Einer wehrt sich, der andere rennt weg

Zwei „deutsche“ Fußballspieler in London überfallen

Zwei „deutsche“ Fußballspieler wurden in London Opfer eines versuchten Raubüberfalles, Mesut Özil vom FC Arsenal und sein Teamkollege Sead Kolasinac. Die „Deutschen“ zeigten bei dem Überfall recht unterschiedliche Nerven, wie der FOCUS berichtet:

Unbekannte haben in London versucht, den deutschen Fußballstar Mesut Özil vom FC Arsenal und seinen Teamkollegen Sead Kolasinac auszurauben. Auf einem Überwachungsvideo ist zu sehen, wie ein offenbar mit einem Messer bewaffneter Mann an die Autotür tritt, wo Özil sitzt. Kolasinac schlägt die Angreifer schließlich in die Flucht.

Özil saß in einem Mercedes G-Klasse-Geländewagen, als sich der Vorfall ereignete. Laut „Daily Mail“ waren die Angreifer auf einem Roller unterwegs. In dem Video, das auf Twitter verbreitet wurde, ist ein Mann mit Helm zu sehen. Der Ex-Schalker Kolasinac, der wohl am Steuer saß, soll aus dem Wagen gesprungen sein und die Angreifer vertrieben haben.

Özil rannte dem Bericht zufolge in ein türkisches Restaurant. Mitarbeiter seien daraufhin zur Hilfe geeilt. Einem Zeugen zufolge hätten die Männer Özil zuerst sogar noch verfolgt. „Özil sah aus, als würde er um sein Leben rennen“, zitiert die „Daily Mail“ den Zeugen.

Nun, so sind sie eben, „die Deutschen“: Einer hat Eier in der Hose und wehrt sich gegen einen Messermann, der gegen die Autotür tritt, der andere verliert seine Nerven und rennt wie um sein Leben in ein türkisches Restaurant. Ein Querschnitt der deutschen Gesellschaft, gewissermaßen.




Die Nationalmannschaft – oder wie ein Ehrenamt pervertierte

Von EUGEN PRINZ | Um einst Zeuge großer Momente der DEUTSCHEN Nationalmannschaft zu werden, musste man nicht unbedingt ein Fußballfan sein, Patriot genügte auch schon. Da war das „Wunder von Bern“, der erste Weltmeistertitel 1954. Dann das Endspiel zwischen Deutschland und England 1966 mit dem berühmtesten Tor der Fußballgeschichte.

Unvergessen ist der WM Sieg 1974 mit Franz Beckenbauer als Kapitän der DEUTSCHEN Nationalmannschaft. 16 Jahre später dann die Szene, als Kaiser Franz als Bundestrainer nach dem Gewinn des Endspiels am Zenit seiner Karriere einsam und tief in Gedanken versunken langsam über das Spielfeld schlenderte. Das waren Momente, die graben sich ins Gedächtnis ein, die lassen einen in Ehrfurcht vor dem großen Moment zurück. Da rannten, schwitzten und kämpften DEUTSCHE Spieler, die ihre Staatsangehörigkeit im Herzen trugen und nicht nur im Reisepass. Sie rannten, schwitzten und kämpften für die Ehre und den Erfolg ihres Landes und seiner Staatsbürger. Und sie taten das, verglichen mit den heutigen Tarifen, für ein Butterbrot und trotzdem mit Begeisterung.

Der patriotische Fußball ist endgültig tot

All´ das gehört nun der Vergangenheit an, weil zuerst der Kommerz und nun auch noch die Ideologie Einzug gehalten haben in diesen einst großartigen Sport. Jetzt leben wir in einer Zeit, in der man die Nationalspieler beim Einsteigen in das Flugzeug sieht und sich die Frage stellt, ob das jetzt die „Mannschaft“ beim Abflug zur WM oder ein Abschiebeflug nach Afghanistan ist. Die Anzahl der Passagiere und der Teint eines Teils der Spieler läßt jede der beiden Schlußfolgerungen zu.

Unpatriotisch, kommerzorientiert und systemkonform

Zugegeben, das war jetzt böse und unter der Gürtellinie, aber durch ihr Auftreten provozieren jene, die eigentlich den deutschen Fußball würdig gegen die besten der Welt vertreten sollten, eine solche Spitze. Die Nationalspieler legen bei der WM inzwischen die selbe Söldner-Attitüde an den Tag, wie sie es das ganze Jahr bei dem Verein tun, in dessen Auftrag sie für Teuergeld gerade dem Ball nachlaufen. In Interviews leiern sie lust- und geistlos Textbausteine und Worthülsen herunter, die Nationalhymne vor dem Spiel wird ausgesessen, bestenfalls brummt noch der eine oder andere widerwillig mit. Deutschland geht den einen am Allerwertesten vorbei, die anderen sehen sich innerlich gar nicht als Bürger dieses Landes. Erschwerend kommt hinzu, dass sie nicht einmal die notwendige spielerische Leistung bringen müssen, weil der Nationaltrainer bei der Mannschaftsaufstellung zum Teil ideologischen Gesichtspunkten den Vorzug vor dem sportlichen Können gibt.

So wundert es nicht, dass sich inzwischen viele von der deutschen Nationalmannschaft, pardon, „der Mannschaft“, abgestoßen fühlen und ihr sogar die Niederlage wünschen. Und die meisten davon sind bestimmt keine Rassisten. Es ist ihnen sicherlich egal, ob ein Deutscher schwarz, braun, rot, gelb oder grün ist. Er muss sich nur als Deutscher fühlen und das bei passender Gelegenheit auch offen zum Ausdruck bringen. Egal ob er weiß, oder schwarz ist, oder Özil heißt. Aus voller Brust die Nationalhymne mitzusingen gehört einfach dazu, wenn man sein Land in der Nationalmannschaft vertritt. Nach dem was Özil von sich gegeben hat, täte gut daran, seinen deutschen Pass zurückzugeben und sein weiteres Leben als „stolzer Türke“ zu führen. Walk the talk, Mr. Özil! (Sie haben doch sicherlich in Manchester schon ein paar Brocken Englisch gelernt!).

Auch den anderen Spielern ist offenbar nicht ausreichend bewußt, dass sie mit der Teilnahme an der WM ihr Land nach außen vertreten und Millionen von Augen auf sie gerichtet sind. Oder es ist ihnen egal, wer weiß. Sie sehen die Teilnahme an der WM als ein Geschäft an, für das sie bezahlt werden und das ihren Marktwert steigert.

Obszöne Prämien als Ersatzmotivation für verloren gegangenen Nationalstolz

Um diese These zu untermauern, muss man sich nur die Prämie für die Weltmeister von 2014 ansehen: Jeder Spieler war nach dem Gewinn der WM Titel um 300.000 Euro reicher. Hätte es die „Mannschaft“ auch heuer wieder geschafft, wären es sogar 350.000 Euro geworden. Aber auch ohne den WM –  Titel hätte es einen Haufen Geld gegeben, wenn der multikulturelle Söldnerhaufen in der ersten Runde nicht gleich so sang- und klanglos untergegangen wäre: Bei Erreichen des Viertelfinales 75.000 Euro, für den Halbfinaleinzug 125.000 Euro, für den 3. Platz 150.000 Euro und 200.000 Euro für die Endspielteilnahme. Angesichts dieser Summen ist es kein Wunder, wenn man eine Weltmeisterschaft nicht anders sieht als das Tagesgeschäft bei seinem aktuellen Verein.

Warum der DFB diese Prämien bezahlt

Und warum zahlt der DFB solche hohen Prämien? Ganz einfach: Weil die Fußballbosse ihre Pappenheimer kennen und genau wissen, dass diese keinen Bock zum Laufen haben, wenn man ihnen nicht mit der Silikonspritze ein Vermögen in den Allerwertesten pumpt.

Hätte der Autor das Sagen, würden den Nationalspielern bei den entsprechenden Turnieren nur die Auslagen erstattet. Die Spieler verdienen das ganze übrige Jahr bei ihrem jeweiligen Verein ein Vermögen. Da könnte man eigentlich schon erwarten, dass sie sich dem Land, das ihnen diese beispiellose Karriere ermöglicht hat und ihnen zu Ruhm und Reichtum verhalf, bei entsprechenden Anlässen unentgeltlich zur Verfügung stellen. Und man könnte erwarten, dass sie bei solche Spielen aus Patriotismus Laufen und Kämpfen bis ihnen die Zunge heraushängt, auch wenn es außer Ehre und Ansehen nichts zu lukrieren gibt. Übrigens, genau das war früher einmal der Wettkampfgedanke im Sport.

Wäre die WM ein unbezahltes Ehrenamt, würden nur noch Kreisliga – Kicker spielen

Leider funktioniert das aber nicht bei den heutigen jungen Männern, denen jeder Nationalstolz aberzogen wurde und die wie knallharte Geschäftsleute ticken. Und auch nicht bei Migranten, denen man den deutschen Pass nachgeworfen hat und die mit dem Herzen allein ihrem Herkunftsland fest verbunden sind und dies auch immer bleiben werden.

Würde der Deutsche Fußballbund den Vorschlag des Autors aufgreifen, sähen wir beim nächsten Länderspiel lauter Kreisliga – Kicker auf dem Rasen. Von den höheren Chargen würden nur ärztliche Atteste und andere Ausreden in die Büros des DFB flattern.

Aus diesen Gründen ist für den Autor der Fußball schon lange gestorben. Und wenn jetzt jemand einwendet, dass es bei anderen Sportarten und in den anderen Ländern auch nicht anders ist, so kann man nur entgegnen: Ja, leider!




„Der Mensch“ aus „der Mannschaft“ antwortet Kritikern

Dem Mesut Özil ist großes Unrecht geschehen. Da trifft er zusammen mit seinem Landsmann Gündogan nur mal so seinen türkischen Präsidenten Erdogan, den IS-Freund, den Rassisten, den Völkermord-Leugner, der seine Landsleute einsperren lässt, foltern lässt, der die Kurden im Nachbarland Syrien bombardieren lässt. Dafür trifft er nicht bei der deutschen Nationalmannschaft, jedenfalls nicht den Ball, eher auf Fans, die es wagen, ihn dafür zu kritisieren, ihn vielleicht sogar beschimpften. Einer der Vordenker in „der Mannschaft“, der Deutsch-Aduana Jerome Boateng, analysierte diese Situation rund herum um seinen Kumpel Mesut und kam zu folgendem Ergebnis:

„Alle haben sich jetzt Mesut Özil rausgepickt. Das geht nicht. Mesut ist ein Mensch“, sagt Boateng der „Welt am Sonntag“.

Dem ist sicher so. Niemand käme auf die Idee, ihn etwa für einen Frosch zu halten, der Allah verehrt, Fußball spielt und den Mädchen schöne Augen macht. Irgendwie nicht vorstellbar. Nur, warum „pickt“ man sich so einen Ehrenmann „heraus“, warum nur? Jerome weiter, zitiert nach dem FOCUS:

„Er ist ein Künstler am Ball, kein Kämpfer in der Abwehr wie ich. Vielleicht kommt er deswegen manchmal falsch rüber, aber das heißt nicht, dass er nicht will oder gar mit Absicht Fehler begeht.“

Das Foto mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan sei „unglücklich“ gewesen: „Es war zuletzt eine sehr schwierige Situation für ihn.“

Ja, diese Unglücke. Als über die deutsche Ruderin Nadja Drygalla 2012 bekannt wurde, dass ihr Freund bei der NPD ist, nützten alle Beteuerungen und Bekenntnisse zur deutschen Demokratie nichts, sie musste die deutsche Rudermannschaft verlassen. Özil wird nicht wie sie in Sippenhaft genommen, weder als Türke noch als Frosch, weder für seine Herkunft noch für sein Aussehen oder seine Bewegungen (auf dem Platz).

Özil wurde und wird weiterhin befragt, wie er zu Erdogan steht, dem IS-Freund und Rassisten, dem Demokratiefeind und Leugner des Völkermordes an den Armeniern (und türkischen Staatspräsidenten). Wieso lässt er sich mit so einem Unmenschen selig strahlend abbilden? Solche Fragen zu stellen, erregt den Unmut von Türken.

Während es eigentlich eine journalistische Aufgabe und Ehrenpflicht wäre, hier nachzubohren, bis der Despotenfreund sich erklärt hat, sieht es für Journalisten dann manchmal anders aus, wenn sie Türken sind – und der kritisch Befragte ebenfalls. Dann weicht das journalistische Interesse der unbedingten Solidarität mit dem Landsmann, siehe Hatice Aykün, West-Türkin und „Journalistin“.

Hatice Aykün ist empört, dass man so mit Özil umgehen kann, wobei sie – wie auch Boateng – nie genau sagt, was sie da eigentlich so als „Hass“ oder „rassistisch“ gegen den Fußballer ausmacht. Dazu sollte sie eigentlich von Berufs wegen in der Lage sein. Die Türkin holt dagegen die große Keule raus:

Ja, Fußball bedeutet Emotionen. Aber blanker Hass ist keine Emotion, es ist eine Schande und zutiefst besorgniserregend. Das hat nichts mehr mit Fußball zu tun. Diese rassistische Enthemmtheit spaltet uns als Gesellschaft, unser Zusammenleben wird vergiftet.

Aber die Fragen hören nicht auf. Denn eine Antwort zum Treffen mit dem Despoten kam seitdem nicht und das anschließende Theater mit dem Präsidenten „des Landes“, Steinmeier, brachte auch nicht rüber, was man eigentlich damit ausdrücken will. Özils Patriotismus? Seine Verehrung für das deutsche Staatsoberhaupt, diesmal ohne Trikot? Es war ein Foto, etwas zu dürftig geraten, selbst für die auf Symbolik dressierten deutschen Zuschauer.

Das alles sollte doch jetzt, nach der WM, aufgearbeitet werden oder haben wir da was falsch verstanden? Doch Özil schweigt weiter. Nun gut, nicht ganz.

„Mesut Özil bricht das Schweigen“ betitelte die WELT am Samstag die Sensation. Özil hat also doch noch den Mund aufgemacht. Das kam dabei heraus:

„Die Weltmeisterschaft bereits nach der Gruppenphase verlassen zu müssen schmerzt so sehr“, schrieb der Profi des FC Arsenal bei Twitter am späten Freitagabend auf Englisch: „Wir waren einfach nicht gut genug. Ich werde einige Zeit brauchen, um darüber hinwegzukommen.“

Seinen Post schloss Özil mit dem offiziellen Fifa-Hashtag „SayNoToRacism“ (Sag Nein zu Rassismus) ab. Vielleicht ein Protest gegen die Anfeindungen, denen sich Özil nach den Erdogan-Fotos und seinem beharrlichen Schweigen zum Vorfall ausgesetzt sieht.

Also eine Argumentation wie bei der Journalistin Aykün oder bei Kumpel Jerome Boateng, dem Abkömmling aus „dem Clan der Aduana der Akan-Ethnie“.  Özil sieht sich „als Mensch“, und wenn man den Menschen Özil kritisiert, dann ist das Rassismus. Und zu Rassismus sagt Özil: „No!“. Das war’s dann schon.

Antworten wird Özil nichts weiter als das, was er bislang entsprechend seinen intellektuellen Fähigkeiten schon geäußert hat. Wer in Zukunft in einem ähnlichen Fall, will sagen bei einem ähnlichen Menschen, Sportler oder Imam oder sonstiger Türke, solche kritischen Nachfragen stellen will, der sollte aber aus und mit diesem Fall (und dem der Ruderin) gelernt haben:

Es gilt immer fein zu unterscheiden. Manche von denen sind „Menschen“, andere nicht. Nur so erklärt sich die unterschiedliche Behandlung und Kritik, die mal erlaubt ist, und manchmal, als „Rassismus“, eben auch nicht.