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Fragen an Seyran Ates

ates2_200.jpgVor einer Woche berichteten wir über das bemerkenswerte Interview der Rechtsanwältin und Buchautorin Seyran Ates im WDR 5-Hörfunk. Wir haben daraufhin Ates noch zwei – für uns nicht ganz unwichtige – Zusatzfragen geschickt, die sie uns heute per Email beantwortete.

PI: Sie sprechen immer sehr allgemein von Migranten und deren Problemen. Aus deutscher Sicht hat man aber den Eindruck, dass die geschilderten Probleme besonders Migranten aus dem islamischen Kulturkreis betreffen. Italiener, Spanier und Griechen, ja selbst Vietnamesen oder Chinesen scheinen wesentlich weniger Schwierigkeiten zu haben, sich in Deutschland zurecht zu finden, ohne dabei besondere Anforderungen an die deutsche Gesellschaft zu stellen. Wie ist das Ihrer Meinung nach zu erklären?

Ates: Parallelgesellschaften sind das größte Problem von multikulturellen Gesellschaften. Dabei ist die Größe der ethnischen Gemeinschaft ein bedeutender Faktor. In der Regel finden sich in ghettoähnlichen Bezirken sogenannte Migranten, die eher traditionell und konservativ sind. Sie sind auf Kulturbewahrung und Abgrenzung von der Mehrheitsgesellschaft konzentriert. Sie führen einen oft unbegründeten (Schein)-Kampf gegen Assimilation. Die Probleme in Deutschland betreffen also vor allem, aber nicht nur, Menschen aus der Türkei und islamischen Ländern, weil sie die größte Gruppe darstellen, die über Möglichkeiten verfügt sich abzugrenzen. Diese Gruppe wird auch am meisten ausgegrenzt, weil aufgrund der Religion eine vermeintlich größere Kluft vorhanden ist.

PI: In Ihrer Darstellung der Situation muslimischer Migranten scheint die wachsende Einflussnahme islamischer Gruppen und Funktionäre auf Politik und Gesellschaft keine Rolle zu spielen. Beurteilen Sie deren Wirken und Bemühen, etwa bei der Errichtung repräsentativer Moscheen, für die Integration eher förderlich oder hinderlich?

Ates: Moscheebauten sind notwendig und gut. Riesen Projekte mit Einkaufszentren sind ein deutliches Signal Parallelgesellschaften zu zementieren, also integrationsfeindlich.

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