1

Altes Land: Muslime schächten am Gesetz vorbei

Das Schlachten unbetäubter warmblütiger Tiere, in Deutschland nach Tierschutzgesetz grundsätzlich verboten, kann auf Antrag – im Einzelfall – aus religiösen Gründen erlaubt werden. Theoretisch. Denn praktisch wird auch ohne Genehmigung munter drauflos geschächtet, wie jetzt in Jork, im Alten Land bei Hamburg, jahrelang und unter den Augen der Amtstierärztin, der obersten Tierschützerin der Region.

Mit versteckter Kamera wurden die Bilder gedreht. Wer sie sieht, der wendet sich ab, denn ein furchtbares Blutbad ist darauf dokumentiert. Ein Schlachter wählt unter zwei Dutzend Schafen, die in einem Raum auf ihren Tod warten, eins aus, zerrt es am Hinterlauf nach draußen, wirft es auf die schon getöteten blutüberströmten Tiere. Dann geht alles ganz schnell: Er greift zum Messer, durchtrennt mit schnellen Schnitten Halsschlagader und Luftröhre. Blut spritzt. Das Tier zappelt noch viele Sekunden. Es röchelt furchtbar. Dann ist es vorbei.

Die Aufnahmen entstanden in einem türkischen Schlachtereibetrieb – aber nicht in Istanbul oder Ankara, sondern in Jork im Alten Land. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft, aber nicht nur gegen den Inhaber, sondern auch gegen die Amtstierärztin des Kreises Stade, Sibylle Witthöft. Denn sie soll schon seit Jahren von diesen illegalen Schlachtmethoden gewusst, aber nichts unternommen haben.
(…)
Warum die Behörden des Kreises Stade nicht längst eingeschritten sind, das ist eine Frage, die sich der Hamburger Tierschützer Hans-Herbert Guntau stellt. „Die Veterinärbehörde kann kaum behaupten, nichts gewusst zu haben“, sagt der 57-Jährige. Er sei 2004 dabei gewesen, als dem Betrieb von einer Tierärztin des Kreises ein Kontrollbesuch abgestattet wurde. An das, was er damals sah, denkt er immer noch mit Abscheu: Wie am Fließband seien unbetäubte Schafe getötet worden. Die Betäubungszange, die jeder Schlachtereibetrieb haben muss, habe wie ein Deko-Stück an der Wand gehangen. Etliche Frauen, Kinder und Männer seien zugegen gewesen. „Es war grauenhaft.“

Doch geschlossen wurde der Betrieb damals nicht. Das ist der Grund, weshalb zwei Bremervörder Tierschützerinnen nicht nur den Schlachtereibetrieb bestraft sehen wollen, sondern auch die zuständige Kreisveterinärin. Die rechtfertigte sich gestern gegenüber der MOPO: Es sei richtig, dass der Betreiber 2004 beim Schächten erwischt wurde. Danach sei die Schlachterei aber jährlich bis zu zehn Mal überprüft worden – ohne nennenswertes Ergebnis. Den Vorwurf der Unterlassung weist Sibylle Witthöft zurück.

Stolz können die Tierärzte, deren Standesvertreter gegen das Schächten Sturm laufen, auf solche Kollegen, die die gesamte Tierärzteschaft in Verruf bringen, nicht sein.

(Spürnasen: Sucher, harhar234 und Mokkafreund)