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Wirre Verhältnisse bei der Berliner Polizei

Von MANFRED ROUHS | Der Fall Anis Amri ist einerseits eine Tragödie. Im Dezember 2016 starben am Berliner Breitscheidplatz elf Menschen, nachdem der Tunesier mit einem Sattelzug in den Weihnachtsmarkt gefahren war. Mehr als 60 weitere wurden zum Teil schwer verletzt.

Zum Tatzeitpunkt war Amri längst als Gefährder bekannt und hätte festgenommen oder abgeschoben werden können. Das Staatsversagen ist offensichtlich – leider auch bei dem anschließenden Versuch, die Versäumnisse aufzuarbeiten.

Eine seltsame Rolle fiel dabei dem Berliner Kriminalbeamten Michael W. zu, der auf Amri angesetzt war. Er stand lange Zeit im öffentlich kolportierten Verdacht, ein Rechtsextremist zu sein, weil er Nachrichten mit bräunlichem Inhalt versendet hatte.

Nun aber berichtet der „Tagesspiegel“, W. sei lediglich als Agent Provocateur im Kollegenkreis aufgetreten, um andere Polizisten des Rechtsextremismus zu überführen. Das Verhalten des Michael W. und seiner Vorgesetzten ergänzt das Geschehen um Aspekte einer Realsatire.

Der Mann traut sich dem Bericht zufolge nicht in bestimmte, nicht genannte Berliner Stadtteile, weil er als Sohn eines schwarzen US-Soldaten und einer weißen deutschen Mutter zu den „People of Color“ gehört. Der Polizeikommissar schien also genau der Richtige zu sein, um mit den branchenüblichen Provokateursmethoden Rechtsextremisten im Polizeidienst zu jagen. Der „Tagesspiegel“ berichtet:

Silvester 2016 um 13 Uhr verschickte der Polizeioberkommissar Michael W. eine SMS an seine Kollegen, an die privaten Handynummern. Im Wortlaut samt Rechtschreibfehlern heißt es darin: „Kommt gut rinn, haltet euch von Merkel & Co und ihren scheiß Gut-Menschen fern.“ Am 20. Januar 2017 um 21.10 Uhr sendete W. eine weitere SMS: „88“ – ein Nazicode. Es ging um einen Termin für ein Treffen unter Kollegen.

Die acht steht im Alphabet für den Buchstaben H. „88“ ist ein Nazicode und bedeutet „Heil Hitler“. W. war in jenem Kommissariat der Staatsschutzabteilung des LKA tätig, das für Islamisten zuständig ist und den Attentäter Anis Amri im Blick behalten sollte.

Nachdem die NS-lastigen Nachrichten des W. im Windschatten der Amri-Affäre öffentlich geworden waren, erhielt er pro forma einen Verweis. Die Eskalation der Ereignisse setzte ihm dem Bericht zufolge so schwer zu, dass er sich in psychiatrische Behandlung begeben musste.

Zuständig für die Überwachung des Anis Amri war also nicht nur, aber jedenfalls auch ein Polizist halb deutscher, halb afro-amerikanischer Herkunft, der als Kameradenschwein unterwegs war und mit provokanten Nazisprüchen andere Berliner Polizisten des Rechtsextremismus überführen wollte und der mittlerweile unter der Last der Ereignisse ein Fall für den Psychiater geworden ist.

Manche Polizisten schieben offenbar mehr Probleme vor sich her, als sie lösen können. Kein Wunder, dass muslimische und andere Terroristen ein Problem damit haben, die deutschen Sicherheitsbehörden unserer Tage noch ernst zu nehmen!


PI-NEWS-Autor Manfred Rouhs, Jahrgang 1965, ist Vorsitzender des Vereins Signal für Deutschland e.V., der die Opfer politisch motivierter Straftaten entschädigt. Der Verein veröffentlicht außerdem ein Portal für kostenloses Online-Fernsehen per Streaming und hat die Broschüre Coronazeit – Leben im Ausnahmezustand“ herausgegeben. Manfred Rouhs ist als Unternehmer in Berlin tätig und vermittelt Firmengründungen in Hong Kong.