GebetsraumDie jüngste Ausgabe der Kirchenzeitung des Erzbistums Hamburg bestätigte wieder einmal schlimmste Befürchtungen: Stolz wird vermeldet, dass ein katholisches Krankenhaus in Hamburg als eines der ersten in Deutschland einen muslimischen Gebetsraum eingerichtet habe. Macht nun auch die katholische Kirche Werbung insbesondere für die „Konkurrenz“?

Liegt ihr das Seelenheil Andersgläubiger inzwischen mehr am Herzen als das der eigenen Schäfchen, die insbesondere in islamischen Ländern teilweise gnadenlos unterdrückt und verfolgt werden, dort von einem christlichen Gebetsraum im Krankenhaus, von Kirchen ganz zu schweigen, nur träumen können?

Die Kirchenzeitung schreibt:

Ein „Zeichen des Friedens“

Muslimischer Gebetsraum im katholischen Wilhelmsburger Krankenhaus Groß Sand eingeweiht

(Von Janine Kewes)

Hamburg. Mit einem Gebet und der Unterzeichnung eines Nutzungsvertrages weihten Vertreter des Islamischen Kulturzentrums Wilhelmsburg (Ditib) der Muradiye Moschee im katholischen Krankenhaus Groß-Sand den ersten muslimischen Gebetsraum ein.

„Damit ist ein großer Fortschritt erreicht, was das Emstnehmen und den Respekt gegenüber der anderen Religion betrifft“, sagte Dr. Jürgen Wätjer, Pfarrer und Kuratoriumsvorsitzender des Wilhelmsburger Krankenhauses. In der Vergangenheit musste ein muslimischer Patient oder Gast vor dem Gebet mit seinem Gebetsteppich unter dem Arm losziehen und erst einmal einen Raum suchen. In Zukunft wird er im Krankenhaus Groß-Sand in dem eigenen Andachtsraum verweilen können. Damit ist das katholische Krankenhaus eines der ersten in Deutschland mit einem muslimischen Gebetsraum.

Bislang gibt es in der Klinik einen katholischen und einen evangelischen Seelsorger und eine Kapelle. Bedenken, ob ein christliches Haus den Muslimen mit der Einrichtung des Gebetsraumes nicht zu weit entgegen komme, wies Jürgen Wätjer mit Hinweis auf das Leitbild der Klinik zurück: Wenn man den Menschen „mit Leib und Seele“ begreife, gehöre „die Möglichkeit, in der eigenen Tradition zu Gott zu beten“ genauso dazu wie „die seelsorgerische Begleitung von Menschen aller Glaubensrichtungen“. Dieser Gebetsraum setze ein „Zeichen des Friedens“, so Wätjer. Der Glaube fordere Christen auf, Frieden zu leben und „Respekt zu zeigen für das, was man am Fremden als heilig betrachte“.

In Wilhelmburg leben zu 30 Prozent Muslime. Seit mehr als acht Jahren tauschen sich Laien, Geistliche aller ökumenisch verbundenen Kirchen und Imame in dem „christlich-muslimischen Gesprächskreis Wilhelmburg“ aus. In diesem Rahmen hatte Iman Ahmet Agdalyan von der Muradiye Moschee einen Gebetsraum und einen Besuchsdienst im Sinne der Seelsorge für Muslime angeregt. ,,Alle Anwesenden glauben an den gleichen Gott“, betonte der Religionsattache des türkischen Generalkonsulats, Ridvan Nizamoglu.

Höhepunkt der Einweihung war das gemeinsame Gebet. Krankenhausmitarbeiter, Christen, Muslime, Geistliche und Laien versammelten sich kreisförmig in dem neuen, mit Teppich ausgelegten Gebetsraum. Natürlich auf Strümpfen, ohne Schuhe. Der Imam rezitierte aus dem Koran und bat um Wohltätigkeit, Gesundheit und Toleranz sowie um Kraft für die Bediensteten, auch Schwierigkeiten zu bewältigen.

Der Raum wird demnächst noch einen Richtungspfeil für die Gebetsausrichtung nach Mekka erhalten und einen Paravent, damit Frauen und Männer getrennt beten können. Außerdem stellt das Krankenhaus einen Waschraum für die rituelle Fußwaschung zur Verfügung.

Wehrhafte Demokratie – wehrhaftes Christentum: Sollte den hiesigen Kirchenfürsten noch nicht aufgegangen sein, dass ein essentielles Prinzip unserer Verfassung (auf die sie sich sonst immer so gerne berufen) zwangsläufig seine Entsprechung im konfessionellen Bereich finden muss?

» Kontakt: redaktion@neue-kirchenzeitung.de

(Gastbeitrag von Ludolf)

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