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Der Kriecher

Der Kriecher [1]Wir sind ein kleines Softwarehaus in Berlin-Mitte, das gerade einen erfolgreichen Projektabschluss feiert. Es gibt ein kaltes Büffet, belegte Brötchen und allerlei zum knabbern. Der Kunde, der auch vor Ort ist und tüchtig mitfeiert, spendiert Freibier für alle. Es kommt vom Berliner Oktoberfest, auf dessen Zelte vor dem Roten Rathaus wir von unseren Büros aus runtergucken können.

Oktoberfestbier, weil es Ende September ist. Und weil Bayern München gerade ebenso charmant wie spektakulär gegen Werder Bremen verloren hat.

Die Stimmung ist klasse. Der Kollege Bollermann erzählt gerade die Story von Wowereit, unserem Regierenden, der sich auf dem Presseball von der ollen Ober-Hupfdohle vom Staatsballet abknutschen ließ und bei dem sich dabei etwas sehr deutlich sichtbar in der Hose regte. Alle lachen schallend, obwohl der Witz nicht ganz neu ist. Aber man hört ihn eben immer wieder gern.

Plötzlich geht die Tür auf und wir drehen uns alle automatisch um. Ist aber niemand zu sehen; wir gucken auf einen leeren Türspalt.

Doch dann stößt Frau Yesil, unsere neue Projekt-Assistentin, einen gellenden Schrei aus und deutet mit bebendem Finger auf ein Etwas, das am Boden kriecht und sich ihr zielstrebig nähert. Es ist Herr Schrammel, unser Personalchef. Er wälzt sich sabbernd und zitternd über das glatte Parket, auf dem er eine zähe Schleimspur hinterlässt.

Wir wundern uns ein bisschen, denn das letzte mal, als der Schrammel auf diese Tour seine Show abzog, war er gerade vom obersten Boss zur Sau gemacht worden, weil er der Firma durch die Einstellung von drei halbdebilen Analphabeten große Verluste beschert hat. Finanziell und imagemäßig.

Doch das kann Frau Yesil nicht wissen, weil sie noch nicht so lange bei uns ist. Jetzt hat Schrammel sein Ziel erreicht und speichelt ihre Pumps ein. „Ou-hu-ah“, stöhnt der Kriecher. „VERZAIHEN Sie bitte, Frau Yesil. Habe erst jetzt durchsetzen können, dass Sie zum Ramadan selbstverständlich frei bekommen. Bezahlter Urlaub, natürlich.“

Die Yesil glotzt wie entgeistert auf den Kriecher zu ihren Füßen, der sich windet und krümmt wie ein Regenwurm, der am Angelhaken hängt. Mit einer kräftigen Bewegung wirft sie ihre schulterlangen schwarzen Locken zurück, als könnte sie so diesem Albtraum ein Ende bereiten.

Sie schließt ihre Augen und öffnet sie wieder, doch Schrammel wälzt sich immer noch am Boden. „Und dann, uha-oa-uh, würde ich mich sehr freuen,“ schleimt er weiter, „wenn Sie mit uns allen gemeinsam den öh-öja ID-AL-FITR begehen würden. Und zum Opferfest in sechs Wochen spendiere ich Ihnen persönlich ein Schaf, einen feisten Hammel, den wir hier in unseren Räumen schächten werden. Nach, uhä-oa, islamischer Sitte.“

Bei diesen Worten klappt ihr der Unterkiefer auf die Brust und das Stück der Schinkensemmel, von dem sie gerade abgebissen hatte, fällt aus dem offenen Mund heraus und rutscht in das tief ausgeschnittene Dekolleté. Ihr Maßkrug kracht donnernd zu Boden, wo er zerschellt und den sabbernden Wurm mit Oktoberfestbier bespritzt.

„VERZAIHEN SIE!“ kreischt Schrammel, der erst jetzt das Bier und die belegten Brötchen bemerkt hat. „VERZAIHEN SIE! Bitte nennen Sie mir unverzüglich die Verbrecher, die Sie zum öhja-u Fastenbrechen verleitet haben und Sie zwangen, diese VERBOTENEN DINGE zu verzehren. Ich werde diese Unmenschen unverzüglich entlassen!“

Endlich findet die junge Projekt-Assistentin ihre Fassung zurück. „Jetzt hörn Se mir mal zu, Herr Schrammel,“ sagt sie, stampft mit dem Fuß auf und wirft wieder ihre prächtigen Locken zurück. „Glauben Sie vielleicht, ich bin diesem ganzen Dreck entkommen, um auf der Arbeit damit konfrontiert zu werden? All das, sich anstrengen, fleißig sein in der Schule, mich langlegen, damit’s ein guter Abschluss wird, meine Ausbildung, die Arbeit in einer trögen verstaubten Behörde, dann der Wechsel hierher, als Projekt-Assistentin in einer aufstrebenden ehrgeizigen Firma? UND SIE BILDEN SICH EIN, MIR DIESEN MIST WIEDER ANDIENEN ZU KÖNNEN?“

Sie holte tief Luft und schaute ihn durchdringend an: „Nach all dieser Zeit wieder DAHIN zurück? Nein, danke! Wenn Sie hier den ISLAM einführen wollen, dann gerne. Viel Spaß dabei. Doch ohne mich! Ich kündige! Oder nein, warten Sie,“ sagte sie nach einer kurzen Pause. „Ich weiß etwas besseres. Ich werde Sie verklagen wegen der Verletzung meiner areligiösen Gefühle!“

(Gastbeitrag von Yaab [2])

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