Allah und die JudenQuerdenker zu sein, das rühmen sich neben Dichtern auch Denker, von denen viele bei Universitäten in Lohn und Brot stehen. Doch gerade die Regale in Universitätsbibliotheken sind oft nur sporadisch mit den Büchern eines Autoren bestückt, der beharrlich gegen den Strom schwimmt und heute seinen 66. Geburtstag feiert. Auffallend ruhig blieb es um den neuesten Band von Hans-Peter Raddatz, „Allah und die Juden.“

Dabei könnte es sich lohnen, den mit 350 Seiten für Raddatz‘ Verhältnisse recht kurzen Band zu lesen, wenn Henryk M. Broder das Buch den „schrillen Ton eines Feuermelders“ nennt, „der eine Gartenparty unterbricht.“ Doch dass der promovierte Islamwissenschaftler, der auch an der renommierten Encyclopedia of Islam (EI) mitarbeitete, auf mancher Nahostexperten-Party eine persona non grata ist, hat schon Necla Kelek in „Die fremde Braut“ geschrieben: „Seine Bücher werden nicht besprochen.“

Hier zeigt sich, dass auch die Welt der Elfenbeintürme in ein Korsett aus Chiffren gezwängt ist. Wer als überzeugter Pazifist den Wehrdienst ablehnte, hat hier manches Mal die Möglichkeit, die Erfahrung des „Stillgestanden!“ nachzuholen.

Raddatz redet Tacheles

Das neueste Werk wird von Wolf Jobst Siedler jr. herausgegeben. Zumindest, was den Titel betrifft, war dieser Wechsel ein Fortschritt, denn zuvor („Allahs Schleier“) umwehte Raddatz‘ Bücher immer ein Hauch von Scholl-Latour’scher Schwärmerei, dessen Kara-ben-Nemsi-Pathos schon Titanic gewohnt zotig mit den Worten „Allah mit den Standhafen. Viagra zwischen Euphrat und Tigris“ durch den Kakao zog. Nein, „Allah und die Juden“ klingt schnörkellos wie ein HipHop-Beat von DJ Premier.

Die Provokation ist diesmal nicht in den Titel, sondern in den Untertitel eingestreut. Mit fünf Worten – „Die islamische Renaissance des Antisemitismus“ – verspricht Raddatz, dreierlei zu widerlegen: Erstens, dass der Antisemitismus unter Muslimen ein Import aus Europa sei. Zweitens, dass es heute keinen Antisemitismus mehr gebe, lediglich (legitimen) Antizionismus. Und drittens, dass es sich dabei um ein Randthema handle, über das zu schreiben und zu forschen sich nicht lohne. Um die Spannung vorwegzunehmen, Raddatz hält dieses Versprechen.

Der Autor nennt gleich auf der ersten Seite das Judentum ein „Unikat der Menschheitskultur“. Er macht klar: Auf Ausflüchte wie „Die Juden sind selbst schuld, wenn …“ stößt man in diesem Buch nicht. Den pro-jüdischen Unterton allerdings wird man ihm sicherlich als „unausgewogen“ ankreiden.

„Allah und die Juden“ ist keine Einführung in die Judaistik, sondern eine detailreiche Beschreibung historischen und aktuellen Judenhasses. Raddatz redet Tacheles, wenn es um Antisemitismus geht. Wenngleich nicht so, wie es mancher hören mag. Antisemitismus, so lautet das heutige Mantra, existierte im mittelalterlichen Europa, in dem sich sowieso alles Böse dieser Welt auszutoben schien, und selbstverständlich im Dritten Reich. Somit endete nicht nur das tausendjährige Reich Hitlers, sondern auch der Antisemitismus am 8. Mai 1945.

Raddatz jedoch beleuchtet zwei weitere wichtige Stationen des Antisemitismus, denen man trotzig dieses Etikett abreißen will: Den Judenhass im Islam. Und den heutigen Antizionismus.

Mythos eines „toleranten islamischen Spaniens“ wird entzaubert

Wer nur oberflächlich an der Geschichte des Frühislam kratzt, der stolpert geradezu über die Kriegführung Muhammads gegen die Mekkaner, was uns heute als „Notwehr“ verkauft wird. Logisch erscheint es da manchem, dass sich Muhammad, der sich in Yathrib (dem heutigen Medina) verschanzt hatte, keine inneren Feinde dulden konnte. Von allen Einwohnern Yathribs weigerten sich die drei jüdischen Stämme am beharrlichsten, Muhammad als Propheten anzuerkennen. Nacheinander wurden sie beraubt, vertrieben, versklavt oder ermordet.

Die Enttäuschung Muhammads, von den Juden nicht als Prophet anerkannt worden zu sein, war der Beginn eines Judenhasses, der in allen islamischen Reichen existierte, gleich ob mancher Kalif jüdische Beamte beschäftigte oder nicht. Raddatz leistet hervorragende Arbeit, indem er vor allem den Mythos eines toleranten islamischen Spaniens entzaubert. Immerhin wurde hier zur Kennzeichnung von Dhimmis ein Vorgänger des gelben Judensterns verwendet.

Der Autor treibt es noch schlimmer, wenn er den Antizionismus von Muslimen und Linken / Rechten als Antisemitismus enttarnt. Das Kapitel „Mythos Palästina“ widmet sich einer Legende, die sich heute nicht nur in saudischen Schulbüchern findet. Der Leser erfährt, dass der Keim der tödlichen politischen Konstellation, in der sich Israel heute befindet, schon in britisch-arabischen Verhandlungen gelegt wurde, und dass Amin al-Husseini, der Jerusalemer Großmufti, nicht nur ein Freund der Nazis war. Ob diese Fakten genauso wie die Tatsache, dass Arafat wohl recht militante Vorstellungen vom „Frieden“ hatte, ein Umdenken im Westen anstoßen, ist fraglich.

Vor allem, wenn man sich dem letzten Kapitel zuwendet, demjenigen über „Muftismus“. Sich vor allem auf die unschätzbar wertvolle Arbeit Bat Ye’ors stützend, zeichnet Raddatz ein Bild europäisch-nahöstlichen Paktierens, das man mit Grausen liest. Der Neusprech vom „Friedensprozess“ und „Widerstand“ fliegt zu Recht als Etikettenschwindel auf.

Raddatz zu lesen, ist ein Erlebnis

Wo Nahostexperten positive Fortschritte, Friedensbemühungen und fromme Religiosität, kurz, den Ruf der Wildnis, zu erkennen glauben, ergötzt sich der Autor nicht an äußeren Hüllen, sondern präsentiert des Pudels Kern. Auch stilistisch sind seine Bücher Meisterwerke, die im Literaturbetrieb einen Vergleich mit der Komplexität und dem sprachlichen Niveau eines Thomas Mann nicht zu scheuen brauchen. Der Leser allerdings fühlt sich manches Mal wie Hans Castorp, der die letzten Jahre phlegmatisch im Rausch verbrachte.

Wer glaubt, Antisemitismus sei bloß noch ein Schulthema, das man allerdings nicht mehr zu unterrichten brauche, da es die Gefühle muslimischer Mitschüler verletzt, wird hier eines besseren belehrt. Wie Broder zu wiederholen nicht müde wird: Der Antisemit stört sich nicht an dem, was der Jude tut, sondern daran, dass es ihn überhaupt gibt.

„Allah und die Juden“ ist ein Buch, das man Politikern überhaupt nicht empfehlen sollte. Sie könnten sich gefordert fühlen zu handeln, um eine zweite Shoa zu verhindern. Diesmal im Heiligen Land.

» Allah und die Juden – Die islamische Renaissance des Antisemitismus, von Hans-Peter Raddatz, 354 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, Format: 132 x 215 mm, Ca. € (D) 24,90/€ (A) 25,60/sFr 43,70, ISBN 9-783-937989-26-6

(Rezension von Martin Rudiger)

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18 KOMMENTARE

  1. Off Topic:

    „muslim made – Zeig mir den Propheten!“

    Arbeiten, sich anpassen und rechtfertigen – seit Muslime als Gastarbeiter nach Deutschland kamen, waren sie nur damit beschäftigt. Heute sind sie ernsthaft auf der Suche nach ihrem Platz in ihrer neuen Heimat. Der ständige politische Druck zur Rechtfertigung drängt dabei aber ihre kulturelle und künstlerische Aktivität in den Hintergrund.

    Islam.de möchte mit dem Wettbewerb „muslim made – Zeig mir den Propheten!“ genau dies ermutigen. …

    Welch ein besseres Thema für diesen Wettbewerb könnte es geben, als den Propheten Muhammad (sas)? Von Muslimen geliebt und schon immer Motiv von Poesie und Kunst gewesen, ist er elementarer Bestandteil der eigenen Identität, Kultur und Gefühlswelt der Muslime. In der westlichen Welt konnte man sich jedoch nie auf ein konsistentes Bild von ihm einigen.

    Nun ist es an uns Muslimen unseren Propheten (sas) „kreativ“ unseren Mitmenschen mitzuteilen, original muslimische Gefühle in muslimischen Werken, ganz „muslim-made“.

    http://muhammad.islam.de/7384.php

    Ich hatte eigentlich den Eindruck, daß der Westen sich schon auf ein Bild von Mohammed mit einer Bombe im Turban geeinigt hatte.

    Aber ich bin natürlich gespannt, wie sich die Muslime ihren Mohammed selber so vorstellen.

  2. Ich wünsche der doch nicht so korrekten PI Mannschaft noch viel Vergnügen beim Löschen von Fakten und bleibe euch in Zukunft fern.

    Mohammed, ja der Gründer der „Religion“ namens Islam, war ein Mörder, Vergewaltiger, Kriegtreiber, Betrüger und Kinderschänder. Gefällt zwar den Moslems nicht ist aber historische Tatsache.

    Ad Multos annos …

  3. http://www.dinosoria.com/hymnes/hymne_france_chant.htm

    “La Marseillaise”

    Rouget de Lisle 1792

    Allons enfants de la Patrie,
    le jour de gloire est arrivé!
    Contre nous de la tyrannie
    l’étendard sanglant est levé!

    – L’étendard sanglant est levé! –

    Entendez-vous dans nos campagnes
    Mugir ces féroces soldats?
    Ils viennent jusque dans vos bras,
    egorger vos fils, vos compagnes!

    Aux armes citoyens!
    Formez vos bataillons!
    Marchons, marchons
    Qu’un sang impur
    Abreuve nos sillons!

  4. Und hier die deutsche Fassung

    Auf, Kinder des Vaterlands!
    Der Tag des Ruhms ist da.
    Gegen uns wurde der Tyrannei
    Blutiges Banner erhoben. (2 x)
    Hört Ihr auf den Feldern
    die grausamen Krieger brüllen?
    Sie kommen bis in Eure Arme,
    Eure Söhne, Eure Ehefrauen zu erwürgen!

    Refrain:
    Zu den Waffen, Bürger!
    Formiert eure Bataillone,
    Vorwärts, marschieren wir!
    Damit unreines Blut
    unserer Äcker Furchen tränke!

    Was will diese Horde von Sklaven,
    Von Verrätern, von verschwörerischen Königen?
    Für wen diese gemeinen Fesseln,
    Diese seit langem vorbereiteten Eisen? (2 x)
    Franzosen, für uns, ach! welche Schmach,
    Welchen Zorn muss dies hervorrufen!
    Man wagt es, daran zu denken,
    Uns in die alte Knechtschaft zu führen!

    Refrain:

    Was! Ausländische Kohorten
    Würden über unsere Heime gebieten!
    Was! Diese Söldnerscharen würden
    Unsere stolzen Krieger niedermachen! (2 x)
    Großer Gott! Mit Ketten an den Händen
    Würden sich unsere Häupter dem Joch beugen.
    Niederträchtige Despoten würden
    Über unser Schicksal bestimmen!

    Refrain:
    Zittert, Tyrannen und Ihr Niederträchtigen
    Schande aller Parteien,
    Zittert! Eure verruchten Pläne
    Werden Euch endlich heimgezahlt! (2 x)
    Jeder ist Soldat, um Euch zu bekämpfen,
    Wenn sie fallen, unsere jungen Helden,
    Zeugt die Erde neue,
    Die bereit sind, gegen Euch zu kämpfen

    Refrain
    Franzosen, Ihr edlen Krieger,
    Versetzt Eure Schläge oder haltet sie zurück!
    Verschont diese traurigen Opfer,
    Die sich widerwillig gegen uns bewaffnen. (2 x)
    Aber diese blutrünstigen Despoten,
    Aber diese Komplizen von Bouillé,
    Alle diese Tiger, die erbarmungslos
    Die Brust ihrer Mutter zerfleischen!

    Refrain
    Heilige Liebe zum Vaterland,
    Führe, stütze unsere rächenden Arme.
    Freiheit, geliebte Freiheit,
    Kämpfe mit Deinen Verteidigern! (2 x)
    Unter unseren Flaggen, damit der Sieg
    Den Klängen der kräftigen Männer zu Hilfe eilt,
    Damit Deine sterbenden Feinde
    Deinen Sieg und unseren Ruhm sehen!

    Refrain
    Wir werden des Lebens Weg weiter beschreiten,
    Wenn die Älteren nicht mehr da sein werden,
    Wir werden dort ihren Staub
    Und ihrer Tugenden Spur finden. (2 x)
    Eher ihren Sarg teilen
    Als sie überleben wollend,
    Werden wir mit erhabenem Stolz
    Sie rächen oder ihnen folgen.

    Refrain

    Und wenn nun der politisch korrekte Wort zum Freitag

    Wenn wir so eine Hymne hätten ( und sie auch noch lauthals sängen), würde es Bomben hageln. Tag und Nacht 🙂

  5. Danke für den Buch-Tipp. Werde gleich am Montag in die nächste Bücherei (ja ich weiss es gibt Amazon etc.) pilgern und das Buch kaufen. Und natürlich herzliche Glückwünsche.

  6. #8 GEZ

    Ich wünsche der doch nicht so korrekten PI Mannschaft noch viel Vergnügen beim Löschen von Fakten und bleibe euch in Zukunft fern.

    Hallo GEZ,

    ich weiß nicht, was du geschrieben hast, aber du wirst dich doch hoffentlich nicht wegen einmal gelöscht werden so ärgern! In der Redaktion sitzen auch nur Menschen, und immerhin ist jetzt Samstagabend, wo andere sich schon aufs Ausgehen freuen und vorm Spiegel noch mal üben: „Isch tech disch ab — Mist! — Isch schet dich ab — Mist! — Ischschtechdichab!

    Also trink ein Bierchen und dann schreib wieder!

    Viele Grüße
    Fensterzu

  7. Herzlichen Glückwunsch an Hans-Peter Raddatz zum Geburtstag und zum neuen Buch! Möge ihm noch ein langes Leben beschieden sein!

  8. @GEZ
    „Mohammed, ja der Gründer der “Religion” namens Islam, war ein Mörder, Vergewaltiger, Kriegtreiber, Betrüger und Kinderschänder. Gefällt zwar den Moslems nicht ist aber historische Tatsache.“

    Mag ja sein, aber damals gab es diese Straftatsbestände noch nicht. 😉
    Vermutlich waren auch die meisten europäischen Staatsmänner der Antike und des Mittelalters nicht ganz ohne Schuld bzgl. des einen oder anderen Straftatbestands.

    Also, nicht ärgern, weitermachen. 🙂

  9. @ #16 Lulli

    Vermutlich waren auch die meisten europäischen Staatsmänner der Antike und des Mittelalters nicht ganz ohne Schuld bzgl. des einen oder anderen Straftatbestands.

    Ganz richtig – aber der Begründer einer „Weltreligion“???

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