trizonesier.jpg„Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien“, sangen die Kölner nach dem Krieg in Anspielung auf die drei Westzonen. Ein Ethnologieprofessor der Kölner Universität nahm sie beim Wort, erforschte den ihm rätselhaften Stamm und kann uns jetzt endlich im Kölner Stadtanzeiger erklären, was die Trizonesier gegen den Bau der größten europäischen Moschee in Ehrenfeld haben. Darauf haben wir noch gewartet.

Die Strapazen des Sommersemesters sind überstanden. Da musste Professor Dr. Erwin Orywal jede Woche ran und immer dienstags von 10.15 bis 11.30 Uhr die Studenten der Völkerkunde in seiner einzigen Lehrveranstaltung des Semesters über „Rassismus und Fremdenfeindlichkeit im World Wide Web“ informieren. Trotzdem hat er noch die Zeit gefunden, sich Gedanken zu machen, warum die Kölner die schöne Großmoschee nicht haben wollen und teilt seine Erkenntnisse jetzt über den Kölner Stadtanzeiger der staunenden Welt mit.

Der Stadtanzeiger gibt die passende Vorlage für die wissenschaftliche Expertise, indem er die Ergebnisse der eigenen Umfrage, derzufolge Zweidrittel der Kölner die Großmoschee ablehnen, ins Gegenteil verkehrt. Mit diesen Zahlen kann der seriöse Gelehrte gut arbeiten:

Unabhängig vom Standort ist – einer Umfrage im Auftrag des „Kölner Stadt-Anzeiger“ zufolge – die generelle Zustimmung der Bürgerschaft zum Bau einer Moschee hoch, wenn es auch Einwände gegen die konkrete Planung gibt.

ORYWAL: Die überwiegend positive Einstellung in der repräsentativen Befragung deckt sich mit den Ergebnissen unserer qualitativen Studien. Die Gründe für eine Ablehnung sind übrigens über die Jahre immer die gleichen geblieben: der Ruf des Muezzins, Parkplatzprobleme, Verkehrsbehinderungen durch die vielen Besucher des Freitagsgebets. Auch über die bauliche Gestalt der Moschee wurde bereits in früheren Jahren diskutiert. Allerdings haben wir damals eine relativ große Aufgeschlossenheit für die traditionelle Formgebung mit Kuppel und Minarett festgestellt, ohne dass damals schon über die Höhen gesprochen worden wäre.

Die Bedenken machen sich also eher an der Infrastruktur generell fest als am konkreten Standort?

ORYWAL: Genau.

Für wie verbreitet halten Sie eine Einstellung, die Ängste vor einer fremden Kultur oder Religion hinter der Sorge um genügend Parkplätze verbirgt?

ORYWAL: Ich glaube schon, dass es dieses Phänomen bei einer erheblichen Anzahl von Bürgern gibt. Da spielen die fast täglichen Nachrichten und Bilder von Gewalttaten radikaler Muslime eine fatale Rolle. Das führt dazu, dass sich Stereotype und Vorurteile gegenüber den Muslimen umso leichter verfestigen, obwohl die allermeisten der in Deutschland lebenden Muslime mit gewaltbereiten Islamisten nichts zu tun haben. Umso notwendiger sind beharrliche Information und Diskussion.

Wer also immer noch gegen die Moschee ist, weiß einfach zu wenig über den Islam. Es sind eben die Bilder der muslimischen Gewalttaten, nicht etwa die Taten selbst, die zu unserer fatalen Fehleinschätzung der „Religion des Friedens“ führen. Wahre Bildung äußert sich erst im Bekenntnis fast aller Moscheebefürworter, wie der Kölner Sozialdezernentin Bredehorst, die bekanntlich ihre flammende Werberede für Großmoschee und mehr Islam in Köln mit den philosophischen Worten einleitete: „Ich kenne nicht so viel vom Islam“.

Wer aber, wie Professor Dr. Orywal über professorale Bildung verfügt, kommt zu Einsichten zum Wesen der Integration, über die die dummen Eingeborenen, die er untersucht, nur staunen können:

ORYWAL: Integration ist ein wechselseitiger Prozess, ein Geben und Nehmen. Das haben beide Seiten – die Zuwanderer, aber vor allem auch die Mehrheitsgesellschaft – sträflich vernachlässigt. Wir haben uns viel zu lange zurückgelehnt und selbstzufrieden gesagt, die Zuwanderer müssten sich rundum glücklich schätzen, all die Errungenschaften unserer wunderbaren Zivilgesellschaft genießen zu können. Wir haben dabei die Brüche und Rückwärtsbewegungen unterschätzt, zu denen es bei den Zuwanderern kommen kann, weil sie ihre Herkunftskultur nicht einfach ablegen wie ein altes Hemd. Und viele von uns mögen vielleicht in der Türkei Urlaub machen, wechseln dabei aber doch nur die Tapete ihres „inneren Wohnzimmers“. Das heißt: Eine echte Auseinandersetzung mit dieser uns nicht so vertrauten Kultur findet zu wenig statt.

Wer jetzt einsieht, dass er die Großmoschee nur ablehnt, weil er einfach zuwenig weiß, wende sich mit den noch offenen Fragen vertrauensvoll an den Kölner Volkskundler. Der wird Ihnen die Sache mit den Parkplätzen, den schädlichen Bildern und der Schuld der Eingeborenen von Trizonesien sicher geduldig erklären.

» Kontakt: orywal@uni-koeln.de

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