Wie wir heute bereits berichtet haben, wird die Haftstrafe der RAF-Terroristin Brigitte Mohnhaupt im März zur Bewährung ausgesetzt. Damit säße dann mit Christian Klar nur noch einer der auf nebenstehenden BKA-Fahndungsplakat aus dem Jahre 1980 abgebildeten Terroristen in Haft. Die Bundesrepublik Deutschland ist nett zu Menschen, die ihr den Krieg erklärt und ihre Repräsentanten umgebracht hatten. Die Berliner Morgenpost erzählt heute, was aus jedem einzelnen der Terroristen auf dem Fahndungsplakat geworden ist. Was man dort liest, ist schier unglaublich. So darf Susanne Albrecht heute als Lehrerin Kinder über die „faschistische Bundesrepublik“ und das „Universum der Kohle“ aufklären.

Susanne Albrecht Ihr Name steht für einen besonders niederträchtigen Anschlag der RAF: Am 30. Juli 1977 ermöglicht sie Brigitte Mohnhaupt und offenbar Christian Klar den Zugang zum Haus von Jürgen Ponto; er ist der Patenonkel ihrer Schwester. Der Dresdner Bank-Chef wehrt sich gegen die versuchte Entführung; Brigitte Mohnhaupt erschießt ihn. Susanne Albrecht wird 1951 als Tochter eines renommierten Hamburger Anwalts für Seerecht geboren und studiert Pädagogik, Soziologie und Psychologie in Hamburg. Über die „Anti-Folter-Komitees“ gerät sie 1973/74 in die Sympathisantenszene der RAF, absolviert aber noch 1976 ihre erste Staatsprüfung als Grund- und Realschullehrerin. Nach dem Ponto-Mord erleidet Albrecht einen Nervenzusammenbruch, unterschreibt trotzdem das Bekennerschreiben und bleibt bei der RAF. 1978/79 lebt sie im Jemen in einem Trainingscamp und beteiligt sich 1979 am Bombenanschlag auf Nato-Oberbefehlshaber Alexander Haig. 1980 taucht sie mit Hilfe der Stasi in der DDR unter. Im Juni 1990 wird Susanne Albrecht in Ost-Berlin verhaftet und später zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt – dank der Kronzeugenregelung. 1996 kommt sie auf Bewährung frei. Heute lebt sie unter falschem Namen in Norddeutschland und arbeitet als Lehrerin.

Lars-Broder Keil und Sven Felix Kellerhoff schreiben recht fassungslos:

Was ihr Feindbild angeht, war die Rote Armee Fraktion immer eindeutig: Die „faschistische“ Bundesrepublik und das „Universum der Kohle“ wollten sie vernichten – so steht es in mehreren „Bekennerschreiben“ der zweiten Terroristengeneration, die von 1975 bis 1982 eine Blutspur durch Deutschland zogen. In ihrer „Erklärung“ zum Mord an Dresdner Bank-Chef Jürgen Ponto schrieb die zweite Generation der RAF am 14. August 1977 kurz und bündig: „Wir haben in einer Situation, in der Bundesanwaltschaft und Staatsschutz zum Massaker an den Gefangenen ausgeholt haben, nichts für lange Erklärungen übrig.“

In bemerkenswerten Gegensatz zu diesem Feindbild steht die relative Milde, mit der die bundesdeutschen Behörden gegen die Terroristen der zweiten RAF-Generation vorgegangen sind. Bis auf Christian Klar und Brigitte Mohnhaupt kamen sämtliche Terrorverdächtigen, die 1980 mit diesem Steckbrief gesucht wurden, lang vor Verbüßen ihrer rechtsstaatlich verhängten Haftstrafen wieder auf freiem Fuß. Einigen von ihnen haben die angeblich „faschistischen“ bundesdeutschen Behörden sogar neue Existenzen verschafft.

Sind wir noch zu retten?

» Netzeitung: Mein Arzt, der Ex-Terrorist – wie man die RAF resozialisiert

(Spürnase: Uli E.)

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