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Haftbefehl gegen Diktator Gaddafi

[1]Libyens Herrscher, Oberst Muammar al-Gaddafi, steht wie bereits Söhnchen Hannibal [2] auf Kriegsfuß mit dem Gesetz. Angeklagt ist Papa Gaddafi wegen des Verschwindens eines prominenten schiitischen Geistlichen – Imam Mussa al-Sadr – das zwar bereits 30 Jahre her ist, aber für den libyschen Exzentriker dennoch unangenehme Spätfolgen [3] haben könnte. Gaddafi soll Beihilfe zur Entführung des im Iran geborenen libanesischen Hisbollah-Gründervaters geleistet haben.

Eigentlich eine Ironie der Geschichte: Ein islamischer Diktator lässt aus lauter Hass gegen die Libanesen einen Terror-nahen Hassprediger verschwinden und stolpert ausgerechnet über diesen Stein.

Gaddafi über die arabische „Bruderliebe“:

„Wir hassen einander! Wir wünschen uns nur das Schlechteste! Unsere Geheimdienste verschwören sich gegeneinander!“ „Wir sind unser eigener Feind.“

Eine Hass-Liebe die offenbar auf Gegenseitigkeit beruht:

Ein Staatsanwalt im Libanon hat ihn (Gaddafi) wegen des Verschwindens eines prominenten schiitischen Geistlichen vor 30 Jahren angeklagt. Das geht aus dem Haftbefehl hervor, der kürzlich von Ermittlungsrichter Samih al-Hadsch unterzeichnet wurde. Danach sollen Gaddafi und sechs weitere Libyer wegen Anstiftung zur Entführung und Freiheitsberaubung in Beirut vor Gericht gestellt werden. Im Rahmen der libanesischen Terrorismusgesetze könnte dafür die Todesstrafe verhängt werden.

Die libanesischen Behörden machen Gaddafi für das Verschwinden des Imams Mussa al-Sadr und zwei seiner Begleiter während eines Besuchs in Libyen im Jahr 1978 verantwortlich. Al-Sadr, der 1928 in Iran geboren wurde, war der Gründer der schiitischen Amal-Bewegung im Libanon, aus der später die Hisbollah hervorging. Sein ungeklärtes Schicksal hat das Verhältnis zwischen Libanon und Libyen über Jahrzehnte zerrüttet.

Seit der offiziellen Visite vor 30 Jahren, bei dem die Schiitenabordnung mit Funktionären des Gaddafi-Regimes zusammentraf, fehlt von den Männern jede Spur. Nach libyscher Darstellung stiegen die drei nach Abschluss ihres Besuchs in ein Flugzeug nach Rom. Dort kamen sie jedoch nie an. Libanesische Schiiten vermuten deshalb, dass die Männer zuerst aus Tripolis entführt und kurz darauf umgebracht wurden. Die Familie des Geistlichen hingegen glaubt, dass der Imam noch lebt und in Libyen gefangen gehalten wird. 1986 waren die Ermittlungen aus Mangel an Beweisen eingestellt worden.

Auch wegen des Rätsels, das sein Verschwinden aufgibt, ist al-Sadr längst zur Legende geworden. Seine Anhänger verehren ihn als Märtyrer, sein Bild ist für viele libanesische Schiiten eine Art Ikone, die ihre Häuser schmückt

Für Gaddafi ist die libanesische Initiative insofern unangenehm, als sie klar die Zeit ins Gedächtnis zurückruft, in der sein Name für Terror stand.

Seit den siebziger Jahren und bis Ende der Neunziger war Libyen Rückzugsraum und Unterstützer diverser arabischer Terrororganisation. Heute weiß man, dass das Attentat auf eine Pan-Am-Maschine, die 1988 über dem schottischen Lockerbie von Sprengsätzen zerrissen wurde, auf das Konto des libyschen Geheimdienstes ging. Lange Zeit galt Gaddafi, der die Zügel seines totalitären Regimes fest in der Hand und die Opposition in der Bevölkerung mit einem berüchtigten Geheimdienst in Schach hält, deshalb als Paria. Sein Land wurde mit Sanktionen belegt, unter dem vor allem die Armen litten.

Islam ist, ähm – ah ja – Frieden.

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