18-jähriger Tschetschene rief "Allahu Akbar"

Deutsche Medien vernebeln Enthauptung von Lehrer in Paris

Von MANFRED W. BLACK | Nordwestlich von Paris ist dem 47-jährigen Geschichtslehrer Samuel Paty von dem 18-jährigen Tschetschenen Abdullah Anzorow auf offener Straße der Kopf abgeschlagen worden. Der Mord ereignete sich am späten Freitagnachmittag in Conflans-Sainte-Honorine. Die Gemeinde gehört zum Département Yvelines, sie liegt 27 Kilometer von Paris entfernt und zählt zu den Vororten der Hauptstadt, den Banlieues. Fast alle deutschen Medien haben lange Zeit keinerlei Angaben darüber gemacht, dass es sich bei dem grausamen Mord um eine islamische Rachetat handelt.

Deutsche Medien sprechen von einem „Vorfall“

Grundsätzlich berichteten deutschsprachige Zeitungen und Sender am Freitagabend – wie es in solchen Fällen zumeist beschwichtigend heißt –, die Hintergründe des „Vorfalls“ würden geprüft (Sächsische Zeitung: „Ein Mann ist ersten Erkenntnissen zufolge in der Nähe von Paris von einem Angreifer enthauptet worden“).

Die ARD (Tagesschau.de) schrieb in ihrer ersten Meldung über einen mutmaßlichen „Mord mit Terrorhintergrund“. Das ZDF textete: „Die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft ermittelt den Angaben zufolge wegen ‚Mordes in Verbindung mit einem terroristischen Unternehmen‘ und wegen einer ‚kriminellen terroristischen Vereinigung‘“. Beide Sender verschwiegen lange beharrlich – wie so oft auch schon in anderen Fällen –, dass die Behörden in Frankreich von einem islamischen Anschlag ausgehen.

Anfänglich waren es vor allem die Bild-Zeitung und die österreichische Tageszeitung Der Standard, die sehr bald eine – wenn auch nur knappe – Information ebenfalls darüber veröffentlicht haben, dass Augenzeugen zufolge der Angreifer „Allahu Akbar“ („Allah ist größer“) gerufen haben soll. Selbst die Bild-Zeitung formulierte am frühen Abend allerdings auch parallel dazu verharmlosend, der „Vorfall“ habe „sich in der Nähe einer Schule ereignet“.

Warum wurde der Lehrer enthauptet?

Einige französische Medien waren bereits frühzeitig sehr viel ehrlicher in ihren Meldungen. So berichtete der Nachrichtensender Franceinfo schnell, dass der Gewaltverbrecher – bevor er ebenfalls Polizisten angriff und deswegen von der Polizei erschossen wurde – ein Foto seines Mordes auf Twitter gepostet und behauptet hat, die Tat sei im Namen Allahs geschehen.

Der Angreifer sei ein junger Mann im Alter von 18 Jahren, sendete Franceinfo. In wessen Auftrag der Mörder gehandelt hat, ist nicht bekannt. Offiziell wurde die Meldung des Rundfunk- und Fernsehsenders nicht bestätigt.

Bei dem Opfer handelt es sich nach Informationen der Zeitung Le Parisien und der Nachrichtenagentur Associated Press (AP) um einen Mittelschul-Geschichtslehrer aus der Pariser Metropolregion, der seinen Schülern Karikaturen des islamischen Propheten Mohammed präsentiert hat – mit dem unterrichtlichen Ziel, dass diese satirischen Zeichnungen diskutiert werden. Die grauenvolle Enthauptung könnte die Rache dafür sein, dass der Lehrer sich mit seinen Schülern kritisch mit dem Islam auseinandergesetzt hat.

Frankreich: Mehr als 250 Menschen wurden Opfer islamischer Anschläge

Frankreich wird seit Jahren von islamischen Anschlägen erschüttert – dabei starben bisher mehr als 250 Menschen. Erst vor wenigen Wochen hatte es vor dem ehemaligen Redaktionsgebäude des Satiremagazins Charlie Hebdo eine Messerattacke gegeben, die islamisch begründet war.

Die Twitter-Nachricht nach der Tat.

In Paris läuft seit Anfang September – unter hohen Sicherheitsvorkehrungen – der Prozess nach dem mörderischen Angriff auf die Redaktion von Charlie Hebdo im Januar 2015. Damals wurden 17 Menschen getötet. Kurz zuvor hatte das Magazin Mohammed-Karikaturen veröffentlicht.

Mittlerweile hat Innenminister Gérard Darmanin einen Krisenstab gebildet. Diesem Stab gehören auch Präsident Emmanuel Macron und Premierminister Jean Castex an. Macron hatte erst vor wenigen Wochen in einer Rede mit drastischen Worten (Deutsche Welle: „Macron will gegen Islamismus vorgehen“) gefordert, der Staat müsse entschieden die politischen Aktivitäten des Islam in Frankreich bekämpfen. Viele Franzosen fragen sich freilich, wann den tönenden Worten endlich Taten folgen werden.

Wieder große Worte französischer Politiker

Nach dem jüngsten Terroranschlag sprach Macron am Freitag kurz vor Mitternacht von einer „eindeutig islamistischen Tat“. Der Staatspräsident wirkte unübersehbar angeschlagen – aus welchen Gründen auch immer –, als er einer ZDF-Meldung zufolge reichlich verwirrt wörtlich sagte: „Einer unserer Mitbürger wurde heute ermordet, weil er lehrte, weil er Schülern die Freiheit der Meinungsäußerung, die Freiheit zu glauben und nicht zu glauben lehrte.“ Macron nannte keine Details zum Tatablauf, er verwies auf die Staatsanwaltschaft, die sich bald äußern werde.

Bildungsminister Jean-Michel Blanquer schrieb – schon wesentlich klarer – im Netz von einem Angriff auf die Republik: “Unsere Einheit und Entschlossenheit sind die einzige Antwort auf die Ungeheuerlichkeit des islamistischen Terrorismus.” Richard Ferrand, Präsident der Nationalversammlung, erklärte auf Twitter, einen Lehrer anzugreifen, bedeute, alle französischen Bürger und die Freiheit anzugreifen. Auch Marine Le Pen reagierte bei Twitter: “Der Islamismus führt einen Krieg gegen uns: Wir müssen ihn mit Gewalt aus unserem Land vertreiben.“


Update, 17.10. 15 Uhr:

Inzwischen werden immer mehr Einzelheiten über die Hintergründe der brutalen Mordtat bekannt. Die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) bezieht sich in einem Artikel auf eine Meldung des französischen Senders Franceinfo. Danach hat der Vater eines Schülers, der zu der betroffenen Klasse des Geschichts- und Geografie-Lehrers gehört, erklärt, der Pädagoge habe die muslimischen Schüler vor Beginn seines Karikaturen-Unterrichtsabschnittes vor einem „Schock gewarnt und ihnen angeboten, das Zimmer zu verlassen“ (NZZ).

Laut Le Parisien soll der enthauptete Familienvater wegen seines Karikaturen-Unterrichts Morddrohungen erhalten haben. Bis zum Samstag sind etliche Haus-Durchsuchungen von der Polizei im Umfeld des Täters vorgenommen worden. Dabei kam es zu fünf oder sieben Festnahmen.

Offenbar handelt es sich bei den Festgenommenen unter anderem um die Eltern, einen Großvater und den 17-jährigen Bruder des Mörders. Anscheinend allesamt Muslime. Der in Gewahrsam genommene Vater des Gewaltverbrechers soll sich bei der Schulleitung über den islamkritischen Unterricht des enthaupteten Pädagogen beschwert haben. Bei einem anderen der verhafteten Männer handelt es sich offenbar – nach Meldungen des privaten Nachrichtensenders BFM TV – um die Person, die ein Video veröffentlicht hat, in dem die „Haltung des Geschichtslehrers“ (Bild) zum Islam kritisiert worden ist.

Am Samstag berichten alle namhaften deutschen Medien über die Enthauptung des Mittelschullehrers. Einige Zeitungen erwecken zumindest indirekt den Eindruck, als seien die Karikaturen aus dem Satire-Magazin Charlie Hebdo mitverantwortlich für die unmenschliche Bluttat. So schreibt etwa der Berliner Tagesspiegel nebulös: „Anti-Terror-Fahnder gehen von einem Zusammenhang mit den umstrittenen Mohammed-Karikaturen aus.“

Wird demnächst der linksgrüne Medien-Mainstream fordern, dass es keine „Mohammed-Karikaturen“ mehr geben darf, weil man Moslems nicht „beleidigen“ dürfe?