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Berlin zittert vor dem „Dummen Stein“

Die dänische Künstlergruppe „Surrend“ wurde mit brisanten politischen Aktionen weltberühmt. So schmuggelten die Dänen beispielsweise im Dezember 2006 eine Annonce mit Sprüchen von Präsident Ahmadinedschad in eine Teheraner Tageszeitung, deren erste Buchstaben von oben nach unten gelesen das Wort „Schwein“ ergaben. Thema der gegenwärtigen Aktion ist der Antisemitismus. Dummerweise trat man damit auch der Friedensreligion auf die Füße, die sogleich friedlich mit Gewalt drohte.

Eine Ausstellung im Klein-Asiens Berlin, in der Moabiter Turmstraße, wurde daher abgesagt.

Ab Freitag, den 22. Februar 2008 wird Surrend in einer Einzelausstellung mit neuen Arbeiten im Kunstverein Tiergarten in Berlin zu sehen sein. Die aktuellen Aktionen und Projekte von Surrend sind von der absurden neonazistischen Verschwörungstheorie ZOG angeregt, die auch in Teilen der arabischen Welt und im links-autonomen Milieu immer mehr Anhänger findet.

Doch aus der bildlichen Anschauung wurde nichts. Abgeordnete der Friedensreligion, in der Turmstraße ganz besonders zahlreich vertreten, äußerten nach Betrachten der Werbeplakate mit der obigen Abbildung spontane Bedenken und „erbaten“ unter Androhung gewaltsamer Aktionen die freiwillige Schließung der Ausstellung.

Eine Ausstellung dänischer Künstler ist im Berliner Bezirk Tiergarten aus Sicherheitsgründen vorerst geschlossen worden. Muslime hatten sich von einem der gezeigten Plakate in ihren religiösen Gefühlen verletzt gefühlt. Es kam zu konkreten Gewaltandrohungen.
(…) Galeriemitarbeiter Bernhard Rose sagte WELT ONLINE, es handle sich um Drohungen junger Muslime aus dem Bezirk, die an einem der ausgestellten Poster Anstoß genommen hätten. Es gehe dabei um ein Bild aus einer Viererreihe mit dem Titel „Schwarzmalerei“. Auf einem davon sei die Kaaba in Mekka, das zentrale islamische Heiligtum, das die Form eines Würfels von der Größe eine Hauses hat, zu sehen. Tausende Pilger liefen darum herum und über dem Bild stehe „Dummer Stein“. Zudem hätten drei oder vier Pilger Gedankenblasen an ihren Köpfen in denen „ZOG“ stehe.

Die Buchstaben stehen für „Zionist Occupied Government“ (dt. Zionistisch besetzte Regierung). Um die Verbreitung dieser rechtsextremen, antisemitischen Verschwörungstheorie geht es in der Schau, die seit dem 22. Februar im Kunstverein Tiergarten zu sehen war. Der Theorie zufolge soll die gesamte Weltpolitik zionistisch gelenkt sein. Mit den gezeigten 22 Plakaten attackiert die Künstlergruppe neben der ZOG auch neonazistische Propaganda, die israelische Regierungspolitik und radikale jüdische Gruppierungen.
(…)
Zwei junge Mädchen seien am Dienstag zu der Galerie gekommen, sagte der Galeriemitarbeiter Rose und hätten das Bild durch das Fenster gesehen und mit ihren Handys fotografiert. „Das war dann Gespräch auf der Turmstraße, in der unsere Galerie liegt.“ In kleinen Gruppen seien mehr Muslime vorbei gekommen und hätten sich über das Plakat beschwert. Rose sagte, die Galeriemitarbeiter hätten die Menschen angesprochen und gebeten hinein zu kommen, was aber nicht angenommen worden sei.

Schließlich habe es von Seiten der Protestierenden geheißen, das Plakat müsse auf jeden Fall abgehängt werden, „ansonsten müsst ihr Euch auch nicht wundern, wenn Steine fliegen“. Aus Sicherheitsgründen sei das Bild dann auch zunächst abgehangen worden. Mit einem islamischen Geistlichen, der die Galerie besuchte, konnte nach Roses Angaben zunächst keine Lösung für das Problem gefunden werden.

Die Ausstellung befindet sich im Erdgeschoss eines Hauses in der Turmstraße mit großer Fensterfront. Das Risiko, das Mitarbeiter oder Besucher verletzt würden, wenn tatsächlich Steine flögen, sei zu groß, sagte Rose.

Im zuständigen Bezirksamt gibt man sich kämpferisch, während man sich mit der unausweichlichen Kapitulation vor dem muslimischen Zorn schon abgefunden hat.

Erklärtes Ziel ist es, wieder zu öffnen“ – mit dem umstrittenen Bild. „Es wird definitiv nicht ein Bild runter genommen.“ Falls dies nicht möglich sei, sei dann allerdings auch eine vollständige Schließung der Ausstellung möglich.

Und so quält man sich weiter zwischen dem, was man eigentlich tun müsste und dem, was man realistisch betrachtet, tun wird.

„Muslime in Europa müssen akzeptieren, dass sie nicht eine Kunstausstellung in einer Galerie zensieren können“, hieß es von Seiten des Kunstvereins in einer Pressemitteilung. „Meinungs- und Kunstfreiheit sind zentrale Werte unserer demokratischen Gesellschaften und brauchten über 200 Jahre, um sich in Europa zu etablieren. Sie sind die Grundlage unseres Zusammenlebens. Es ist inakzeptabel, wenn einzelne gesellschaftliche Gruppen in der Lage wären, durch Drohungen Zensur in Kunst- und Meinungsfreiheit zu üben.“

Muslime müssen akzeptieren, dass sie etwas nicht tun können, was sie gerade erfolgreich über die Bühne bringen? Muslime müssen gar nichts akzeptieren und sie dürfen grundsätzlich alles. Denn Islam ist Frieden. Deshalb haben wir Angst.

(Spürnasen: Tobias J., Markus M., Sabine C. und Markus G.)