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Kirchen geschändet – Friedhof verwüstet

Wenn christliche Kirchen Opfer wahrer Zerstörungsorgien werden, wird ein politischer Hintergrund automatisch ausgeschlossen, wohingegen bei der Schändung muslimischer Gräber von vornherein ein politischer Hintergrund selbstverständlich angenommen wird. Jüngstes Beispiel: Die Schändung zweier Kirchen im Hamburger Stadtteil Poppenbüttel im Vergleich mit einer Gräberschändung in Öjendorf.

Ein unpolitischer Akt?

Erschütterung bei den Gemeindemitgliedern der evangelisch-lutherischen Simon-Petrus-Kirche: Das Gotteshaus in Poppenbüttel ist am Wochenende verwüstet worden. Bislang unbekannte Täter haben in dem Gebäude an der Harksheider Straße eine wahre Zerstörungsorgie veranstaltet. Dabei beschädigten sie gezielt christliche Symbole. Auch die Marktkirche in der Nähe wurde verwüstet. Dort warfen Unbekannte Scheiben ein. Die Polizei geht davon aus, dass es sich um dieselben Täter handeln könnte.

Der Küster hatte am Sonntagmorgen die Verwüstungen in der Simon-Petrus-Kirche entdeckt. Die Zerstörungen waren so stark, dass der Gottesdienst ausfallen musste. Für die rund 30 Gläubigen, die gekommen waren, hielt Pastorin Susanne Reiche eine Notandacht unter freiem Himmel ab. „Die Gemeindemitglieder sind verstört und tief betroffen“, sagt Angelika Rosenfeld, Vorsitzende vom Förderverein Simon-Petrus. „Es wurde sehr viel kaputt gemacht.“

So zerrissen die Täter Gesangsbücher. Messwein wurde verschüttet, das Taufbecken beschädigt. Kreuze und Kerzenhalter warfen die Unbekannten auf den Boden und trampelten darauf herum. Bibeln und Paramente, zu denen alle kirchlichen Textilien wie Altartücher gehören, schleppten die Täter nach draußen und warfen sie in einen Schacht. Dann versuchten sie, Gegenstände anzuzünden. Auch die große Orgel wurde geöffnet und die Technik beschädigt.

Werden mehrere Kirchen aufs übelste geschändet, geht die öffentliche Meinung von unpolitisch motivierten Einzelfällen™ aus, auch dann, wenn gezielt christliche Symbole wie Taufbecken, Kreuze mit Corpus (Foto), Bibeln, Paramente, Altartücher und Gesangbücher beschädigt wurden, und man sogar versucht hat, kirchliche Gegenstände zu verbrennen. Außerdem hat man den Messwein ausgegossen – das Blut Christi. Eigentlich eine viel schlimmere Beleidigung als ein paar harmlose Zeichnungen in Zeitungen. Aber kein Mensch spricht von Christenhassern oder gar Muslimen. Die Rede ist bloß von „unbekannten Tätern“.

Ganz anders sieht es aus, wenn ein muslimischer Friedhof (ebenfalls in Hamburg!) einem Angriff zum Opfer gefallen ist. Natürlich ist auch dieser Vandalenakt aufs Schärfste zu verurteilen, dennoch verwundern spezifische unterschiedliche Konnotationen bei der Berichterstattung.

Ein politischer Akt?

Anders liegt der Fall bei Grabschändungen am Wochenende auf dem Öjendorfer Friedhof. Auf dem muslimischen Teil des Gräberfeldes wurden 17 Grabsteine umgeworfen oder mit Davidsternen und religiös beleidigenden Parolen beschmiert. Darüber hinaus spannten die Täter über mehrere Grabsteine ein Leinentuch, auf das ein großes Hakenkreuz gemalt war.

Die Tat war am Sonnabendvormittag entdeckt worden. Die Staatsschutzabteilung des Landeskriminalamtes hat die Ermittlungen übernommen. „Die Art und Weise der Tat ist bislang einmalig“, sagt Kunz. Nach Einschätzung der Polizei wurden die Grabschändungen durch „Wirrköpfe“ verübt. Kunz: „Die Ermittler gehen davon aus, dass diese antisemitische und fremdenfeindliche Tat ohne politisches Hintergrundwissen verübt wurde.“ Die Friedhofsverwaltung hat sofort alle Schäden beseitigen lassen.

Wird ein muslimischer Friedhof geschändet, wird ein politisches Motiv selbstverständlich angenommen, vor allem weil die Grabsteine mit einem Hakenkreuz und Davidssternen bemalt waren. Interessant ist dabei insbesondere die Reihenfolge der Schändungs-Aufzählung im Welt-Bericht:

1. Davidsstern (schlimmst Schändung!)
2. Muslime beleidigende Parolen
3. Ein Hakenkreuz

In der Einleitung zum Artikel schreibt die Welt, beim Friedhof gehe es anders als bei den Kirchen um einen politischen Hintergrund:

Einen politischen Hintergrund hält die Polizei (bei den Kirchen) für unwahrscheinlich – anders als bei der Gräberschändung in Öjendorf.

Eigenartig, dass die Polizei selbst am Ende des Beitrags im zitierten Text des Polizeisprechers von „Wirrköpfen“ spricht:

Die Ermittler gehen davon aus, dass diese antisemitische und fremdenfeindliche Tat ohne politisches Hintergrundwissen verübt wurde.

Dabei werden Davidssterne offenbar auch unter antisemitisch und fremdenfeindlich subsumiert.

(Spürnasen: Skeptiker, Angela, Ares26, Jan P., Konrad W.)