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Die fünfte Ehe Mohammeds

MohammedDie meisten PI-Leser kennen den Quran. Viele kennen die Sunnah – wahrscheinlich besser, als die meisten Rechtgeleiteten. Zum Verständnis des großen Propheten trägt eine sehr komplexe Liebesbeziehung bei, die voller menschlicher Tragik ist und zugleich den Wert des Quran, des unveränderlichen Wortes Allahs, offen in Frage stellt.

Den islamischen Theologen ist dieses eines der heikelsten und schwierigsten Themen – die mit verblüffenden Schlussfolgerungen gelöst werden. Ein Lehrstück für das Verständnis der ethischen Seite des Islam.

Ich setze die Vorgeschichte voraus.

Mohammed war ein Sklavenhalter, er besaß Sklaven, kaufte und verkaufte Sklaven. Und einige befreite er, wenn sie zum Islam übergetreten waren.

Zayd Ibn Haritha, ein Sklave, der ihm von seiner ersten Ehefrau geschenkt wurde, war einer der ersten freigelassenen Sklaven, nachdem Mohammed seine Visionen hatte und seine Rolle als von Allah gesandter Prophet sah.

Er adoptierte Zayd Ibn Haritha als seinen Sohn öffentlich: „Er ist mein Sohn, der mich beerben wird“. Unter seinen Zeitgenossen wurde der freigelassene Sklave Zayd Ibn Haritha der Sohn Mohammeds genannt.

Einige Zeit später bat er seine Cousine Zainab, seinen neuen Sohn zu heiraten. Sie schien sich zu weigern – er war zwar der angenommene Sohn Mohammeds, in den Augen seiner Mitbürger aber immer noch der Sklave.

Allah musste zu Hilfe kommen und Gabriel schickte die Sure Al-Ahzab (Die Gruppen 33 – 36)

„Und weder ein gläubiger Mann noch eine gläubige Frau dürfen, wenn Gott und sein Gesandter eine Angelegenheit (die sie betrifft) entschieden haben, in (dieser) ihrer Angelegenheit (frei) wählen. Wer gegen Gott und seinen Gesandten widerspenstig ist, ist (damit vom rechten Weg) offensichtlich abgeirrt.“

Ein eindeutiger Befehl: Mohammed ist zu gehorchen. Diese wichtige Sure ist auch heute noch die Basis für den Befehl, der Sunnah zu folgen.

Zainab gehorchte dem Befehl Allahs und seines Propheten und heiratete Zayd.

Es hätte sicher eine glückliche Ehe werden können, wenn nicht…

… eines Tages Mohammed Zainab halbnackt beim Anziehen im Haus des Schwiegersohnes angetroffen hätte. Ohne Zweifel ein ernstes Problem, denn Mohammed war der Harem genauso verboten, wie anderen Männern. Mohammed schien sich in Zainab sofort verliebt zu haben – zumindest begehrte er sie. Ich glaube nicht, dass Mohammed die Liebe als das kannte, was man im heutigen Westen darunter versteht. Es wird Lust gewesen sein.

Als Mohammed Zainab verließ, ohne ihr Gewalt anzutun, sagte er vieldeutig: „Lob sei Allah, der die Herzen ändern kann.“

Zainab fragte daraufhin Mohammed, ob sie sich scheiden lassen soll, damit er sie bekommen kann. Mohammed bestand darauf, dass sie Zayds „Frau bliebe und dass sie Allah fürchten soll“.

Aber innerlich wuchs das Verlangen Mohammeds nach dieser scheinbar sehr attraktiven Schwiegertochter, seiner Cousine väterlicherseits. (Al-Zamkhashri berichtet davon: Al-Kashaf Band III, Seite 54).

Es ist sehr menschlich, doch schwer vereinbar mit dem Propheten, dem Edelsten der Edlen, dem Vorbild aller Rechtgeleiteten.

Was tun? Erstaunlicherweise kommt ihm wieder Allah zur Hilfe (wie immer) und befiehlt ihm, das zu tun, was zu tun strikt verboten ist.

Ein kleiner Exkurs ist jetzt nötig: Der Quran, das Kitab liegt seit Anbeginn aller Zeiten im Himmel. Es ist das unverfälschte Wort Allahs, seit Ewigkeiten gültig für Ewigkeiten. Aber wunderbarer Weise topaktuell, wenn es um die persönlichen Probleme Mohammeds geht. Àisha wird viel später sagen, dass Alllah immer ihrem Ehemann zu Hilfe kam, wenn er in der Klemme saß. Und sie meinte das sicher ganz schelmisch.

Gabriel kommt mit der nächsten Sure (Die Gruppen 33 – 37)

„Und (damals) als du zu demjenigen, dem sowohl Gott als auch du Gnade erwiesen hatten, (gemeint ist Zaid ibn Haritha, der Freigelassene Mohammeds) sagtest: „Behalte deine Gattin für dich und fürchte Gott!“, und in dir geheimhieltest, was Gott (doch) offenkundig machen würde, und Angst vor den Menschen hattest, während du eher vor Gott Angst haben solltest! Als dann Said sein Geschäft mit ihr erledigt hatte (d.h. sich von ihr geschieden hatte), gaben wir sie dir zur Gattin, damit die Gläubigen sich (künftig) wegen (der Ehelichung) der Gattinnen ihrer Nennsöhne, wenn diese (w. sie) ihr Geschäft mit ihnen erledigt haben, nicht bedrückt fühlen sollten. Was Gott anordnet, wird (unweigerlich) ausgeführt.“

Zainab ließ sich scheiden und Mohammed ehelichte seine Cousine als seine fünfte Frau.

Die Umgebung schien nicht sehr begeistert zu sein. Es war ein offensichtlicher Skandal, dass Mohammed seine Schwiegertochter heiratete. Es muss ein riesiger Skandal gewesen sein, denn er widerprach ganz fundamentalen Wertvorstellungen der damaligen Gesellschaft. Der Große Prophet selber schien sich ob der offensichtlichen Kritik auch nicht wohl zu fühlen, doch Allah tröstet seinen Propheten wieder mit einer Sure (33 – 38):

„Und der Prophet braucht sich wegen dessen, was Gott für ihn verordnet hat, nicht bedrückt zu fühlen. Auch bei denen, die früher dahingegangen sind, ist Gott so verfahren (w. nach dem Verfahren Gottes bei denen, die früher dahingegangen sind) -was Gott befiehlt, hat Maß und Ziel.“

Der Protest schien nicht nachgelassen zu haben – und jetzt kommt Allah mit seiner stärksten Waffe. Zayd Ibn Haritha war nie der Sohn Mohammeds gewesen! Die Adoption konnte nie stattgefunden haben.

(Die Gruppen 33 – 40)

„Mohammed ist nicht der Vater von (irgend)einem eurer Männer (auch wenn dieser sein Nennsohn ist). Er ist vielmehr der Gesandte Gottes und das Siegel der Propheten (d.h. der Beglaubiger der früheren Propheten, oder der letzte der Propheten). Gott weiß über alles Bescheid.“

Und mit dieser Sure entschuldigen die islamischen Geistlichen Mohammed – er konnte ja nicht seine Schwiegertochter heiraten, weil sie nie seine Schwiegertochter war. Dass die Sure erst nach der Heirat von Gabriel geschickt wurde, interessiert den islamischen Geistlichen nicht, denn sie war schon zu Anbeginn der Zeit geschrieben. Eine verflixte Situation.

Wieso befiehlt Allah erst die Ehe seiner Cousine mit seinem adoptierten Sohn und befiehlt anschließend die Trennung, damit Mohammed (rechtlich abgesichert) mit seiner Schwiegertochter ins Bett steigen darf?

Diese kleine Episode sagt eigentlich alles über Moral- und Wertvorstellung im Islam aus – gleichzeitig gibt sie eine eindeutige Antwort auf den unveränderlichen Ursprung des Quran.

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Der Quran zitiert nach Rudi Paret.

(Gastbeitrag von Prosemit)