Die Lage im Irak wird immer unübersichtlicher und gefährlicher für Briten und Amerikaner. Der Feldzug gegen die Hussein-Diktatur kostete inzwischen mehr Amerikaner das Leben als 9/11. Wer im Irak eigentlich Freund und wer Feind der Koalitionstruppen ist, kann man schon längst nicht mehr unterscheiden. Die irakische Regierung ist wütend auf die Amis, weil diese iranische „Gäste“ wegen Terrorverdachts verhaftet haben, und die von den Koalitionstruppen befreiten Schiiten kündigten den Briten die Kooperation, weil diese Gefangene in Basra gewaltsam retteten (Gefängnissprengung s. Foto).

Wem die Sympathien von SpOn gehören, kann man schon an den Überschriften der Artikel deutlich erkennen – den Briten ein wenig, den Amerikanern kein bßchen. So wird zum Beispiel der Beitrag zur Festnahme der Iraner überschrieben mit: „USA erzürnen Irak und Iran mit Festnahme-Aktion“ . Der Artikel beginnt dann so:

Weil sie angeblich Attentate planten, haben die USA mehrere Iraner im Irak festgenommen – auch Militärs und Diplomaten. Das bei ihnen gefundene Material wird nun gesichtet. Iran protestierte und kündigte „unangenehme Folgen“ an, Iraks Präsident Talabani ist bestürzt: Die Inhaftierten seien seine Gäste.

Schon die Formulierung des ersten Satzes trieft vor Zweifel an der amerikanischen Beweggründen. Es ist ja auch wirklich mehr als unwahrscheinlich, dass der Iran sich an Terror beteiligt …

Die Regierung in Teheran hat gegen die Festnahme vom offenbar vier iranischen Bürgern durch die US-Armee im Irak protestiert. Die Festnahme der beiden Iraner sei „rechtswidrig und nicht in Übereinklang mit weltweit gültigen Regeln“, sagte der iranische Außenamtssprecher Mohammed Ali Hosseini. Der Vorfall werde „unangenehme Konsequenzen“ haben. (…) die irakische Regierung hatte sich zuvor „unzufrieden“ darüber geäußert, dass die US-Armee im Zweistromland die Iraner festgenommen habe. Der irakische Präsident Dschalal Talabani habe die Vertreter der iranischen Behörden selbst eingeladen, als er vor einem Monat in Teheran gewesen sei, sagte sein Sprecher Hiwa Osman. Der Präsident sei sehr bestürzt über die Entwicklung. (…) Mindestens vier Iraner seien am Montag noch im Gewahrsam der US-Armee gewesen, berichtet die „New York Times“. Die USA werfen dem überwiegend von Schiiten bewohnten irakischen Nachbarstaat Iran vor, schiitische Milizen im Irak mit Geld und Waffenmaterial zu unterstützen. Hierzu gehörte auch technisches Know-how zur Herstellung von Straßenbomben, die den US-Streitkräften bislang die größten Verluste zufügten. …

Unverantwortlich, wo die internationale Staatengemeinschaft doch von den USA verlangt, den Dialog mit Iran sowie mit Syrien zu suchen, um mit ihrer Unterstützung die Gewalt im Irak in den Griff zu bekommen. Man müsste lachen, wenn das Ganze nicht so traurig wäre. Und zur Gefangenenbefreiung durch britische Soldaten im schiitischen Basra schreibt SpOn:

1000 Soldaten haben in der südirakischen Metropole eine Polizeistation samt Gefängnis gesprengt – sie war für Todesschwadrone, Folter und Raubzüge berüchtigt. Schiiten-Politiker entrüsten sich über den Angriff: Sie kündigten den Briten die Kooperation auf. Der Stadtrat von Basra, der zweitgrößten Stadt im Irak, beschloss die Aufkündigung der Zusammenarbeit mit den Briten mit der Begründung, die Militäraktion sei „provokativ und illegal“ gewesen. Ratschef Mohammed al-Abadi sagte der BBC zufolge bei einer Pressekonferenz, die lokale Politik sei nicht eingeweiht gewesen. Die Briten hätten frühere Pläne durchkreuzt, die Gefangenen gewaltlos zu verlegen. Ähnlich äußerte sich Basras Polizeichef Ali Ibrahim: „Der Sturmangriff war eine Verletzung der Menschenrechte.“ (…) Ziel des britischen Sturmangriffs auf die Polizeistation Jamiat war es, die dortige Abteilung zur Bekämpfung schwerer Verbrechen aufzulösen. Der Einheit wurden seit längerem Raubüberfälle vorgeworfen, sie soll regelrechte Todesschwadrone in der Stadt organisiert haben und dabei eng mit islamistischen Milizen und kriminellen Banden verbunden gewesen sein.

1000 Mann, britische Soldaten mit Panzern und mit Unterstützung von irakischen Sicherheitskräften, hatten die Polizeistation gestürmt. Sie brachte 127 Untersuchungshäftlinge in ihre Obhut – und machte dann das Gebäude dem Erdboden gleich.

Die Briten hatten nach Geheimdiensthinweisen akut befürchtet, dass die Polizisten Gefangene hinrichten wollten – deshalb habe man die überraschende Aktion an Weihnachten ohne weitere Abstimmung mit den Irakern angeordnet. Nach Stürmung der Wache mussten etliche Häftlinge medizinisch versorgt worden. Die BBC berichtet mit Verweis auf Militärs, man habe bei einigen Häftlingen unverkennbare Spuren von Folter entdeckt. …

Von Empörung über die Folter oder die drohenden Hinrichtungen jedenfalls keine Spur, ebensowenig gibt es Lob für die Briten, Folter beendet und Hinrichtungen verhindert zu haben. Man hätte ja statt der Headline „Schiiten-Politiker wütend auf britische Besatzer“ auch die Überschrift „Britische Soldaten retten Gefangenen im Irak das Leben“ wählen können, wenn man denn auf der richtigen Seite stehen würde …

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3 KOMMENTARE

  1. Also zumindest die Aktion in Basra war wohl mit der derzeitigen irakischen Regierung abgesprochen worden, denn diese „Polizisten“ standen unter Mordverdacht Korruptionsverdacht etc. also eben die übliche Palette wenn Primitivislamos wie die der Shiiten die Macht anvertraut wird.

    Allerdings würde ich mal langsam empfehlen das ganz unter dem globalen Aspeckt der kommenden globalen Entscheidungschlacht mit dem Islam zu betrachten und aus dieser Sicht ist das nur „Kleinzeuchs“ im Irak.

    ca
    PS: Aktuell 7.2 Quake in Süd Taiwan

  2. Im Zusammenhang mit der Demokratisierung des Iraks ist das schon ein Fortschritt. Unter Saddam hätten keine ausländischen Truppen Folterzentren gestürmt. Es geht aufwärts. Zu viele Rippenbrüche, gequetschte Hoden oder zugequollene Augen kann die toleranteste Demokratie nicht ertragen. Weiter so.

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