Biosprit hat ein gutes Image. Er wird aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt, der Anbau boomt und die Nachfrage steigt. Wer ihn nicht will, hat auch keine Chance, denn gutmenschliche Klimaschützer haben längst die Zwangsbeimischung beschlossen. Biodiesel soll uns unabhängiger von fossilen Brennstoffen machen und die für die Herstellung benötigten Pflanzen sollen nebenbei den „Klimakiller“ Kohlendioxid einfangen. Anders gesagt: Biokraftstoff soll uns ein rundherum gutes Gewissen verschaffen.

Warum das nicht so ist, erklärt der Direktor für Handel und Landwirtschaft bei der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris, Stefan Tangermann im Zeit-Interview.

DIE ZEIT: Herr Tangermann, die Herstellung von Biosprit boomt. Kraftstoff vom Acker gilt als klimafreundlich und als sinnvolle Alternative angesichts der wachsenden Risiken der Energieversorgung. Sind die Hoffnungen berechtigt?

Stefan Tangermann: Ich kann verstehen, dass vor allem in den reichen Ländern solche Hoffnungen keimen. Allerdings dürfen wir doch, auch wenn es um die Sicherung der Energieversorgung geht, die wirtschaftliche Logik nicht ganz vergessen. In vielen Ländern der Welt, in der EU und weitgehend auch in den USA, ist Kraftstoff aus landwirtschaftlichen Produkten nach wie vor deutlich teurer als solcher aus Erdöl.

ZEIT: Warum wird Biosprit trotzdem gefordert und gefördert?

Tangermann: Nach meinem Eindruck stehen drei Motive dahinter. Erstens der Glaube, Biosprit sei gut für die Umwelt. Zweitens die Hoffnung, der Kraftstoff vom Acker könne die Abhängigkeit von Ölimporten aus unsicheren Ländern mindern. Und drittens natürlich die Möglichkeit, den Landwirten etwas Gutes zu tun.

ZEIT: Sind Biokraftstoffe trotzdem ein probates Mittel gegen die Erderwärmung?

Tangermann: Nicht in dem Maße, wie viele glauben. Es wird nämlich gerne vergessen, dass für die landwirtschaftliche Produktion eine Menge fossiler Energie verwendet wird, für die Herstellung von Dünger und Pflanzenschutzmitteln zum Beispiel. Hinzu kommt die Energie zur Weiterverarbeitung der landwirtschaftlichen Rohstoffe. Unterm Strich werden in Europa oft rund 80 Prozent der gewonnenen Bioenergie vorher in Form fossiler Energie investiert. Diese Bilanz ist mehr als ernüchternd. (…)

ZEIT: Dafür kann in den tropischen Ländern der Regenwald ein Opfer der Spritproduktion werden.

Tangermann: Ausgeschlossen ist das nicht. Unsere Analysen zeigen, dass in Brasilien tatsächlich die Agrarproduktion den Regenwald weiter zu verdrängen droht. Allerdings ist der Zuckerrohranbau für Biosprit weniger bedrohlich als die wachsende Sojaproduktion, die mit unserem Fleischkonsum zusammenhängt.

ZEIT: In Mexiko sind die Tortillapreise gestiegen, was mit der Maisnachfrage amerikanischer Ethanolproduzenten zu tun haben soll. Treibt der Biosprit-Boom den Preis des Grundnahrungsmittels?

Tangermann: Zweifellos. Indem wir landwirtschaftliche Rohstoffe indirekt in die Tanks unserer Autos füllen, haben es die Menschen, die ohnehin arm dran sind, schwerer, ihre Nahrungsmittel zu kaufen. Die Situation in Mexiko, wo jetzt heftige Demonstrationen stattfinden, ist entstanden, weil in den USA mehr Mais gekauft wird, um Biosprit zu produzieren.

ZEIT: Je mehr Ethanol und Biodiesel produziert werden…

Tangermann: …desto unerfreulicher werden die Begleiterscheinungen. Wenn mehr landwirtschaftliche Rohstoffe nicht in die Nahrungsmittel-, sondern in die Energieherstellung geschleust werden, treibt das die Preise. Mehr Mais im Tank bedeutet mehr Hungernde in den Entwicklungsländern. (…)

ZEIT: Indirekt sagen Sie, Biosprit sei eher Fluch als Segen

Tangermann: Jedenfalls der, der aus landwirtschaftlichen Rohstoffen gewonnen wird, die auch die Grundlage von Nahrungsmitteln sind. Diesen Biosprit zu subventionieren oder den Verbrauchern aufzuzwingen halte ich für einen Irrweg. Als sinnvoller könnte sich eines Tages erweisen, was Fachleute Biokraftstoff der zweiten Generation nennen. Er wird aus landwirtschaftlichen Abfallprodukten gewonnen – und ist in zehn Jahren konkurrenzfähig. Vielleicht.

Unsere Spürnase meint: Ist das nicht „herrlich“? Während andere immer weniger zu Essen haben, können sich die Jünger der Church of Global Warming ein gutes Gewissen kaufen.

(Spürnase: Freewheelin )

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