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Eine PI Weihnachtsgeschichte

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Es begab sich aber zu jener Zeit als Augustus Kaiser war in Rom und Quirinius Statthalter von Syrien war… So beginnt die Weihnachtsgeschichte nach Lukas, wie die meisten von uns sie kennen. Dabei ist für die Bibel nicht wesentlich, ob’s der 24. Dezember war. Es geht darin um Maria, Josef und das Kind – drei Juden ausgerechnet. Eine Geburt, irgendwo in ärmlichsten Verhältnissen außerhalb von Bethlehem. Eine Geschichte von Hirten, himmlischen Heerscharen, und königlichen Sterndeutern aus Babylon (Irak, etwa 570 Jahre vor Mohammed). Doch wenn’s nur darum gegangen wäre, wäre die Geschichte bald erzählt gewesen und Rom, die Sonne des Abendlandes, hätte davon vermutlich gar nie etwas mitbekommen. Viel interessanter ist, was für ein Typ denn Gott wird, wenn er beschließt Mensch zu werden: Er wird ein Jesus.

Wer war denn dieser Jesus?

Zunächst mal ein jüdischer Junge, Sohn eines Zimmermanns aus Galiläa in Nordisrael, aufgewachsen in Nazareth, der selber das Zimmermannshandwerk erlernt hat. Dass vor allem der Geburtsort Bethlehem aber teilweise auch die Stadt Nazareth heute „palästinensische“ Städte sind, hat schlaue palästinensische Politiker wie Jasser Arafat dazu verleitet, Jesus als Palästinenser mit schwarz-weiss kariertem Schal darzustellen, die Israelis wurden dann ruck zuck zu den römischen Legionen umfunktioniert. Was für eine Geschichtsverdrehung angesichts der Tatsache, wie sehr die römische Provinz Judäa (nicht Palästina!) von den Römern wegen Aufständigkeit und religiöser Aufmüpfigkeit – mit ihrem als eigenartig empfundenen Glauben an einen einzigen Gott – unterdrückt wurde. Was für eine Frechheit auch angesichts dessen, wie nicht nur Juden sondern auch Christen in Palästina systematisch vertrieben werden. Bethlehem Westbank 2007: Maus arm, korrupt bis ins Letzte, Juden werden nicht rein gelassen, Christen fliehen, Kirchen zerfallen – aber man schnitzt Krippenfiguren aus Olivenbaumholz für die christlichen Touristen, die angeblich damit „arme palästinensische Familien“ unterstützen, wie es heißt – oder wohl doch eher etwas anderes… Jedenfalls war Jesus Jude und kein Palästinenser. Hätte man dem Zimmermann etwas von einer Westbank erzählt, hätte er damit wohl eher ein Sitzmöbel assoziiert.

Dann aber wurde Jesus ja erst richtig unangenehm: Er zog 40 Tage lang durch die sengend heiße israelische Steinwüste. Warum jemand so etwas freiwillig macht, weiß wohl nur der Betreffende selbst. Jedenfalls kann der Mann, der so was überstanden hat, kein zartes Jesulein gewesen sein. Vom Wüstentrip zurückgekehrt wurde der Zimmermann zum Rabbi. Er scharte Leute um sich und wurde berühmt-berüchtigt durch seine Predigten, seine politischen Ansichten und seine Heilungen. Jesus war hochgradig unbequem und definitiv gegen den Mainstream. Ganz offenbar war Jesus auch ziemlich attraktiv, so dass ihm gerade auch die Frauen in Scharen hinterherliefen und zwar nicht nur die Sonntagschullehrrinnen mit Damenbart (wobei Sonntagschullehrerinnen durchaus keinen solchen haben müssen) sondern auch offensichtlich schöne Frauen, wie Maria Magdalena. Ahnvater David, der Idealkönig, war in diesem Punkt recht ähnlich, dennoch ist ein Schelm, wer sich Böses dabei denkt: Was auch immer die Frauen an Jesus interessiert oder fasziniert hat, sie sind als einzige bis zum Schluss geblieben, konsequent bis ans Kreuz.

Was war denn nun an der Lehre dieses Jesus, das ihn so besonders und so unbequem gemacht hat? Er hat das Gesetz und die Propheten Israels nicht aufgehoben, sondern neu ausgelegt – zum Teil strenger und konsequenter als die Gesetzeslehrer vor ihm. Wer darüber mehr wissen möchte, kann einmal die Bergpredigt im Matthäusevangelium Kapitel 5 Folgende lesen. Jesus hat nicht die Kirche gepredigt – wenn’s die damals schon gegeben hätte, wäre das ja vielleicht noch gegangen – sondern das Reich Gottes, das offenbar die Querschläger besonders bevorzugt: Die Ausgebeuteten, die nach Gerechtigkeit Suchenden, die um der Wahrheit willen Verfolgten. Jesus war unbequem und stand auf der Seite der Unbequemen. Seine Botschaft ist politisch hochgradig inkorrekt, wie die Bibel als Ganzes. Letztlich auch die Weihnachtsgeschichte…

Wenn Gott Mensch wird, wird er ein unbequemer Jude gegen den Mainstream, geopfert von machthungrigen Menschen, die seine unbequeme Botschaft nicht ertragen konnten und dennoch Zeichen der Liebe Gottes, Hoffnung auf Auferstehung und Leben.

Ehre sei Gott in der Höhe und Schalom auf Erden!

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