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Medien schüren Ressentiments gegen Mountainbiker

Vorurteile und Ressentiments gegen Personengruppen werden gemäß politisch korrekter Definition geschürt, sobald Erkennungsmerkmale einer Personengruppe mit Fehlverhalten eines Individuums aus dieser Personengruppe in Verbindung gebracht werden. Lange wurde so der ganze Islam aufgrund der Taten ganz vereinzelter Islamisten generalverdächtigt. Doch die meisten Medien haben dazugelernt. Sie verzichten zunehmend auf die Nennung islamischer Tatmotive und Täter um keine Ressentiments zu schüren. Sehr löblich, nur leider hat sich diese mediale Untugend lediglich verlagert. Ersatzweise werden nun Ängste vor, und Generalverdacht gegenüber allen Mountainbikern geschürt.

Ein Fallbeispiel für undifferenzierte, Klischees fördernde und Vorurteile unterstützende Berichterstattung liefert hrOnline. Der Leser bleibt im Unklaren darüber, welche Mountainbiker genau, und aus welchem Grund folgende Tat begangen haben:

In S-Bahn mit Pistole bedroht
In einer S-Bahn haben zwei Mountain-Biiker mit einer Pistole eine 40-jährige Frau bedroht, die die sich über die im Eingang abgestellten Räder beschwert hatte. Zunächst sei die Frau „auf das Übelste beschimpft worden“, erklärte ein Polizeisprecher am Donnerstag. Die 40-Jährige sei beschimpft und bedroht worden, ohne dass andere Fahrgäste eingegiffen hätten.

Bei dieser Form der Darstellung fällt gemäß politisch korrekter Sichtweise ein sofortiger Generalverdacht auf alle Mountainbiker. Jeder Leser dieser Meldung wird sich beim nächsten Anblick eines Mountainbikers als potentielles Opfer übelster Beschimpfung und Bedrohung mit einer Schußwaffe empfinden. Politisch korrekt betrachtet sind grundsätzlich alle Personen in Deutschland ohne Migrationshintergrund und ohne Mitgliedschaft bei den Grünen und der Linkspartei permanent latent anfällig für Ressentiments und böswilliges Klischeedenken gegenüber Minderheiten (wie z.B. Mountainbikern). Durch diese Form der Täterbeschreibung gibt hrOnline diesen verwerflichen Neigung neue Nahrung.

Der nachfolgende Bericht aus dem Wiesbadener Kurier zum selben Vorfall schürt die ohnehin vorhandenen irrationalen Ängste vor Mountainbikern in der Bevölkerung sogar in noch verantwortungsloserer Weise:

Frau in S-Bahn beschimpft und mit Schusswaffe bedroht

Keiner der Fahrgäste zeigte Zivilcourage

Vom 08.03.2007

FRANKFURT (dpa) Weil sich eine Frau in einer S-Bahn über abgestellte Fahrräder beschwert hat, beschimpfte ein junges Pärchen die 40-Jährige und bedrohte sie mit einer Schusswaffe. Die Mountainbikes der beiden hätten mitten im Türbereich gestanden, als die Frau im Frankfurter Hauptbahnhof in die Bahn Richtung Niedernhausen stieg. Auf die Räder angesprochen beschimpfte und demütigte das Pärchen die Frau. Das teilte die Polizei heute mit. Schließlich zog der junge Mann eine Pistole, lud durch und hielt sie der 40-Jährigen an den Kopf. An der Station Farbwerke stieg das Paar schließlich aus, zielte aber bis zuletzt auf die Frau. Die Polizei betonte, dass keiner der anderen Fahrgäste der Frau zur Seite gestanden habe.

Die Botschaft lautet: Mountainbiker laufen mit Schußwaffen herum, sind jederzeit bereit diese durchzuladen und Personen die Mountainbiker-Phobie arktikulieren, eine Pistole an den Kopf zu drücken. Deutlich wird aber immerhin: Mountainbiker-Feindlichkeit hat diesen Vorfall erst provoziert. Die fehlende Unterstützung der übrigen Fahrgäste für die Mountainbiker-Provokantin war moralisch richtig da faktisch billigend-solidarisch mit der diskriminierten Minderheit der Mountainbiker.

Am meisten deeskalierend, differenzierend, informierend und pauschalem Schußwaffen-Generalverdacht gegen die Minderheit der Mountainbiker entgegen wirkend, ist ausgerechnet in diesem Fall die Bild-Zeitung der Frankfurt-Ausgabe. Leider ist nachfolgender Artikel nicht Online verfügbar sondern liegt nur in der gestrigen Printversion vor.

Generalverdächtigende Furcht vor allen Mountainbikern weltweit muß als unbegründet zurück gewiesen werden, da es sich bei den Tatverdächtigen um Mountainbiker mit einem bestimmten Aggressionsprofil handelt. Und auch nicht alle Menschen müssen befürchten in die Opferkategorie dieser Täter zu fallen. Sondern nur Personen auf die die Attribute „deutsch“ und „Schlampe“ „zutreffen“.

Frankfurt:

Frau von Pärchen mit Pistole bedroht.

Frankfurt.

In einer S-Bahn in Frankfurt/M kam es am Donnerstag zu einem Zwischenfall. Weil einer Frau durch ein Pärchen mit zwei Mountainbikes der Durchgang in der S-Bahn versperrt wurde beschwerte sie sich über das unverschämte Verhalten. Der Mann, bekleidet mit einer muslimischen Gebetsmütze beschimpfte die Frau mit „Du deutsche Schlampe„. Die andere Person, eine Frau südländischen Types beschimpfte die Frau darufhin.
Im Zuge der Auseinandersetzung zog der Südländer eine Pistole und setzte sie dem Opfer an die Schläfe. „Sowas wie du muss weg“ sagte er.
Das Opfer erlitt Todesangst.
Keiner der Zeugen setzte einen Nortuf ab, wie die Polizei später berichtete.

Quelle: Printausgabe Bild/Frankfurt

Was lernen wir draus ? Je differenzierter die Täterbeschreibung, umso mehr wirkt diese Voruteilen gegen Personengruppen entgegen. Im vorliegenden Fall wird unbegründeten, pauschalen Ängsten gegenüber Millionen friedlicher Mountainbikern entgegen gewirkt. Diese pflegen im Regelfall keine Mitführung von Schußwaffen, haben keine Aversionen gegen Deutsche und Frauen (laut Täterdefinition „Schlampen“) in öffentlichen Verkehrsmitteln.

Es ist ein erfreuliches Anliegen, bei Moslems in der Rolle von Straftätern und Tatverdächtigen deren kulturspezifische Motivation (z.B. hate crime gegen Nicht-Moslems, Befolgung islamischer Traditionen) zu verschweigen um keinesfalls potentielle Vorurteile als Fakten erscheinen zu lassen. Alles was Moslems anstellen, machen schließlich andere Personengruppen genauso, wie z.B. Parteimitglieder der Grünen – um es politisch korrekt auszudrücken, oder nicht ?

Doch diese wünschenswerte politische Korrektheit um Vorurteilen entgegen zu wirken muß sich künftig auf alle Defintionen von Personengruppen beziehen. Also Jugendliche, Deutsche, Migranten, oder eben auch Mountainbiker.

Die einzig richtige, politisch korrekte Version der Schilderung obiger Verbrechen müsste lauten:

Irgendwer hat irgendwem aus irgend einem Grund irgendwas irgendwo irgendwann angetan.

Nur durch strikte Unterlassung fast jeglicher personenbezogener Information wird eine unzulässige Stigmatisierung von Personengruppen verhindert. Jede weitere Präzisierung birgt die Gefahr des Schürens von Ressentiments, Vorurteilen und Phobie.
Unsere Medien haben also noch viel zu lernen.