher zur Pflicht des Tragens eines Mund-Nasen-Schutzes. Kann es nicht mehr hören. Zug hält. Alle steigen aus. Masken runter. Laufe die 100 Meter bis zum Bürogebäude. Dort großes Belehrungsplakat über Hygienschutzmaßnahmen. Maske rauf, weil mich ein Angstneurotiker anspricht. Logge mich mit Ausweis ein. Der Neurotiker geht an mir vorbei und desinfiziert sich die Hände. Alkohol, so früh am Morgen. Geruchswolken wabern durch die Luft. Es riecht strenger als in jedem Krankenhaus. Maske runter.

Stehe vor dem Aufzug. Belehrung, dass man im Aufzug 1,5 Meter Abstand halten und Maske tragen soll. Maske rauf. 1,5 Meter, wie soll das gehen? Ein Witzbold hat „max. 1,3 Personen“ auf die Belehrung geschrieben. Woanders steht Wurzel aus a2 + b2 + c2 = Virusschutz. Steige aus. Maske runter. Laufe maskenlos an vier den Boden schruppenden Masken vorbei. Auf der Raucherterrasse stehen neun maskenlose Handwerker eng beeinander in einer Dunstwolke. Hole den Schlüssel für den Postkasten in der Etage darüber.

So ein Unsinn die Maskenpflicht im Aufzug. Bin doch allein, aber der Aufzug ist ein Glaskasten und die Denunzianten sind überall. Nur die vielen Coronabelehrungen behindern etwas die Sicht auf die Fahrstuhlnutzer. Bin oben. Maske runter. Rückweg. Fahrstuhl-Maske auf. Gang-Maske runter. Bürozeit. Bekomme mehrfach Besuch. Mal mit Maske, mal ohne. Es ist Mittag. Aufzug nach unten zur Kantine – Maske auf. Unten Maske runter. Stehe vor der Kantinentür mit einer Covd 19-Belehrung. Maske auf. Teller fassen, Essen auswählen. Durch die Maske der maskierten Dame hinter der Glasscheibe „Schönen Tag noch“ zumurmeln. Brauche noch Besteck, darf es aber selbst nicht anfassen.

Ein Vermummter mit ekligen Gummihandschuhen verteilt Besteck. Dazu begutachtet er jedes Tablet. Geht eigentlich niemanden was an.  Früher gab es auch Suppen, dank Corona jetzt nicht mehr. Was hat Hühnerbrühe mit Infektionsschutz zu tun, außer dass sie bei Erkältung hilft? Am Tisch endlich wieder Maske runter. Bekannte kommen dazu und schwatzen. Die Verwaltung hat drei von vier Stühlen weggeräumt. Befreien den Nachbartisch von seinen Stühlen und sitzen eng beieinander.

Danach Maske auf und raus aus der Kantine. Draußen: Maske runter. Fahrstuhl: Maske auf. Oben im Gang Maske runter. Bürozeit. Lese Email vom Vortag. Es gibt einige vermutlich(!) Infizierte im Haus. Erst- und Zweitkontaktler! Hört sich schlimmer an als Bankräuber und Fluchtfahrer. Wurden alle zum Test geschickt. Lese Mail von heute. Alle Gesunden, die getestet wurden, waren gesund. Dennoch müssen alle in Quarantäne. Für 14 Tage gibt es somit wieder höhere Quarantänezahlen und die Regierung mit ihren Gazetten können dramatisieren und Panik verbreiten.

Früher wurde man krank, ging zum Arzt und wurde nach Hause geschickt. Heute will man als Gesunder gar nicht zum Arzt, muss aber. Der Arzt will einen aber gar nicht sehen und schickt einen ungesehen nach Hause, obwohl man gar nicht krank ist. Zum Test kommt man auch nur wie in Asterix erobert Rom zum  „Passierschein A 39, wie er im neuen Rundschreiben B 65 festgelegt ist“.  Dann sitzt man zwar gesund, aber mit übelster Strafandrohung in der häuslichen Zelle, war nie krank und wird es auch nicht. Dennoch wird man gemieden, als poliere man täglich dem Teufel die Hörner. Früher haben sie Kranken Hilfe angeboten, heute gehen sie drum herum, selbst um nur vermutet Infizierte.

Der Tag ist rum.  Ab gehts nach Hause und der ganze Coronawahnsinn beginnt erneut.  Mehrfach kommen in der S-Bahn mehrere ausländisch wirkende Männer in Uniform vorbei und kontrollieren den Sitz der Maske. Empfinde jetzt sogar den Schaffner als Gängelung. Die haben angeblich schon Leute mit gültigem Ausweis und Attest rausgeworfen. Wie die Transportpolizei der DDR in Grenznähe.

Angekommen. Maske runter. Gehe in einen Lebensmittelladen. Maske auf. Brauche nur eine kleine Tüte Milch.  Werde zurückgepfiffen. „Ohne Wagen kein Eintritt! Können Sie nicht lesen?!“ Stimmt, draußen kleben mehrere Zettel über der Desinfizierungsstation je eine für die Maske, den Einkaufswagen und das Desinfizieren. Der Laden ist aber leer. Egal. Fasse jetzt die Milchtüte eben zweimal statt einmal an, die dann wiederum die Kassiererin anfasst und über den Scanner schiebt. „Geht doch!“ meint sie und ihr hoheitliches Grinsen konkurriert in den Poren ihrer Maske mit den vermuteten Viren darin, hinter ihrer Scheibe. Jetzt hat sie es mir aber gezeigt. Der Kunde ist König, die Kassiererin jetzt endlich Kaiserin. Auch wie in der DDR. Dort waren sie Herrscher über Obst.

Drehe im Auto fluchend das Radio aus. Experten, die keine sind, bestätigen sich gegenseitig wie sinnvoll Masken sind und der Moderator freut sich über den so hart errungenen Konsens. Das nennen sie eine Diskussion. Infektion bedeutet doch weder krank noch ansteckend, oder habe ich nicht aufgepasst? Wenn die Infektionen tatsächlich ansteigen, was bringt dann eine Maske, die Poren hat, die viel größer als der Virus sind? Und wie will ich Immunität erreichen, wenn ich mich vor der Infektion schütze, mein Immunsystem platt mache, weniger nach draußen gehe oder zunehmend mein Lebensglück einbüße? Da fällt mir ein, dass selbst zu schlimmsten Pestzeiten die Kirchen offen waren.

Bin zuhause und habe die Nase voll. Das ganze macht mich zunehmend aggressiv, da sich die Anzeichen mehren, dass es überhaupt nicht um Bevölkerungsschutz geht. Wenn ich die verschiedenen Szenarien zu Ende denke, wird mir Angst und Bange. Lange mache ich diesen Unsinn nicht mehr mit und ich weiß: ich bin nicht allein. Ich werde mich einfach hinsetzen und „Nein“ sagen. Und dann?