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Weißer Ring fordert mehr Opferschutz

Im Zusammenhang mit dem unglaublichen Vorfall von Frankfurt, wo das Oberlandgericht einen Gewaltverbrecher auf freien Fuß setzte, weil die Richter keine Wiederholungsgefahr bei dem „jugendlichen“ Intensivtäter sahen und dieser daraufhin einen Menschen fast erstach, äußert sich der hessische Landesvorsitzende des Opferschutzbundes Weißer Ring, Horst Cerny.

Seit vielen Jahren betreuen Sie Menschen, die Opfer von Gewalt geworden sind. Wie wirkt das Urteil des Oberlandesgerichts auf Sie?

Dieses Urteil wirkt auf mich wie ein Schlag ins Gesicht. Es ist unvorstellbar, dass hier ein Haftbefehl aufgehoben wurde, weil man keine Wiederholungsgefahr gesehen hat, und es dann nach so kurzer Zeit zu einer solchen Straftat gekommen ist.

Ist das überhaupt mit gesundem Menschenverstand zu erklären?

Nein. Im Jugendstrafrecht steht zwar der Erziehungsgedanke im Vordergrund. Hier ist allerdings dieser Gedanke so überzogen worden, dass man den Opferschutz überhaupt nicht berücksichtigt hat.

Wie sähe Ihrer Ansicht nach ein opferfreundliches Strafrecht aus?

Dass bei solchen Rohheitsdelikten der Opferschutz im Vordergrund steht. Das muss gewährleistet sein. Jeder Mensch hat ein Recht, vom Staat vor solchen Straftätern geschützt zu werden.

Wie aber soll das gehen in einem Land, in dem die Mehrheit bereits verinnerlicht hat, dass niemand für das, was er tut, verantwortlich ist, sondern immer andere, die Gesellschaft? Kann man Menschen einsperren für das, was die Gesellschaft ihm angetan hat? Das Böse einfach wegsperren, so sagte es doch gestern Thomas Kirn in der Faz stellvertretend für den modernen deutschen Gutmenschen, das könne man doch nicht…

(Spürnase: MozartKugel)