Triumphator Otto von Bismarck am 28. Januar 1871 bei den Friedensverhandlungen mit Adolphe Thiers und dem niedergeschlagenen Jules Favre (r.).

Von WOLFGANG HÜBNER | Sechs Monate nach der französischen Kriegerklärung an Preußen endete am 28. Januar 1871 mit der Vereinbarung des Waffenstillstands der blutige Konflikt zwischen den beiden Nachbarländern mit dem Sieg des erst wenige Tage alten neugegründeten Deutschen Reiches.

Als der Krieg im August 1870 begann, war Frankreich noch ein Kaiserreich und die vielen deutschen Königreiche und Fürstentümer waren nur als Waffenbrüder vereint. Erst der Verlauf des Krieges machte Frankreich wieder zur Republik, Deutschland zur Nation und den preußischen König zum Kaiser. Der große politische Triumphator aber war Reichskanzler Otto von Bismarck.

Bismarck war es auch, der in Versailles mit den französischen Spitzenpolitikern Adolphe Thiers und Jules Favre die Bedingungen für den Waffenstillstand aushandelte. Es sollte aber noch einige Zeit vergehen, bis in Frankfurt am Main am 10. Mai 1871 der Friedensvertrag zwischen beiden Staaten unterzeichnet wurde.

Zwar musste Frankreich hohe Reparationszahlungen leisten und das Elsass sowie Teile von Lothringen an das Deutsche Reich abtreten. Gleichwohl wurden den Kriegsverlierern eher milde Bedingungen diktiert, der Großmachtstatus der „Grande Nation“ sowie ihre kolonialen Besitzungen wurden von Bismarck nicht in Frage gestellt.

Viele tausende Leben von Soldaten und auch Zivilisten hätten geschont werden können, wenn Frankreich nach den verheerenden militärischen Niederlagen im August und September 1870 schon früher aufgegeben hätte. Doch das war von radikalen Kräften in Paris verhindert worden. Erst die Kapitulation der monatelang eingeschlossenen und ausgehungerten Hauptstadt einige Tage vor der Waffenstillstandsvereinbarung brach endgültig den französischen Willen zum Widerstand gegen den militärisch längst weit überlegenen Gegner. Was im Deutschen Reich ungeheuren Jubel und Begeisterung auslöste, führte beim Verlierer bald zum extrem brutalen Bürgerkrieg, der „Pariser Kommune“, der von März bis Mai 1871 tobte.

Dem deutschen Sieg, den in Europa fast niemand gegen die damals noch militärisch und wirtschaftlich so viel stärkeren Franzosen für möglich gehalten hatte, folgten Jahrzehnte eines gewaltigen Aufschwungs des jungen deutschen Nationalstaates in allen Bereichen bis zum Beginn des 1. Weltkriegs 1914. Eine der Ursachen dieses für Deutschland so verhängnisvollen Ereignisses waren auch französische Revanchegelüste, die nach 1871 nie verschwanden.

Doch muss auch noch nach 150 Jahren daran erinnert werden: Der Aggressor im Krieg der Nachbarn war Frankreich. Und die Annexion von Elsass-Lothringen wurde von dem weitsichtigen Strategen Bismarck nur deswegen gebilligt, um künftige französische Angriffe zu erschweren. Denn die damals lebenden Deutschen hatten noch eine sehr lebendige Erinnerung an die französischen Zerstörungen und Eroberungszüge in deutschen Landen unter dem „Sonnenkönig“ Ludwig XIV. sowie Kaiser Napoleon. Die Freude über die Besiegung des „Erbfeindes“, der nun sozusagen ein „Erbfreund“ geworden sein soll, hatte also tiefe Wurzeln.

» Teil 1 vom 18. Januar 2021: Deutschland hat heute Geburtstag


Wolfgang Hübner.

PI-NEWS-Autor Wolfgang Hübner schreibt seit vielen Jahren für diesen Blog, vornehmlich zu den Themen Linksfaschismus, Islamisierung Deutschlands und Meinungsfreiheit. Der langjährige Stadtverordnete und Fraktionsvorsitzende der „Bürger für Frankfurt“ (BFF) legte zum Ende des Oktobers 2016 sein Mandat im Frankfurter Römer nieder. Der leidenschaftliche Radfahrer ist über seine Facebook-Seite erreichbar.

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20 KOMMENTARE

  1. „Nach Frankreich fährt man nur auf Ketten“ sagte mein Großvater (+) immer.
    Heute bekämpfen uns und Macron und seine UvdL. Die Reparationsforderungen heißen heute Eurobonds oder „gemeinsame“ Haftung für Schulden. Manchmal genügt einfach auch nur ein von Frankreich positioniertes spanisches Fischerboot vor einem französischen Hafen um Deutschland den Sieg zu nehmen oder um unter die ersten 3 zu kommen…
    Ich weiß, Boris Herrmann hat mal Gräte Thunfisch transportiert aber seine seglerische Leistung ist unbestritten.

  2. Bismarck hat einen schweren Fehler begangen. Grand Nation, das brauchte Europa damals nicht und heute nicht. Aber Vorteile nutzen für sich, das haben die Deutschen noch nie verstanden.

  3. Napoleon hat ganz Europa mit Kreieg überzogen. Andererseits hat er die Feudalherrschaft der Fürsten weitgehend beendet und das Bürgertum gestärkt. Der “ Code Napoleon “ war damals revolutionär. Deshalb wurde er bei seinem Einzug in Berlin bejubelt.

  4. Ja – das hätte sich der Neffe des Onkels im August ’70 nicht träumen lassen, der vorher den Bruder von Kaiser Franz-Josef in Mexico zum Kaiser gemacht hatte und ihn dann schmählich verriet.
    Naja, und Cassel war ja damals auch ganz schön!

  5. Die Franzosen hatten schon immer ihren Kaiser-Komplex, seit das von Karl d. Gr. begründete Kaisertum mit Otto d. Gr. rein deutsch geworden war. Sie waren die Kriegstreiber zum 1. Weltkrieg!

  6. Nach diesem gewonnenen Krieg hatte Deutschland große Chancen auf eine glorreiche und hoffnungsvolle Zukunft!

    Aber Kaiser Wilhelm, die Sozen, Kommunisten und die Nazis haben alles verkackt!

    Heute verkacken die linksgrünen mit Merkel alles.

    Und die Islamisten, Neger, Araber, Afghanen, Türken und Zigeuner geben heute Deutschland den Rest!

  7. So ab ca. 1938 hätte Deutschland einen Feldzug gegen Frankreich alleine, also ohne irgendwelche Verbündete wie Großbritannien usw. in nur 1 Woche gewonnen.
    Mein Vater war im 2. Weltkrieg als Soldat (zuletzt bei Adolf Galland bei der Luftwaffe) ausschließlich in Frankreich.
    Er fand das Essen und den Wein dort sehr gut. 🙂

    Zumindest in der Eßkultur waren die Franzosen uns haushoch überlegen! 🙂

  8. @buntstift 28. Januar 2021 at 13:37

    Bismarck hat deutsche Interessen immer verteidigt. Heute läßt sich die Regierung immer über den Tisch ziehen.

  9. Vor 150 Jahren endete der französisch-deutsche Krieg

    …und am 1.März 1871 folgte die berühmt-berüchtigte Sitzung der französischen Nationalversammlung, in der die Weichen in Richtung des 1.Weltkrieges gestellt wurden.

  10. eule54 28. Januar 2021 at 14:55
    Nach diesem gewonnenen Krieg hatte Deutschland große Chancen auf eine glorreiche und hoffnungsvolle Zukunft!

    Aber Kaiser Wilhelm, die Sozen, Kommunisten und die Nazis haben alles verkackt!

    Wilhelm II ist davon längst rehabilitiert.
    Die Weichen zum 1.Weltkrieg wurden bereits am 1.März 1871 gestellt und Wilhelm II sowie ein Bismarck hätten alles mögliche tun und lassen können, der nächste Krieg war in Frankreich längst beschlossene Sache.

  11. Im Jahr 1904 wurde in Großbritannien das CID (Comitee of Imperial Defence) gegründet, nur mit dem Ziel den Krieg gegen Deutschland vorzubereiten, kurz nach der Gründung waren dann Verteidigungsministerium und die Admiralität mit im Boot. Man stellte fest, das eine Seeblockade, also das Aushungern der Zivilbevölkerung nur funktioniert, wenn man Deutschland auch von der Landseite blockiert. Deshalb begann die politische Einkreisung der Reiches und Österreichs. Einer der federführenden Akteuren war der spätere Kriegsverbrecher des WK I Churchill, Hier hatte er seine große Schlappe als erster Seelord noch vor sich, in Galipolie haben die Osmanen ihm die Hosen stramm gezogen und er mußte mit Schande seinen Hut nehmen. Aber der Anfang des WK I. ist unbestritten das Jahr 1904. Es gibt dazu ein gutes Buch “ Sie wollten den Krieg. Wie eine britische Elite den Ersten Weltkrieg vorbereitete.“

  12. Das_Sanfte_Lamm
    28. Januar 2021 at 16:16
    ++++

    Uns Wilhelm wollte keinen 1. WK.
    Trotzdem hat er letzlich eingewilligt.
    Er hätte den Österreichern klar machen müssen, dass der K-Fall nach dem Thronfolgermord zu wenig begründet ist.

    Also doch verkackt!

  13. eule54 28. Januar 2021 at 17:25

    Uns Wilhelm wollte keinen 1. WK.
    Trotzdem hat er letzlich eingewilligt.
    Er hätte den Österreichern klar machen müssen, dass der K-Fall nach dem Thronfolgermord zu wenig begründet ist.

    Also doch verkackt!

    Und immer die letzten Sätze mit Ausrufezeichen schreiben – aber Spaß beiseite.

    In dem Schreiben, das Fischer als „Blankoscheck“ bezeichnete wurde Österreich zur Mäßigung aufgerufen – und
    nein, die Kriegserklärung Österreichs an Serbien erfolgte nach dem serbischen Katz-und-Maus-Spiel und der Weigerung Serbiens, einen Ermittler aus Österreich ins Land zu lassen, da sonst die aktive Unterstützung der „schwarzen Hand“ durch die serbische Regierung aufgeflogen wäre..

  14. Dass Otto von Bismarck kein kriegsgeiler Eroberer war, wie oftmals behauptet, beweist allein schon die Tatsache, dass er nach dem Sieg bei Königgrätz am 3. Juli 1866 es unterließ Wien zu erobern. Er dachte eben weiter. Im Gegensatz zu Wilhelm I. und den Generälen die unbedingt in Wien eine Siegesparade abhalten wollten.

    Bismarck befürchtete zu Recht, dass ein gedemütigtes Österreich auf Revanche sinnen würde. Bereits vor Königgrätz hatte Kaiser Franz Joseph nämlich mit Napoleon ein Geheimabkommen geschlossen. Deswegen widersetzte Bismarck sich mit aller Macht den Kraftmeiereien der Generäle und schloss am 26. Juli den maßvollen Vorfrieden von Nikolsburg, der im Frieden von Prag bestätigt wurde.

  15. Das_Sanfte_Lamm
    28. Januar 2021 at 16:16

    Das denke ich auch, man muss sich nur das Berliner Tageblatt (gefunden im Staats-Archive online http://zefys.staatsbibliothek-berlin.de/index.php?id=kalender&no_cache=1&tx_zefyskalender_pi1%5Byy%5D=1914) der Tage vor dem Krieg durchlesen.

    Allerdings kreide ich dem Kaiser an, nach dem Kriegsende in Russland nicht sofort in Friedensverhandlungen übergegangen zu sein, sondern einen größenwahnsinnigen Eroberungsfeldzug gestartet zu haben, obwohl er noch vor Kriegsbeginn behauptete, keinen solchen geplant zu haben (auch nachlesbar in diesen Zeitungen).

    Daher: Er hat nicht den Krieg verbockt, aber dessen Ausgang.

  16. Warum gehen die meisten Kommentatoren nicht auf den 28. Januar 1870 ein, sondern nur auf das, was dann zum 1. Weltkrieg führte?
    Kein Wort davon, daß mit der Summe von 6 Mio. Goldfranc als Reparation die sog. Gründerzeitangestoßen wurde.
    Daß die Zeit (fast) die erfolgreichste in der deutschen Geschichte war.
    Deutsche Nobelpreiträger (darunter viele Bürger mit mosaischer Religion)
    Daß dank der positiven Entwickliúng fast jeder deutsche Arbeiter (jedenfalls in Klein- und Mittelstädten) Wohneigentum erwerben konnte: z. B. meine Urgroßväter – Bergmann/Landwirt, Bäcker/Bahnarbeiter, Schneidermeister, Schuhmachergeelle.
    Daß mehr als die Hälfte des Erarbeiteten selbst verwertet werden konnte.
    Bismarcks Sozialgesetzgebung
    und, und, und …

  17. In jeder Demütigung einer Nation durch die andere ist der Keim weiterer, meistens noch katastrophaler Kriege gelegt, und ein Staatswesen, das auf Blut und Eisen aufgebaut ist, steht mittel- und langfristig auf tönernen Füßen. Das einzige, auf das man stolz sein darf, ist die Entwicklung der deutsch-französischen Freundschaft, die durch de Gaulle und Adenauer initiiert, von ihren Nachfolgern weitergeführt und bis heute durch unzählige Partnerschaften auf kommunaler Ebene oder in Schulen lebendig bleibt. Nur ein dem entsprechendes Mühen hilft zum Frieden, Heimatliebe auch, aber niemals einseitiger Nationalismus.

  18. Favre ist der Stehende neben Bismarck. Thiers der Niedergeschlagen, der im Sessel sitzt. Favre ist derjenige, dem mit dem Fesselballon aus dem belagerten Paris die Flucht gelang, dabei aber von preußischen Ulanen beinahe abgeschossen wurde. Mit dem beschädigten Ballon gelang es ihm gerade noch so, hinter den Linien zu landen. Thiers hat übrigens brutal die Pariser Kommune niedergeschlagen. Übrigens das Beste auf der anderen Seite (neben der Reichsgründung der Deutschen).

  19. Auch bisher noch nicht erwähnt wurde der damalige Kronprinz Friedrich-Wilhelm, der als 88-Tage-Kaiser Friedrich III. seine liberalen Grundsätze nicht verwirklichen konnte. Wer weiß, wie die Geschichte dann verlaufen wäre?

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