1

Barino: Ich will Muslime für die Freiheit gewinnen

Freedom for MuslimsIch sitze im Flieger zurück nach Köln und möchte meine Erfahrungen und Gedanken, die ich am gestrigen Abend bei meinem Vortrag und dem anschließenden Dialog machen konnte, einmal niederschreiben, um jeden interessierten Leser daran teilhaben zu lassen. Über den Vortrag an sich möchte ich an dieser Stelle nicht eingehen, da er noch online gestellt wird und sich jeder sein eigenes Bild darüber machen kann und ich bei Fragen über mein Forum jedem zur Verfügung stehe.
(Gastbeitrag von Barino)

Nachdem eine Orientalistin meine Darstellung des Islam zu relativieren wünschte über die Aussage, mein Islambild sei über eine salefitische Moschee geprägt, ist mir folgender Gedanke in den Sinn gekommen, den ich leider im Eifer des Gefechts nicht akkurat artikulieren konnte.

Die erste Phase die beschritten wurde, das Dogma „Islam heißt Friede“ aufrecht zu halten war die, dass man behauptete, es gäbe gar keine zu Gewalt aufrufende Verse, diese Verse seien nur falsch übersetzt. Diese Taktik konnte sich nicht lange halten.

In der zweiten Phase wurde dann gesagt, es gibt ja wohl diese zu Gewalt aufrufenden Verse, doch muss man sie im Kontext sehen, dadurch würden sie relativiert. Auch diese Phase ist durchbrochen. Betrachtet man diese Koranverse in ihrem Kontext, wird die dargestellte xxxxGewalt noch grausamer, denn es ist keine willkürliche Gewalt, sondern eine Gewalt mit System (Siehe Übersetzung auf www.DasIstIslam.de: „Der Jihad dient nicht nur der Verteidigung“ Ibn Baz). Nun glaube ich, dass wir in der Phase sind, in der man begriffen hat, dass der Sunnitische / Salefitische / Wahabitische Islam, sprich der Islam, der den Islamgründer Mohammed ernst nimmt, keine andere Interpretation zu lässt. Nun gilt es aber den Islam immer noch, koste es was es wolle, menschenrechtskonform auszulegen. Dies führt dazu, dass man den Islam, der sich auf den Koran und die Tradition des Propheten stützt, diffamiert und islamische Sekten als Vorbildmuslime darstellt, die den Koran nicht am Vorbild Mohammeds auslegen, sondern herum philosophieren, und praktisch nichts mit der Religion zu tun haben, von der Allah im Koran sinngemäß gesagt hat: Die Religion bei Allah ist „der Islam“ und wer einer anderen Religion folgt, niemals wird sie von ihm angenommen und am Tag des Jüngsten Gerichtes gehört er zu den Verlierern (vgl. Koran 3:85; 3:19).

Nun ist es so, dass diese Strömungen, da sie dem Westler anfangs eingängiger sind, ihn für den Islam begeistern, später aber stellt er fest, dass das sunnitische Verständnis das einzige ist, was den Koran und den Propheten Mohammed erst nimmt und diesen Quellen gegenüber aufrichtig ist, und die anderen Strömungen nichts anderes zu bieten haben als eine fragwürdige Philosophie. So haben viele Muslime, die den Islam in dieser Form von ihren Eltern übernommen haben, so wie viele Konvertiten, am Ende diese Philosophie abgestoßen, und ihren Weg in den sunnitischen Islam gefunden, der zwar keine tolle Philosophie zu bieten hat, aber eben koranische Argumente.

Warum nun wird versucht die Idee eines menschenrechtskonformen Islam, der nichts mit seinem Gründer Mohammed zu tun hat, in der westlichen Welt zu festigen und von allen Seiten zu verteidigen, von Kultur-Muslimen wie von Orientalisten?

Dies wird getan, so scheint es mir, um den Menschen aus dem islamischen Kulturkreis ihre fragwürdige Identität als Muslime zu bewahren, die sie vielleicht gar nicht hätten haben wollen, wenn sie über den Islam aufgeklärt wären. Dieser moderate Islam, der sein Heiliges Buch und seinen Gründer leugnet oder für nicht so wichtig an sieht, fährt spätestens in der nächsten Generation vor die Wand, denn diejenigen, die Ihre Religion nicht als geistiges Hobby praktizieren, sondern ihre Rechtleitung daraus ableiten wollen, wünschen ein festes Fundament, welches ihnen eben nicht die sich selbst leugnende islamische Philosophie bietet, sondern der Koran und das Vorbild Mohammeds, wobei wir wieder bei den Sunniten / Salafiten / Wahabiten angelangt sind.

Mit dem gut gemeinten Vorgehen den Muslimen ihre Identität zu wahren, nehmen wir ihnen jede Chance der Aufklärung und jede Chance, sich vollständig von dieser Ideologie zu lösen und dadurch ihre Kinder vor einen Rückfall in den mohammedanischen Islam (der Islam den Mohammed als Verkünder ernst nimmt und auch gerne als fundamentalistischer Islam bezeichnet wird), der eben nicht menschenrechtskonform ist, zu bewahren.

Die Probleme, die sich bei der Integration einstellen sind in der Religiosität begründet. Ein Vater, der seine Tochter beispielsweise nicht am Schwimmunterricht teilnehmen lässt, ist kein schlechter Mensch, er lebt lediglich seine Religiosität in der Verantwortung für seine Tochter aus.

Die Menschen aus dem islamischen Kulturkreis liegen mir am Herzen und sie sind wertvoll für mich persönlich und davon bin ich überzeugt, auch für diese Gesellschaft. Wir wollen sie für die Freiheit gewinnen, die ihnen diese Gesellschaft und ihre Rechtsordnung bietet. So können sie sich integrieren, wenn sie das konkurrierende Islamische Recht, die Scharia im privaten sowie im öffentlichen Leben, vollständig hinter sich lassen, denn dieses ist nicht mit den Grundzügen dieser Gesellschaft vereinbar.