stefan_juergens.jpgDas Wort zum Sonntag vom 2. Dezember 2006, gesprochen von Stefan Jürgens (Foto), verdient – im Gegensatz zu früheren Ausführungen seines Chefs Burkhard Müller („Der Islam ist eine großartige Religion“) – ausnahmsweise mal ein Lob. Jürgens, geistlicher Rektor der Katholischen Akademie "Kardinal-von-Galen", lässt den Besuch von Papst Benedikt in der Türkei Revue passieren und kritisiert die dortige Behandlung der Christen: "Ich wünsche mir, dass überall die Menschenrechte gelten, auch in der Türkei. Dazu gehört, dass die Christen dort genau so frei leben und glauben dürfen wie Moslems hier bei uns in Europa; das ist Menschenrecht."

Hier der komplette Text von Stefan Jürgens:

Kein Badeurlaub am Strand. Meine Reise in die Türkei war eine Pilgerfahrt. Fernab von den Hochburgen der Touristen. Mit einer Pilgergruppe bin ich den christlichen Spuren nachgegangen, von Istanbul aus durchs ganze Land. Denn Kleinasien war in der Antike christlich. Viele Orte der Bibel liegen in der heutigen Türkei. Der heilige Nikolaus kommt von dort. Selbst das christliche Glaubensbekenntnis ist in der heutigen Türkei formuliert worden: "Ich glaube an Gott, den Vater Jesu Christi, und an den Heiligen Geist."

All das kam mir diese Woche wieder in den Sinn, als der Papst die Türkei besucht hat. Mein Türkei-Aufenthalt damals war sehr beeindruckend, aber er hat mich auch nachdenklich gemacht. In Ephesus hätten wir gerne eine Messe gefeiert, aber das war nicht erwünscht. In Izmir ging es für uns nur durch die Hintertür in die Kirche, damit keiner was merkt. Als wir einmal draußen Gottesdienst feiern wollten, hielt unser Reiseleiter aufmerksam Wache, schirmte uns ab. Er hatte wohl doch ein mulmiges Gefühl, wenn Christen ihren Glauben bekennen. Religionsfreiheit?

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Der Papst begrüsst Gläubige in Ephesus.

Wie der Papst am Donnerstag haben auch wir eine Moschee besucht. Der Imam begrüßte uns freundlich und hörte gar nicht mehr auf zu erzählen. Von seinem Glauben und seiner Hingabe an Gott. Und wir haben ihm tausendundeine Frage gestellt. Seltsam, habe ich gedacht: Wir Christen stellen ihm Fragen, aber welche Fragen haben denn er und seine Glaubensbrüder an uns? Das Interesse war nur einseitig – diese Erfahrung habe ich schon oft gemacht. Und immer wieder gedacht: Hätten wir denn überhaupt Antworten gewusst?

Denke ich an Deutschland, frage ich weiter: Sind die Christen hierzulande wirklich so tolerant, wie sie sich geben? Oder sind viele bloß gleichgültig, weil sie kaum noch Bescheid wissen über ihren Glauben? Ich meine, als Christ braucht man Standpunkte, die man vertreten kann. Wer aber für nichts mehr steht – worüber sollte man mit dem reden, geschweige denn streiten? Umso wichtiger ist es, eine eigene Meinung zu haben. Damit man als Gesprächspartner überhaupt ernst genommen wird.

Darum habe ich eine Meinung. Und stehe dafür ein, dass Europa christlich bleibt. Ich wünsche mir, dass überall die Menschenrechte gelten, auch in der Türkei. Dazu gehört, dass die Christen dort genau so frei leben und glauben dürfen wie Moslems hier bei uns in Europa; das ist Menschenrecht. Und gerade deshalb, weil ich diese Meinung habe, kann ich mit anderen diskutieren, kann sie wertschätzen und sogar lieben, ohne sofort alles gleichzumachen.

Der Besuch des Papstes in der Türkei hat mich darin bestärkt. Benedikt ist für den Frieden eingetreten, für Verantwortung, und besonders für den Dialog der Religionen. Schließlich haben Christen und Moslems gemeinsame Wurzeln, wenn auch Jesus und Mohammed sehr verschieden von ihrem Gott sprechen. Ich selber glaube nicht, dass Allah der Vater Jesu ist; dafür ist die Offenbarung zu unterschiedlich. Es ist eben nicht alles immer sowieso dasselbe mit den Religionen, vieles passt einfach nicht zusammen in Bibel und Koran: Darüber muss man reden. Und wenn dann man miteinander spricht, darf es ruhig Unterschiede geben. Gleichmacherei macht nur gleichgültig, interessant ist das Unterscheidende!

Das Auftreten von Benedikt XVI. empfand ich darum sehr angemessen: Bescheiden, zurückhaltend, aber – und das ist wichtig – mit klarem Profil. Er steht für ein Christentum, das weltoffen ist, tolerant, aber erkennbar. Ich meine: Ein guter Weg!

» Email an Stefan Jürgens: stefan.juergens@wort-zum-sonntag.de

(Spürnase: Habakuk)

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15 KOMMENTARE

  1. Auch wenn der Papst weder die anderen (nicht-katholischen) Christen vertritt noch die Säkularen und Atheisten: ich freue mich über solche Christen wie Stefan Jürgens, die aufgewacht sind und auch den Mut haben, sich klar zu äußern. Weiter so!

  2. @Ey3_Q

    Du hast etwas übersehen, was in dem großen Trubel unbeachtet bleibt. Der Papst vertritt sehr wohl auch Nichtkatholiken. Er hat dafür ein deutliches Zeichen gegeben und zwar genau zu der Zeit, als er seine Rede mit dem Manuel-Zitat hielt:

    Er hat in derselben Zeit ein Gebet für Oriana Fallaci gehalten, für die Atheistin! Man soll genau beachten, was Fallaci mit dem Papst an Gesinnung verband. Wann hat sonst schon ein Papst für einen Atheisten gebetet? Aus der Tradition kennt man nur die Diskussionen, dass für praktizierende Katholiken Atheisten Ketzer seien. Es ist noch nicht zu lange her, hätte man sie für schlimmer gehalten, als einen Andersgläubigen. Man hätte sie nicht im heiligen Boden beerdigt usw. Freunde von mir sagten immer, sie würden selber sofort aus der Kirche austreten, aber sie wollten ihre Kinder dem nicht aussetzen, dass sie innerhalb einer christlichen Gemeinde als… (einige wissen bestimmt auf eigene Haut, was ich meine)

    Wenn er für die Fallaci beten wollte, weil er sie von Mensch zu Mensch toll fand, hätte er das im Stillen seiner Kammer machen können. Er hat dies Laut getan, in der Öffentlichkeit. Ich frage mich, wieso man das so schnell vergessen hat.

    Dieser Papst, kaum war er im Amt, empfing die Fallaci in Audienz. Man hätte schon damals aufhorchen müssen! Das steht in der Regel nicht auf den Tagesprogramm der Päpste! Und dann, die Messe für Fallaci, die Atheistin, genau zu der Zeit seiner Palailogos-Rede.

    Klarer kann er nicht sagen, dass er nicht nur für die Katholiken redet, sondern auch für die Atheisten wie Fallaci.

    Er ist aufrecht, das sollte man dem Benedikt abnehmen. Und man sollte ihm auch dann trauen, wenn er die Blaue Moschee besucht – ohne dies hätte er die Hagia Sophia nicht besuchen dürfen, er hätte die Messe nicht in Ephesos halten dürfen.
    Ich nehme an, er hat genau durchkalkuliert, was ihm mehr einbringt: Verzicht auf Türkeireise oder ein Stelldichein mit Baradoglu in seiner von Christen erbauten Blauen Moschee.

    Das Haus der Mutter Maria in Ephesos:
    http://i64.photobucket.com/albums/h173/szodavisz/21DasHausderMutterMaria.jpg

    Standbild der Mutter Maria in Ephesos:

    http://i64.photobucket.com/albums/h173/szodavisz/22MariavonEphesos.jpg

    Ich habe damals keine Pilgerschaft gemacht, ich war ein 0815 Touri. Und ich dachte nicht, dass ich einige Jahre danach mich auf die christliche Wurzeln besinnen werde, nur weil mich die Expansion des Islam dazu zwingt.
    Aus meiner Sicht haben die Christen in der Vergangenheit sehr viele Fehler gemacht – aber sie haben gerade im letzten Jahrhundert eine sehr wertvolle Entwicklung gemacht.
    Der Papst von heute ist ein Mensch unserer Zeit, nicht allein der Vertreter eines vor 2000 Jahren verstorbenen Mannes aus Rom.

  3. Na, geht doch!

    Huber: Imame sollen deutsch predigen
    Speyer/München (dpa) – Muslimische Geistliche sollten in Deutschland nach Ansicht des EKD-Ratsvorsitzenden Wolfgang Huber auf Deutsch predigen.

    „Das wäre ein großer Beitrag dazu, Misstrauen abzubauen, die Integration zu fördern und Klarheit zu gewinnen darüber, was an den Freitagen in den Moscheen gesagt wird“, sagte der
    Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) am Sonntag in einer Predigt in Speyer. Auch der Glaube der Andersgläubigen müsse sich der Kritik stellen. Die Imame sollten diesen Schritt aber aus eigenem Antrieb tun. Gesetzlichen Zwang lehnte er ab.

    Der Bischof sprach sich zudem gegen Überlegungen aus, christliche Feiertage zu streichen oder „aufs Geratewohl ohne Nachzudenken versuchsweise“ durch islamische Feiertage zu ersetzen. Feiertage seien zur Selbstvergewisserung einer Gesellschaft nötig.

    In einem Interview des Nachrichtenmagazins „Focus“ wandte sich Huber zudem gegen die Umwandlung aufgegebener christlicher Kirchen in Moscheen. „Wird eine Kirche zur Moschee, erwecken wir den Anschein, der Unterschied zwischen Christentum und Islam sei geringfügig.“

    Der Bischof betonte: „Wir haben als Christen keinen Grund zu sagen, wir würden uns zum gleichen Gott wie die Muslime bekennen.“ Huber kritisierte die Klagen von Muslimen, die ihre Kinder vom Sport- und Sexualkundeunterricht sowie von Klassenfahrten befreien wollen. Bislang hätten die Gerichte entschieden, dass die Glaubensgemeinschaften selbst festlegten, was Religion sei. Das sei ein hohes Gut. Sollten Muslime allerdings ihre Interessen weiterhin so durch die Instanzen verfolgen, würden sie die Gerichte zwingen, eigene und engere Vorstellungen von Religion zu entwickeln. „Das wäre eine große Niederlage für unsere Rechtskultur.“

  4. Dr Papst hat übrigens gründlich provoziert, und die Musliem haben nichts gemerkt: Er hat Tauben fliegen lasse – das Symbol für den Heiligen Geist. Dessen Existenz bestreiten die Muslime.

  5. Wie steht eigentlich der Zentralrat der Juden zu Äußerungen in der ev.Kirche, man wolle ein christliches Europa? Müßte es nicht heißen: Wir wollen ein christlich-jüdisches Europa?

  6. @Freespeach

    FreeSpeech (04.12.06 16:00)
    > Dr Papst hat übrigens gründlich
    > provoziert, und die Musliem haben nichts
    > gemerkt: Er hat Tauben fliegen lasse

    Hey, das wird bestimmt die Islamisung stoppen! Mutige Tat! Komisch nur, das laut 2.Vatikanischen Konzil (das der Papst anerkennt, denn er ist ja unfehlbar) der Islam auch zu Gott führt.

    Irgendwann werdet ihr heulen, wenn der Vatikan mit dem Islam fusioniert …

  7. Schmetterlingsfrau (#4), das geht mir zu weit.
    Mich vertritt er nicht.

    Aber ein joint-venture könnte ich mir gefallen lassen.

  8. Für mich spricht der Papst auch nicht. Er hält sich stet im „Mittelfeld“ auf, eben everybodies darling. Mit dem mutigen Worten der Apostel hat dieser Mitläufer nichts zu tun.

  9. Der Papst vertritt Gott auf Erden, da kümmert es ihn einen Müll, wer sich noch durch ihn nicht vertreten fühlt. Oder was stört es die Eiche wenn sich ein Hund an ihr schuppert?

    @nasa rufa

    Du hast ein echtes ZDJ-Problem. Lass Dich mal therapieren. Am besten mit Knobloch. 😉

  10. #2 Nein, ich habe nichts übersehen, ich lasse mich eben nur ungern von jemandem „vertreten“, der dafür nicht mein Mandat hat. – Das mit Oriana war eine schöne Geste, hat aber nichts damit zutun.

    Der Papst mag als eine (schwache!) Symbolfigur im Kampf gegen den Mohammed-Kult dienen, aber er vertritt nicht den Westen. Das geht ja auch gar nicht, bei den nun doch sehr konservativen Ansichten dieses Herrn.

    Wenn er Euch vertritt, dann folgt ihm doch am besten auch in allen anderen Dingen. Wie wär’s mit dem Verhütungsverbot? LOL

    Also, gern noch einmal: der Papst vertritt nicht den Westen, nicht Europa, nicht Atheisten, Säkulare, andere Religionen. Nicht die Freiheit, nicht die Menschenwürde, nicht die (echte) Toleranz, nicht die Demokratie.

    Er vertritt nicht mich.
    Er vertritt angeblich Gott. Oder Christus.

    Auf dem vermeintlich heiligen Stuhl des Petrus. Und in diesem Film spiele ich nicht mit.

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