antisemitismus_lexikon200.jpgEnde März 2007 erschien im Mankau-Verlag das „Lexikon der antisemitischen Klischees“ von Peter Waldbauer, das wir unseren Lesern – gerade zum morgigen Israel-Tag – wärmstens ans Herz legen möchten. „Handeln wie ein Jud‘.“ Wer von uns hat diesen Spruch nicht schon einmal gehört? Oder: „Der … ist Jude, der würde noch seine Großmutter verkaufen.“ Häufig auch: „Das jüdische Kapital bestimmt, was in der internationalen Politik geschieht.“ Für kein anderes Volk als das der Juden haben sich derart spezifische Klischees und Vorurteile herausgebildet, überliefert und gleichzeitig so weit verbreitet. Mit bemerkenswerter Hartnäckigkeit halten sie sich in den Köpfen der Menschen – quer durch alle Schichten.

Wie kam es zu solchen Vorurteilen? Wann und woraus sind sie entstanden? – Das „Lexikon der antisemitischen Klischees“ dokumentiert die häufigsten Vorurteile der jüdischen Geschichte und stellt sie richtig. Aufgezeigt werden auch die historischen Gründe und Umstände, die zu ihrer Entstehung geführt haben. Dabei kommt Peter Waldbauer zu dem Schluss: „Die Ursache dieser meist negativen Vorurteile ist fast immer antisemitischen Ursprungs – befördert durch primitiven Aberglauben, Angst und Unwissenheit.“

Interview mit Peter Waldbauer zu seinem Buch:

Sie sind aus der Generation der „Spätgeborenen“. Wie kommen Sie dazu, sich zum Thema Antisemitismus so ausführliche Gedanken zu machen?

Waldbauer: Durch mein Interesse am Judentum. Ich hatte relativ früh nach meiner Schulzeit einige Juden im Bekanntenkreis und kannte ja noch aus dem Geschichtsunterricht die Situation der Juden im Dritten Reich und auch die Vorbehalte vieler älterer Bürger gegen die Juden. Unter anderem in meiner Familie. Damals regte sich bei mir ein erstes Interesse für die Geschichte der Juden. Dies verstärkte sich natürlich noch, als ich André Kostolany kennenlernte, der ja dem klassischen Klischee des „jüdischen Börsenspekulanten“ entsprach. Vor ein paar Jahren kam mir dann die Idee, einmal aufzuschreiben, wie es sich tatsächlich mit diesen Klischees verhält. Zu Beginn dieser Tätigkeit ahnte ich jedoch nicht, dass die Vielzahl der Klischees für ein ganzes Buch reichen würde.

In Ihrem „Lexikon der antisemitischen Klischees“ werden Vorurteile und Klischees dar- und richtiggestellt. Welche sind am meisten verbreitet?

Waldbauer: Das bekannteste Klischee dürfte wohl das vom „jüdischen Wucherer“ sein, also dem jüdischen Geschäftsmann, der entweder Geld zu „Wucherzinsen“ verleiht oder seine Waren zu „Schleuderpreisen“ verkauft. Auch natürlich das vom „jüdischen Schieber“ und „Inflationsspekulanten“. Alles Klischees aus der Wirtschaft also. Ebenfalls weit verbreitet und gleichzeitig am absurdesten ist jedoch das Klischee von der „jüdischen Weltverschwörung“. Wie sich das der kleine Moritz so vorstellt …

Wie konnten diese Vorurteile entstehen und sich quer durch alle gesellschaftlichen Schichten etablieren?

Waldbauer: Viele der Klischees aus der Wirtschaft haben ja einen realen Kern, da die Juden tatsächlich immer wieder gezwungen waren, sich mit Handel, Geld, Kreditverkehr usw. zu beschäftigen. So blieb leicht das Klischee haften: Wer sich beruflich primär mit Geld beschäftigt, müsse geldgierig sein – zumal, wenn er in seinem Beruf auch noch Erfolg hat. Andere Klischees, etwa über Religion, entstanden wohl aus Angst vor fremden Sitten und Gebräuchen. Bei der Verbreitung der Klischees spielte sicher eine Rolle, dass die Juden über die Welt weit verstreut sind und sich ihre Situation – Verfolgung, Verbote bestimmter Berufe – in vielen Ländern ähnelte.

Wo liegen die Wurzeln des Antisemitismus?

Historisch reicht der Antisemitismus bis in die Antike zurück. Mit dem Vorwurf der Schuld am Tod Jesu Christi entstand der christliche Antisemitismus, oder besser: der kirchliche Antijudaismus. Über die psychologischen Gründe kann ich nur spekulieren. Hier sind wohl eher Tiefenpsychologen gefragt. Spontan fallen mir Begriffe ein wie Minderwertigkeitsgefühl, Intoleranz und Unwissenheit.

Was will Ihr Buch und an wen wendet es sich?

Das Buch will aufklären und so manches bitterböse Klischee entlarven. Denn viele Vorurteile und Aggressionen entstehen ja einfach aus Unkenntnis. Es wendet sich in erster Linie an Normalbürger; an diejenigen, die auf einfache Fragen eine klare Antwort suchen, also weniger an solche, die ohnehin „überzeugt“ sind. Es ist kein Lexikon im streng wissenschaftlichen Sinn. Da es leicht lesbar geschrieben ist, eignet es sich auch gut für junge Leute.

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3 KOMMENTARE

  1. Wer es lesen wird, der bräuchte es nicht – wer es bräuchte, der wird es nicht lesen. So ist es ja leider allzu oft.

  2. Diejenigen, die es verschenken würden, kennen meistens keinen, der es bräuchte.

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