Hamburg: Kultur-Rabatt stößt auf Unverständnis

Der zum „Totschlag“ relativierte Mord in Hamburg stößt auf türkisches Unverständnis. Frei von Rassismusverdacht, dem sich ein Deutscher bei Benutzung gleicher Wortwahl unweigerlich ausgesetzt sehe, beklagt Bülent Ciftlik, migrationspolitischer Sprecher der SPD (Foto), dass durch „Beimengung kultureller Zutaten“ die Gewalttat in milderem Licht beleuchtet werde.

Das Totschlagsurteil gegen Ali U. (37) sorgt für Empörung unter Hamburger Türken. Zwölf Jahre sind zu wenig, finden viele und fordern eine lebenslange Verurteilung wegen Mordes. Immerhin habe der Türsteher seine Ex-Freundin monatelang mit dem Tode bedroht, bevor er sie am 26. März vor den Augen des gemeinsamen Kindes erschoss. Bülent Ciftlik, migrationspolitischer Sprecher der SPD, wirft den Richtern vor, dem Todesstalker einen „Kultur-Rabatt“ eingeräumt zu haben, was Hamburger Türken als fatales Signal auffassen.

„Das Urteil löst Unverständnis aus“, sagt Ciftlik. „Man bekommt den Eindruck, dass es nur einiger kultureller ,Zutaten‘ bedarf und schon wird ein tödlicher Gewaltexzess aus einer etwas milderen Perspektive beleuchtet.“

Der Täter Ali U. sei in Deutschland aufgewachsen, spreche besser Deutsch als Türkisch. Er habe die Frau, die sich wegen seiner Untreue von ihm getrennt habe, bewusst vor den Augen des gemeinsamen Sohnes erschossen: „Und dennoch wird Rücksicht auf den ,verletzten Stolz‘ dieses türkischen Mannes genommen“, kritisiert der Sozialdemokrat.

Vor allem, wo uns doch sonst ständig eingepaukt wird, dass man automatisch deutsch wird, wenn man hier lebt…

(Spürnase: Heinz W.)