Scharia BankingIn der FAZ vom 7. Juni, Abteilung „Beruf und Chance“, wird über die Berufswege von Juristen berichtet. Ein bemerkenswerter Beitrag behandelt den Münchner Juristen Thomas Peter Gierath, der eine besondere Marktlücke erkannt hat – die Umsetzung der Scharia in klingende Münze.

Die FAZ (Printausgabe) schreibt, übrigens erstaunlich wertfrei:

Ein gläubiger Moslem darf sein Vermögen nur so investieren, dass er sowohl den Profit als auch das Risiko teilt. „Nach seinem Glauben handelt er immer nur als eine Art Treuhänder für Allah“, so Thomas Peter Gierath. Der Anwalt und Steuerberater aus München hat sich auf Islamic Finance spezialisiert. Seine Mandanten wollen ihr Geld nach den Grundsätzen der Scharia anlegen. Seit etwa 30 Jahren ist Islamic Finance vor allem bei institutionellen Investoren wie Banken oder Fondsgesellschaften zunehmend beliebt, Gieraths Kanzlei ist in diesem Geschäft schon lange aktiv. „Das können islamische Geldgeber sein, die in deutsche Unternehmen einsteigen wollen, aber auch deutsche Teams, die vor Großprojekten im Mittleren Osten Fundraising betreiben“, erklärt Gierath. Er knüpfte erste Kontakte über deutsche Private-Equity-Teams.

Ein Muslim darf keine Finanzgeschäfte mit garantierter Rückzahlung tätigen, etwa eine Darlehensvergabe mit Verzinsung. „Dahinter steckt ein sozialer Gedanke“, sagt der Jurist. Die Glaubenslehre der Scharia gehe davon aus, dass sich sonst Vermögen nur in den Händen weniger Reicher sammeln würde, während der Rest der Bevölkerung Zinsen zahle. „Deshalb verstoßen Geschäfte, bei denen ein Einzelner Gewinn macht, ohne dass die Gemeinschaft in irgendeiner Weise profitiert, gegen die Regeln der Scharia“, erklärt der 37-Jährige, der sich stückweise in dieses Gebiet eingearbeitet hat – „wie die meisten in meiner Zunft“.

Zu unterscheiden seien unbedenkliche „Halal-Finanzierungen“ von „Haram-Investments“, die gegen islamisches Recht verstoßen, wie die Beteiligung an Prostitution, Alkoholproduktion oder Waffengeschäften. Anerkannte Islamwissenschaftler („Scholars“) geben in „Fatwas“ vor, was erlaubt ist. Ihre Auslegung des Korans ist für Gläubige rechtsverbindlich. „Viele unserer Finanzierungsmodelle sind ohne strukturelle Veränderungen nicht einsetzbar. Etwa die weitgehend über Fremdkapital abgewickelten Private-Equity-Käufe“, sagt Gierath. In manche Gesellschaftsverträge würden Restriktionen für Geschäftsführer aufgenommen, oder es werde ein „Scharia-Scholar-Board“ installiert, das ethisch zweifelhafte Geschäfte prüft.

Ob Herr Gierath jemals ethische Überlegungen zum Verhältnis von Scharia und Grundgesetz angestellt hat, wird nicht berichtet. Aber Geld stinkt bekanntlich nicht.

(Gastbeitrag von Zentaur)

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23 KOMMENTARE

  1. Ja logisch. Es ist bedeutend ethischer das Geld der Witwen und Waisen zu verspekulieren, wie es Herr Ackermann tut und dann neues Geld vom Steuerzahler zu fordern.

    Wenn Geld sich aber nur am Erfolg einer Unternehmung beteiligen kann, wenn es auch das Risiko voll mitträgt, was ist daran falsch. Mann muss ja nicht die Scharia mögen um einzelne Gedanken gut zu finden.

    Leider halten sich wie bei allen anderen Teilen der Scharia auch da zu wenig Muslime an das Gesetz. Aber das ist ja bei uns auch nicht anders.

  2. Diese Art der Geldanlage ist immer ein Verlustgeschaeft fuer den Anleger, egal wie es verpackt ist, der einzige der dick Geld dabei verdient ist der Broker.

  3. Islamic Banking

    beinhaltet als wichtigste Vorschrift das Zinsverbot, daneben aber auch das Verbot, Geschäfte zu finanzieren die mit Schweinefleisch, mit Alkohol, mit Pornographie etc. in Verbindung stehen.

    Da auch islamische Banken darauf angewiesen sind, Geld zu verdienen, wird das Zinsverbot mit einem an Heuchelei nicht zu überbietenden Trick ausgehebelt :

    So kann man z. B. eine Ware mit Zahlungsziel kaufen und – wie im Handel – zu einem niedrigeren Preis an den Verkäufer zurück veräußern (Umgehungsgeschäft).

    Siehe dazu :

    http://www.pi-news.net/wp/uploads/2008/05/glossar_islam_13-05-2008.pdf

    Echnaton

  4. Ein Muslim darf keine Finanzgeschäfte mit garantierter Rückzahlung tätigen.

    Dann macht er eben spekulative Finanzgeschäfte mit einer ungarantierten Rückzahlung von 0.01% Unsicherheit, also Spekulationen mit 99.99% Sicherheit.

  5. Sollen die sich doch ruhig Shariakonform ausplündern lassen. Habe ich kein Problem mit. Viel mehr würde mich intressieren wie ich mich an solch einer Firma beteiligen kann ! 😉

  6. Das Ganze ist oft eine Riesenmogelpackung, bei der das Zinsverbot kunstvoll umgangen wird.
    Und dann sind da noch Geschäfte a la Yimpas-Holding, bei der die ach so armen Musel um mehrere Milliarden (!!!) Euro betrogen wurden…
    http://de.wikipedia.org/wiki/Konya-Modell

    (soviel zu den Geldern der Witwen und Waisen…)

    Aber da mit dem ergaunerten Geld ja vermutlich „Islamisten“ finanziert wurden, ist es ja auch wieder irgendwie Scharia-konform…
    http://www.welt.de/print-welt/article89915/Umstrittene_Yimpas-Holding_finanziert_Islamisten.html

  7. Dies ist Anlaß, zu erinnern an den Yimpas-Skandal, bei dem alle „Rechtgläubigen“, die dort investierten, die Ersparnisse eines ganzen, schweren Arbeitslebens verloren haben.

    Das ist wirklich nicht die feine Art. Deswegen seien insbesondere „rechtgläubige“ Leser auf dieser Seite auf die Betrüger hingewiesen.

    Bitte informieren Sie sich umfassend auf

    http://www.de.wikipedia.org/wiki/Yimpas

  8. Islamic Banking ist wie hier schon einige angedeutet haben, in der Regel ein auf Täuschung und Betrug bassierendes Geschäft, der Ympas Skandal wurde hier ja schon angesprochen. Zinsen sind nun mal ein wichtiges Fundament des Bankenwesens ohne das Finanztransaktionen nicht funktionieren. Wenn jemand das Schlechte Gewissen plagt wegen seiner Horenden Zinseinnahmen oder er was gutes Tun will nunja die örtliche Schule usw. freut sich gern über regelmässige Spenden.

  9. Was immer wieder vergessen wird, ist, dass Zinsen heutzutage etwas Anderes sind, als früher.
    Die religiöse Aversion gegen Zinsen ist die gegen Wucher.
    Heutzutage stehen Banken in Konkurrenz und der Zinssatz enthält ja auch die Arbeit der Banken – Verwaltung, Risiko, ff. Wie bei jeder Ware muss natürlich auch beim Bankangebot verglichen werden können.

    Zinsen sind heutzutage einfach nur eine von vielen Möglichkeiten, zu klaren Bedingungen kleinere bis größere Unternehmungen zu finanzieren – private Firmen, Häuser ff. Auch größere Mittelständler leihen oft gegen Zinsen, um selbstständig entscheiden zu können.

    Andere (eigentlich durchaus islamkonforme)Finanzierungsmöglichkeiten gab+gibt es ja immer parallel (Aktieng. ff), aber die müssen natürlich intensiver betreut werden (weil ja Gewinn/Verlustbeteiligung vereinbart ist), das lohnt sich nur bei größeren Unternehmungen (mit Aufsichtsräten ff).

    Finanzierungen auf der Basis von Zinsen sind also eine sehr einfache und klare Möglichkeit, für kleinere Unternehmungen schnell Kapital zu bekommen (dass es zeitweise nicht leicht ist, eine Bank zu überzeugen, ist eine andere Sache).

    Wenn im Islam Zinsen grundsätzlich verboten werden, ist das ein ganz eindeutiger wirtschaftlicher Nachteil,
    und was daraus folgt, ist schlimmstmögliche private Bereicherung bis hin zu übelster Korruption. Und genau so läuft es ja in ALLEN islamisch geprägten Staaten – auch die allerärmsten Staaten haben eine stinkreiche Oberschicht. Und die Wenigen, die eine eigene Existenz aufbauen wollen, sind ausschließlich auf die Hilfe der Familie angewiesen (was i.A. eben nicht funktioniert, weil jeder Gewinn sofort verteilt werden muss).

    Der Aberglaube, dass ein Zinsverbot mehr Gerechtigkeit schafft, ist rein ideologisch und in der Realität nirgends zu erkennen.
    Tatsache ist, dass ein Zinsverbot überall gerade die Ursache für soziale Ungerechtigkeit ist.

  10. @Jochen Hoff:
    Bitte eine Witwe oder Waise nennen, die durch Herrn Ackermann geschädigt wurde. Da haben wir wohl nicht ganz verstanden, was passiert ist, gell? Und bitte nochmal nachprüfen, was Ackermann genau gesagt hat. Für sich hat jedenfalls kein Geld gefordert…
    Also: vor dem Kommentieren bitte erst mal den Wirtschaftsteil lesen und nicht nur die bunte Seite… peinlich, peinlich

  11. @lef:
    Schön beschrieben! Und jetzt noch die andere Seite der Zinsen, die des Anlegers: wenn ich jemandem einen Gegenstand überlasse und ihn während dieser Zeit nicht nutzen kann, bekomme ich hierfür Miete. Leihe ich ihm Geld, bekomme ich hierfür ebenfalls „Miete“, die hier eben Zinsen heißt. Dazu kommt noch ein Aufschlag für meine Abwicklungskosten und für das Risiko, dass ich das Geld nicht wiederbekomme. Eigentlich eine ganz faire Sache, die auch der Prophet verstanden hätte, hätte man sie ihm freundlich erklärt…

  12. #3 Echn Aton (08. Jun 2008 20:17)
    #6 Roland (08. Jun 2008 20:38)

    Genau so, wie Ihr sagt, sehe ich das auch! >>Islamic Banking<< ist PHARISÄERTUM in Reinkultur.
    Das Zinsverbot wird einfach trickreich umgangen, sodass der „Zins“ nicht mehr „Zins“ genannt werden muss.
    Im Grunde wird aber halt doch Zins genommen, dies ist für jeden denkenden Menschen erkennbar; aber Mmusels sind ja wohl nicht zu dieser Gruppe zu zählen.

  13. So, nun noch eine Prise Fairness:
    In der Bibel heißt es „Du sollst von deinem Bruder nicht Zinsen nehmen: weder Zinsen für Geld noch Zinsen für Getreide noch Zinsen für sonst etwas, wofür man Zinsen nimmt“.
    Einfach mal „Zinsverbot“ in Wikipedia eingeben und huch, der Christ musste sich auch mal dran halten und hat Wege gefunden, das Verbot zu umgehen.
    Also: ganz menschliches Verhalten ggü. merkwürdigen Religionsvorschriften, keine Notwendigkeit, sich aufzuregen. Dafür gibt´s genug andere Gründe…

  14. Naja, dagegen habe ich auch keine Einwände. Kapitalismus ist nunmal nicht Politik. Ich sehe auch nicht warum das schaden sollte, eher im Gegenteil. Besser Europa macht das Geschäft als andere. Im Mittelalter wurde den Juden in Europa Zinsgeschäfte überlassen, zum Nachteil der Christen. Das ist doch dumm. Deutsche Banken sollten ruhig solche Investitionsmöglichkeiten für Moslems anbieten.

  15. Es gibt und gab schon immer Kollegen, die mit den Teufel paktieren.

    Muss jede(r) mit seinem Gewissen ausmachen.

    Ich nehm keine Mandaten von Moslems an.

  16. http://fact-fiction.net/?p=550

    Bissiger Text bei kewil zum Thema.

    Wie läuft das nun ab? So:

    Bei der Murabaha leiht die Bank dem Kreditnehmer nicht direkt Geld, sondern kauft ein Objekt – zum Beispiel eine Immobilie – für ihn. Der Schuldner wiederum kauft es der Bank zu einem höheren Preis per Ratenzahlung ab.

    Und schon ist es kein Zins mehr, sondern eine Ratenfinanzierung- simsalabim!!

    Pikant- auch im Hinblick auf European Patriots Hinweis:

    Zusätzlich gebe es in Deutschland auch juristische Probleme, die der englische Gesetzgeber bereits behoben habe. So fällt bei der Murabaha, bei der eine Immobilie von der Bank an den Kunden weiterverkauft wird, in Deutschland zweimal die Grunderwerbsteuer an. Die britische Regierung hat die Steuer für den ersten Kauf abgeschafft. »Nur so kann eine Scharia-konforme Finanzierung im Wettbewerb bestehen«, sagt el-Mogaddedi.

    Also Sonderregeln – welche Überraschung!

    @voiceofreason
    Mt. 25,14 ff und Lk. 19,12 ff

    Jesus sagte:…

    … 27 Dann hättest du mein Geld den Wechslern bringen sollen, so hätte ich bei meinem Kommen das Meine mit Zinsen zurückerhalten

  17. Mit den Waffengeschäften ist das ein Schreibfehler? Menschen, die scheinbar schon im Kindergarten mit einem Messer rumrennen und in Deutschland immer wieder durch ihre Waffen bzw. deren Gebrauch auffallen sollen ernsthaft etwas gegen Waffengeschäfte haben?? Wahrscheinlich geht es hier nur um westliche Waffengeschäfte und nicht die eigenen Mordinstrumente.

  18. Das einzig traurige an dem sog. Yimpas-Skandal ist, dass dem deutschen Staat Steuergelder und unserem Wirtschaftskreislauf Geld entzogen worden ist. Riesen Schwarzgeld-Transfers in die Türkei. So sehen die vielbeschworenen positiven wirtschaftlichen Aspekte der Einwanderung nämlich aus:

    Transfers vom deutschen Michel zum türkischen Siedler von dort in die Türkei und andere dunkle Kanäle. Würde mich nicht wundern, wenn einige der armen Musels sich auch nicht ganz so laut melden, weil sie von Hartz IV leben. Da kommt natürlich eine deutsche Bank nicht in Frage. Ob das der Chefvolkswirt der Deutschen Türkenbank weiss?

  19. Das neue Testament ist nicht von Betriebswirtschaftlern geschrieben worden. Ein Vorredner hat bereits darauf hingewiesen: Das Zinsverbot der Christen meint wohl eher ein Verbot des Wucherns.

    Zinsen sind eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit, die Bestandteil sämtlicher fremdfinanzierter Geschäfte sind. Es ist völlig egal, wie man sie dabei nennt. Es gibt kein Geld für umsonst. Jedenfalls nicht lange.

    Der Wucher hingegen ist auch nach unseren BRD Gesetzen verboten und strafbar.

    Daß man Geschäfte mit einem ethischen Fundament versehen kann, das ist nicht neu. Ob man nun ökologisch investiert, oder nicht in Tierversuche investiert, es gibt eben auch theologische Investitionsansätze. Das bleibt jedermanns Entscheidung.

    Sklavenhandel, Waffengeschäfte, Frauenhandel etc unterliegen ohnehin Auflagen, die je nach Kulturkreis sich unterscheiden mögen.

    Wer Risiko und Zins glaubt getrennt betrachten zu können, der hat nicht viel verstanden.

    Bundesschatzbriefe jedenfalls müßten nach der Scharia verboten werden, sie bieten höchstmögliche Sicherheit bei praktisch keinem Risiko, und machen dabei uns Bürger offenbar immer ärmer. Jedenfalls dann, wenn man die Interpretation des Koran zugrundelegt.

    Finanzminister und BRD sind nicht halal.

  20. Ein Muslim darf keine Finanzgeschäfte mit garantierter Rückzahlung tätigen, etwa eine Darlehensvergabe mit Verzinsung. „Dahinter steckt ein sozialer Gedanke“, sagt der Jurist. Die Glaubenslehre der Scharia gehe davon aus, dass sich sonst Vermögen nur in den Händen weniger Reicher sammeln würde, während der Rest der Bevölkerung Zinsen zahle. „Deshalb verstoßen Geschäfte, bei denen ein Einzelner Gewinn macht, ohne dass die Gemeinschaft in irgendeiner Weise profitiert, gegen die Regeln der Scharia“, erklärt der 37-Jährige, der sich stückweise in dieses Gebiet eingearbeitet hat – „wie die meisten in meiner Zunft“.

    Der gute Mann sollte vielleicht mal bei der Volkshochschule einen Grundkurs in Volkswirtschaftslehre machen.
    Die werden ihm da schon elkrären, dass das, was er sich da Bruchstückhaft selber erarbeitet hat, der letzte Schwachsinn ist.

    blockquote>Zu unterscheiden seien unbedenkliche „Halal-Finanzierungen“ von „Haram-Investments“, die gegen islamisches Recht verstoßen, wie die Beteiligung an Prostitution, Alkoholproduktion oder Waffengeschäften.< Naja, solange Investitionen in Raschgifthandel erlaubt sind, ist ja alles völlkommen in Ordnung.
    Schon klar, Massenmord mit Waffen ist böse. Massenmord mit Drogen dagegen gut.
    Hauptsache die M. machen damit gute Geschäfte.
    Oder liegts vielleicht daran, dass seine Klienten ausser ihre Kalaschnikows mit denen sie bei jeder Gelegenheit rumballern und die zum Grossteil von den Russen stammen, waffenmässig nix gebacken bekommen.

  21. Kein Wunder, dass Zinsen mit dem Koran nicht vereinbar sind:
    „Eine Investition in Wissen bringt noch immer die besten Zinsen.“ (Benjamin Franklin)

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