1

Mohammed ist nicht absurd

Michael Bitala schrieb am 2.12. als Kommentar in der Süddeutschen: „Natürlich ist es absurd, dass im Sudan eine Lehrerin zu 15 Tagen Haft verurteilt worden ist, nur weil sie den Klassen-Teddybär ‚Mohammed‘ nannte. Es war der ausdrückliche Wunsch ihrer Schüler, und in der muslimischen Welt gibt es ungezählte Plüsch- und Haustiere, die den gleichen Namen tragen….“

Und weiter:

Aber bei diesem Urteil geht es sowieso nicht um Teddys oder falsche Namen oder Religion. Der vermeintliche Fauxpas der Grundschullehrerin ist für die Machthaber im Sudan nur eine wunderbare Gelegenheit, der ehemaligen Kolonialmacht eins auszuwischen. Und je mehr sich die Briten darüber ärgern, desto größer ist die Freude im Reich des Omar al-Bashir.

Und zeigt damit, dass er entweder keine Ahnung hat oder seinen Lesern Sand in die Augen streuen soll. Natürlich ist es für uns Europäer absurd und in höchstem Grade widersinnig, jemanden zu verurteilen, weil sie auf Bitten ihrer Schüler einem Teddy den Namen eines „Religionsstifters“ gegeben hat.

Ach, ist es das wirklich? Absurd? Nun, erst einmal gibt es im Sudan entsprechende Gesetze, die eine solche Bestrafung fordern. Sonst hätten sich ja wohl kaum nette Eltern oder Kolleginnen aufgemacht, dieses Verbrechen anzuzeigen. Und diese Gesetze haben etwas mit dem Islam und seinem Regelwerk Koran zu tun.

Absurd ist also nicht, was der Lehrerin passiert ist, absurd ist, dass Bitala uns einreden will, es handele sich um eine Ausnahme, die nichts mit dem Islam zu tun hat, sondern nur mit dem aktuellen Konflikt zwischen Großbritannien und dem Sudan. Wer hat wohl die tausenden Demonstranten auf die Straße gebracht, die kurz nach Urteilsverkündung mit Messern und Plakaten bewaffnet den Tod dieser Lehrerin forderten? Es waren muslimische Geistliche. Es waren Leute, die Volker Beck Hassprediger nennen würde, wären es Christen gewesen. Sie kamen frisch aus dem Freitagsgebet und waren voll von Wut darüber, dass eine britische Christin ihren Propheten beleidigte, in dem sie ein Spielzeug Mohammed nannte. Einer der Hassprediger erklärte sogar: „Diese Dame zu inhaftieren stillt nicht den Durst der Muslime im Sudan“.

Mohammed, Herr Bitala, Mohammed ist nicht absurd. Er ist real. Er wohnt in Deutschland. In jedem muslimischen Haushalt und in jeder Moschee. Es ist derselbe Mohammed, der durch dänische Zeichner so tödlich beleidigt wurde, dass Kopfgelder auf ihren Tod ausgesetzt wurden. Es ist derselbe Mohammed, der mit seinen Regeln muslimische Eltern dazu bringt, ihre Töchter dem Schulunterricht zu entziehen, Brüder und Väter dazu bewegt, ihre Töchter gemeinschaftlich zu ermorden und in dessen Namen sich Menschen inmitten von Märkten, Diskotheken oder Bäckereien in die Luft sprengen oder vollbeladene Flugzeuge in Hochhäuser steuern.

Der Islam ist keine Kuriosität und nichts, worüber man lachen oder sich amüsieren kann. Der Islam ist real und er bringt Menschen um.

» michael.bitala@sueddeutsche.de

(Gastbeitrag von D.N. Reb)