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Dänemark verteidigt seine Meinungsfreiheit

Mohammed-StreitGestern berichteten wir über die Solidaritätsaktionen dänischer Zeitungen mit dem Karikaturisten Kurt Westergaard, der Opfer eines Mordanschlages werden sollte. PI-Leser Biot Savartsch lässt den Karikaturenstreit mit Bezug zur aktuellen Entwicklung in Dänemark noch einmal Revue passieren .

Vor zweieinhalb Jahren veröffentlichte der Jyllands-Posten, eine konservative dänische Zeitung, zwölf Cartoons, die den Propheten Mohammed zeigten. Was folgte, war ein globaler moslemischer Aufschrei der Empörung. In unzähligen Massendemonstrationen forderte man den Tod der Sünder (gemeint waren die Karikaturenzeichner), verbrannte dänische Flaggen oder zündete dänische Konsulate an. Die arabischen Medien riefen zum Boykott dänischer Produkte auf. Insgesamt starben bei den gewaltsamen Protesten 150 Menschen.

Der Westen reagierte zurückhaltend und rief zur Besonnenheit auf. Zwar wurde erkannt, dass eine solch gewaltsame Reaktion der muslimischen Welt auf zwölf eher harmlose Mohammed-Karikaturen zwar eine Gefahr für die Meinungs- und Pressefreiheit sei, man aber trotzdem Verständnis für die religiösen Gefühle habe und diese nicht provozieren wolle. So wurde beiderseits kritisiert: die Muslime, für deren gewaltsame Proteste man kein Verständnis habe, aber auch der Jyllands Posten, dessen Veröffentlichung unnötig und provozierend gewesen sei. Für das vollständige Nachdrucken der Karikaturen als Solidaritätskundgebung im Sinne der Meinungsfreiheit entschied sich kaum ein westliches Blatt.

Nun musste erst ein (geplanter) Mordanschlag auf einen der Karikaturenzeichner kommen, bis sich zumindest die dänischen Medien dazu durchringen konnten, Solidarität zu zeigen und für die Meinungs- und Pressefreiheit offen einzustehen: Zwölf dänische Zeitungen druckten gestern morgen die Karikatur mit der Turban-Bombe, also den Cartoon des Zeichners, auf den muslimische Extremisten angeblich einen Anschlag planten. Jyllands Posten habe unbedingte Solidarität, wenn sie vom Terror bedroht wird, schreibt das linksliberale Blatt Politiken.

„Darüber hat es nie Zweifel gegeben, gerade weil es der Kern der Meinungsfreiheit sei, dass es nicht die Aussage ist, die man verteidigt, sondern das Recht, sie zu äußern“

heißt es im Leitartikel.

In einer Tickermeldung berichtet die dänische Nachrichtenagentur Ritzau, ein dänischer Zeitungsleser werde es heute kaum schaffen, eine Zeitung zu öffnen, ohne die Karikatur des Propheten Mohammed mit einer Bombe am Turban zu sehen.

Aber auch der Schriftsteller Kåre Bluitgen, der sich beschwert hatte, dass es keine Abbildungen für seine Mohammed-Biographie gäbe und darauf hin erst der Jyllands Posten zum Zeichnungs-Wettbewerb über eben diesen aufgerufen hatte und somit der Auslöser für all das war, möchte weitermachen. Berichten zufolge sitzt er bereits an einem neuen Buch, in dem Zeichnungen von Mohammed abgebildet werden sollen. Zu den aktuellen Vorkommnissen sagt er: „Es wäre eine Katastrophe, wenn wir nachgeben.“