Unternehmer Peter Weber im Visier linker "Menschenfreunde"

Jagdzeiten in Franken

Von MATTHIAS MATUSSEK | Zu den erstaunlichsten Phänomenen unserer Zeit gehört wohl die beachtliche Energie, die linke „Menschenfreunde“ in ganz unfreundliche Gefühle investieren wie Hass, Verachtung, Denunziation und Vernichtungswünsche für „politisch Unzuverlässige“, also für diejenigen, die nicht ihrer Meinung sind.

Ja, man kann sogar die Gleichung aufstellen, dass mit der Größe des Kitsches, mit der eine Weltrettungsphantasie antritt (universelle Brüderlichkeit, Liebe, Gewaltfreiheit, Frieden) die Bereitschaft zur Brutalität steigt, die diese Paradiese einklagt – die Blumenmädchenreigen der Nazis, die Proletkult-Prospekte der Stalinisten liefern Belege. Gnostische Weltbilder, wie sie der Medientheoretiker Norbert Bolz soeben in der neuen Nummer der Zeitschrift „Cato“ analysiert hat. In Konsequenz führen sie zu KZs und Gulags.

Unter den vielen Beispielen für politisch geduldete, ja: genehme Menschenjagden (der Fall Maron!) ist jetzt ein besonders widerwärtiger Vorfall im fränkischen Schwarzenbruck zu verzeichnen, nämlich das Kesseltreiben gegen den Unternehmer Peter Weber, der von einer „Allianz gegen Rechtsextremismus“ unter Mithilfe einer Regionalzeitung in den sozialen Tod, aber langfristig auch wirtschaftlichen Bankrott getrieben werden soll.

In der Zeitung „Das Nürnberger Land“ lesen wir von einer Gemeinderatssitzung, in der Aktivisten einer ominösen „Allianz gegen Rechtsextremismus“ die große Antifa-Keule schwingen. Berichtet in einem Tonfall, dem die Anstrengung anzumerken ist, sachlich zu bleiben, also ‚Überparteilichkeit‘ zu camouflieren, obwohl man doch jubeln möchte wie in der Stehkurve. Das ist dann so erfolgreich wie die Anstrengung der Riesenkakerlake in dem Science-Fiction-Heuler „Men in Black“, die sich eine Menschenhaut übergezogen hat – bisweilen durchstößt eben ein monströser Insekten-Fühler die Hülle.

Wir entnehmen dem Artikel, dass der CSU-Bürgermeister in der wegen der Lüftung eisigen Bürgerhalle warten lässt. „Noch fünf Minuten bis zur Sitzung.“ Der Reporter, offenbar ein ganz großer Routinier, versteht es, Spannung aufzubauen. Dick Jacken. Warten, und zwar darauf, „dass Bürgermeister Markus Holzammer (CSU) endlich die Sitzung eröffnen möge. Und nicht nur im Publikum möchten einige sicher gleich zu Tagesordnungspunkt 4 springen.“

Holzamer (CSU) lässt eine Stunde lang warten auf Punkt 4 (Allianz). Zeit für unser Reporter-As Christian Geist, der sich locker-launig einen „Bratwursttester“ nennt, die imponierend abgehärtete Grüne Petra Winterstein zu präsentieren.

Denn die trägt keine Jacke, dafür ein Shirt „mit einer klaren Botschaft: No place for homophobia, facism, sexism, racism, hate“. Da wir kein Foto vom Gesicht der Grünen sehen, können wir ihre Gegnerschaft zu „facism“ nicht auf Anhieb verstehen, bis wir uns zusammenreimen, dass sie den Faschimus meint, den sie aber sowas von total ablehnen tut.

Sie nimmt Stellung zur einleitenden Bemerkung des Bürgermeisters, dass es nicht die Aufgabe des Gemeinderates sei, über „irgendwelche Personen oder Institutionen“ zu diskutieren. „Aufrecht stehend“ hält die Grüne der Vorbemerkung des Bürgermeisters „ein Plädoyer entgegen“, weiß Geist zu berichten, der nicht nur Bratwürste, sondern auch die deutsche Sprache testet.

Immer noch aufrecht will die Grüne Winterstein den Unternehmer Peter Weber beim Namen genannt haben. Schon in ihrem Wahlprogramm hatten die Grünen unverblümt gefordet, dass mit dem Unternehmer Peter Weber keine Geschäfte mehr gemacht werden im Ort nach dem Motto: Schwarzenbrucker, kauft nicht beim Juden.

Die Allianz gegen den Rechtsextremismus möchte im übrigen Peter Weber ebenfalls nennen, zur Not auch ein wenig verklausuliert, aber immerhin deutlich genug, um kenntlich zu machen, wer gemeint ist. Geschehe das nicht, werde Schwarzenbruck „als einzige Ortschaft“ nicht der „Allianz gegen den Rechtsextremismus“ beitreten können.

Und man kann sich vorstellen, was das für das Renommee des Ortes bedeuten würde – in Zukunft würde jeder annehmen, dass der fränkische Rechtsextremismus in Schwarzenbruck geboren wurde.

Aber kehren wir zurück zur Grünen Petra Winterstein, die immer noch in der Versammlung steht. Aufrecht. Und die, wie der offenbar beeeindruckte junge Chef des „Nürnberger Land“ ihr wortgewaltiges DDR-Propaganda-Deutsch zitiert: „Hier bei uns gibt es keinen Platz für gruppenbezogenen Hass, ewig-gestriges Hinterwäldlertum und Umsturzphantasien eines alten, weißen Mannes, dessen keifendes Gebaren direkt aus einem Lehrbuch über die Neuen Rechten stammen könnte.“

Hammer! Das hat derart gesessen, dass sich die gesamte hässliche Menschenfeindlichkeit kleinlaut in die Person Petra Winterstein zurückgeschrumpelt hat.

Wie es denn überhaupt eine seit Sigmund Freud ziemlich durchgesetzte Erkenntnis ist, dass die schrillsten Beschimpfungen doch eher Hilfeschreie sind, da diejenigen, die sie aussstoßen, genau jene dunklen und unschönen Triebanteile – also Homophobie, Rassismus, Faschismus, Hass – in sich selber entdecken und sie dadurch loswerden (bewältigen), dass sie sie anderen zuschreiben.

Man nennt das auch Projektion.

Das Verstörende an diesem kleinen Nürnberger Landparteitag ist die moralische Skrupelfreiheit, mit der hier zur Jagd auf einen Dissidenten eingeladen wird, ja, mit der eine ganze Gemeinde unter Mithilfe der Lokalpresse zur Treibjagd zwangsverpflichtet werden soll, um einen Mann und Familienvater zu hetzen, bis er – so hoffen die Treiber – zusammenbricht.

Warum Dissident? Weil Peter Weber tatsächlich nicht nur erfolgreicher Unternehmer ist (schlimm genug in einer Neidgesellschaft wie der deutschen), sondern auch noch eine eigene nicht medienkonforme Meinung hat, die er unter dem Label „Hallo Meinung“ ganz ungeniert und oft sehr fröhlich unter die Leute bringt.

Seine Gegner sind die aus allen totalitären Regimen bekannten Verpfeifer und lauernden Aussitzer, eingegraben in nahezu unkündbaren gewerkschaftlichen Schützengräben, Heckenschützen, die über grenzenlose Selbstgerechtigkeit verfügen – und gaaaanz viel Zeit.

Hinter der „Allianz gegen Rechtsextremismus“ steckt der Linksextreme Antifa-Kämpfer Schneeweiss, der sich als Gewerkschaftssekretär bei Verdi, der Gewerkschaft für den öffentlichen Dienst, so immun fühlt, dass er sich all die von ihm orchestrierten Sauereien leisten zu können glaubt, weil er die Staatsmacht auf seiner Seite sieht.

Die Erfahrung allerdings zeigt, dass tarifvertraglich abgesicherter Gratismut verfliegt, sobald das 13. Monatsgehalt in Gefahr ist. Also abwarten: Die Antifa ist eine in Teilen vom Verfassungsschutz beobachtete extremistische Bewegung. Schneeweiß brüstet sich mit seiner Antifa-Mitgliedschaft und möchte gerne den ganzen DGB dort sehen.

Ist doch möglich, dass sich der Arbeitgeber eines Tages besinnt und – wie schon die SPD-Regierung in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts – entschließt, keine Links-Radikalen mehr im öffentlichen Dienst zu dulden.

Auch als Journalist getarnte Bratwursttester werden eventuell mit Verlegern zu tun  bekommen, die nicht wollen, dass ihre Lokalredakteure die Kundschaft mit Rot-Front-Hetze verschrecken.

Denn schließlich möchte man, in Zeiten des Zeitungssterbens, keine weiteren Leser verlieren.


Matthias Matussek.
Matthias Matussek, geboren 1954, studierte Amerikanistik und Vergleichende Literaturwissenschaften an der FU Berlin. Nach Stationen beim Berliner Abend und beim STERN kam Matussek zum SPIEGEL, für den er als Korrespondent und Reporter in New York, Berlin, Rio de Janeiro und London war, und zur WELT. Seitdem er sich von den Mainstream-Medien verabschiedet hat, schreibt er unter anderem für Tichys Einblick, Die Achse des Guten und die Junge Freiheit. Er betreibt einen erfolgreichen Blog und twittert regelmäßig.