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Gespenstische Atom-Phobie

Wo Dummheit politisch gewollt ist, ist Gewalt nicht fern. Die Frankfurter Allgemeine schildert gespenstische Szenen aus dem absurden Theater hysterischer deutscher Atom-Phobie. Die Langzeitstrategie grüner Volksverhetzer geht immer noch auf: Boykott naturwissenschaftlicher Bildung – Schüren dumpfer Ängste, die sich in Gewalt entladen – und dann: die Kosten des Schutzes vor der selbst geschaffenen Gefahrenlage der Kernenrgie als naturgegebenen Kostenfaktor zuschlagen.

Der verblödeten Hysterikermenge scheint es auch nicht aufzufallen, dass sie als gefühlte Weltbürger, mit ihren irrationalen Ängsten weltweit allein da stehen. Deutsches Wesen beherrscht die Gleise mit Beton und Brechstangen.

Die FAZ berichtet:

„Guten Abend, Hamburger Polizei,“ sagt der Bereitschaftspolizist zu dem jungen Mann, der an der Bahnstrecke nach Dannenberg auf den Gleisen sitzt und legt ihm die Hand auf die Schulter. „Folter, Folter!“ brüllt der Jugendliche, die Umsitzenden verfallen in wütendes Gebrüll. „Sie sind in Gewahrsam genommen“, fährt der Polizist ungerührt fort, „ich möchte Sie bitten mitzukommen“.

Als er das sagt, ist es schon Nacht geworden hier im Wald bei Gorleben im Wendland, aber der Atommüll-Transport ist noch immer 20 Kilometer vom Ziel seiner ersten Etappe entfernt. Seit 19 Stunden sind die Männer und Frauen dieses Hamburger Zugs da schon ununterbrochen im Einsatz, wurden schon bei der Ankunft wurden aus dem Dunkel heraus und von einer Böschung herab mit Feldsteinen beworfen, mussten Deckung suchen. In einer Stunde soll der Transport an dieser Stelle eintreffen. Den ganzen Tag über haben Atomkraftgegner versucht, seinen Weg zu blockieren; Gleise wurden gelockert, an einer Stelle wurde eine Schiene mit einem Wagenheber aus dem Gleisbett hoch gehoben.

Manche brüllen, als würden ihnen Gliedmaße abgesägt

Ganze Säcke voller Eisensägen und Brechstangen haben die Beamten im Wald gefunden. Immer wieder werden Baumstämme auf die Wege gezerrt und Strohsäcke angezündet. Dann kommen Räumfahrzeuge, Wasserwerfer. Berittene niedersächsische Polizei prescht durchs Unterholz. Nun, in der Nacht, sind die Temperaturen auf sechs, sieben Grad gesunken. Aber noch immer sitzen hier etwa 300 Demonstranten auf den kalten Gleisen. Es sind vor allem Atomkraftgegner aus der Umgebung – manche von ihnen sind schon im Rentenalter und seit Jahrzehnten im Widerstand gegen das atomare Zwischenlager Gorleben erprobt. Andere müssten wohl am nächsten Tag in der neunten Klasse ihrer Schule sitzen.

Doch hier geht es nun darum, den „Atomwahnsinn“ zu stoppen. Der Staat, so sehen es viele hier, ist fies – und die Polizisten, die „Folterbullen“, sind der Staat. Manche der Demonstranten brüllen, als würden ihnen in einem Foltercamp im Dschungel die Gliedmaßen abgesägt. Das hat bei den vergangenen zehn Atommülltransporten nicht verhindert, dass die Behälter am Ende im Zwischenlager angekommen sind. Immerhin hat der Protest die Transportkosten ins Unermessliche getrieben. 16.000 Polizisten aus ganz Deutschland sind in diesem Jahr im Einsatz. 200 von ihnen kommen aus Hamburg, von der vierten und fünften Hundertschaft der dortigen Bereitschaftspolizei. Sie haben nun abermals die Aufgabe, die Schiene frei zu machen.

Mit Polizisten nett über Atompolitik plaudern

Viele Blockierer machen sich so steif es geht, klammern sich an die Schienen. Manche brüllen auch dann, wenn es gar nicht wehtut, als Teil der Widerstandspsychologie. Einige Demonstranten lassen sich aber auch nur leicht anheben, um ihren Widerstand sozusagen aktenkundig zu machen, dann gehen sie mit. Mitunter wird sogar freundlich mit den Polizisten geplaudert, wobei allerlei Gemeinsamkeiten offenbar werden – auch in Sachen Atompolitik.

Daneben stehen, im Licht von Taschenlampen und mobilen Scheinwerfern, Fernsehteams und Anwälte für die Demonstranten. Sie notieren jede Bewegung, bewerten jeden Handgriff; alles wird gefilmt, fotografiert. Ein Mann in weißer Schutzweste mit der Aufschrift „Seelsorger“ erteilt den Beamten unermüdlich Ratschläge, wie ihr Verhalten rechtens bleiben könnte. Wer wagt, sich skeptisch nach seinen Befugnissen zu erkundigen, wird nach der Dienstnummer gefragt.

Zwei Stunden später sind alle Blockierer von den Gleisen getragen. Die Beamten verteilen sich im Wald, suchen mit Nachtsichtgeräten die Umgebung ab, lauschen ins Dunkel hinein. Dann donnern Hubschrauber über das Wäldchen bei Kilometer 189, gewaltige Scheinwerfer leuchten herab. Es folgt ein dumpfes Rauschen aus der Ferne – dann rollen die elf Wagons des Transports vorbei. Der Hubschrauberlärm entfernt sich. Entlang der Landstraße ziehen die Demonstranten nach Hause oder in ihre Zeltlager. Der Castor ist in Dannenberg. Die Polizisten fahren in ihr Containerdorf für vier, fünf Stunden Schlaf, stärken sich für den nun folgenden Kampf um die Straße, wenn die strahlende Fracht vom Bahnhof ins Zwischenlager gebracht wird.

» Michael Miersch: Politischer Atommüll




Im Rheinland kommt Islam vor Karneval

Karneval ist altes rheinländisches Brauchtum, dass durch seine bis heute bestehende Nähe zur christlichen Kirche linken Zeitgenossen und Muslimen doppelt suspekt sein muss. Außerdem mochten Machthaber es noch nie, wenn über sie gelacht wurde. Zeit ein Exempel zu statuieren. In Bonn hatten Karnevalisten und Moslems Interesse an ein und demselben Grundstück. Erfahrene PI-Leser können hier abbrechen. Wer noch neu beim Thema ist, erfährt auf Seite 2, wer es bekommen hat.

Der Express berichtet vom gütlichen Ende eines Streites:

Endlich ein Ende im monatelangen Gezerre um den Standort für das „Haus des Karnevals“ und die neue Bonner Großmoschee. Die Karnevalisten bleiben in ihrem Domizil, die Muslime können dadurch auf das Gelände Brühler Straße 28.

Bonns Integrationsbeauftragte Coletta Manemann atmet auf: „Der Verein Al Muhajirin hat lange genug drauf gewartet. Ich halte die Brühler Straße für einen sehr gut geeigneten Standort – und das sieht die Moscheegemeinde auch so.“

Beten statt bützen an der Brühler Straße. Den gordischen Knoten haben Festausschus und Stadtverwaltung jetzt zerschlagen: Die Karnevalisten verzichten auf das begehrte Grundstück, auf dem früher ein Getränkehandel war.

Stattdessen wird das Domizil der Jecken an der Hohe Straße saniert, für die Karnevalswagen wird eine Halle im Gewerbegebiet direkt um die Ecke, in Dransdorf, gebaut. Die Stadt schießt 485.000 Euro zu.

Rund 500.000 Euro muss der Festausschuss selbst aufbringen. Denn das „Haus des Karnevals“ muss komplett umgekrempelt werden – vor allem die Asbestsanierung wird richtig teuer. Festausschuss-Präsident Horst Bachmann: „Wir werden ein Darlehen aufnehmen und Geld über den Großen Senat aufbringen. Aber: Wir wollen auf keinen Fall die Mitglieder belasten.“

Es waren fast groteske Parallelen in den letzten Monaten: Die Bonner Jecken platzten in ihrem Gebäude aus allen Nähten, suchten was Neues. Genau wie der Verein Al Mhajirin, der bislang an der Theaterstraße seine Gebetsräume hat.

Beide Parteien guckten sich zufällig dasselbe Grundstück in Tannenbusch aus. Doch für beide wurde nichts draus (EXPRESS berichtete ›).

Dann schlug die Stadt für den Neubau der Moschee sechs Standorte vor – darunter den an der Brühler Straße. Doch da hatte auch der Festausschuss ein Auge drauf geworfen – und die erste Wahl.

Jetzt endlich die Lösung. Baasem Jürgen Kannich, Rechtsvertreter des Vereins Al Muhajirin: „Ich freue mich für den Verein, dass endlich Bewegung in der Standortfrage drin ist.“ Jetzt müsse nur noch ein vernünftiger Weg für die Realisierung gefunden werden. Knackpunkt dabei: der Wert der Halle, die auf dem Grundstück Brühler Straße steht. Die wird für die neue Moschee aber in jedem Fall abgerissen.

Nicht ganz passend ist die gewählte Überschrift der schnellen Qualitätsjournalisten: „Beten statt Bützen“ („karnevalistisch“ für das Verteilen von Küsschen). Denn der Express weiß sehr wohl um die engen Beziehungen, die im Rheinland zwischen christlichem Glauben und dem Karneval bestehen. Diese zeigen sich nicht nur im Spenden sammeln für in Not befindliche christliche Gemeinden, meist in islamischen Ländern, sondern auch in einem großen Kostümgottesdienst im Kölner Dom zum Sessionsauftakt im Januar. Richtig müsste es also heißen, dass eine christlich-abendländische Volkstradition hier zugunsten islamischer Landnahme zurücktreten muss. Aber das wäre vom Express aus dem Hause Dumont zuviel verlangt.

(Spürnase: Ingo B.)




Linksmob gegen Y-Dissidenten

Wer in Deutschland nicht nach der Pfeife der Linksextremisten tanzt, bekommt es mit kriminellem Straßenmob zu tun, der über den Gesetzen steht. In Friedberg wurde das Büro des hessischen SPD-Dissidenten Jürgen Walter überfallen und mehrere Stunden besetzt, weil er sich geweigert hatte, den Wählerbetrug und Wortbruch seiner Partei mit zu tragen.  Die Polizei meldet einen friedlichen Verlauf, was dem Umstand geschuldet ist, dass sie wie so oft nichts unternommen hat, um dem Recht Vorrang vor dem Unrecht zu verschaffen. (Foto: Polizei und Linksmob in Köln-Ehrenfeld)

Der Spiegel berichtet:

Transparente hatten die Demonstranten mitgebracht – „Besetzt“, stand darauf und „Gerechte Bildung für Alle! Volksentscheid“.

Aus Protest gegen den SPD-Abweichler Jürgen Walter und die hessische Bildungspolitik haben am Montag etwa 20 Studenten und Schüler dessen Wahlkreisbüro in Friedberg in der Wetterau besetzt. Die jungen Menschen seien gegen Mittag erschienen und etwa drei Stunden geblieben, alles sei friedlich verlaufen, sagte ein Sprecher der Polizei in Friedberg.

Der Betrieb in der SPD- Geschäftsstelle sei nicht lahmgelegt gewesen. Walter selbst trafen die Demonstranten nicht an.

Die Besetzung sei „Ausdruck der Wut und Enttäuschung über den skandalösen Entschluss der vier sogenannten SPD-Rebellen, (CDU- Ministerpräsident) Roland Koch nicht abzuwählen“, hieß es in einer Mitteilung der Besetzer.

Den von den Besetzern geforderte Volksentscheid wird es im Frühjahr 2009 in Form von Neuwahlen geben. Die gebrechliche Tante SPD scheint sich darauf weniger zu freuen als ihre jungen Straßenkämpfer. Ob die Aktion äußerst mutiger Zivilcourage mit Fördermitteln „gegen Rechts“ gefördert wurde, ist nicht bekannt.




Pfarrer fordert islamisches „Wort zum Freitag“

Der Schweizer TV-Pfarrer Thomas Joller (Foto) fordert zusätzlich zum im Schweizer Fernehen (noch) verwurzelten „Wort zum Sonntag“ ein islamisches „Wort zum Freitag“. Die Muslime sind davon begeistert, die SVP empört. Nachdem sich gegen den Vorschlag Widerstand auch von Seiten des Fernsehens selbst regt, schwächt Joller ab, so habe er das nie gesagt – aber gemeint.

Wörtlich sagte der katholische Theologe, Projektleiter der „Offenen Kirche“ St. Gallen und TV-Prediger Thomas Joller:

„Religiöse Minderheiten wie die Muslime in der Schweiz haben bislang keine Plattform im Fernsehen. Das muss sich ändern.“

Ein islamisches „Wort zum Freitag“ habe er damit nicht gefordert, jedoch

„wäre es schön, wenn auch religiöse Minderheiten im Fernsehen eine Plattform hätten, aber ich fordere das nicht.“

So oder so hat Hisham Maizar, Präsident der Föderation Islamischer Dachorganisationen in der Schweiz, die Chance zur islamischen Friedensvermittlung gleich wohlwollend aufgegriffen und meinte:

„Es wäre eine große Chance für Nicht-Muslime, ihre allgegenwärtige Angst vor dem Islam abzulegen.“

Gegenwehr kommt von der SVP, insbesondere von Nationalrat Ulrich Schlüer, der davor warnt, den Muslimen „eigene Missionsstationen einzurichten“ und Nationalrätin Jasmin Hutter, die meinte:

„Von dieser Idee halte ich gar nichts. Zuerst soll der Islam seine frauenfeindlichen Ansichten wie das Scharia-Recht und Zwangsehen aufgeben, bevor ich bereit bin, über diese Idee überhaupt näher nachzudenken.“

Sollte sich das Schweizer Fernsehen über den SVP-Politiker-Unmut hinwegsetzen, könnten dem Sender schwerwiegende finanzielle Konsequenzen drohen. Sollte nämlich das islamische „Wort zum Freitag“ oder eine andere Sendung in diese Richtung realisiert werden, will sich Hutter persönlich dafür einsetzen, dass das Schweizer Fernsehen keine „Zwangsgebühren“ mehr erheben darf.

Wohl nicht zuletzt deshalb ist für das Schweizer Fernsehen selbst eine Missionsplattform für Muslime vorerst noch kein Thema.

Sprecher David Affentranger lässt durchblicken, dass eine solche Sendung trotz wachsender Bedeutung der Religionsfragen so schnell kein Thema sein wird. Dass ein „Wort zum Sonntag“ für Muslime auch Unmut in der Schweizer Bevölkerung auslösen könnte, ist dem SF klar. Sprecher Affentranger: „Dann müssten wir in einer Sendung auch andere religiöse Gemeinschaften zu Wort kommen lassen.“

» Kontakt zu Thomas Joller: thomas.joller@oksg.ch




Omar Osama bin Laden – keiner will ihn haben

Als Sprössling eines weltberühmten Vaters hat man es nicht leicht, davon kann auch der 27-jährige Omar Osama bin Laden (Foto), Sohn des berüchtigten Terrornetzwerkchefs bin Laden, ein Lied singen. Keiner will ihn und 52-jährige Frau mit britischem Pass haben: Großbritannien nicht, Spanien nicht und Ägypten auch nicht mehr. Selbst das UN-Flüchtlingshilfswerk hat die Ablehnung des Asyl-Antrags empfohlen. Jetzt bleibt den Omar bin Ladens, die von zwei Prinzen aus der eigenen Familie bedroht werden, nur noch ein Ausweg: Heim nach Saudi-Arabien. Obwohl Omar selbst nicht als Terror-Fan bekannt ist, gibt’s für ihn keine Lichterketten und Mahnwachen.




Betroffenheit aus Angst vor sich selbst

Manchmal staunt man gerade in jüngster Zeit über Unverhältnismäßigkeiten im Empfinden angemessener Strafen: Mörder und Totschläger mit multikulturellem Hintergrund werden als weniger gefährlich für die Gesellschaft empfunden als Meinungstäter. Wieso? Vielleicht, weil viele ein tief-verwurzeltes Bedürfnis nach Absolution haben, ohne dass die unter den Schatten der Vergangenheit liegenden Ressentiments wirklich überwunden wären. Henryk M. Broder kritisiert dieses unechte Mitgefühl als „Soße der Betroffenheit“.

Heribert Seifert schreibt auf Deutschlandradio Kultur:

Eine freie Gesellschaft … braucht Optimismus und Vertrauen. Sie verlangt die Zuversicht, dass in einem offenen und pluralistischen Gemeinwesen die unbehinderte Debatte das einzige Medium ist, in dem festgestellt wird, was als Wahrheit gelten soll. Wie ernst wir es mit dieser Freiheit meinen, bewährt sich nicht im Umgang mit Meinungen und Gedanken, die wir ohnehin teilen und schätzen. Die Probe aufs Exempel findet statt beim Umgang mit Ansichten, die wir hassen und die wir dennoch zulassen, weil wir sicher sind, sie widerlegen und im offenen Streit erledigen zu können. Haben wir hierzulande wirklich keinen Grund zu solchem Optimismus?

Besonders heikel in der Diskussion, ist die Auseinandersetzung mit „braunen“ Meinungen, die wir hier in keinerlei Art und Weise teilen oder unterstützen möchten. Dennoch hat der sofortige Massen-Reflex „wir hassen Rechts“ etwas Geheucheltes, weil man sich dann nicht mit den Wurzeln des Problems auseinandersetzen muss. Sich auf keinen Diskurs einlassen muss. Keinen Weg finden muss, mit unangenehmen Meinungen, mit sich selbst und mit der eigenen Vergangenheit fertig zu werden.

Wenn man Franzosen nach dem zweiten Weltkrieg fragt, hatten alle Verwandte in der Résistance, obwohl man weiß, wie weit verbreitet auch die Zustimmung für das Vichy-Regime war. In Deutschland erinnern sich heute viele nur zu gern an die Widerstandskämpfer in der eigenen Familie, an die jüdische Verwandschaft – wir sind die Guten. Dennoch hatten die Bösen einen Nährboden, auf dem sie gewachsenen sind. Eine politische Führung, die mit Propagandamitteln arbeitete und die Meinungsfreiheit beschnitt. Eine Maschinerie, die mit gegenseitigem Misstrauen und Denunziantentum arbeitete und diese Schwächen ausnutzte. Heute ist man geläutert gegen Rechts, aber ist man auch wirklich frei von den alten Schwächen?

Vieles am heutigen Mitgefühl mit den Opfern des Nazi-Unrechts ist aufgesetzt, lautet Henryk M. Broders hartes Urteil:

Das Faszinosum hält bis heute an. Das Dritte Reich ist in der Tat ein Faszinosum, auch deswegen, weil sich alle möglichen Leute seit so langer Zeit um eine Erklärung bemühen und doch keine finden, wie ein gebildetes Volk auf so einen magenkranken Sesselpupser wie Hitler reinfallen konnte.

Irgendwas war doch am Dritten Reich dran, dass man so überheftig reagieren muss, um sein Entsetzen darüber auszudrücken. Wenn man nämlich es in der Tat als grauenhaft, schrecklich und wahnsinnig fände, dann müsste man sich nicht so zwanghaft, permanent davon distanzieren und über Leute herfallen.

Ich stelle nur, wenn Sie so wollen, eine Unverhältnismäßigkeit der Reaktionen fest. Vor Kurzem, vor einer Woche, glaube ich, war der ehemalige iranische Präsident Khatami in Freiburg, ist dort mit allen Ehren empfangen worden, ein Staatssekretär eilte aus Berlin herbei, der grüne Oberbürgermeister reichte ihm die Hand. Khatami ist ein Mann, der sich im Laufe seiner Karriere unglaublich geäußert hat über den Westen, den Christen, gegenüber den Juden, gegenüber Israel. Er wird mit allen Ehren empfangen und Sie hören keinen Hauch von Empörung in diesem Land, weil unsere gesamte Aufmerksamkeit sich auf den letzten Holocaust richtet, der passiert ist, weil wir von der Vergangenheit in der Tat fasziniert und besessen sind.

Und es stimmt nicht, dass die Deutschen mit der Vergangenheit nicht klarkommen. Sie kommen mit der Vergangenheit sehr gut klar. Womit sie nicht klarkommen, ist die Gegenwart.

Und für die jetzige Generation hat das Dritte Reich eine andere Bedeutung als für meine Generation, der ich direkt nach dem Krieg geboren wurde. Man könnte es vielleicht einfach faktisch-historisch berichten, und man könnte vielleicht diese Soße der Betroffenheit sich langsam ersparen, die über diese Geschichte ausgebreitet wird, weil die Leute sind nicht wirklich betroffen. Sie sind nicht wirklich betroffen, sonst würden sie sich nicht dermaßen in die Vergangenheit stürzen und noch einmal, ich kann es immer nur wieder betonen, die Gegenwart leugnen. Wenn zum Beispiel heute die Existenz Israels zur Disposition steht, ist das eigentlich der Skandal, mit dem wir uns heute beschäftigen müssen.

Entscheidend ist, was wir davon halten, dass sich die SPD heute mit Hisbollah-Leuten auf Konferenzen trifft.

Vor lauter überheftiger Empörtheit gegen Rechts gerät in den Hintergrund, dass das Antisemitismus-Problem in Deutschland nicht auf Rechts begrenzt und mitnichten überwunden ist. Zum einen hat man sich gerade im politisch linken Lager durch simple Umbenennung von Antismitismus in Antizionismus das Problem vom Hals geschafft und legt einen geradezu schaurigen Eifer an den Tag, die „armen, unterdrückten Palästinenser“ gegen die „israelischen Besatzer“ zu unterstützen.

Zum anderen hat Deutschland ein gravierendes und oft negiertes anti-jüdisches Migrantenproblem mit islamischem Hintergrund. Und hier kommt ein weiterer politischer Spagat ins Spiel: Man muss den Anschein aufrecht erhalten, man sei nicht gegen Juden, aber gleichzeitig keinen Verdacht auf sich fallen lassen, man kritisiere den Islam – was sofort (fälschlicherweise) als Islamophopbie gilt und mit Antisemitismus gleichgesetzt wird. Kritik am Islam ist keine Kritik an den Muslimen als Menschen, sondern am islamischen System, das von seinen Ursprüngen her anti-jüdisch ist. Wer echte und nicht bloß aufgesetzte Freundschaft zum Volk Israel empfindet, müsste diese Bedrohung ernst nehmen und auch die eigenen Motive immer wieder neu hinterfragen.




Problemzonen abgeholter Jugendlicher

Ein „Streetworker-Bus, der Jugendliche dort abholen soll, wo sie Halt und Perspektive suchen.“ Köstlich, wie selbst die Sprache entgleist, wenn schwitzende Qualitätsjournalisten auf dem schmalen Grad zwischen der Übermittlung von Nachrichten aus der rauhen Wirklichkeit und ihrem Erziehungsauftrag balancieren. Diesmal geht es um „Problemzonen“ die das rheinische St. Augustin „gleichwohl“ auch hat. Wenn man so sagen darf.

Der Bonner Generalanzeiger ist die Quelle der erheiternden Sprachübungen:

Dass wie in Meckenheim eine Turnhalle in Flammen aufgeht und jugendliche Intensivtäter unter Tatverdacht stehen, ist ein Ausnahmefall. Dass Jugendliche Probleme machen, ist keine Ausnahme. Nur wird das selten zum öffentlichen Thema – wie etwa vergangenes Jahr in Bonn, als Massenschlägereien zwischen deutschen und ausländischen Jugendlichen in Bad Godesberg für Aufsehen sorgten oder ausländische Jugendliche die Vorabi-Feier in Oberkassel gewalttätig sprengten.

Solche Extreme kenne man in Sankt Augustin „in dieser Dimension nicht“, sagt Marcus Lübken, der Sozialdezernent der Stadt. Und spricht dann von zahlreichen Einzelprojekten bis hin zum Streetworker-Bus, der Jugendliche dort abholen soll, wo sie Halt und Perspektive suchen.

Gleichwohl hat auch Sankt Augustin seine Problemzonen, in denen das Verhalten von Jugendlichen – ob Marokkaner oder Russland-Deutsche – von Anwohnern als bedrohlich empfunden wird. Weil es da um Drogengeschäfte geht, auch um Gewalt. Wo Fäuste fliegen, verfliegt das Gefühl von Sicherheit. Aufgeteilte Welten, Parallelgesellschaften.

Zurzeit, sagen Experten, seien die Brennpunkte „relativ unauffällig“. Aber auch Marcus Lübken gesteht zu, dass mitunter alle Projektarbeit nicht hilft: „Es gibt Gruppen, die möchten nicht angesprochen werden.“

Wer Berichte lieber ohne Belehrungsauftrag, dafür in unverkrampfter Sprache bevorzugt, findet hier einige der vom Generalanzeiger verschämt genannten Vorfälle in Klarsprache.




Exekution löst Unruhen in der Welt-Redaktion aus

Die Exekution dreier moslemischer Massenmörder in Indonesien hat nicht nur unter den Frommen des Landes, sondern auch in der Redaktion der Welt für Unruhe gesorgt. Zahlreiche Spürnasen machten uns auf einen dort verfassten Artikel aufmerksam, in dem die Mutter eines der hingerichteten Bali-Terroristen wahrheitsgemäß bekannte, ihr Sohn habe nur getan, was der Islam verlange, nämlich Ungläubige zu töten. Das war der Wahrheit zu viel.

Am Montag morgen wurde der Artikel gelöscht und durch eine begradigte Darstellung ersetzt, die die Friedfertigkeit der fiktiven Mehrheit der Muslime betont. Ganz kann man aber doch den Jubel zahlreicher Einzelfälle zum Eingang der Massenmörder ins muslimische Paradies nicht unter den fliegenden Teppich kehren.

Die Hinrichtung der drei Bali-Bomber führte in Indonesien zu wütenden Protesten muslimischer Extremisten. Doch diese Einzellfälle können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die meisten der mehr als 200 Millionen Muslime des Landes jede Gewaltideologie ablehnen. Indonesien kämpft erfolgreich gegen Terror.

Nach der Hinrichtung der Bali-Attentäter haben Hunderte muslimische Extremisten auf der indonesischen Insel Java protestiert und die drei Männer als Märtyrer gefeiert.

In der Moschee von Serang drängten sich rund tausend Menschen um den Leichnam des 38-jährigen Imam Samudra. Viele reckten die Fäuste und riefen „Allah ist groß“.

Das Todesurteil gegen die drei war kurz nach Mitternacht vollstreckt worden. Samudra und seine Komplizen – der 48-jährige Mukhlas und der 46-jährigen Amrozi – wurden auf der schwer gesicherten Insel Nusakambangan von einem Exekutionskommando erschossen.

Die Toten wurden anschließend per Hubschrauber in ihre Heimatorte gebracht.

In Tenggulun versammelten sich Hunderte Anhänger des umstrittenen Predigers Abu Bakar Bashir vor dem Friedhof, auf dem die Brüder Mukhlas und Amrozi bestattet werden sollten. Der Eingang war mit einem Banner mit der Aufschrift „Heißt die Märtyrer willkommen“ geschmückt. Bashir sollte bei der Feier das Totengebet sprechen.

Australien verschärfte seine Reisehinweise für Indonesien und Außenminister Stephen Smith warnte im Fernsehen vor Racheakten. Ein Großteil der Opfer der Bali-Anschläge stammte aus dem Land. Insgesamt wurden dabei im Oktober 2002 in zwei Nachtclubs der Ferieninsel 202 Menschen getötet, darunter sechs deutsche Touristen. Die Attentäter hatten zu Protokoll gegeben, sie bereuten lediglich, dass auch Muslime unter den Opfern waren.

Die Attentäter gehörten der Gruppe Jemaah Islamiah an, deren erklärtes Ziel es war, Ausländer von Reisen nach Indonesien abzuschrecken und den Inselstaat zu einem islamischen Kalifat zu machen. Indonesien ist das Land mit der größten muslimischen Bevölkerung. Zuletzt vereitelte die Polizei eigenen Angaben zufolge im Oktober ein Attentat, das sich gegen ein Öllager in Jakarta richten sollte.

Indonesiens Anti-Terror-Einheit hat Behördenangaben zufolge in den vergangenen Monaten bei einer Serie von Razzien mehrere Führungskräfte der Jemaah Islamiah festgenommen. Die Gruppe sei inzwischen zersplittert und genieße nur noch bei wenigen Indonesiern Unterstützung, sagten australische Experten. Dennoch warnten sie vor einer Hinrichtung der Attentäter. Der Vollzug des Todesurteils drohe den Extremisten wieder Auftrieb zu geben, sagten sie. Indonesien hatte bereits vor der Exekution die Sicherheitsvorkehrungen verschärft.

Australische Bali-Opfer äußerten Genugtuung über die Hinrichtung. „Sie mussten den ultimativen Preis für das bezahlen, was sie taten“, sagte Peter Hughes, der den Anschlag mit schweren Verbrennungen überlebte. „Diese Männer haben einen Massenmord begangen.“ Ministerpräsident Kevin Rudd sprach den Familien seine Solidarität aus. „Ihr Leben bleibt gezeichnet“, sagte er. „Der Mord hat ihr Leben grundlegend verändert.“ Australien hat sich gegen die Todesstrafe für die Attentäter ausgesprochen. Eine Frau, deren 33-jähriger Bruder getötet wurde, sagte, die Hinrichtung ändere nichts an ihrer Trauer. „Sie bringen Scott nicht zurück und sie können nichts verändern, was geschehen ist.“

Die indonesischen Angehörigen feierten die drei hingerichteten Bali-Bomber als Märtyrer, radikale Islamisten sehen in ihnen sogar Helden im „Heiligen Krieg“. „Wir haben keine Angst vor dem Sterben“, sagte Ali Ghufran, der wie sein Bruder Amrozi und Iman Samudra bis zuletzt nie Reue zeigte für den blutigen Terroranschlag auf der Ferieninsel vor sechs Jahren. „Das ärgert die Ungläubigen, und je wütender sie sind, desto größer ist unsere Belohnung. Wir werden von Jungfrauen im Himmel empfangen.“ (…)

Ganz verborgen bleiben die ideologischen Verrenkungen der Welt zur Begradigung von Nachrichten aus der islamischen Welt ihren Lesern nicht. Welt-Leser Chebruraschka fragt:

Sind wir in Deutschland jetzt schon so weit, dass uns Zeitungen nicht allein Nachrichten übermitteln, sondern uns darüber hinaus auch sagen, wie wir diese gefälligst zu interpretieren haben?

… und trifft mit seiner Vermutung ins Schwarze. Allerdings gilt dies nicht nur für die Welt, sondern für alle, die sich durch den redaktionellen Filter zu Qualitätsjournalisten geadelt fühlen, wie wir neulich in der FAS erfahren durften.

(Mit vielem Dank an alle Spürnasen!)

UPDATE: Die Weltredaktion war recht gründlich beim Löschen des ursprünglichen Artikels, aber immer noch nicht gründlich genug. PI-Leser Nobunaga spürte das entrückte Dokument in den Weiten des Internet auf und PI-Leser Wolaufensie verewigte das Werk als Screenshot. Falls es doch noch verloren gehen sollte. Herzlichen Dank und Gratulation!




ZDFs Weisheiten über Zwangsheirat

Als ich letzten Dienstagabend etwas in einer Werbepause rumzappte bin ich dummerweise auch auf den Rotfunksender Zweites Dhimmi Fernsehen gestoßen. Ja, ich weiß, was machen die GEZ-Räuber noch auf der Programmliste bei uns zuhause. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, meine Mutter nutzt den Fernseher auch und die schaut immer so gerne die Lokalzeit auf dem WDR (Schramma-TV).

(Gastbeitrag von Knuesel)

Wundern tut sich meine Mutter allerdings immer noch, wenn sie WDR schaut und ich demonstrativ den Raum verlasse. Auf die Frage, warum, kommt dann immer die Antwort von mir:

“Du gibst mir das Buch von Betsy Udink „Allah und Eva“ nach einer halben Stunde lesen wieder, mit dem Hinweis, das sei dir zu grausam und dann schaust du dir diesen muslimischen Propagandasender an, und ohne etwas zu merken, übernimmst du die Meinung von den Roten. Und das von jemandem, der beinahe selber ins KZ gekommen wäre und stolz darauf ist, dass die ganze Verwandtschaft in der Résistance war. Die Braunen haben dir wohl nicht gereicht, jetzt muss unser Land von den Grün-Roten zugrundegerichtet werden.“

(die Diskussion die dann folgt wäre ein eigener Artikel wert).

Ich wollte gerade angewidert weiterzappen, als der Moderator etwas von Zwangsheirat erzählte. Mmh interessant; also habe ich eine Videokassette reingeschoben und aufgezeichnet, vielleicht kann man da einen Artikel für PI draus machen, dachte ich mir. Aber der Bericht hat mich dann doch angenehm überrascht.

Es ging um Zwangsverheiratung, aber diesmal wurde gezeigt, dass auch Männer Opfer sind. Aus der Perspektive habe ich das noch gar nicht gesehen. Es wurde gezeigt, wie die Männer gezwungen wurden, sich dem Willen des Clanchefs zu beugen. Taten sie das nicht, wurde ihr Leben bedroht.

Am Rande wurde noch die Praxis in der Türkei erwähnt, Mädchen älter zu machen damit sie als „Braut“ nach Deutschland „verheiratet“ werden konnten. Auch berichtet ein Mann, wie einige Türken über die einheimischen Frauen denken. Da werden Minderjährige „verheiratet“, die dann selber Kinder bekommen (Alles für den Geburtendhihad). Auch Frau Kelec kommt zu Wort.

Aber schaut es euch selber an. Anmerkend bleibt zum Schluss noch zu sagen, dass jede Art Zwangsheirat eine Vergewaltigung für beide Seiten ist.




Gegen das Vergessen

PI-Leser Sascha D. schickte uns zum 70. Jahrestag der Pogromnacht folgende Gedanken: „Vergeben ist wohl ziemlich einfach – aber vergessen, das ist um so viel schwerer!“ So jedenfalls meine bisherige Vorstellung an das Erinnerungsvermögen, wenn ich versuche, mich in Überlebende und Angehörige von Opfern der Shoa einzufühlen versuche.

Bis gestern, als ich in einem Chat mit besorgniserregender Verwunderung feststellen musste, dass der Begriff Reichspogromnacht den wenigsten Jugendlichen geläufig ist und auch unter dem Begriff der Reichskristallnacht können sich die meisten Jugendlichen selbst in abstrakter Form kaum mehr etwas vorstellen.

Und diese Besorgnis und Sorge um das kollektive Gedächtnis, sowie der weiteren besonderen Verantwortung und Herausforderung an uns und den Rest der Welt veranlasst mich, diesen Thread zum 70. Gedenktag an die Reichspogromnacht zu eröffnen.

Und heute, zum 70. Gedenken an den Beginn der schrecklichen Hatz, sollten wir alle wenigstens für eine Minute mal wieder in uns kehren, und die Gedanken der Erinnerung an das ertragene Leid in unser Bewusstsein fügen. Dies bewirkt sicherlich mehr als so mancher Text, denn in dem Moment der Erinnerung sind wir den Opfern ganz nah. So nah, dass wir in diesem Moment eine Gemeinsamkeit spüren: die Gemeinsamkeit der unendlichen Trauer.

Und nicht zuletzt dadurch, dass wir diese Trauer mit vielen anderen Völkern der Erde teilen, nehmen wir unsere historische Schuld auch mal bewusst auf uns anstatt sie immer nur als schnell dahingesagtes Lippenbekenntnis zu äußern.

Meine Bitte nach Erinnerung sollte nicht einfach nur „ passives Verhalten der Geschichte gegenüber“ sein, es sollt sich daraus vielmehr ein moralisches Prinzip ergeben, aus dem sich ein universeller Anspruch ableiten lassen könnte.

Durch die aufgearbeitete Geschichte und den Lehren, die wir daraus zogen, ergibt sich für uns natürlich auch eine ganz besondere Verantwortung dem Staate Israel gegenüber; die Verantwortung der Verteidigung seiner Existenzberechtigung, sowie auch die Verpflichtung, den immer wieder aufkeimenden Antisemitismus hier in Deutschland und auch weltweit zu ächten, verurteilen und stets zu bekämpfen. Und zwar von allen Seiten. Von Seiten der antisemitisch ausgerichteten Rechtsextremen, wie auch den ressentimentgeladenem Antisemitismus der Islamisten. Beides sollte hier stets auf schärfste Verurteilt werden, da es nicht nur das gesellschaftliche Klima vergiftet, sondern damit stets bemüht ist die Grundfeste unserer freiheitlichen Gesellschaft zu untergraben. Und dazu zählt für mich auch, dass sich gewisse Minoritäten gerne mit den Juden vergleichen. Dies ist nicht nur schändlich den wahren Opfern gegenüber, sondern hier wird ganz bewusst mit extremen Tiefschlägen auf unser Scham- und Schuldbewusstsein eingedroschen. Für mich ist dies ein der steten Relativierung der Geschehnisse ebenbürtiger Vergleich und gehört somit ebenso moralisch, wie auch strafrechtlich verfolgt.

Und nun stehen wir vor einer -wie ich in dem Chat merkte- „Holocaust-Ermüdung“, die anscheinend auch noch dadurch beschleunigt wird, dass die überlebenden Zeitzeugen uns verlassen. Und meine Befürchtung ist dahin gehend, dass man bald sagen wird (wie bei vielen anderen Dingen, die hier im Forum so behandelt werden) dass die Berichte wohl Fälschungen sind denn angeblich ist ja „nichts so geduldig, wie Papier“. Also wird die Autorität der gesprochenen Stimme verblassen, und wir werden uns nur noch schriftlich erinnern können. Und eben dieser Aufgabe müssen wir uns stellen, damit diese Erinnerungen nicht nur abstrakte Gebilde sind und hinter einem immer schemenhafter werdenden Schleier verschwinden.

Und heute, heute bin ich, wenn ich so über unsere Geschichte diesbezüglich nachdenke, froh und glücklich dass man uns nach jüdisch-christlicher Tradition verziehen und nicht vernichtet hat. Und selbstverständlich hat man von uns die Verpflichtung der Erinnerung abverlangt, aber auch die absolute Aufarbeitung der damaligen Geschichte. Und ich bin froh darüber; ich bin froh darüber, in einem Land leben zu können, dass in noch nie stattgefundener Art und Weise seine kriegerische Geschichte aufgearbeitet hat und mittlerweile in der Lage, anderen in die Augen zu blicken.
In der Lage zu sein, zu dürfen und zu müssen!

Da wir dies geschafft haben und offenen Herzens sind, erstarkt auch wieder das jüdische Leben in der Mitte unserer Gesellschaft und dies erfreut mich mit Demut und Stolz zugleich. Demütig den Juden gegenüber, welche es schaffen, uns, angesichts der Aufarbeitung und Toleranz, wieder Vertrauen zu schenken obwohl direkt vorstehende Verwandte betroffen waren und tiefe Demut weil sie damit zeigen, welche Hoffnung und welches Vertrauen sie mit dem Leben in diesem Land verbindet.
Das von mir gerade geschilderte Wiedererleben der jüdischen Gesellschaft innerhalb unserer Kultur, ist wohl das mit Abstand größtmögliche Bekenntnis zu erneutem Vertrauen, welches man uns schenkt; Hier, durch die Juden, und auch fast überall auf der Welt haben wir mittlerweile wieder großes Vertrauen errungen und sind in Sachen des diplomatischen Geschicks, gern gesehene Vermittler.
Und geschehen ist die in der unglaublich schnellen Zeit durch das selbstkritische, aktiv in Bezug nehmen auf die eigene Geschichte und den daraus resultierenden unabschließbaren Prozess, den wir auch weiterhin fördern, sowie unterstützen sollten.

Beeindruckend sind für mich in diesem Falle Worte, wie sie z.B. Yoram Ben-Zeev (israelischer Botschafter) gesprochen hat

„Die Deutschen machen es sich nicht einfach und schauen nicht nur in die Zukunft, sondern auch in die Vergangenheit. Das ist sehr beeindruckend. Die Menschen, die ich treffe, schauen sich das nicht von außen an als etwas, das vor langer Zeit passiert ist, sondern von innen und fragen sich: Was lernen wir daraus? Es ist ein emotionales und intellektuelles Erlebnis, das mitzuerleben.“

Unsere Prägung besteht aus Humanität und Freiheitlichkeit, wie auch aus dem Angebot der Solidarität und des Teilen können. Somit steht es auch allen Ländern der Welt offen, mit uns in einen Dialog einzutreten. Einzutreten in den Raum der Erinnerungen, und dieser Raum wird für alle offen stehen.
Der Zugang zu diesen Raum hat nur die Bedingung der geteilten und tätigen Erinnerung: Historische Fakten können befragt, aber dürfen niemals geleugnet werden!

Dazu habe ich auch bei Youtube eine Dokumentation hochgeladen:
Teil 1: http://www.youtube.com/watch?v=_cohDqAKeSI
Teil 2: http://www.youtube.com/watch?v=6K0Spp4UC3Q
Teil 3: http://www.youtube.com/watch?v=GcKFhHuu7Uc
Teil 4: http://www.youtube.com/watch?v=pUesxMMDNfY
Teil 5: http://www.youtube.com/watch?v=Ef7DQlWoZMI

(Gastbeitrag: Sascha M.)




Türken bauten Land auf und rissen Mauer ab


Wir alle wissen, haben nach dem Zweiten Weltkrieg die Türken unser Land wieder aufgebaut. Nun ist die Zeit reif, daran zu erinnern, dass auch der Mauerfall kein rein deutsches Ereignis ist. Während die Menschen, die sich mutig und unter Lebensgefahr für die Freiheit eingesetzt haben, langsam in Vergessenheit geraten, sollen doch zumindest die herausstrahlenden Heldentaten von Murat S. im allgemein-zeitgeistlichen Geschichtsbewusstsein für immer vorhanden bleiben. Scheibt Simon und wir lesen und staunen hier…