Diskussion über Impfpflicht

Wie man die letzten Pfleger auch noch vergrault

Die Alterspyramide in Deutschland lässt für die kommenden Jahrzehnte nichts Gutes erwarten. Spätestens dann, wenn die geburtenstarken Jahrgänge  in das Alter kommen, in dem sich viele nicht mehr selbst versorgen können, ist Land unter im Pflegebereich.

Bereits jetzt wird händeringend nach Fachpersonal für die Alten- und Pflegeheime gesucht. Der gegenwärtige Bedarf kann ohnehin nur noch durch Anwerbung aus dem Ausland einigermaßen gedeckt werden.

Die Altenpflege ist mehr Berufung, als Beruf. Niemand kann diesen Job machen, ohne das tiefe Bedürfnis, anderen Menschen zu helfen. Es ist eine schwere Arbeit, die den Körper verschleißt, und die Seele wahrscheinlich auch, wenn man den ganzen Tag mit Gebrechlichkeit und Tod konfrontiert ist.

Der Rotstift regiert in den Alten- und Pflegeheimen  

Kein Wunder, dass es zu wenige Frauen und Männer gibt, die diesen Beruf ergreifen. Eine überalterte Gesellschaft sollte deshalb alles in ihrer Macht stehende tun, um diese Tätigkeit attraktiv zu machen, mit besserer Entlohnung und besseren Arbeitsbedingungen. Aber nachdem die Alten- und Pflegeheime Wirtschaftsbetriebe sind, die Gewinn abwerfen müssen, geschieht das Gegenteil. Bei den Personalkosten ist das Einsparpotential am größten, deshalb ist es nicht verwunderlich, dass viele Pflegekräfte den Beruf wieder an den Nagel hängen, weil sie sich nicht mehr länger aufreiben lassen wollen. Jene, die bleiben, müssen noch mehr arbeiten, da oftmals auch der Krankenstand hoch ist.

Und in dieser Situation kommt nun der bayerische Ministerpräsident Markus Söder auf die Idee, eine Debatte über eine Corona-Impfpflicht für Pflegekräfte anzustoßen:

„Wir müssen uns überlegen, ob wir für die besonders hochsensiblen Bereiche, das sind die Alten- und Pflegeheime, den Schutz besonders erhöhen“

(Söder am Dienstagmorgen im ZDF-„Morgenmagazin“)

Der „Süddeutschen Zeitung“ hatte der CSU-Chef zuvor gesagt, leider gebe es „unter Pflegekräften in Alten- und Pflegeheimen eine zu hohe Impfverweigerung“. Es wäre deshalb „gut, wenn der deutsche Ethikrat Vorschläge machen würde, ob und für welche Gruppen eine Impfpflicht denkbar wäre“. In den Pflegeheimen gehe es schließlich um Leben und Tod.

Die werden wissen, warum

Die Pflegekräfte haben, das darf man unterstellen, ein robustes medizinisches Hintergrundwissen. Die „hohe Impfverweigerung“ bei dieser Klientel ist also vermutlich darauf zurückzuführen, dass sie von der Sicherheit des Vakzins nicht überzeugt ist. Und im Gegensatz zum weit verbreiteten Irrglauben, dass der Impfstoff besonders bei alten Menschen zu gefährlichen Begleiterscheinungen führen kann, ist das Gegenteil der Fall. Je jünger der Geimpfte, umso heftiger die Reaktion des Immunsystems.

Das ist sicherlich auch so mancher Pflegekraft bekannt. Sollte für diese Berufsgruppe tatsächlich eine Impfpflicht kommen, werden nicht wenige, die vorher schon mit dem Gedanken gespielt haben, ihren Job an den Nagel hängen und etwas Gesünderes machen.

Begüterte Menschen wie den bayerischen Ministerpräsident, trifft das nicht. Diese haben genügend Geld, um sich im Alter bei Bedarf privat angestellte, gut bezahlte Pflegekräfte leisten zu können.

Aber was machen die „einfachen Leute“, die sich nicht mehr selbst versorgen können? Die werden wohl in nicht allzu ferner Zukunft in ihren Exkrementen eine ganze Weile länger  liegen bleiben, bevor sie von einer völlig überlasteten Pflegekraft aus ihrer misslichen Lage befreit werden. Sofern es ihre kognitiven Fähigkeiten noch zulassen, können die Betroffenen während dieser Wartezeit ja über die „positiven Effekte“ nachdenken, die Söders Idee hatte. (hsg)


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