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Obama macht den Kerry

Flip Flops„Flip Flop-Kerry“ nannten die Republikaner den demokratischen Präsidentschaftskandidaten John Kerry vor vier Jahren angesichts seiner politischen Meinungen, die er schneller als ein Fähnchen im Wind drehte. Jetzt scheint es, als ob Barack Obama ihm im US-Wahlkampf 2008 nacheifern will.

Jüngstes Beispiel: Angesichts der steigenden Benzinpreise kann sich Obama nun doch Ölbohrungen vor der Küste seines Landes vorstellen. Er gab damit seine bisherige strikte Ablehnung der Ölförderung in Küstengewässern auf.

Auch dem Obama-freundlichen Spiegel kommen erste Zweifel an der „Lichtgestalt“:

Barack Obama reagiert auf die Ängste der US-Wähler: Angesichts der steigenden Benzinpreise kann er sich nun doch Ölbohrungen vor der Küste der USA vorstellen, die er bislang strikt abgelehnt hatte. Damit ändert Obama nicht zum ersten Mal seine Haltung in einer wichtigen Frage.

Washington – Unter bestimmten Bedingungen könnten Ölbohrungen sinnvoll sein, sagte Obama der Tageszeitung „Palm Beach Post“ und gab damit seine bisherige strikte Ablehnung der Ölförderung in Küstengewässern auf. Wenn es um „wohldurchdachte, vorsichtige Bohrungen“ gehe und „schwere Umweltschäden“ vermieden würden, „dann will ich nicht strikt sagen, dass wir nichts tun können“. Insgesamt sei er für eine „übergreifende Energiepolitik, die die Benzinpreise drücken kann“.

Mit diesen Äußerungen rückte Obama deutlich von seiner bisherigen Haltung ab. Wie die gesamte demokratische Partei war er bisher gegen jede Art von Ölbohrungen in Küstengewässern, die unter Naturschutz stehen. Sein republikanischer Widersacher John McCain sieht dagegen in Förderanlagen vor der Küste eine Möglichkeit, die steigenden Energiepreise zu bekämpfen. Die Republikaner berufen sich auf Wissenschaftler, die unter dem Meeresboden des äußeren Kontinentalschelfs mehrere Milliarden Barrel Öl vermuten.

Der Schwenk Obamas ist nicht der erste in den vergangenen Monaten. So hatte der demokratische Präsidentschaftsbewerber anfangs einen vollständigen Abzug der US-Truppen versprochen, sollte er im Herbst zum US-Präsidenten gewählt werden. Anfang Juli, als der Vorwahlkampf gerade vorbei war, änderte Obama plötzlich seine Linie in der Irak-Politik (mehr…): Er wolle die US-Truppen nicht mehr im Eiltempo abziehen, sondern schrittweise und in Abstimmung mit dem Militär, erklärte er. Gegner warfen ihm daraufhin Wortbruch vor.

Zum Thema Ölbohrung im Golf von Mexiko fanden wir auf weeklystandard.com dieses Video:

Es zeigt den republikanischen Senator Mitch McConnell, der den demokratischen Senator Ken Salazar fragt, wie hoch der Benzinpreis sein muss, ehe vor den Küsten Mexikos nach Öl gebohrt werden darf. McConnell beginnt mit einem Preis von $4.50/Gallone – Salazar legt sein Veto ein. McConnell erhöht auf $5 – Veto, dann $7.50 – wieder Veto, und schließlich $10 pro Gallone – erneutes Veto des demokratischen Senators.

Den Dems scheint es also egal zu sein, was Otto-Normal-Amerikaner für eine Gallone Benzin zahlen muss. Obama hat diesen Angriffspunkt inzwischen erkannt – und rudert wie oben beschrieben in Kerry-Manier zurück.