Der Kauf von Condor durch die polnische LOT kann Signalwirkung haben

Deutschlands Wirtschaft stagniert: Holt uns Polen bald ein?

Von DR. VIKTOR HEESE | Um die Polen-Witze ist es ruhiger geworden. Es fällt zudem auf, dass Polen zum Jobben lieber an die Themse als an den Rhein ziehen. Ukrainische Gastarbeiter bleiben ohnehin lieber gleich im polnischen Wirtschaftswunderland. Mercedes Benz baut eine Batteriefabrik in Schlesien, Westinvestoren loben das Wirtschaftsklima an der Weichsel, Touristen die gute Infrastruktur (Autobahnen). Statistiken belegen, dass der östliche Nachbar gerade Österreich und die Schweiz im Handel mit Deutschland überholt hat. Jetzt übernimmt noch medienwirksam die Fluglinie LOT die deutsche Traditionsmarke Condor. Was ist da passiert im einstigen Armenhaus Europas?

Kapitalismus und nicht EU-Gaben der Wachstumsmotor

So manche Deutsche, die Polen nicht objektiv gesonnen sein wollen, suchen krampfhaft die Ursache in den mickrigen EU-Subventionen (acht Milliarden Euro oder 0,7 Prozent des BIP), viele älteren sogar in der „Bereicherung durch die annektierten deutschen Ostgebiete“. Eine solche Realitätsverweigerung will nicht wahrhaben, dass die Marktwirtschaft nicht nur in Deutschland Wirtschaftswunder möglich gemacht hatte und dass auch die der „Faulheit“ verdächtigten Nationen mit ihm umzugehen verstehen. Einige Merkel-Verzweifelte sind einfach neidisch, weil es im Osten einen starken Staat gibt, in dem das Multikulti-Chaos ausbleibt und hunderttausende Polen ihre nationale Identität in Demonstrationen zum Ausdruck bringen dürfen.

Bei drei Prozent Wachstumsvorsprung wird Deutschland in einer Generation eingeholt

Es geht noch weiter. Wenn Deutschland weiter stagniert, wird es beim Pro-Kopf-Einkommen kürzer als in einer Generation bzw. in weniger als 20 Jahren von Polen eingeholt. Das ergibt rein mathematisch der Wachstumsvorsprung von drei Prozent jährlich (im Vorjahr waren es vier Prozent). Nach IWF-Zahlen belief sich 2018 das BIP pro Kopf auf 52.000 US-Dollar (nach Kaufkraft) in Deutschland und 32.000 US-Dollar in Polen.

Absolut gesehen würde die deutsche Wirtschaftskraft in zwanzig Jahren bevölkerungsbedingt dann zwar immer noch doppelt so stark wie die polnische sein. Kann das jedoch der Anspruch des einstigen europäischen Champions sein? Hier eine Anmerkung am Rande: Bei allem Selbstlob hat es hierzulande niemand so richtig bemerkt, dass wir die absolute BIP-Führung mit 4,5 Bill. US-Dollar in diesem Jahr wohl früher als erwartet an Russland verlieren werden. Von wegen die stärkste Wirtschaft Europas!

Deutsche Konzerne behalten die Oberhand, aber wem werden sie in 20 Jahren gehören?

Mehr Einkommen bedeutet nicht zwngsläufig mehr Vermögen, das erst in Jahrzehnten aufgebaut werden muss. Hier bleibt der riesige Vorsprung Deutschlands in einer Generation wohl noch erhalten. Auch die osteuropäischen Konzerne stehen noch meilenweit hinter den DAX-Titeln, wachsen dennoch kräftig. Ein Blick auf die Forbes-Liste der 200 größten Weltkonzerne zeigt, dass die Musik dabei ohnehin in den USA und China spielt und Europa bzw. Deutschland weit abgeschlagen bleiben (Volkswagen Platz 18.). Nicht-russische Osteuropäer sind in der Bestenliste erst gar nicht zu finden. Der russische Nord Stream 2-Lieferant, der Energieriese Gazprom, belegt hier gerade den Platz 40.

Die Condor-Übernahme ein „Kleingeschäft“, aber mit Signalwirkung

In globalen Umfeld ist der Deal zwischen der verstaatlichten polnischen LOT und der durch die Pleite von Thomas Cook angeschlagenen Condor allenfalls ein Spiel in der Regionalliga. Zum Vergleich; Bayer hat für Monsanto über hundert Mal mehr gezahlt!

Die Polen sollen mit 600 Millionen Euro ohnehin für die veraltete (18 Jahre im Durchschnitt, bei LOT acht Jahre) und personalintensive (5000 Beschäftigte bei Condor, 2000 bei der neuen Muttergesellschaft) Flotte zu viel geboten haben. Die Deutschen haben Grund zur Freude, dass sie nicht in Hände einer mitbietenden US-Heuschrecke fielen. In Warschau wird der Deal an die große Glocke gehängt, das Land und die regierende PiS hegen weitere Ambitionen – der Flughafen Warschau soll bis 2027 expandieren und mit 100 Millionen Fluggästen mehr bedienen als heute Frankfurt.

Alles nur purer „Wirtschaftspopulismus“ eines erwachenden Staatkapitalismus oder reelle Chance?

Osteuropa holt uns ein und wir versinken im Eigenlob, Tricksereien und Migrationsherrlichkeit

Fakt ist: Osteuropa holt uns allmählich ein, weil Deutschland stagniert. Und was berichten unsere Medien- und Politik-Eliten? Weiter so, wie gehabt.

Wer die Wachstumsprognosen der Schätzer – von IWF bis Ifo – und ihre Finanzierung vergleicht, wird schnell erfahren, wer die Musik bezahlt. Was soll dabei schon Objektives herauskommen, wenn Berlin im Großteil die deutschen „Institute durchfüttert“? Ist es ein Zufall, dass sich alle Prognosemacher in eine Richtung zugunsten der Regierung, sowohl 2018 als auch 2019 geirrt haben?

Wie wird es weiter gehen? In den Überschriften des Mainstreams ist zu lesen, alles sei halb so schlimm. Delle, Abschwächung, Verlangsamung, Abkühlung, Mini-Plus, Aufschwungende. Mit einem blauen Auge davongekommen, ja – Rezession oder sogar Wirtschaftskrise, nein.
Hier und dort versuchen Durchhalteparolen die Lage zu entschärfen und Mut zu machen: Gesamtstaat macht Überschuss – wird triumphierend festgestellt. Soll wohl heißen, es geht uns nicht so schlecht, wenn wir noch Geld zum Sparen haben (Indien spart auch!). Ah ja, das Job-Wunder nicht zu vergessen.

Alles im Griff auf dem sinkenden Schiff!


Dr. Viktor Heese.

Dr. Viktor Heese ist Dozent und Fachbuchautor. Spezialisiert hat er sich auf dem Gebiet der Börsen und Banken. Für Börsenanfänger hat er das Buch „Fundamental- versus Charttheorie. Methoden der Aktienbewertung im Vergleich“ (Springer 2015) verfasst. Er betreibt die Blogs prawda24.com und finanzer.eu und gibt den Börsenbrief „Der Zinsdetektiv“ heraus. Heese kommt aus Masuren und lebt seit über 40 Jahren in Köln. Kontakt: heese1@t-online.de




Einreiseerleichterung für Kaliningrad (Königsberg)

Von DR. VIKTOR HEESE | Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit öffnete Russland am 1. Juli des Vorjahres die Grenze in seine Ostsee-Exklave Kaliningrad (früher Königsberg/Hauptstadt Ostpreußens). Bürger aus 53 Ländern – darunter aus allen EU- und anderen Schengen-Ländern, nicht aber aus den USA – erhalten auf Antrag innerhalb von vier Tagen kostenlos ein acht Tage gültiges Touristenvisum (E-Visum). Eine ähnliche Lösung gibt es ab 2017 schon für 18 asiatische Länder am anderen Ende des Ostreiches für die Einreise nach Wladiwostok.

Geste des guten Willens in einer russlandfeindlichen Umgebung

Wenngleich die Visafreiheit zunächst nur für das Königsberger Gebiet – und nicht für das gesamte Land – gilt, so hat sie doch Symbolcharakter. Ab 2021 ist ein kostenloses E-Visum für ganz Russland geplant. Inwiefern die Belebung der regionalen Touristik in der Exklave der wahre Grund ist, ist Ansichtssache. Dennoch: Umgekehrt benötigen russische Staatsbürger immer noch ein Visum für die Einreise in den Schengen-Raum. Vielleicht ein Glück für unser Deutschland, wenn damit die Infiltration islamistischer Tschetschenen verhindert wird? Oder ist das schon ein „rassistischer“ Gedanke?

Neuauflage des kleinen Grenzverkehrs Polen – Russland von 2012–2016?

Was für Russland ein Test sein mag wird für die Polen ein gutes Geschäft werden. Denn die größten Profiteure des russischen Goodwills werden die Bewohner polnischer Grenzregionen sein, die 2012-2016 vom lebhaften Handel (Kleinschmuggel?) des kleinen Grenzverkehrs profitierten. Den hat die PIS-Regierung 2016 einseitig abgeschafft.

In den Osten flossen damals vor allem Verbrauchsgüter, nach Polen kamen Tabak und  Alkohol. Allein 2015 passierten fünf Millionen Menschen (davon 70% Polen) die Grenze in beide Richtungen. Ob die „alten guten Zeiten“ wiederkommen, bleibt abzuwarten. Polnische Grenzer und Zöllner in den Masuren wagen es auf jeden Fall nicht ihre Landsleute bei den Grenzgängen „zu stark zu kontrollieren“. Auch nach 2016 blieb der Einreisestrom der Russen aus Kaliningrad, die sich oft problemlos ein Schengen-Visum in der französischen oder italienischen Botschaft besorgten – ungebrochen.

Was haben die Deutschen von der Visaerleichterung?

Außer Freude über den kleinen Entspannungsschritt, werden sich vielleicht einige noch lebende Alt-Königsberger und andere „normale“ deutsche Touristen freuen, die früher vom kleinen Grenzverkehr ausgeschlossen waren. Idealerweise lässt sich ein solcher Königsberg-Trip mit einer Ostpreußen-Reise verbinden. Von Danzig (Allenstein) nach Königsberg sind es gerade 150 (130) km, oder etwa zwei Autostunden. Auch die Grenzabfertigung an den vier Übergängen verläuft nicht so penibel wie in das Freundesland USA. Interessierte Liebhaber bekommen jetzt einfacher die Chance ganz Ostpreußen – und nicht nur seinen südlichen Teil, die Masuren  –  bei einem Ausflug besser kennenzulernen. Die Entwicklung bleibt abzuwarten.

Moskaus Bedrohung hin, NATO-Manöver als Abschreckung her, nach der Grenzöffnung Weißrusslands für Westbesucher ist das eine sichtbare Entspannungsgeste des Ostens.

Baltische Apartheid für russische „Nichtbürger“ in Estland und Lettland besteht immer noch

Von der Visaerleichterung profitieren EU-Bürger aus den russlandfeindlichen baltischen Staaten Litauen, Lettland und Estland. Nirgendwo in der EU gibt es den Status eines „Nichtbürgers“, wie für die russischen Minderheiten in Estland (28% der Gesamtbevölkerung) und Lettland (35%). Das bemerkt sogar unser demokratieliebender Spiegel. Na ja, die russische Bedrohung!

Grenzzäune gibt es außerdem nicht nur an Ungarns Grenzen, sondern auch im fernen Baltikum. Wer diese gebaut hatte ist dokumentarisch festgehalten (hier und hier).

Alles nur russisch-putinische Propaganda?


Dr. Viktor Heese.

Dr. Viktor Heese ist Dozent und Fachbuchautor. Spezialisiert hat er sich auf dem Gebiet der Börsen und Banken. Für Börsenanfänger hat er das Buch „Fundamental- versus Charttheorie. Methoden der Aktienbewertung im Vergleich“ (Springer 2015) verfasst. Er betreibt die Blogs prawda24.com und finanzer.eu und gibt den Börsenbrief „Der Zinsdetektiv“ heraus. Heese kommt aus Masuren und lebt seit über 40 Jahren in Köln. Kontakt: heese1@t-online.de




Grüße aus Warschau: Wir haben die Tschetschenen fest im Griff!

Von DR. VIKTOR HEESE | Gerade hören wir von den Anschlagsplänen der tschetschenischen Islamisten. Polen hat diese Probleme nicht, obwohl fast alle Nordkaukasier seit zwanzig Jahren über dieses Land zu uns einreisen.

Die Vorgeschichte von 2003

Als die russische Armee 2003 die Separationskriege in Tschetschenien beendete, ließ Polens PO-Regierung 90.000 muslimische Nordkaukasier mit russischem Pass nach Deutschland und Österreich durch das Land ziehen. Einige beantragten damals in Polen Asyl. Das Schengener Abkommen unterschrieb Warschau – hat die längste EU-Außengrenze – erst 2007. Nach der deutschen Grenzöffnung 2015 strömten neue Massen in das „gelobte Land“. Hauptübergang ist und war der Grenzübergang Brest (Weißrussland) – Terespol (Polen).

2016 kam das Aus mit der Völkerwanderung durch Polen

Nach dem Regierungswechsel 2015 und dem Beginn des Streits mit der EU wurde den Polen die Angelegenheit zu heiß. Sie stoppten 2016 die Völkerwanderung, da sie befürchteten, auf den „Migranten“ sitzen zu bleiben. Nachdem Warschau sich weigerte, die 7.000 EU-Quotenflüchtlinge aufzunehmen, schlug Brüssel, dem die Altfälle von 2003 gelegen kamen, zurück. Polen musste von 2015 bis 2017 über 2.700 „seiner Asylanten“ zurücknehmen. Da Berlin ihm nicht traute, schufen die akkuraten Deutschen schon 2014 eine besondere Abschiebeordnung für alle Polen-Flüchtlinge.

Wie viele Tschetschenen sich heute hinter der Oder aufhalten, wissen die Polen selber nicht, wie die Debatten im Sejm zeigen. Die Tschetschenen sind von anderen Migranten mit russischem Pass schwer zu unterscheiden. Ministerpräsident Morawiecki führte eine Zahl von 25.000 an, die angeblich doppelt so hoch wie in Deutschland ist. Polnische Aktivisten wissen es natürlich besser und erkennen nur ein Sechstel davon an. Wie dem auch sei, neue Asylanten werden nicht hereingelassen und die mit ungeklärtem Status hier Geduldeten von etwa 10.000 insgesamt hat man unter Kontrolle. Es wird auch gar nicht erst versucht, die Geduldeten und Abgelehnten zu integrieren, was sowohl diese als auch die Polen nicht wollen. Über die Zustände in Deutschland ist man bestens informiert.

Impressionen von der „Grenze des Unrechts“ (polnische Aktivisten) in Terespol

Seit 2016 verstoßen die Polen offen gegen Schengen und lassen keine „Asylsuchenden“ mehr herein. Die Abgewiesenen probieren es trotzdem, der Rekord liegt bei 80 Einzelversuchen. Formal müsste Polen die Leute aufnehmen, die Asylanträge prüfen, unterbringen und bei Ablehnung abschieben. Ob die sanktionierten Weißrussen sie durchlassen und die Russen noch aufnehmen, ist niemals nicht ernsthaft geprüft worden.

Der Westen läuft Sturm gegen den östlichen Nachbarn und zieht alle Register. Pressekampagnen über Menschenrechtverletzungen, Klagen über Behinderungen in Terespol schnüffelnder NGOs, Rechtsberatungsboom für „Hilfesuchende“ und Bau von Flüchtlingsheimen in Weißrussland – alles finanziert mit westlichem Geld. Die Nachbarn, Polen und Weißrussland, sind nicht gerade Freunde. Die ersten sind pro-amerikanisch, die zweiten pro-russisch. Auch gibt es Spannungen wegen der polnischen Minderheit in Weißrussland. Da es in Tschetschenien keinen Krieg mehr gibt, werden von Asylsuchenden Storys über Hunger, Folter, Gräuel und Gender-Verfolgung erfunden. Die Aktivisten beschimpfen die Grenzer als Sadisten und Rechtsbrecher und sparen nicht mit Horror-News „Polen schickt die Helden in den Tod zurück“.

Die Uniformierten lassen sich nicht provozieren, berufen sich auf die in der Verfassung verankerte Pflicht des Grenzschutzes. So geht das Spiel, hin und her. Manche Abgewiesene haben es schon über 80 Mal versucht. Hin und wieder tauchen auch in Polen Ideen auf, wie die auch von der Kirche promovierte Idee von „humanitären Durchreisekorridoren“, ohne dass irgendwelche Abkommen mit potentiellen „Abnehmerländern“ geschlossen werden konnten.

Auf eine EU-Anschuldigungen bleibt Warschau stumpf

Warschau bleibt hart und will keine Fakten schaffen und juristische Spielchen verhindern. Über diesen einmal geöffneten Weg würden sich schnell Tausende aus Zentralasien auf den Weg machen. Während der mediale Polenfeldzug auf Hochtouren läuft, lässt sich das Land nicht beirren. Auf eine EU-Anschuldigung (Stichworte: Migration, Justizreform, Pressefreiheit, „Rodung“ des Urwaldes in Bialowieza) mehr oder weniger kommt es jetzt wirklich nicht mehr an.

Polen ist ein ökonomisches Einwanderungsland und profitiert von der kontrollierten Immigration

Weil Polens Wirtschaft laut Weltbankprognose mit einem prognostizierten BIP-Wachstum von 4% – im von der Rezession gefährdeten Deutschland sind es gerade 1,3% – in 2019 weiter boomt und das Land Arbeitskräfte braucht, wird eine kontrollierte Immigration zugelassen.

Neben den bis zwei Millionen hier arbeitenden Ukrainern, die angeblich mit der Ausreise nach Deutschland liebäugeln, aber hier nicht ankommen, werden schon in Asien Fachkräfte gesucht. Tausende Inder haben davon Gebrauch gemacht. Auch das passt der EU-hörigen Opposition nicht. Der PIS-Regierung wir vorgeworfen „immigrationsfeindliche Rhetorik“ zu betrieben und andererseits eine Viertelmillion neue Arbeitskräfte ins Land gelassen zu haben. Dummheit kennt eben keine Grenzen.


Dr. Viktor Heese.

Dr. Viktor Heese ist Dozent und Fachbuchautor. Spezialisiert hat er sich auf dem Gebiet der Börsen und Banken. Für Börsenanfänger hat er das Buch „Fundamental- versus Charttheorie. Methoden der Aktienbewertung im Vergleich“ (Springer 2015) verfasst. Er betreibt die Blogs prawda24.com und finanzer.eu und gibt den Börsenbrief „Der Zinsdetektiv“ heraus. Heese kommt aus Masuren und lebt seit über 40 Jahren in Köln. Kontakt: heese1@t-online.de




Wer oder was soll den WDR (die ARD) ersetzen?

Von DR. VIKTOR HEESE | So sehr die Aktionen der WDR-Demonstranten und Identitären hervorzuheben sind, so beunruhigen doch zwei Aspekte. Werden sich deutsche Michels niemals auf die Straße wagen, egal wie sehr man sie beleidigt („Umweltsau“)? Eine apokalyptische Vorstellung! Genauso wichtig ist die Frage: Hatten die Rebellen kein Ersatzkonzept für den WDR in der Tasche? Wer Dekadentes abschaffen will, sollte einen eigenen Lösungsvorschlag haben. Sonst bekommt er zu hören, er wolle nur zerstören!

Demonstrationen, GEZ-Boykotte, „Cent-Zahlungen“ und Dauerklagen reichen nicht aus

Obige Formen des zivilen Ungehorsams beantworten nicht die Frage, was soll danach kommen. Zudem sind sie unwirksam, wenn nur ein paar Dutzend demonstrieren. Auch die „Zahlungsakrobatik“ mit Cents und in Teilbeträgen kann mit einer neuen Verordnung verboten werden. Last but not least: Was nützt der ganze Aufstand, wenn die „politisch korrekten Gerichte“ nicht mitmachen. Was muss also kommen, damit sich in Berlin etwas bewegt!

GEZ-System als Testfall für die Zumutbarkeitsmaß des Bürgers?

Wo läge für den Staat das Problem, die ARD im Notfall aus dem Staatshaushalt – wird in einigen EU-Ländern längst praktiziert – zu finanzieren. Hätten die Bürger damit etwas gewonnen? Wollen wir nur die GEZ-Abschaffung oder ein objektives bürgerliches Fernsehen?

Es stellt sich die Frage, ob die Politik so hartnäckig am GEZ-System festhält, weil sie damit die Leidensfähigkeit des apathischen deutschen Michels testen will? Geht es irgendwann nicht mehr, werden die Zwangsgebühren wegfallen, eine Änderung des „Rundfunkvertrages“ alsbald durchgewunken. Bei der Neuen ARD bleibt alles beim Alten. Das klingt perfide, denkbar ist es schon.

„Frontaktivisten“ sollten ein Reformkonzept haben!

Zukünftige Demonstranten sollten daher mit einer echten „Drohgebärde“ überraschen. „Wir kommen wieder!“ reicht da nicht aus. Wie wäre es mit der Forderung: Reformiert euch, sonst schaffen wir unser eigenes Fernsehen! Kein detailliertes Reformpapier wäre dabei nötig, eine von bekannten Persönlichkeiten unterzeichnete Absichtserklärung würden für den Anfang genügen, um Berlin aufhorchen zu lassen. Es ist schon bedauerlich, dass das Land der „Dichter und Denker“ offensichtlich nicht imstande ist – oder habe ich etwas übersehen? – hierfür ein Kompetenzteam ins Leben zu rufen.

Wie wirksam andererseits eine Protestbewegung sein kann, zeigt – leider im negativen Sinne! – das unrühmliche Treiben der Deutschen Umwelthilfe! Warum zeigen immer nur die Linken und Grünen Entscheidungskraft und nicht die schweigende und steuerzahlende Mitte.

Viele Wege führen nach Rom – und welche führen zum Fall der ARD?

Wer einen mächtigen Gegner wie die ARD – die Tochter WDR ist hier nur ein Frontabschnitt – besiegen will, sprich: ihr Monopol brechen, muss strategisch, breit angelegt und geduldig vorgehen.

Wie kann so etwas in der Praxis klappen? Zunächst wären alle „Frontaktivitäten“ (A in unterer Graphik) kontinuierlich durch durchdachte „Stabsaktivitäten“ (B bis D) zu unterstützen. Auch spontane Demonstrationen sollten ein klares vom Kompetenzteam ausgearbeitetes Konzept haben.

Das Team und seine Anhänger dürfen sich nicht irritieren und verunsichern lassen, wenn sie noch kein reifes Konzept Ersatzkonzept vorlegen können und deswegen von den ARD-Profiteuren und hoch dotierten „TV-Experten“ bekämpft werden. Der Anfang und der Versuch sind wichtig. Bricht erst eine öffentliche Diskussion aus, ist das schon der halbe Sieg. Diskussionen neigen dazu zu eskalieren.

Eine neue Bürgerliche Nachrichtensparte sollte den Anfang machen

Bei den Varianten für die ARD-Nachfolge muss das Rad nicht neu erfunden werden. Nicht ein neues kostspieliges Vollprogramm braucht das Land, sondern dringend eine neue Nachrichtensparte, die uns vor der totalen Verdummung schützt.

Mögliche Wege zum Fall der Öffentlich-Rechtlichen.
Mögliche Wege zum Fall der Öffentlich-Rechtlichen.

Die idealste, wenngleich schwierigste Variante, bringt das Konzept des Bürgerlichen Fernsehens (A), dessen Gründung schon vorgestellt wurde. Aber auch Lösungen, die es in Praxis in anderen Ländern schon gibt, gehören auf die Diskussionsbank.

Beim Modell „TV für die Opposition“ wäre z.B. einer, durch den Volksentscheid legitimierten Gruppe Sendezeiten einzuräumen. Die ARD stellt die Infrastruktur zur Verfügung, die Opposition das Programm. Die Gefahr: In der traurigen deutschen Realität bekämen vielleicht die besser organisierten linken und grünen Grupperungen noch mehr Einfluss.

Beim Modell „TV-Partnerschaft“ könnte dagegen ein potenter ausländischer Investor die Finanzierung für die ihm vertraglich zugesicherten Einnahmen aus der Werbung bereitstellen. Denn es darf beim Kampf gegen die omnipotente ARD keine Tabus geben. Kompromisse sollten möglich sein. Klar, in der Ungewissheit über den strategischen Investor liegt die Schwäche des Konzeptes.

Dennoch: Wäre es nicht pikant, wenn der russische Sender RT Deutsch, der sich zuletzt bei den Übertragungen der Gelbwestendemonstrationen einen Namen gemacht hatte, ins Boot geholt würde? Vorwurf des Putin-Fernsehens hin, neue Drohungen des Lizenzentzugs her – in Thüringen strahlt der Lokalsender Salve TV bereits die Sendungen von RT Deutsch täglich aus und wird dafür von der Politik stark kritisiert. Es lohnt sich nachzulesen, wie sehr unsere Demokraten die „Russenpropaganda“ fürchten.

AfD-TV oder Freigeist.TV sind keine echten Fernsehsender, sondern Youtube-Kanäle

Die GEZ-Demonstranten sollten ausdrücken können, was sie fordern und nicht nur, wogegen sie opponieren. Zur Wahrheit gehört die Feststellung, dass in Sachen Bürgerfernsehen erst wenig erreicht wurde. Denn zum einen scheint es mit den fünf Millionen GEZ-Boykotteuren (elf Prozent aller Haushalte) nicht zu stimmen, wenn die GEZ-Gebühren nur minimal zurückgegangen sind. Zum anderen muss mit dem Mythos aufgehört werden, man hätte längst erfolgreiche Alternative Fernsehsender am Laufen. AfD-TV und andere sind keine echten Fernsehsender, sondern Youtube-Kanäle. Die  computeraverse „Umweltsau“ weiß von ihrer Existenz nicht!


Dr. Viktor Heese.

Dr. Viktor Heese ist Dozent und Fachbuchautor. Spezialisiert hat er sich auf dem Gebiet der Börsen und Banken. Für Börsenanfänger hat er das Buch „Fundamental- versus Charttheorie. Methoden der Aktienbewertung im Vergleich“ (Springer 2015) verfasst. Er betreibt die Blogs prawda24.com und finanzer.eu und gibt den Börsenbrief „Der Zinsdetektiv“ heraus. Heese kommt aus Masuren und lebt seit über 40 Jahren in Köln. Kontakt: heese1@t-online.de




Dreiklassensystem in der Beschäftigtenwelt der Öffentlich-Rechtlichen

Von DR. VIKTOR HEESE | Bei den öffentlich-rechtlichen Sendern ARD und ZDF arbeiten über 44.000 Festangestellte und „arbeitnehmerähnliche Freie“ (1. und 2. Klasse) sowie eine hohe Zahl von „freien Freien“ (3. Klasse) – so gruppiert zumindest die Rosa-Luxemburg-Stiftung der Linken dessen Beschäftigte ein. Das Personal übersteigt damit die Einwohnerzahl einer mittelgroßen Stadt wie Iserlohn. Privilegierte Talk-Millionäre wirken neben diskriminierten Drittklasslern.

Markt und Selbstbedienung – Gehälter in der Wirtschaft und im Parlament?

Die Öffentlich-Rechtlichen beschäftigen nicht nur eine Mittelstadt, sondern generieren Einnahmen von neun Milliarden Euro, die zum Beispiel über dem Umsatz des Kosmetikriesen Beiersdorf (7,5 Milliarden Euro) liegen. Der DAX-Titel arbeitet aber unter Konkurrenzbedingungen. Der Markt zwingt die Hamburger zur Leistung, das Aktienrecht zur Transparenz. Die Gehälter inklusive Vorstandsboni müssen erst verdient werden. Auch bei den Gagen unserer Parlamentarier herrscht weitgehend Transparenz. Über die Leistung wollen wir nicht reden.

Wer bestimmt aber die Gehälter bei ARD und ZDF?

Anders ist es bei den Öffentlich-Rechtlichen. Die kargen Gehaltsinfos (siehe Grafik unten) sind nur bedauernswert. Parlamentarische Kontrolle der GEZ-Gelder und Auskunftsrecht Fehlanzeige, angeblich wegen gebotener Staatsferne. Über die politisch korrekten Aufsichtsgremien kontrollieren die Systemeliten den Sender. Es gibt keinen Verantwortlichen, wenn die Dinge schieflaufen, wie eben bei der Gehaltsperversion.

De facto kreierten die Bosse von ARD und ZDF sich ihre Gehaltswelt selbst. Gelang es ihnen doch ihren „Bedarf“ bei der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs (KEF) bis dato durchzuwinken. Solange Geld da war und „Lückenmedien“ unbekannt, kümmerte das den Gutbürger nicht. Die Konzernerträge stiegen durch GEZ-Zwangsgebühren lange Zeit munter um fünf Prozent jährlich. Über solche Zuwächse hätte sich der Malocher und Kleinangestellte gefreut.

Die Konzern-Millionäre

Die echten Millionäre in der ARD sind nicht die Intendanten, sondern die Moderatoren der Polit-Talks und die Showmaster, was sie ihren Produktionsfirmen verdanken. Das Prinzip der „Produktion“ ist einfach wie heuchlerisch: der Moderator liefert alles aus einer Hand (Inhalte, Moderation, Gäste, Studioaufnahmen) und präsentiert der ARD die Endrechnung. Angeblich macht er es „billiger“. Einen Kostenvoranschlag, wie im realen Leben, gibt es nicht. Nur ein nachträgliches Wehklagen, dass es doch zu teuer war – 4.600 Euro pro Minute in der Spitze.

Ob Anne Will in diesem Kontext als ARD-Festangestellte, Scheinselbständige oder als Geschäftsführerin ihrer „Will Media GmbH“ auftritt, ist irrelevant. Relevant ist, dass sie exklusiv für die ARD Sendungen herstellt und ihre GmbH fast ohne Risiko über 1,6 Millionen Euro jährlich Bilanzgewinn „erwirtschaftet“. Zahlen ihre Mitarbeiter denn Sozialabgaben und bekommen eine Altersversorgung? Darüber erfährt der Leser auf der Webseite der Firma nichts.

Wer bei ARD und ZDF das Privileg hat, für sein Wirken Rechnungen präsentieren zu dürfen, ist nicht bekannt. Markus Lanz wird das wohl erlaubt sein, Tagesschau-Sprecherin Judith Rakers wohl (noch?) nicht. Ein normaler Arbeitnehmer und Steuerzahler kann im Alltag davon nur träumen. Auch kein Wirtschaftsvorstand wird sich heimlich an der Consulting-Firma, die seinen Arbeitgeber berät, beteiligen. Wenn das herauskommt, fliegt er.

Exkurs: Günther Jauch – Robin Hood oder Heuschrecke?

Als Krösus unter den „ARD-Produzenten“ gilt zweifelsohne Günther Jauch, der wahrscheinlich 50 Millionen Euro Vermögen sein eigenes nennen darf. Über die Mammutgagen des Superstars vor seiner RTL-Zeit gab es lange Diskussionen. Passiert war nichts, weil es angeblich keinen „besseren“ gab und sein „Marktwert“ so hoch war. Bei fehlender Konkurrenz ließ sich das schlecht überprüfen. Ungeachtet dessen ist es dennoch eine dreiste Nummer, wenn Samariter Jauch (soll 72 Millionen Euro für gute Zwecke gespendet haben) seine – nicht zuletzt mit GEZ-Zwangsgebühren aufgebaute – Produktionsfirma i&u TV an eine US-Heuschrecke KKR verkauft. Wird diese die alten Arbeitsbedingungen seiner 153 Angestellten übernehmen?

Die oberen zehn Tausend (die Außertariflichen) und das Fußvolk (die Tariflichen)

Wieviel Außertarifliche und Tarifliche der ARD-Konzern zählt, ist nicht zu ermitteln. Übrigens ist der Terminus „Grundvergütung“ in der Graphik eine billige Irreführung, wie das Beispiel Bettina Schausten, der Leiterin des ARD-Hauptstadtbüros, zeigt. Die Dame darf zum Festgehalt von 156.120 Euro/Jahr zusätzlich auf Beihilfen, Altersversorgung, Familienzuschlag, Sterbegeld, Reisekosten, Übernachtungsgelder, Jubiläumsgelder, Trennungsentschädigung, Umzugskostenerstattung und noch sonstige „übliche“ ARD-Leistungen hoffen. Werden daraus nicht schnell 200.000 Euro ein zu versteuerndes Einkommen? Es ginge einfacher, wenn die Grundvergütung auf 3000 Euro reduziert wäre, dann wären nach außen alle unterbezahlt und die Neiddebatte gegenstandslos!

Was ist mit dem Prekariat – den „freien Freien“

Wie die obige Studie der LINKEN belegt, wird diese „Freien“ nicht nur diskriminiert, sondern haben zudem auch wirtschaftlich wenig zu lachen. Fehlende Altersabsicherung und Lohnfortzahlung bei Krankheit, schwankende Unterbezahlung und Benachteiligung gegenüber Festangestellten, auch Sexualbelästigungen und vieles mehr sind die relevanten Stichworte. Nach welchen Kriterien werden Aufträge an Fremdfirmen verteilt? In ihren Produktionsbericht gibt die ARD zwar die „Zulieferer“ bekannt, sagt aber nicht, ob diese Aufträge für 1000 Euro oder eine Million erhielten.

Wann kommt der deutsche Robin Hood alias Boris Johnson und zerschlägt das GEZ-System?

Boris Johnson will die BBC-Zwangsgebühren abschaffen und die Nicht-Zahler entkriminalisieren (PI-NEWS berichtete). Die AfD möchte mit dem GEZ-System genauso verfahren. Nach einer politischen Wende stünden ARD und ZDF zur Disposition. Die Betroffenen erkennen die schlechten Zeichen der Zeit. Neue Gesetze würden Inhalte, Vergütungen und Kontrolle regeln. Mit der Selbstherrlichkeit im „Dienste der Demokratie“ wäre es dann vorbei.


Dr. Viktor Heese.

Dr. Viktor Heese ist Dozent und Fachbuchautor. Spezialisiert hat er sich auf dem Gebiet der Börsen und Banken. Für Börsenanfänger hat er das Buch „Fundamental- versus Charttheorie. Methoden der Aktienbewertung im Vergleich“ (Springer 2015) verfasst. Er betreibt die Blogs prawda24.com und finanzer.eu und gibt den Börsenbrief „Der Zinsdetektiv“ heraus. Heese kommt aus Masuren und lebt seit über 40 Jahren in Köln. Kontakt: heese1@t-online.de




Wird Deutschland für einen „faulen Kompromiss“ zahlen müssen?

Von DR. VIKTOR HEESE | Auch die „Pipeline-Krise“ zeigt, wie tief unser Land gesunken ist. Selbst die 1000 Kilometer lange Pipeline kostet nur einen Bruchteil (einmalig zehn Milliarden Euro) dessen, was das Migrationsabenteuer (jährlich 40 Milliarden Euro) verschlingt. In der EU wird Deutschland nicht mehr ernstgenommen, genauso wie das deutsche Volk von den Schädlingen in eigenen Reihen. Dem Steuerzahler darf – drittens – alles zugemutet werden, weil er sich gegen eine noch so schwache Regierung nicht zur Wehr setzt. So wird er wohl den wahrscheinlichen Kompromiss in der obigen Krise bezahlen müssen.

Was ist seit der letzten Drohung Trumps im Januar passiert?

Hier eine kurze Zusammenfassung:

  • Russland ist ökonomisch und finanziell stärker geworden und braucht die Westdevisen weniger denn je.
  • Balten, Polen und die bankrotte Ukraine hetzen unbeirrt gegen Moskau. Kiew braucht selbst die zwei Milliarden US-Dollar Transfergebühren – gerade fünf Prozent unserer jährlichen Asylkosten. Warschau schwimmt weiter auf der Welle seiner Russophobie. Auch bekam es etwas in die Hand gegen die Brüsseler Einmischungen (Justizreform & Co.). Beide Nachbarn wollen die alten Überlandpipelines beibehalten und beim Gastransfer nach Deutschland „mitreden“. Ihnen gelang es sogar, die EU-Justiz gegen den russischen Gasriesen Gazprom einzuspannen.
  • Im Inland initiieren die Grünen eine künstliche „Nord Stream“-Krise wegen ihrer angeblichen Klimaschädlichkeit. Einige Mitläufer aus anderen Parteien sehen darin ebenfalls die Chance, politisches Kapital daraus zu schlagen und hängen sich dran.
  • Last but not least merkt US-Präsident Donald Trump, dass ihm drei Monate vor der Fertigstellung der Pipeline die Zeit davonläuft und macht die Sanktionsdrohung wahr. Selbstverständlich können er und seine Mannen rechnen und er weiß, dass Moskau auf die paar dutzend Milliarden nicht angewiesen ist. Dennoch will Washington Europa generell in dem „großen Spiel“ um Irans Atombombe – um die es hier tatsächlich geht – weiter schwächen und disziplinieren.

Deutschland wird den wahrscheinlichen „Kompromiss“ bezahlen

Keiner kann in die Glaskugel schauen, dennoch scheint bei diesem Wirrwarr ein folgender „fauler Kompromiss“ realistisch, mit dem alle leben könnten:

Zwischen den Parteien wird ein Vertrag oder nur eine „Absichtserklärung“ – schon hier könnte das Gerangel los gehen! – geschlossen. Am Verhandlungstisch dürften sicherlich die EU, Deutschland, Russland und die USA sitzen. Die Pipeline wird zu Ende gebaut, die Durchleitungsmenge aber reduziert (Fifty-Fifty-Lösung?). Eine Investruine auf dem Meeresboden der Ostsee wäre als abschreckendes Mahnmal gegen den „US-Wirtschaftsimperialismus“ auf Dauer ein gefährlicher Sprengstoff.

Die EU, Deutschland und die USA wären damit zufrieden. Berlin, weil es eine Eskalation verhindert und einen „Kompromiss“ ausgehandelt hatte, Washington, weil sie die Europäer doch noch disziplinierte. Gut möglich, dass auch die US-Konzerne in Europa bei dieser Gelegenheit von hiesigen Steuer- und Kartellbehörden noch einmal eine Schonzeit bekämen.

Durch die Senkung der Durchleitung werden die maroden alten Überlandpipelines am Leben gehalten. Polen und die Ukrainer sind weiter „dabei“ und ebenfalls zufrieden. Die Gefahr bliebe groß, dass der Fall Schule macht und die beiden Provokateure – die Ukraine unter Selensky wird einsichtiger – die „Vertragsverletzung“ Russlands in Zukunft immer dann anprangern, wenn sie von Deutschland Geld brauchen. Polen glaubt aber nicht ganz an diese Trumpfkarte und will vorsichtshalber Atomkraftwerke bauen.

Russland kann mit jeder Variante leben. Hauptsache die Abnahmeverträge werden eingehalten, egal ob das Erdgas über Land oder unter dem Meereswasser fließt. Moskau sitzt am längsten Hebel und kann im Ernstfall den Gashahn immer zudrehen.

Drei Mal dürfen Sie raten, wer die Zusatzkosten der Modernisierung alter Pipelines, eines Umweges oder der (eventuellen) Nachlässe für das Ukraine-Gas bei neuen Verträgen bezahlen wird?  Freuen wir uns dennoch: Nichts ist so teuer wie unsere Migrationsparty. Wir haben die 40 Milliarden Euro geschafft, dann schaffen wir auch noch diese paar Brocken!

Russland und China die Gewinner? Deutschland bleibt der Verlierer

Putin redet häufig mit Merkel, obwohl er als der „Sanktionierte“ beleidigt sein müsste. Auch die deutschen Wirtschaftsbosse kurbeln heimlich (Vorsicht: Das Primat der Politik!) das Geschäft mit dem „geliebten Feind“ wieder an. Dennoch werden auch sie das durch sechs Jahre Sanktionen und Misstrauen in die deutsche Vertragsfähigkeit verlorene Terrain kaum zurückgewinnen.

Die Frage, ob Chinesen, Türken, Amerikaner und sanktionsbrüchige EU-Europäer den, wie immer sanktionstreuen, aber dummen Germanen, das Geschäft abjagen werden, ist noch offen. Werden sie den Russen das Know How des deutschen Mittelstandes anbieten können?

Eines ist offensichtlich: Der Grundsatz pacta sunt servanda (lat.; dt. Verträge sind einzuhalten) zählt nicht mehr zu unseren edlen westlichen Werten, wenn sich bei einem solchen Riesengeschäft Dritte einmischen dürfen.

Ist die „Krise“ womöglich eine künstliche? Der Gaspreis für deutsche Haushalte reagiert jedenfalls überhaupt nicht auf die schlechten Nachrichten, wie immer der Ölpreis bei solchen Anlässen. Alles im Griff auf dem sinkenden Schiff?


Dr. Viktor Heese.

Dr. Viktor Heese ist pensionierter Börsenanalyst und Fachbuchautor. In seiner Aktivzeit hat er sich auf Börsen und Banken spezialisiert. Er betreibt die Blogs  prawda24.com und finanzer.eu. Heese kommt aus Ostpreußen/Masuren und lebt seit über 40 Jahren in Köln.

» Kontakt: heese1@t-online.de




Mogelpackung „Migrationshintergrund“

Von DR. VIKTOR HEESE | Hören Spätaussiedler – jetzt wegen Augsburg – von Morden „Jugendlicher mit Migrationshintergrund“, werden sie erinnert, dass im Amtsdeutsch auch sie zu dieser Kategorie gehören. Diese begriffliche Mogelpackung hilft Berlin beim Missbrauch der Statistiken, ohne direkt Zahlen fälschen zu müssen.

Jeder vierte Bewohner Deutschlands hat heute einen Migrationshintergrund (siehe Grafik unten). Die Systempresse jubelt. In Bruchzahlen ausgedrückt, lassen sich die Anteile der Multikulti-Gesellschaft wie folgt merken: Drei Viertel „echte Deutsche“, die sogenannten BOMs (Bürger ohne Migrationshintergrund), ein Sechstel deutsche Aussiedler („Bio-Deutsche“), ein Sechstel eingebürgerte Ausländer („Pass-Deutsche“), der Rest Ausländer, die sich aus  EU-Ländern und Merkels Gästen (gut zwei Millionen) zusammensetzen. Es wird drei Generationen zurückgerechnet.

Herkunftsland und nicht Nationalität (Ethnie) steht im Mittelpunkt der Statistik

Dieser Trick verzerrt die Statistiken bis auf die Grundmauern. So sind 99 Prozent der 1,25 Millionen BMMs (Bürger mit Migrationshintergrund) aus Kasachstan Nachfahren der von Stalin deportierten Russlanddeutschen. In Falle Polens (2,25 Millionen) liegt der Anteil deutscher Aussiedler bei 60 Prozent.

Aus Russland kamen 1,36 Millionen Personen, nicht nur die Russland-Deutschen. Bei den „russischen Diebesbanden“ in unseren Systemnachrichten handelt es sich tatsächlich um „tschetschenische Banden“. Die in Deutschland lebenden „Bio-Polen“ – sie meiden das einstige Eldorado, soweit es geht! – sind verwaltungsstatistische Ausländer. So wie die meisten Syrer oder die 280.000 Österreicher.

„Echte Deutsche“ sterben aus, „Bio-Deutsche“ wandern aus, Migranten fluten das Land – wer soll noch arbeiten?

Während der Anteil der „echten Deutschen“ – so haben wir Spätaussiedler in den 70er Jahren respektvoll unsere Gastgeber genannt – prozentual und absolut zurückgeht, steigt der Anteil der BMMs. Zwischen 2012 und 2017 nahm die Zahl der „Echten“ um 1,7 Millionen ab, die der BMMs um 4,0 Millionen aller Couleurs zu.

Grob gerechnet beträgt heute das Verhältnis Deutsche / Nicht Deutsche Bevölkerung vier zu eins. Rechnet man die „Bio-Deutschen“ hinzu, verbessert sich der Quotient auf fünf zu eins, jedoch mit abnehmender Tendenz. Denn der Aussiedler-Zustrom versiegt schon seit gut 20 Jahren.

„Migrationshintergrund“ für Berlin eine nützliche Schwindelfloskel

Die Unterscheidung nach Nationen bei der Leistungsmessung der Einwanderer (so machen es auch die USA) ist seit Jahrhunderten ein anerkanntes Analyse-Instrument. Auch IQ-Vergleiche erfolgen eben nach Ethnien. Werden diese Methoden heute in Deutschland und Brüssel-EU verworfen, gibt es dafür einmal wieder politische Gründe. Der Begriff Migrationshintergrund erweist dem Merkel-Regime hervorragende Propaganda-Dienste.

Während unsere Kriminologen amtskorrekt von nationaler Identität der Tätergruppen und Pädagogen von schulischer Minderleistung der Eingewanderten ablenken, interessieren Ökonomen die wirtschaftlichen Aspekte.

Grafik von Statista.

Wenngleich Zahlen vorliegen, wird verschwiegen, welchen ökonomischen Beitrag die deutschen und nicht-deutschen Zuwanderer für das Land leisten. Der Zusammenhang zwischen Zuwanderung bestimmter Ethnien/ religiöser Gruppen und dem Anstieg der Transferleistungen würde schnell auffliegen. Analysen dazu sind in den mit Steuergeldern finanzierten staatlichen Universitäten und Instituten tabu. Beispiele:

Erstens: Politeliten durften Jahrzehnte lang behaupten, Deutschland verdanke dem Multi-Kultiralismus seine ökonomische Top-Stellung in der Welt. Geht es heute in die andere Richtung, ist Trump schuld.

Zweitens: Die Minderleistung nicht-deutscher Migranten wird im Sammelbegriff „Migrationshintergrund“ versteckt. Wenn ein schlesischer Facharbeiter 60.000 Euro jährlich verdient, ein arbeitsloser Syrer Null, kommt die Statistik auf 30.000 Euro Durchschnittslohn.

Drittens: Bei Geburten decken Durchschnittszahlen die Kinderlosigkeit der „echten“ und „biodeutschen Familien“ nicht auf, weil Migranten das Defizit ausgleichen.

Viertens: Steuer- und Transferstatistiken belegen das „Aussaugen“ des Sozialstaates und den schleichenden Untergang des Leistungsprinzips durch ansteigende Migrantenzahlen. Prominente VIP-Beispiele sollten nicht täuschen. Weder der Integrationsstatus noch die Top-Gehälter von Mesut Özil (in Ungnade gefallen), Helene Fischer oder Lukas Podolski können den statistischen Durchschnitt verfälschen.

Die Welt merkt langsam den Unterschied – Deutsche Pässe mancherorts schon „Ramschartikel“

Als viel reisender Ostpreuße im Ruhestand beobachte ich, wie die Osteuropäer, die früher zu den Deutschen respektvoll aufschauten, sie heute mitleidsvoll anblicken (Warum rebelliert ihr nicht gegen die Merkel?). Die Frage wird sowohl den „echten“ als auch den „Bio-Germanen“ gestellt. Auch wir Spätaussiedler wollten unbedingt wie die „echten Deutschen“ werden. Gott sei Dank, dass uns dies nicht ganz gelungen ist und wir mehrheitlich unser Erkennungsmerkmal (Dialekt) behielten.

Die wenigen „Pass-Deutschen“, die sich im Osten verirren, werden auf den Flughäfen schon etwas genauer kontrolliert. Man hört, China verweigere ihnen ohne Angabe der Gründe gelegentlich das Visum. Es soll sich herumgesprochen haben, dass Gefährder und radikale Moslems mit deutschen Pässen herumreisen, wodurch diese einst begehrten Dokumente zusehends zum „Ramschartikel“ (Markus Söder) degradiert werden. Das Ausland weiß längst Bescheid, was hierzulande passiert.

Berlin anscheinend nicht.


Dr. Viktor Heese.

Dr. Viktor Heese ist pensionierter Börsenanalyst und Fachbuchautor. In seiner Aktivzeit hat er sich auf Börsen und Banken spezialisiert. Er betreibt die Blogs  prawda24.com und finanzer.eu. Heese kommt aus Ostpreußen/Masuren und lebt seit über 40 Jahren in Köln.

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Was tun gegen die Plünderung unserer Kommunen?

Von DR. VIKTOR HEESE | In neun Monaten sind in Nordrhein-Westfalen Kommunalwahlen. Es ist an der Zeit zu fragen, warum die deutschen Kommunen durch das Berliner Asyldiktat regelrecht geplündert werden. Besser lässt sich der Zwangszugriff auf ihre Ressourcen nicht definieren. Berlin ersetzt nur einen Teil der Asylkosten, wodurch die Kommunen sich verschulden, Leistungen beschneiden und Investitionen absagen müssen.

Nicht allein die weisungsgebundenen Kleinangestellten machen erst verwaltungstechnisch die Plünderung möglich. Es gibt in den deutschen Amtstuben genügend vorsätzlich handelnde Rechtsbeuger und Kollaborateure, die „freiwillige Leistungen“ durchdrücken. Werden diese Personen für immer straflos ausgehen? Was muss getan werden, um dem vorzubeugen?

Kommunale Selbstverwaltung bleibt eine Farce

In Deutschland, wie in anderen föderativen Staaten, gilt das Prinzip: Bundesrecht geht vor Landes- und dieses vor Kommunalrecht. Es gibt theoretische Grenzen, weil die Kommune Souveränität genießen und nicht zur Unterbehörde degradiert werden soll. In der Praxis bleibt ein solches Verbot frommes Wunschdenken, obgleich die phrasenverliebte EU seit 1985 von einer Kommunalen Selbstverwaltung schwadroniert. Kein Wunschdenken sollte die Mittelausstattung bei Zuweisung fremder Kommunalaufgaben – wie eben der Migrantenaufnahme – durch den Zentralstaat sein.

Auch bei dessen Einhaltung in Deutschland, Fehlanzeige. Berlin bestellt, die Kommune zahlt und bleibt auf dem Großteil der Kosten sitzen. Eine erfolgreiche Verfassungsbeschwerde gegen die staatliche Willkür vor dem Verfassungsgericht nach Art. 93 Abs. 1 Nr. 4 b Grundgesetz machte hierzulande bislang keine Schlagzeilen. Wohl wegen der Kollaborateure wurde diesbezüglich so wenig versucht.

Die Plünderung hierzulande: Schulden, Zwangssparen, Leistungskürzungen

Die Plünderung hat viele Gesichter. „Schmerzlos“ ist sie nur dann, wenn die Kommune sich verschulden muss und alles beim Alten bleibt. Weiter geht es über ein breites Spektrum von Ausgabenkürzungen (Beispiele: Schulschließungen, Lohnstopp), Gebührenerhöhungen (Grundsteuer), Unterlassung notwendiger Reparaturen (marode Straßen). Dabei darf sich ein noch so hoch verschuldetes Opfer (z.B. Bremen), das vom Flüchtlingsdiktat nicht verschont bleibt, ihr „Folterinstrument“ nicht einfach suchen und muss sparen.

Wer möchte nicht gerne die Schulaufnahme gegen eine Grundsteuererhöhung tauschen! Das geht nicht so einfach. Die Politik hat sich nicht nur in NRW mit dem Stärkungspakt und dem Haushaltssicherungskonzept Obergrenzen für die kommunale Verschuldung ausgedacht. Das ist im Normalfall ohne den Flüchtlingskrimi vernünftig und bitter nötig, denn anders als z.B. in den USA kann eine deutsche Kommune nicht pleitegehen.

Die Plünderer: Mitläufer (?), „legale“ Rechtsbrecher und offenkundige Kollaborateure

Eine dauerhafte Plünderung im Großformat ist ohne die technische Mitwirkung der Verwaltung nicht vorstellbar. Die deutsche Beamtenschaft war auf den Einfall des Millionenheers „Schutzbedürftiger“ völlig unvorbereitet und begann – Kommunalrecht hin, Verordnungen her – zum eigenen Schutz zu tricksen. Nicht von ungefähr war das Merkel’sche „Wir schaffen das!“ explizit an sie gerichtet. Kurzum: Ohne die Mitwirkung der weisungsgebundenen Staatsdiener würde die Migrationsparty niemals gelingen.

Ein Nichtjurist, der den gesunden Menschenverstand einsetzt, wird bei den Abwicklern zwischen Mitläufern (unschuldig), Kompetenzbrechern (Schuld könnte geahndet werden, ist aber politisch nicht gewollt) und eifrigen Kollaborateuren (Schuld zukünftig bei Politikwende nachzuweisen) zu unterscheiden.

Ein klassisches Beispiel für die dritte, besonders schädliche, Kategorie liefert Andreas Hollstein, Bürgermeister von Altona, knallharter Sanierer und Fernsehstar. Hollstein stellte nichtzahlenden Bürgern den Strom ab, lud jedoch gleichzeitig in die unter die Finanzaufsicht von NRW stehende Kleinstadt neue Flüchtlinge ein. Solche „freiwilligen Leistungen“ wären gerade bei Pleitegeiern unbedingt zu prüfen!

Beobachten und dokumentieren – kann das gegen Plünderung der Kommunen helfen?

Kann der Bürger außer Wutanstauung hier und heute etwas gegen die Plünderung tun? Sehr wohl. Er kann versuchen, durch Beobachtung und Dokumentation den Plünderern die Sicherheit zu nehmen, dass sie für alle Zeiten ungestraft davonkommen. Wird das die coolen Beamten beeindrucken und zum Sparen animieren? Moniert doch der Bund der Steuerzahler seit Jahrzehnten die Vergeudung von Steuergeldern und nichts ist passiert. Warum soll es diesmal anders werden? Gerade, wo doch heute so gut wie alle mitmachten?

Das ist nur die eine Seite der Medaille. Die Damen und Herren in den Amtsstuben dürfen sich ihrer nicht ganz so sicher sein. Denn die heutigen Zustände überschreiten jedes Maß an Vernunft und sind nicht mehr zufallsgesteuert (kommunale Belastungen 20 Mrd. Euro, vorsätzliche Wiederholbarkeit, „politische Korrektheit“). Nicht vergessen die juristische Auslegung!

Eine politische Wende wird sicherlich mit einer Justizreform einhergehen müssen. Diese könnte vielversprechend sein. Vielleicht findet sich in 20 Jahren ein Richter, der die Alimentierung eines „Minderjährigen Unbegleiteten Asylbewerber“ mit 300 Euro pro Tag trotz eines Gremienbeschlusses in Tateinheit mit der Schließung eines städtischen Krankenhauses doch als Rechtsbruch ansehen wird?

Erst ein starkes Signal würde Wirkung zeigen. Ein solches gäbe die Gründung eines professionellen Archivs, das zum Beispiel über die „Eigentumsdelikte gegenüber den Kommunen 2005 – 2020“ Beweise sammelt – nach der Art der „Zentralen Erfassungsstelle Landesjustizverwaltungen in Salzgitter“, die einst die Unrechtsurteile des SED-Regimes dokumentierte. Sinnvoll wäre den Sitz irgendwo ins „populistische“ Ausland zu verlagern (Ungarn, Polen), um das Zentrum von den Zugriffen deutscher Behörden und Geheimdienste zu schützen.


Dr. Viktor Heese.

Dr. Viktor Heese ist pensionierter Börsenanalyst und Fachbuchautor. In seiner Aktivzeit hat er sich auf Börsen und Banken spezialisiert. Er betreibt die Blogs  prawda24.com und finanzer.eu. Heese kommt aus Ostpreußen/Masuren und lebt seit über 40 Jahren in Köln.

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ARD-Gehälter sollen „gekürzt“ werden, um ein Prozent in vier Jahren!

Von DR. VIKTOR HEESE | Die Monopolisten beim ARD/ZDF kennen bei Gehältern keinen Spaß. Während tausende Deutsche ihre Jobs verlieren, verdienen die Fernsehleute – ohne Pensionsdotierungen – im Durchschnitt 92.200 Euro im Jahr, so bei der ARD-Tochter WDR (Graphik unten) – und jammern wegen einer geplanten Mini-Kürzung. Kritiker der Selbstbedienung schreiben sich seit Jahren die Finger wund, passiert ist nichts. Wer als abhängiger Publizist zu tief in den offiziellen Gehaltszahlen stöbert, bekommt Probleme. Deutschland 2019.

Wie geht so etwas? Kein Staatsfunk, aber der Staat bestimmt die Gehälter

Die Deutschen verstehen es, sich mit Fiktionen zu arrangieren. Bei der Gesetzlichen Rente reden alle von der heiligen Kuh, dem Generationenvertrag, den es als Papierstück überhaupt nicht gibt. Im Bereich des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks heißen die Fiktionen „Staatsvertrag“ und „unabhängige“ KEF-Kommission (Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten), die Gehälter (Pensionen) der Anstalten festlegt. Sollten deutsche Rentner vielleicht eine eigene „Bedarfskommission“ gründen?

Denn die „KEF-Expertenkommission“ setzt sich aus Vertrauten der Landespolitik zusammen. De facto sind somit Angestellte der ARD, des ZDFs und des Deutschlandfunks schlichte Staatsbedienstete mit Sonderstatus. Sie werden allerdings viel üppiger als die Letzten besoldet. Die Politik braucht sie.

Warum verdienen WDRler eigentlich dreimal so viel wie ein Durchschnittsdeutscher?

Warum die deutschen TV-Leute im Durchschnitt mehr als DAX-Mitarbeiter, Generäle oder Professoren verdienen, bleibt das süße Geheimnis des politischen Klüngels. Angeblich liegt das an der sich selbst zugesprochenen Kompetenz. Selig wird der, der daran glaubt! Ohne Wettbewerb kann dieses Talent nicht geprüft werden. Vielleicht blieben viele ARD-Stars joblos, müssten sie am freien Markt kämpfen.

Ein Prozent sparen in vier Jahren? Geht es noch frecher! Wie wäre es mit einem Solidaritätsfonds

Die geplanten 60,3 Millionen Euro Einsparungen beim Personalaufwand für die kommenden vier Jahre (2021-2024) sind bei einer Ist-Summe von knapp 6,6 Milliarden Euro (Milliarden nicht Millionen!) für die aktuelle Periode 2017-2020 eine bösartige Farce. Das sind keine ein Prozent!

Wie wäre es mit einem starken Signal an die Öffentlichkeit durch eine freiwillige Einsparung von zehn Prozent für ein Fonds für Arbeitslose oder Sozialbedürftige? Top-Leute vom WDR wie Tom Buhrow, Eva-Maria Michel und Jörg Schönenborn könnten mit gutem Beispiel vorangehen und ein wenig auf ihre Altersvorsorgeansprüche von 8,5 Millionen Euro verzichten!

Top-Moderatoren werden reich, weil sie durch ihre „Produktionsfirmen“ das Salär bestimmen

Gleicher Apell wäre an die Big Five des Talk-Betriebes (Will, Illner, Maischberger, Plasberg, Lanz) zu richten, die dank ihrer intransparenten „Produktionsfirmen“ – eine hochkarierte Farce im Hause ARD – reich geworden sind. Die Konstruktion, mit eigenem Arbeitgeber einen Leistungsvertrag abzuschließen, kann es nur bei der ARD/ZDF geben. In der Privatwirtschaft rollen dafür die Köpfe.

So etwas geht umgekehrt: Wer die ARD-Gehälter unter die Lupe nimmt, wird als Nazi diffamiert!

Was hinter den Kulissen des ARD-Konzerns wirklich passiert, sickert nicht nach außen – kein Wunder bei diesen Traumgehältern und der Arbeitsplatzsicherheit. Daher ist ein offizieller KEF-Bericht, den wegen seiner 420 Seiten kaum jemand liest, für den Analysten eine Informationsgrube.

Der Autor hatte bei Heise/Telepolis auf der KRF-Basis eine Kurzanalyse verfasst und bekam mächtig Ärger mit den ARD-Oberen, wenngleich nur über Strohmänner. Erst merkwürdige Kommentare „empörter“ Heise-Leser, dann ein ver.di-Schreiben an die Chefredaktion (warum mischten sich die Gewerkschafter ein?), im Nachhinein ein Artikel eines „freien Redakteurs“ ohne Festanstellung mit Nazi-Vorwürfen gefolgt vom Rückzug eines Artikels bei Focus und last but not least Rausschmiss als freier Publizist bei Heise/Telepolis. Noch Fragen Kienzle?

Fazit: Um das ARD-Monopol zu kippen, hilft nur ein Unabhängiges Fernsehen

Kein GEZ-Boykott und keine Bildschirmabstinenz helfen, das Monopol zu brechen, sondern ein durchdachtes Konzept, wie eine Konkurrenz, ein Unabhängiges Bürgerliches Fernsehen, aufgebaut werden könnte. Auf den Versuch kommt es an!


Dr. Viktor Heese.

Dr. Viktor Heese ist Dozent und Fachbuchautor. Spezialisiert hat er sich auf dem Gebiet der Börsen und Banken. Für Börsenanfänger hat er das Buch „Fundamental- versus Charttheorie. Methoden der Aktienbewertung im Vergleich“ (Springer 2015) verfasst. Er betreibt die Blogs prawda24.com und finanzer.eu und gibt den Börsenbrief „Der Zinsdetektiv“ heraus. Heese kommt aus Masuren und lebt seit über 40 Jahren in Köln. Kontakt: heese1@t-online.de

 

 

 




Grundrente sorgt für Aufruhr, Migrantenmilliarden für Schweigen

Von DR. VIKTOR HEESE | Ganz Deutschland ist wegen der Grundrentendebatte in heller Aufregung. Jetzt, wo die Rente verabschiedet wurde, hagelt es Kritik. Die Befürworter bleiben leider in der Minderzahl. Eine „Minimallösung“ wollen einige in ihr sehen. Andere schimpfen, sie sei nicht finanzierbar, ungerecht, leistungsfremd, ein fauler Kompromiss, Kuhhandel, Verstoß gegen das Grundgesetz, fröhliches Verteilen, Respektlos-Rente, Willkürrente und was sonst noch immer. Ist das nicht alles eine große Heuchelei?

Auch der kleine Mann auf der Straße glaubt, gegen die Grundrente sein zu müssen

Dabei heucheln nicht nur die Politik, ihre Systemmedien (Grundrente neuer Talkshow-Star) und die Wirtschaft kräftig. Auch der Kleinverdiener auf der Straße trägt in Interviews seinen Teil dazu bei. Er zahlt zwangsweise „seine“ Rentenbeiträge, genießt aber keine Bevorzugung und schließlich gibt es den Generationenvertrag, der alles regelt. Darüber regt er sich auf.

Leider heuchelt auch der Michel und er weiß das. Er macht sich nicht die Mühe, tiefer nachzuprüfen und stört sich nicht daran, dass es den Generationenvertrag gar nicht gibt. Tun wir dem Mann vielleicht Unrecht, weil der mutige Zahler gar nicht in den Straßeninterviews zu Wort kommt? An seinem Widerstandswillen vermögen allerdings die wenigsten zu glauben.

Warum wurden in Deutschland bis dato bei derart hoher Nachfrage nach Objektivität noch keine unabhängigen Meinungsforschungsinstitute gegründet, die transparent arbeiten, glaubwürdige Statistiken liefern und sich einen Namen gemacht hätten?

Tut die AfD zu wenig, um das Rententhema zu politisieren?

Viele Leser wird überraschen, dass das Gros der Armutsrentner die sie „ausbeutenden“ etablierten Parteien, die die Hungerrenten von knapp 800 Euro zu verantworten haben, selbst wählen. Andererseits beschweren sie sich. Wenn das keine Heuchelei ist?

Obiger traurige Befund soll wohl erklären, warum selbst die AfD die Losung Rentenarmut statt Migrationskosten nicht auf ihre politischen Fahnen schreibt. Bringt die Aktivierung des Rentnerpotentials wirklich zu wenig Wählerstimmen? Es sträubt sich einem, daran zu glauben. Denn das Gegenteil müsste gelten. Der obige Aufruf müsste vielmehr pausenlos wiederholt werden – auch bei den seltenen TV-Auftritten der AfD-Granden – damit er die Chance bekommt, bei den Senioren anzukommen. Das passiert aber nicht.

Hohen Wirkungskreis hätte zweifelsohne ein unabhängiges Fernsehen, das auch die „Oppositionellen“ im reichen Deutschland bislang nicht zu gründen vermochten. Warum geht so etwas nicht? Selbst eine liberale Anstalt nach dem Vorbild des österreichischen Senders „Servus TV“ könnte fürs erste reichen. Letztendlich läuft es auf die Volksweisheiten hinaus: Steter Tropfen höhlt den Stein!

Grundrente statt Migrantenkosten – diese Parole kann nicht oft genug wiederholt werden

Die 1,5 Millionen zukünftigen „Grundrentner“ werden ab 2021 etwa 1,5 Milliarden Euro kosten. Das wären etwa 1000 Euro pro Person jährlich und erbärmlich wenig. So viel kostet ein UMA (unbegleiteter minderjährige Asylant) in gerade einmal vier Tagen. Die Asylindustrie hat hier das lukrative Geschäft voll im Griff. Die Migranten schlagen heute – bundesweite Zahlen zum Tabu-Thema werden nicht ernsthaft eingeklagt – dagegen mit 40 Milliarden Euro pro Jahr zu Buche. Das entspricht etwa dem Etat des Verteidigungsministeriums.

Fazit

Der Slogan „Grundrente statt Asylkosten“ müsste auf jedem Plakat bei jeder „populistischen Demo“ ganz vorne stehen. Oder ist es mittlerweile jedermann hierzulande egal, ob das Ausland über uns lacht, wenn wir von „den Gästen“ ausgebeutet werden, das Geld für die Bundeswehr, die Mutterrente oder den Sozialen Wohnungsbau fehlt und alle noch gewaltig heucheln. Zählt das „sich selbst betrügen“ zu den deutschen und westlichen Werten?


Dr. Viktor Heese.

PI-NEWS-Autor Dr. Viktor Heese ist Dozent und hat sich auf dem Gebiet der Börsen und Banken spezialisiert. Für Börsenanfänger hat er das Buch „Fundamental- versus Charttheorie. Methoden der Aktienbewertung im Vergleich“ (Springer 2015) verfasst. Er betreibt die Blogs prawda24.com und finanzer.eu und gibt den Börsenbrief „Der Zinsdetektiv“ heraus. Heese kommt aus Masuren und lebt seit über 40 Jahren in Köln.




Warum Nationalstolz und Patriotismus bei Krisen helfen

Von DR. VIKTOR HEESE | Auch die Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Doha hat gezeigt: Deutschland verliert selbst in ihrer einstigen Paradesportart – wenige Ausnahmen bestätigen die Regel – mächtig an Boden, wie vorher bereits im Fußball. Zur Wirtschaft, dem Militär/Innere Sicherheit, der Bildung/Wissenschaft oder dem politischen Ansehen gesellt sich jetzt also auch noch das Versagen im Sport dazu. Wenn es nach der politischen Elite und der Medien geht, tragen die Schuld einmal wieder die anderen (Trump, Johnson, China), die globalen Trends (Überalterung, Klimawandel, Terrorismus), die Populisten (spalten, verbreiten Fake News und schüren Angst) oder es liegt an den falsch interpretierten Statistiken (Mär von „gefühlter Kriminalität“ usw.). Wie wäre es zur Abwechslung mal mit der Ursachensuche bei der Regierung und dem verlorenen Nationalstolz? Wie formulierte es einst der französische Diplomat und Philosoph Joseph de Maistre (1753 – 1821): „Jedes Volk hat die Regierung, die es verdient.“

Das Ausland staunt über den Niedergang Deutschlands, obwohl es nur wenige Fakten kennt

Als junger Mann konnte ich es kaum erwarten, endlich nach (West-)Deutschland ausreisen zu dürfen. Heute, nach 50 Jahren, wird mir unwohl, wenn ich in der ostpreußischen Heimat oder sonst irgendwo in der Welt gefragt werde, was da „in Deutschland los ist“. Auf die Erklärungsversuche mit dem Merkelismus und dem hiesigen Medienmonopol folgt sofort die Frage „Warum unternehmt ihr nichts dagegen?“. Ja, warum eigentlich? Dabei kennen die meisten der Fragenden nicht einmal die vielen Feinheiten. Wer weiß schon auf den Antipoden, dass die zum Selbsthass erzogene deutsche Jugend ihre Nationalhymne nicht kennt (die Fußballer wohl auch nicht!), die Bundeswehr bestimmte Volkslieder nicht mehr singt und es gefährlich werden kann, im Schrebergarten die Nationalfahne zu hissen. Nur in den fernen Regionen des Globus lebt noch das veraltete Bild vom deutschen Leistungsträger. Dabei begann der Zerfall doch erst vor zwei Jahrzenten!

Rückzug an allen Fronten – die Bedeutung Deutschlands in Europa und der Welt schwindet

Für die Westdeutschen war die Soziale Marktwirtschaft ein halbes Jahrhundert eine beispiellose Erfolgsgeschichte. Auch die DDR fungierte im Ostblock als sozialistischer Musterknabe. Heute geht es schleichend abwärts. Allein das langsame Tempo ist die gute Nachricht. Die katastrophale Stimmung in der Wirtschaft, die marode Bundeswehr, die „gelähmte“ Polizei, das schwindende politische Ansehen (EU-Spaltung lässt grüßen!) oder das kollabierende Bildungssystem (PISA-Ergebnisse, schlechtes Universitätsranking) sind nur einige wenige Beispiele. Was ist dagegen zu tun?

Drastische Realitätsverweigerung sowohl „da oben“ als auch „hier unten“

Ob allein die „da oben“ den Niedergang zu verantworten haben, darf bezweifelt werden. An die Opferrolle des deutschen Volkes mag im In- und Ausland so niemand richtig glauben. Man hört im Ausland vielmehr, die Deutschen, ob alt oder jung, würden eine Realitätsverweigerung als Alibi betreiben und sich nicht wehren.

Einige Beispiele mögen das belegen: Die Urlaubsweltmeister merken kaum, wenn Kellner sie zusehends schlechter bedienen, sobald sie den Klang der deutschen Sprache hören. Kleine Bestellungen, wenig Trinkgeld. Millionen – hier ein weiters Beispiel – stilisieren sich zu mutigen GEZ-Boykotteuren, obwohl an den Gebühreneinnahmen dieses Heldentum nicht erkennbar wird. GEZ-Großdemonstrationen weit und breit sind nicht in Sicht. Klassisches Beispiel liefern auch die vielen Leser-Kommentare in den alternativen Medien, wonach die anderen (EU, Polen, Griechen, Juden) uns ständig den Wohlstand klauen wollen. Von den Top-Gewinnen deutscher Konzerne will niemand etwas hören. Nichtsahnend, angeberisch, selbstverliebt – lauten die schlechten Noten der Ausländer über ein Volk in der Krise.

Solche Realitätsverweigerung hat böse Folgen, sobald sie zur Fehldiagnose führt. Ein verbreiteter Mythos behauptet: Berlin und Merkel verschwenden das Volksvermögen an Migranten. Nur sie allein? Ohne eine massive Unterstützung einer Schar amtlicher und nichtamtlicher Helfer und Helfershelfer ginge so etwas überhaupt nicht. Schon gar nicht ohne die Kollaboration der deutschen Kommunen, auch die der quasi bankroten. Nicht nur Merkel allein, sondern das Beamtenheer wird wohl Rechtsbrüche begangen haben, wenn es die „Befehle“ nicht verweigerte.

Wiederentdeckung des Nationalstolzes als Medizin gegen ständige Niederlagen…

Zu fragen bleibt, was ist zu tun, wenn bekannt wird, dass die Mehrheit des Volkes da mitmacht. Eine in der Geschichte der Völker in Notzeiten bewährte Methode war die Aktivierung des Nationalstolzes. Auch die Kommunisten griffen auf dieses Mittel zurück. Stattdessen erleben wir bei uns heute deutschlandweit ein „byzantinisches Geschwätz“. Selbst die AfD bleibt von zermürbenden Richtungsstreitigkeiten nicht verschont.

…sonst werden die Deutschen zum Volk der Dauerverlierer

Die Aktivierung des Patriotismus und des Nationalstolzes ist absurd, weil es in der heutigen Zeit das falsche Mittel ist – werden die Opportunisten sofort behaupten. Tatsächlich? Ein „rechtes Thema“ hat sich hierzulande nicht durchgesetzt, wenn es niemand versucht hatte. Um aber Patriotismus und Nationalstolz im Kleinformat im Alltag zu demonstrieren, gehört nicht viel, außer ein wenig Mut. Beides lässt sich juristisch nicht verbieten.

Da die politisch Korrekten hier nicht mitmachen werden, sind öffentlichkeitswirksame Privatinitiativen gefragt. Für das Tragen einer Stecknadel am Sako, die Deutschlandfahne am Kinderwagen, dem Singen von patriotischen Liedern in der Öffentlichkeit oder den Aufkleber am eigenen Auto müsste der Mut wohl ausreichen? Die Antifa verfügt nicht über so viel „Personal“, um das zu verhindern, zumal wenn die Aktionen breit und regelmäßig stattfinden.

Ein passiver, symbolischer, Widerstand unterhalb der Demonstrationsschwelle von allen Altersklassen praktiziert und losgelöst von politischen Parteien ist immer noch besser als pure Tatenlosigkeit. Der Kluge fängt klein an und wartet ab. Wer sich hingegen nicht wehrt – das lehrt die Geschichte – hat immer verloren.


Dr. Viktor Heese.

PI-NEWS-Autor Dr. Viktor Heese ist Dozent und hat sich auf dem Gebiet der Börsen und Banken spezialisiert. Für Börsenanfänger hat er das Buch „Fundamental- versus Charttheorie. Methoden der Aktienbewertung im Vergleich“ (Springer 2015) verfasst. Er betreibt die Blogs prawda24.com und finanzer.eu und gibt den Börsenbrief „Der Zinsdetektiv“ heraus. Heese kommt aus Masuren und lebt seit über 40 Jahren in Köln.




Warum demonstrieren Deutschlands „Armutsrentner“ nicht gegen Merkel & Co.?

Von DR. VIKTOR HEESE | Fast jeder zweite deutsche Senior bezieht eine monatliche Rente von knapp 800 Euro und liegt damit unter der Armutsgrenze. Warum lässt sich das Millionenheer der knapp neun Millionen „Armutsrentner“, das schätzungsweise 14 Prozent aller Wahlberechtigten (Bundestagswahl 2017) darstellt und damit fast jede Wahl (mit)entscheiden könnte, das gefallen und rebelliert nicht? Pfandflaschen sammeln, Suppenküchen besuchen oder auswandern kann nicht die Lösung sein. Mögliche Gründe für die Passivität der ehemaligen Aufbauer der Bundesrepublik und die Frage, ob sich hier jemals etwas ändern wird, analysiert dieser Beitrag.

Die politische Macht der „Armutsrentner“ bleibt völlig ungenutzt

Heute verlaufen die Fronten klar. Jeder logisch denkende Zeitgenosse wird sagen, die politische Heimat der „Armutsrentner“ kann nur bei der (den) Partei(en) liegen, die das Wohl seiner Altbürger über den der leistungsfernen Migranten stellt. Die Einwanderer kosten den Staat etwa 40 Milliarden Euro jährlich oder 15 Prozent des Budgets der Gesetzlichen Rentenversicherung. Außer der AfD und vielleicht bedingt noch der FDP kommt somit als „Armutsrentnerpartei“ in Deutschland heute keine andere politische Kraft in Frage.

Leider blieben die deutschen Senioren bei der letzten Bundestagswahl – als Berlins Migrationsirrsinn bereits bekannt wurde! – ihren liebgewonnenen Wahlpräferenzen treu. Gerade sie wählten überproportional die GroKo-Parteien, also ihre eigentlichen „Ausbeuter“ (siehe Grafik „Welche Altersgruppe wählte wie?“ unten). Bekäme zum Beispiel die AfD die vollen 14 Prozent vorgenannter Rentnerstimmer zugeschlagen – es wird unterstellt, die „Armutsrentner“ wählen genauso wie alle Senioren -, läge das Wahlergebnis der Blauen über 25 Prozent (Platz zwei). Selbst die dem Untergang geweihte SPD läge bei 31 Prozent! Die Zahlen dokumentieren, wie gefährlich die Gruppe der Senioren ist, die Zeit hat, ökonomisch nicht erpresst und im Arbeitsprozess nicht mehr eingeschüchtert werden kann, für die etablierte Politik wäre, würde sie im Block für eine Partei wählen!

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Die Wähler ab 60 Jahren stimmten bei der Bundestagswahl 2017 zu 41 Prozent für die CDU/CSU, bei den Frauen unter ihnen war es mit 47 Prozent sogar fast jede Zweite.

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Warum wählen Deutschlands „Armutsrentner“ dennoch so unlogisch gegen ihre originär eigenen Interessen?
 
Hierfür kann es mehrere Gründe geben, sowohl ökonomische (Punkt 1.-3.) als auch politische:

  1. Die „Armutsrentner“ glauben an den juristisch nicht existenten „Generationenvertrag“, wonach gemäß dem dummen Spruch „Aus der gesetzlichen Rentenkasse kann nicht mehr ausgezahlt als eingezahlt werden“. Dabei übersehen sie, dass der Staat durch das Steuersystem bestimmt, wie viel oder wie wenig dort eingezahlt wird.
  2. Die Armutsrentner glauben fest an die „Rentenformel“ wie an das Evangelium und dass ihnen nicht mehr zusteht. An der Formel wird jedoch je nach Kassenlage von der Politik ständig herumgebastelt, damit angeblich die Rentengerechtigkeit jederzeit gewährleistet wird. Ins Haus steht gerade eine erneute „Anpassung“.
  3. Die meisten Senioren besitzen andere Einkommensquellen, wie Aktien oder Ersparnisse (heute in der Niedrigzinsphase nicht viel wert!), bekommen Unterstützung von den Kindern, Rentnerpaare haben Doppelrenten oder leben im eigenen Häuschen, was Mieten spart.
  4. Sie wissen nicht um die Milliardenverschwendung für die Asylindustrie oder nehmen es, – falls sie es dennoch wissen, – ergeben als Schicksal hin. Sie glauben in beiden Fällen den Floskeln und dem Schmeicheln der Politik, dass wir als reiches Land „es schaffen werden“, dass es halt „unsere internationale Pflicht“ sei, Schutzbefohlenen zu helfen und dass unser alterndes Land „Fachkräfte braucht“ (Schuldgefühl) und so weiter.
  5. Sie sind über alles bestens informiert, glauben jedoch nicht, gegen die etablierte Politik etwas ausrichten zu können. „Für Demos bin ich zu alt“ – werden einige entschuldigend behaupten. Die meisten wollen sich im Alter ausruhen und nicht Rebellen spielen. Die agilen wandern aus, ohne vorher zu protestieren versucht zu haben.
  6. Sie sind bestens informiert, wandern nicht aus, wissen aber nicht, wie sie sich vereinigen, die Gutmenschen in ihren Reihen überzeugen und ihr großes politisches Potential erfolgreich nutzen könnten. Die eigene Wählerstimme zu verschenken, ist ihre große Sorge. Die Erfolglosigkeit der „Rentnerpartei“ schreckt zusätzlich ab.

Werden „Armutsrentner“ ihr politisches Potential endlich nutzen?

Es besteht nur wenig Hoffnung, dass die beschriebene Senioren-Gruppe aus eigenem Antrieb etwas Neues unternimmt und auf Berlin Druck – nicht nur der Rentenerhöhungen, sondern vor allem der Zukunft Deutschlands wegen(!) – ausübt. Die etablierten, die Migration fördernden Parteien werden es nicht versuchen, in diesem Wählerteich zu fischen. Warum andererseits die AfD, die gerade bei der Klimapolitik punkten will, hier so wenig unternimmt, bleibt ein Rätsel. Fehlen ihr die Experten oder ist das Thema Renten wirklich so wenig ergiebig? Eine Bestandsanalyse zum obigen Fragenkatalog wäre der richtige Anfang.

Fazit

Schaut man hin, wie schnell in der heutigen Internet-Ära die gesellschaftsschädlichen Bewegungen und Strömungen („Kampf“ gegen Rechts, das Auto, den Klimawandel oder Gender-Diskriminierung) entstehen und sich verbreiten, gilt zu fragen, warum ein so nützliches Anliegen wie die Bekämpfung der Altersarmut dermaßen wenig Beachtung findet. Wird das am Egoismus der Jugend und eingeschränkter Senioren-Mobilität (Demonstrieren kennt kein Alter!) liegen? Wo bleibt die schweigende Mehrheit? Rentnerdemos sind in Italien, Spanien oder Griechenland Tagesgeschäft.


Dr. Viktor Heese.

PI-NEWS-Autor Dr. Viktor Heese ist Dozent und hat sich auf dem Gebiet der Börsen und Banken spezialisiert. Für Börsenanfänger hat er das Buch „Fundamental- versus Charttheorie. Methoden der Aktienbewertung im Vergleich“ (Springer 2015) verfasst. Er betreibt die Blogs prawda24.com und finanzer.eu und gibt den Börsenbrief „Der Zinsdetektiv“ heraus. Heese kommt aus Masuren und lebt seit über 40 Jahren in Köln.




Michel muss 150 Jahre fürs Eigenheim sparen, Ali kriegt’s umsonst!

von DR. VIKTOR HEESE | Von der Wiege bis zur Barre wird uns das Leistungsprinzip eingehämmert. Das hält Familienvater Michel heute für eine dreiste Farce, wenn er bei der Wohnungssuche verzweifelt und gleichzeitig hört, wie der kinderreiche Ali in ein neues städtisches Heim einzieht. Dort darf der Neubürger nach heutigem Stand der Dinge kostenlos bis ans Ende seiner Tage wohnen. De facto kann er die neue Bleibe wie ein Eigenheim betrachten. Würde unser Familienvater Michel mit zwei Kindern vom staatlichen Baukindergeld (1.200 € pro Kind/Jahr) ein solches trautes Heim bauen wollen,  bräuchte er in Köln 150 bis 200 Jahre. Auch wenn er Kredit in Aussicht gestellt bekäme, benötigt er für das Eigenkapital (20 Prozent plus Nebenkosten) immer noch eine Ansparzeit bis 50 Jahre. Solange lebt der arme Teufel jedoch nicht! Den kinderreichen Ali dagegen plagen solche Sorgen nicht.

Schicke Neubauten für Migranten dürfen in jeder Stadt (von außen) bewundert werden

Nicht erst vom Tübinger OB Boris Palmer wissen wir, dass Städte Migranten Wohnraum – wenn es nicht anders geht eben als Neubauten – zur Verfügung stellen müssen. Das verlangt die kommunale Gemeindeordnung, die Obdachlosigkeit verbietet. Auf dieser juristischen Basis entstehen ganze Kleinsiedlungen von Neubauten, die der arme Michel oft nur von außen bewundern darf, denn das von der Kommune bezahlte strenge Wachpersonal weist die Neugierigen ab.

Die Wohngebiete kommen für niemanden überraschend, denn in offiziellen städtischen Dokumenten kann jedermann nachlesen, wann welche Baumaßnahme geplant wird. In Köln waren für den Zeitraum 2018-2021 seinerzeit 297 Millionen Euro für die Schaffung von Unterkünften für Vermeidung von Obdachlosigkeit, insbesondere für Geflüchtete geplant  und – andererseits – für den kommunalen Wohnungsbau nur etwa die Hälfte.

Der Michel geht leer aus, weil er kneift. Wo bleibt sein Plakat „Ich will auch ein Eigenheim!“

Gerade in heutigen Zeiten der extremen Wohnungsnot, der hitzigen Debatten über Enteignung und Mietdeckel, wäre zu fragen, warum da offensichtlich Geld und Baukapazitäten da sind und die Einheimischen so dreist diskriminiert werden. Wo bleiben Demos der Betroffenen mit fordernden Plakaten, am liebsten gleich vor den neuen Multi-Kulti-Siedlungen? Auch eine Flugblätterverteilung in den dichten Reihen der Wohnungsbesichtigenden würde für Aufregung sorgen, wenngleich für die Initiatoren die Gefahr besteht als „Rassist“ – wer ist aber heute keiner – beschimpft zu werfen, groß ist. Dennoch: Entstünde viel Wirbel um den Vergleich, bestünde die Chance, dass das Tabu-Thema in die TV-Talks gelangt. So aber fehlt in jedweder Diskussion über Wohnungsnot der Hinweis, dass die zwei Millionen „Neubürger“ schließlich irgendwo untergebracht werden mussten. Wer sich nicht wehrt hat schon verloren!

„Immobilienkataloge für Migranten“ – wie Populisten das Thema breit nutzen könnten

Warum die verantwortliche Politik nicht provozieren, eignet sich das Thema „Neubauten für Migranten, Altbauten für Steuerzahler“ doch so hervorragend für Videos (für die Nachwelt!) und Broschüren?

Auch die Herausgabe eines deutschlandweiten Willkommensatlas mit Nennung aller Neubauten mit schönen farbigen Fotos wäre keine schlechte Idee. Ein Druck kostet heute im Eigenverlag bei großer Auflage nicht viel. Kostenlose Exemplare könnte schließlich an die Bürger anlässlich der Demos, nahender Kommunalwahlen, in Landtagen, vor dem Bundestag oder selbst – dann bitte mehrsprachig – vor dem Europäischen Parlament verteilt werden. Ein solcher Katalog wäre doch der unumstößliche Beweis, dass die „deutsche Wohnungsnot eine rein rassistische Fake News“ und die „Integration der Schutzbefohlenen“ einwandfrei gelungen seien.

Auch interessierte ausländische Touristen (Japaner, Chinesen, Russen) sollten unbedingt in Besitz eines Souvenir-Exemplars kommen. Spätestens wenn einige der Gäste mit dem Taxi die schönsten Objekte besichtigen möchten, könnte der Herausgeber sicher sein, dass das Thema angekommen ist.

Wer traut sich diese anspruchsvolle Aufgabe zu übernehmen?


Dr. Viktor Heese.

Dr. Viktor Heese ist Dozent und Fachbuchautor. Spezialisiert hat er sich auf dem Gebiet der Börsen und Banken. Für Börsenanfänger hat er das Buch „Fundamental- versus Charttheorie. Methoden der Aktienbewertung im Vergleich“ (Springer 2015) verfasst. Er betreibt die Blogs prawda24.com und finanzer.eu und gibt den Börsenbrief „Der Zinsdetektiv“ heraus. Heese kommt aus Masuren und lebt seit über 40 Jahren in Köln.

 

 

 




Wie soll es mit Polen und Deutschen nach der Merkel/Kaczynski-Ära weiter gehen?

Von DR. VIKTOR HEESE | Zum 80-jährigen Gedenktag des Ausbruchs des Zweiten Weltkrieges wäre jenseits der zahlreichen Schuld-, Verbrechens-, Vertreibungs- oder Reparationsfragen konstruktiver zu überlegen, wie es mit Polen nach der Merkel-Ära in Deutschland und der Kaczynski-Ära in Polen weiter gehen sollte.

Ehemalige deutsche Ostgebiete heute – ein Land ohne (deutsches) Volk

Nicht nur viele Aussiedler – so der Autor – halten die Wiederbelebung der alten Frage nach den deutschen Grenzen im Osten für wirklichkeitsfremd und wenig zielführend. Die Zahl unserer in der Region noch lebenden Landsleute ist heute schon aus demographischen Gründen verschwindend gering. Zum Beispiel zählt die deutsche Minderheit im ehemaligen Ostpreußen vielleicht noch ein paar Tausend Personen. Ihre Nachkommen haben so gut wie keine Beziehung zum Deutschtum mehr.

Aus meinem Heimatdorf Altmark (heute polnisch Stary Targ) im Kreis Stuhm/Westpreußen hatten die letzten der noch vor 1945 Geborenen Anfang der 1970er-Jahre die Heimat in Richtung Westdeutschland verlassen. Die Leute können aber heute jederzeit auch mit Kleinstkapital dort zurückkehren, was nicht wenige bereits tun. In dem dicht besiedelten Schlesien sollen die Zahlen etwas günstiger ausfallen. Dennoch ist es auch hier verschwindend wenig. Ins arme Deutschland kommen jährlich mehr Migranten als es in Polen noch Deutsche gibt.

Neubeginn der deutschen Geschichte im Osten durch Einwanderung?

Was heute in einer Zeit, wo die Leistungsträger das Multi-Kulti-Deutschland verlassen wollen, realistisch ist, wäre eine Wiederansiedlung der Deutschen auf der Basis der Leistungserbringung vor Ort und der Loyalität zum polnischen Staat ohne irgendwelche utopischen Forderungen. Auch viele Russland-Deutsche machen sich auf den Weg zurück.

So verlief auch die Ansiedlung vor Jahrhunderten und damals klappte es – besonders im Mittelalter und in den 15. bis 18. Jahrhunderten – hervorragend. Sachsens Wettiner August der Starke und sein Sohn August III waren sogar Könige von Polen. Wenn Polen heute aufgrund des Wirtschaftsbooms ökonomisch bald „auf Augenhöhe“ mit dem kriselnden Deutschland steht, entfällt jede Neidgefahr mit den einströmenden „reichen Deutschen, die alles aufkaufen wollen“ – wie es noch in 1970er- und den 1980er-Jahren hieß.

Auch wenn es durch die Brüssel/Berlin-Attacken gegen das politisch nicht korrekte Polen nicht danach aussieht, ist die Chance für einen geschichtlichen deutschen Neuanfang in diesem Teil des Ostens Europas günstiger denn je. Vielleicht werden wir Deutsche bei fortschreitender Islamisierung bald dorthin in Massen flüchten müssen?

Was nützt und was nützt nicht im echten Dialog mit Polen?

Der verschiedenen Publikationen rund um den 2. Weltkrieg und die verlorenen Ostgebiete sind sicherlich „quellentechnisch“ oft sehr fundiert und die Berichte über die Vertreibung leider erschütternd. Sie geben aber keinen Hinweis, wie es mit den Polen friedlich weitergehen soll. Jeder, der Vergangenheitserklärung betreibt, muss den Mut haben, diese Frage auf den Boden der heutigen Realität zu beantworten. Das wird leider in solchen „Analysen“ häufig vermisst.

Denn es bleibt wohl umstritten, dass unser östlicher Nachbar sich mit den Deutschen nicht mehr in Debatten über Schuld und Gegenschuld verwickeln lassen möchte, zumal wenn er ein starker Verbündeter im Kampf gegen die von Brüssel gesteuerte Islamisierung Deutschlands ist – wie einst 1683 das christliche polnische Heer unter König Sobieski beim Sieg über die Türken bei Wien.

Wenn in Deutschland einmal ökonomisch gedacht wäre, verlöre auch Polens Reparationsforderung von 800 Milliarden Euro (resultieren aus einer in 1945 errechneten und mit vier Prozent verzinsten Anfangsforderung von 50 Milliarden US-Dollar) ihren Schrecken. Denn wenns schon ums Geld geht, hat auch Deutschland das Recht, der Republik Polen eine Gegenrechnung für die Hunderttausenden ihrer während des Kriegsrechts in 1980er-Jahren hier gestrandeten und von uns alimentierten Landsleute aufzustellen. Die Polen wissen, dass Deutschland 40 Milliarden Euro jährlich für Migranten ausgibt und dafür Geld hat. Würde die Zahlung in 100 Jahresraten beglichen (wie nach dem Ersten Weltkrieg) wäre sie für ein Land, dass „so vieles schaffen kann“ verkraftbar.

Fazit

In baldigen Debatten rund um den 80. Jahrestag des Ausbruchs des Zweiten Weltkrieges werden Hinweise auf die Leistungen Deutscher in den ehemaligen Ostgebieten und deutscher Minderheiten in Osteuropa wohl rar bleiben. Es freut daher, dass es noch Plattformen gibt, wo daran erinnert werden darf.


Dr. Viktor Heese.

Dr. Viktor Heese ist Dozent und Fachbuchautor. Spezialisiert hat er sich auf dem Gebiet der Börsen und Banken. Für Börsenanfänger hat er das Buch „Fundamental- versus Charttheorie. Methoden der Aktienbewertung im Vergleich“ (Springer 2015) verfasst. Er betreibt die Blogs prawda24.com und finanzer.eu und gibt den Börsenbrief „Der Zinsdetektiv“ heraus. Heese kommt aus Masuren und lebt seit über 40 Jahren in Köln.




Polen vor Parlamentswahl: Polexit – Schlechte Noten für Deutschland

Von DR. VIKTOR HEESE | Die Unterstützung Ursula von der Leyens als neue EU-Chefin durch die in Polen regierende PiS hatte viele patriotische Deutsche irritiert. Ist Polen noch ein Partner gegen Brüssel? Für die pragmatischen Osteuropäer war diese „Notlösung“ dennoch konsequent. Sie haben jetzt den linken Frans Timmermans vom Hals und gewinnen Zeit, um sich (wohl?) bald von der EU zu verabschieden. Die Parlamentswahlen am 13. Oktober dürfte das Regierungslager gewinnen.

Im Osten nichts Neues – der Westen infiltriert, Polen bleibt wehrhaft

Ein Polexit käme spätestens in Frage, wenn Warschau wegen seines Wirtschaftsbooms (BIP jährlich regulär über vier Prozent) zum EU-Nettozahler aufsteigt. Da dieser Zeitpunkt unbarmherzig naht, wird die Infiltrierung des Landes durch westliche „Werteaktivisten“ mit Propaganda und Geld im Lande und von außen immer massiver. Die alten Anschuldigungen der Werteverletzung (Migrationsverweigerung, Pressefreiheit, Justizreform, Urwaldrodung in Bialowieza) reichen nicht mehr aus, neue kommen auf die Tagesordnung.

Katholische Kirche wird zur Zielscheibe – der „Kulturkampf“ mit linker Szene beginnt

Die gerade hofierte LGBT-Bewegung (PI-NEWS berichtete) ist der neueste Trend. Er missbraucht die aktuellen Proteste gegen die kirchliche Pädophilie, um die PiS-orientierte katholische Kirche zu schwächen. Während sich die polnische Provinz fest in Händen des Regierungslagers befindet, hat die „europäische“ Opposition ihre wenigen Hochburgen in den Großstädten.

Nach den Kommunalwahlsiegen in Danzig und Warschau fiel dort den neuen Bürgermeistern im Schulbereich als erste Maßnahme nur der Ersatz des Religions- durch den Sexualunterricht ein. So etwas reizt und spaltet die Leute massiv. Die konkurrierenden Aufmärsche – wie zuletzt in Bialystok – für Gleichheit (Opposition) einerseits und für Familie (PiS-Anhänger) andererseits – sind ohne Polizeischutz nicht mehr möglich. Der Staat hält sich stark zurück – Vorwürfe über Polizeigewalt gelingt den „Werteaktivisten“ nicht zu kreieren.

Gewaltszenen und Kopftücher beherrschen Gott sei Dank (noch) nicht das Alltagsbild auf Polens Straßen. Märchen von Faschismus, Rassismus und Nationalismus in den „proeuropäischen“ Systemmedien, die meistens Westkonzernen gehören, dagegen schon. Die Meinungsmacher gehen sehr gezielt und konzentriert vor. Gerade läuft eine Großkampagne gegen den Erzbischof von Jedraszewski, der es wagte, die LGBT-Exzesse – in Anlehnung an die „rote Pest“ aus den kommunistischen Zeiten – als „Regenbogen-Pest“ zu bezeichnen. In Polen kann ein solcher Schuss schnell nach hinten los gehen. Andererseits stoßen diese Meinungsdiktatoren mitsamt ihrer TV-Kanäle auf Gegenwehr der öffentlich-rechtlichen TVP und die wenigen Print-Magazine, die mit heimischem Kapital wirtschaftlich gerade so überleben. Jeder Kundige und Willige wird Polen Meinungsvielfalt attestieren.

Impressionen aus dem Heimaturlaub im ehemaligen Ostpreußen

Obige Impressionen ließ der Autor während seines Heimataufenthaltes im ehemaligen Ostpreußen, (in Siemiany bei Ilawa, in Deutsch Schwalgendorf und Deutsch Eylau) auf sich einwirken. Über den besagten Kulturkampf zwischen den „Europäern“ und den „Nationalisten“ hatte selbst der Dorfpfarrer in seinen Predigten berichtet. Dennoch: Im Vergleich zu den über Satellit täglich einströmenden Absurditäten aus der Moralhochburg Deutschland waren selbst diese beunruhigenden Nachrichten nur Peanuts. Habe ich mich dennoch zu sehr geärgert, tat ein Ausflug mit dem Moped zum Besuch einer der alten deutschen Sehenswürdigkeiten im schönen Ostpreußen gut. Die Marienburg sieht noch genauso aus wie in einem alten Film von 1943.

Parlamentswahlen Wahlen in sechs Wochen – noch ist Polen nicht verloren!

Am mitteleuropäischen „Frontverlauf“ zwischen den Populisten und den Demokraten wird sich nach der Wahl in Polen wahrscheinlich nichts ändern. Die Vereinte Rechte (Zjednoczona Prawica) mit der dominierenden PiS dürfte ihre absolute Mehrheit verteidigen. Die kommenden Wahlen in Österreich und – vielleicht auch in Italien und in Spanien – dürften da schon viel unsicherer ausfallen. Die polnische Wirtschaft boomt, die Rezession in Deutschland und Westeuropa wird von der Regierung sicherlich als Warnzeichen für das Versagen der EU und die Multikulti-Politik genutzt. Polen kann somit bis auf weiteres im Osten die „populistische Front“ gegen Brüssel verteidigen.

Beziehung zu den Deutschen leider unverändert distanziert

Die Beziehungen zu den Deutschen – nicht allein zum Berliner Polit-Establishment in Berlin – werden leider weiter abgekühlt bleiben, solange hinter der Oder der aggressive Merkelismus herrscht und die Deutschen mit ihm nicht klar kommen. Deutschen patriotischen Kräften wird vorgeworfen, zu wenig zu unternehmen, um das Selbstbewusstsein der Polen zu würdigen. So glauben die Leute hier, die Mehrheit der Deutschen sitzt tatsächlich auf einem hohen „moralischen Ross“ und betrachte die Nachbarn als leistungsschwache Rebellen, die zwar gegen Brüssel angehen, aber sonst unkooperativ sind und ständig fordern. Das Thema Kriegsreparationen (PI-NEWS berichtete) dürfte bald wieder aufgerollt werden. Am 1. September nähert sich der 80. Jahrestag des Ausbruchs des Zweiten Weltkrieges.

Deutschland kein Vorbild mehr

In den Augen vieler Polen ist das immer noch hochnäsige Deutschland kein Vorbild mehr, sondern generiert zusehends zum „kranken Mann Europas“. Anmerkung: Der letzte Punkt gibt nicht die Meinung bzw. die Wertung des Autors wider, sondern die öffentliche Meinung hüben wie drüben.


Dr. Viktor Heese.

Dr. Viktor Heese ist Dozent und Fachbuchautor. Spezialisiert hat er sich auf dem Gebiet der Börsen und Banken. Für Börsenanfänger hat er das Buch „Fundamental- versus Charttheorie. Methoden der Aktienbewertung im Vergleich“ (Springer 2015) verfasst. Er betreibt die Blogs prawda24.com und finanzer.eu und gibt den Börsenbrief „Der Zinsdetektiv“ heraus. Heese kommt aus Masuren und lebt seit über 40 Jahren in Köln.