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Nachdem vorgestern Teil 2 meines Israel-Reiseberichts in Tiberias geendet hatte, geht die Reise jetzt weiter, weg vom See Genezareth zurück ans Meer zu den Kreuzfahrerfestungen in Akko, nach Haifa und zu den Überresten des Antiken Caesarea.

akkoburg.jpgAls Theologin hat man zu Kreuzfahrern oft ein gespanntes Verhältnis. Als „normaler Mensch“ kann man sich romantische Ritterschwärmereien bis hin zu einer historischen Auseinandersetzung über Licht- und Schattenseiten des Kreuzfahrertums noch eher leisten. Theologen hingegen, werden die Kreuzzüge oft genug heute als Argument entgegen geschleudert, um zu begründen, dass die Christen mindestens so schlimm wie die Muslime seien – wer sich von den Kreuzrittern nicht in aller Form distanziert, wird unter aller Garantie mit der Fundamentalistenkeule geschlagen. So bin ich denn auch mit gemischten Gefühlen nach Akko gereist, einer Festung, wo sich Kreuzfahrerburg an Kreuzfahrerburg reiht – gewaltige Bauwerke, die zum Teil fast genau so erhalten geblieben sind, wie sie im 12. Jahrhundert erbaut wurden, vor der Zerstörung bewahrt durch Sand und Steine, mit denen die alten Hallen aufgefüllt worden sind, bevor sie von Archäologen wieder ans Tageslicht geholt wurden. Wenn man bei uns über Kreuzritter reden hört, denkt man oft an Barbaren, die in ein hochentwickeltes arabisches Reich eingefallen sind.

akkomauer.jpgUmso erstaunlicher ist es dann, die gewaltigen Mauern zu sehen, die Geheimgänge der Templer, die riesigen Säle, die Türme, die hohen Hallen. Hier hatte einst Richard Löwenherz geherrscht, eine Person, die sonst eher mit Robin Hood und seinen Waldläufern in Verbindung gebracht wird, eine Legende, ein romantisches Märchen – Akkos tiefe Tunnel und hohe Hallen sind Zeugen einer längst im Sand versunkenen Welt.

moscheeakko.jpgWenn man heute Akko betritt, fällt einem als erstes die große Moschee auf, wie ein Sinnbild für den Wandel der Zeiten – wir haben die christlichen Eindringlinge endgültig besiegt, unser Bauwerk überragt die Ruinen der christlichen Ritter. Ich hatte immer gedacht die jüdischen Israelis würden die Bauwerke der Kreuzfahrer genau so negativ sehen, wie die Leute, die hierzulande gern die Ritter bemühen, um bekennenden Christen Fundamentalismus um die Ohren zu schleudern. Zu spüren war jetzt vor Ort in Akko von israelischer Seite hingegen fast so etwas wie eine eigenartige Bewunderung für die gewaltigen Festungen und dafür, wozu Christen fähig sind, wenn sie, mit welch zweifelhafter Umsetzung auch immer, ein Unternehmen zur Ehre Gottes starten. Wie ich schon in meinem ersten Bericht geschrieben habe: Für viele Juden im Land Israel gehören die Christen in ihrer Gesamtheit – selbst wenn sie sich als Atheisten oder Agnostiker bezeichnen – nach wie vor zum Volk Israel. Sie wünschen sich, die Christen würden mehr zu ihrem Heiligen Land stehen und es verteidigen an der Seite Israels.

haifa.jpgVon Akko führte unsere Reise weiter nach Haifa, einer modernen israelischen Industrie und Handelsstadt an der Mittelmeerküste. Haifa ist größte Hafenstadt Israels. Hier befindet sich auch das Grab des Stifters der im 19. Jahrhundert gegründeten persischen Bahai-Sekte (Anhänger der Herrlichkeit). Nirgendwo in Israel wurden wir übrigens beim Einlass so streng kontrolliert, wie von den Bahai – nicht etwa, um das Heiligtum zu sehen, da durften wir gar nicht rein, sondern nur um den menschenleeren Garten zu betreten. Doch nicht nur die Bahai haben sich in Haifa niedergelassen auch erstaunlich viele reiche Araber besitzen eine Residenz in der Stadt.

Ebenfalls mit dem heutigen Iran hat unser nächstes Reiseziel zu tun: Caesarea, eine römische Ruine, die einstmals von den Persern zerstört wurde. Uri aus Tel Aviv bemerkt dazu:

„Schauen Sie sich die Statuen an: Die Perser haben hallen Statuen die Köpfe abgeschlagen – allen – und die Köpfe zerschmettert. Genau so machen Sie es noch. Der heutige Iran ist nicht besser, aber ich will nicht über Politik reden.“

caesarea.jpgAuf die Nachfrage hin wieso, erklärt Uri, ein ehemaliger Offizier der israelischen Armee, er habe schon einer politisch korrekten europäischen Zeitung die Wahrheit erzählt und es schwer bereuen müssen. Wer die Wahrheit sagt, wird verklagt. Während unseres Gesprächs versinkt gerade die Sonne hinter den mächtigen Ruinen Caesareas im Meer und die Geschichte wiederholt sich immer weiter.

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22 KOMMENTARE

  1. Für viele Juden im Land Israel gehören die Christen in ihrer Gesamtheit – selbst wenn sie sich als Atheisten oder Agnostiker bezeichnen – nach wie vor zum Volk Israel.

    Das habe ich so noch nie gehört.

    Vielen Dank für Ihren Reisebericht.

  2. Auf die Nachfrage hin wieso, erklärt Uri, ein ehemaliger Offizier der israelischen Armee, er habe schon einer politisch korrekten europäischen Zeitung die Wahrheit erzählt und es schwer bereuen müssen. Wer die Wahrheit sagt, wird verklagt. Während unseres Gesprächs versinkt gerade die Sonne hinter den mächtigen Ruinen Caesareas im Meer und die Geschichte wiederholt sich immer weiter.

    Mich interessiert die Wahrheit! Die Frage nach dem Warum!

    Wäre eine Antwort möglich???

    Spannender Reisebericht!

  3. Mir gefällt die Überschrift:“Israel Kampf ums Heilige Land“ gar nicht. Grund: Wir kämpfen nicht ums Heilige Land, sondern um die Umsetzung fundamentaler, nicht verhandelbarer Menschenrechte. Natürlich werden diese Rechte, um die wir uns sorgen, im Nahen Osten ausschließlich vom demokratischen Staat Israel vertreten. Dann sollte m.E. auch in der Überschrift stehen:“ Kampf um Menschenrechte! Wir unterstützen Israel im Kampf gegen Willkür, menschenverachtende Ideologieen und Terrorismus!“. Wir sind keine Kreuzritter. Wir sind überzeugte Demokraten im Kampf gegen Extremismus und Islam!

    Für die Freiheit!

  4. Der Bericht aniemiert dazu endlich auch mal ein Abstecher nach Israel zu unternehmen. Kennt eigentlich jemand ein guten und günstigen Anbieter für Reisen nach Israel? Bei meinem letzten Besuch im Reisebüro war das einzige Angebot was man mir machte so im vierstelligen Bereich. (Ich weiss das ist hier ein politischer Blog aber was solls)

  5. Toller Bericht! Also: Ins Land reisen und Solidarität mit Israel zeigen! Vielen Dank!

    Zur Ueberschrift ‚Kampf ums Heilige Land‘: Ich verstehe die Ueberschrift neutral. Denn wenn wir schon von Wahrheit sprechen, ist dies auch eine: dass verschiedenste Herrscher, Mächte und Gewalten immer wieder um das Heilige Land gekämpft haben. Obwohl so klein, ist es früher wie heute so etwas wie ein magischer Anziehungspunkt.

    Etwas anderes: Als ich einmal an der Klagemauer in Jerusalem stand und die mächtigen Steine des 2. Tempels berührte, dachte ich, dass hier eigentlich der grösste Kraftort der gesamten jüdisch-christlichen Kultur liegt. Als mir dies bewusst wurde, lief es mir kalt über den Rücken. Und ich wurde von allen möglichen Menschen – vor allem von den Juden – sehr fröhlich begrüsst: Hello, my friend. How are you? Immer wieder! Ich fühlte mich sehr wohl. Und ich spürte eine schöne Verbindung mit den Menschen an der Mauer. Klagemauer – eigentlich ein ungünstiges Wort. Es ist eine Mauer der Besinnung, der Erinnerung, der Hoffnung, auch der Freude – auch eine Mauer gegen das Vergessen!

  6. …wozu Christen fähig sind, wenn sie, mit welch zweifelhafter Umsetzung auch immer, ein Unternehmen zur Ehre Gottes starten.

    wozu Menschen fähig sind, wenn sie ein „Unternehmen zur Ehre Gottes“ starten, konnte man in New York, Madrid und London auch schön beobachten. Auf diese „Unternehmen zur Ehre Gottes kann ich künftig gerne verzichten. Und damit meine ich auch die fundamentalen Christen, die den Kreationismus einführen möchten und die wissenschaftliche Stammzellenforschung aus Respekt vor der göttlichen Schöpfung kategorisch ablehnen und damit verhindern, dass fürchterliche Krankheiten geheilt werden können.

  7. #12

    seh ich genauso.wenn christen auch keine gewalt durch die bibel begründen können,so gibt es andere dinge,die auch nicht in ordnung sind,wie eben der kreationismus. religiöse überzeugungen haben im laufe der geschichte mehr opfer gefordert,als sonst irgendwas.traurig, aber wahr.

  8. Sehr guter und persönlicher Reisebericht der Lust auf eine Reise nach Israel macht.
    #12 #15
    Einen sog. Kreatonisten halte ich für wesentlich ungefährlicher als sog. Klimaforscher, auf deren unwissenschaftlichen Blödsinn, Milliardenbeträge versenkt werden.
    CO2 im Erdboden versenken, Biosprit aus Getreide etc.
    Bedenken sollte man auch, dass die grössten Naturwissenschaftler Juden waren, also aus dem Volk kamen, in dessen Buch der Schöpfungsbericht niedergeschrieben wurde.
    Das Kriege nicht nur aus religiösen sondern vor allem die Kriege des 20.JH. aus politischen und weltanschaulichen Gründen geführt worden sind, sollte doch auch mittlererweile geläufig sein.

  9. „Wie ich schon in meinem ersten Bericht geschrieben habe: Für viele Juden im Land Israel gehören die Christen in ihrer Gesamtheit – selbst wenn sie sich als Atheisten oder Agnostiker bezeichnen – nach wie vor zum Volk Israel. Sie wünschen sich, die Christen würden mehr zu ihrem Heiligen Land stehen und es verteidigen an der Seite Israels.“

    @

    Es wäre wirklich sinnvoll, wenn die Christen, die Israel in den Rücken fallen, sich ihres Standpunktes bewußt wären.

    In Hesekiel 36 beschreibt Gott die heutige Wiederherstellung Israels ziemlich ausführlich. Nach den ausführlichen Verheißungen in Hesekiel 36, wird in Vers 37 dann die Fürbitte des Hauses Israel für seine eigene Wiederherstellung deutlich beschrieben.

    Gehören die Gläubigen in Jesus Christus zum „Haus Israel“?

    Die Gläubigen in Jesus Christus sind eingepfropft (Römer 11, Vers 24), und haben in Jesus Christus Teil am Bürgerrecht Israels (Epheser 2, Vers 12).

    Daraus wird erkennbar, daß unsere Gebete bereits in der Prophetie berücksichtigt wurden. Und Gott wartet auf unsere Gebete, besonders, da sie in der erwähnten Prophetie angekündigt wurden.

    Wir, die Gläubigen in Jesus Christus, sind wie die Wächter auf den Mauern Israels (Jesaja 62, Verse 6-7), hier haben wir sogar eine Anweisung zum Gebet:

    „62,6 Auf deine Mauern, Jerusalem, habe ich Wächter bestellt. Den ganzen Tag und die ganze Nacht werden sie keinen Augenblick schweigen. Ihr, die ihr den HERRN erinnert, gönnt euch keine Ruhe
    62,7 und laßt ihm keine Ruhe, bis er Jerusalem [wieder] aufrichtet und bis er es zum Lobpreis macht auf Erden!“

    Gott sucht Anbeter (Fürbitter), die Ihn in Wahrheit anbeten (siehe Johannes 4, Verse 23-24):

    „4,23 Es kommt aber die Stunde und ist jetzt, da die wahren Anbeter den Vater in Geist und Wahrheit anbeten werden; denn auch der Vater sucht solche als seine Anbeter.
    4,24 Gott ist Geist, und die ihn anbeten, müssen in Geist und Wahrheit anbeten.“

    Auch die ersten Jünger lernten von Jesus Christus das Beten ( Lukas 11, Verse 2-13:
    „Vater, geheiligt werde dein Name; …….“).

    Das Gebet eines lebendigen Christen mit Gott, wird mit der Zeit zu einem Gespräch mit Gott. Es wird zu einem Bitten und Hören. Die Jesus nachfolgen, werden eins sein mit den anderen Nachfolgern Christi, aber auch mit Israel.

    Gott möchte, daß die Beter für die Anderen im Gebet einstehen (um Gnade bitten), wenn Seine gerechten Gerichte kommen (siehe Hesekiel 22, Vers 30 und Habakuk 3, Vers 2), sowie Abraham für die Bewohner von Sodom gebetet hat (Lot und seine Töchter wurden gerettet).

    Als die Israeliten das goldene Kalb anbeteten, trat Mose in Fürbitte (trat in die Bresche) für sein Volk ein. Gott war auch hier gnädig, Er bereute Seine Gerichtsankündigung (2.Mose 32, Vers 14 und Psalm 106, Vers 23). Es entsteht eine Zusammenarbeit (Kooperation) mit Gott.

    Auch Petrus (1.Petr 4,7) formuliert die Einstellung eines Gläubigen, in Jesus Christus, zum Gebet, denn der Widersacher Gottes versucht diesen Prozess aufzuhalten:

    „4,7 Es ist aber nahe gekommen das Ende aller Dinge. Seid nun besonnen und seid nüchtern zum Gebet!“

    (Angelehnt an die Publikation „Watchmen from Jerusalem“, 2/2006 und C. H. Spurgeon)

    Paulchen

  10. „wenn christen auch keine gewalt durch die bibel begründen können,so gibt es andere dinge,die auch nicht in ordnung sind,wie eben der kreationismus.“

    @

    Muß ja ganz gefährlich („nicht in ordnung“) sein, die Idee, daß wir (Menschen) nicht durch Zufall entstanden sind. Dabei gehört zu einem Plan (Gottes) eben eine Ordnung.

    Paulchen

  11. „religiöse überzeugungen haben im laufe der geschichte mehr opfer gefordert,als sonst irgendwas.traurig, aber wahr.“

    @

    Besonders diese (Zitat eckstein) Worte der Überzeugung Jesu haben Opfer gefordert?:

    [#45 eckstein (28. Aug 2007 11:24)]

    http://www.politicallyincorrect.de/2007/08/wer-ist-allah/

    „Aber ich sage euch, die ihr zuhört: Liebt eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen; segnet, die euch verfluchen; bittet für die, die euch beleidigen. Und wer dich auf die eine Backe schlägt, dem biete die andere auch dar; und wer dir den Mantel nimmt, dem verweigere auch den Rock nicht. Wer dich bittet, dem gib; und wer dir das Deine nimmt, von dem fordere es nicht zurück. Und wie ihr wollt, daß euch die Leute tun sollen, so tut ihnen auch! Und wenn ihr die liebt, die euch lieben, welchen Dank habt ihr davon? Denn auch die Sünder lieben ihre Freunde. Und wenn ihr euren Wohltätern wohltut, welchen Dank habt ihr davon? Denn die Sünder tun dasselbe auch. Und wenn ihr denen leiht, von denen ihr etwas zu bekommen hofft, welchen Dank habt ihr davon? Auch die Sünder leihen den Sündern, damit sie das Gleiche bekommen. Vielmehr liebt eure Feinde; tut Gutes und leiht, wo ihr nichts dafür zu bekommen hofft. So wird euer Lohn groß sein, und ihr werdet Kinder des Allerhöchsten sein; denn er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen.
    Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Und richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben. Gebt, so wird euch gegeben. Ein volles, gedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß wird man in euren Schoß geben; denn beben mit dem Maß, mit dem ihr meßt, wird man euch wieder messen.
    Lk 6,27“

    Bei wem Opfer gefordert? Wer den Mißbrauch der christlichen Lehre mit den Inhalten der Evangelien gleichsetzt, der argumentiert unredlich.

    Paulchen

  12. seitdem ich Bat Ye Or gelesen habe sehe ich die Kreuzzüge in einem völlig anderem Licht: sie waren ein S e g e n für den nahen Osten!
    Juden/Christentum und die aus Ihnen hervorgegangenen Strömungen und (koranwortgetreuer) Islam sind nun einmal völig unvereinbar und können nicht nebeneinander existieren. Daher bezeichnen die El Kaida „unsere“ (europäisch-amerkanischen) Soldaten im nahen Osten auch meiner Meinung nach richtigerweise als Kreuzfahrer. Wir sollten es auch so sehen und verdammt noch einmal stolz auf unsere Kreuzfahrer von damals und heute sein, meine Meinung!

  13. @ Fistor
    Es stimmt, dass im Namen des Christentums auch viele Grausamkeiten begangen wurden.
    Doch heute ist das Christentum eine aufgeklärte Religion, die sich immer wieder hinterfragt. Es hat sich sehr viel verändert, und ich denke, das Christentum hat durchaus etwas zu bieten, z.B. auch als Garant für Stabilität und Identität in einer pluralistischen (Islam!) Gesellschaft.

    Und noch etwas: Bitte nicht vergessen, dass Christinnen und Christen heute die sind, die mit Abstand am meisten verfolgt werden (am meisten in Nordkorea und Saudi-Arabien).

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