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Security in Deutschland: Eigenschutz geht vor

[1]Vor den Augen zahlreicher Fahrgäste und zweier Mitarbeiter der „Sicherheits“firma Gülich wurde Jochen B. (Foto) von drei „Südländern“ brutal zusammengetreten. Zuvor hatte der Mann sie aufgefordert, die Belästigung von vier Frauen, die ebenfalls von den „Sicherheitsexperten“ ignoriert wurde, zu unterlassen. Nach Auskunft von Geschäftsführer Gülich haben seine Mitarbeiter „im Wesentlichen ihre Pflicht getan [2]„.

Das Opfer [3]:

Gebrochenes Schlüsselbein, verstauchter Daumen, aufgeschlagenes Knie, zahlreiche Prellungen. Jochen Buchholz ist gezeichnet. Aber das Opfer des brutalen Angriffs unmittelbar vor einem voll besetzten Nachtexpress muss auch mit den Erinnerungen an den schrecklichen Vorfall kämpfen.

„Nachher habe ich schon überlegt: Besser sitzen bleiben und die Klappe halten oder eben aufstehen“, sagt Buchholz. Er hat sich für Letzteres entschieden und ist aufgestanden: „Es waren drei junge Männer südländischer Herkunft. Vor mir im Bus saßen vier Frauen. Die wurden von den Kerlen auf die ganz fiese Tour belästigt und beleidigt.“

Irgendwann hat es bei Jochen Buchholz dann Klick gemacht, er ist aufgestanden, um dem pöbelnden Trio Einhalt zu bieten: „Ruhe jetzt!“ Nach einem kurzen Wortgefecht war dann erstmal Ruhe im Bus. Zur Sache ging es dann, wie berichtet, an der Haltestelle Von-der-Tann-Straße.

Jochen Buchholz hat „leicht Lücken“, kann sich aber an Folgendes ziemlich gut erinnern: „Ich bin ausgestiegen und wollte genau vor dem Bus die Straße überqueren. Dann ist mir einer der drei in den Rücken gesprungen.“ Der 39-Jährige stürzte zu Boden, sofort hagelte es Fußtritte und Fäuste auf den Kopf. Buchholz: „Die Fußabdrücke konnte man in der Notaufnahme immer noch gut erkennen.“

Nach der Attacke konnte er sich „irgendwie“ zurück in den Bus retten, der Fahrer hat sofort die Tür geschlossen. „Die drei Schläger sind dann noch wie verrückt vor dem Bus rumgehüpft.“ Und hätten brüllend mit den Fäusten und dem Zeichen für „Kehle durchschneiden“ gedroht. Bis ein Streifenwagen vorfuhr. Buchholz wunderte sich noch, „warum die die Typen nicht sofort verfolgt haben. Die Polizistin sagte mir aber, ,Darum kümmern sich Kollegen‘.“
(…)

Was sagt er zur aufgeflammten Diskussion über Zivilcourage? „Ich bin eben aufgestanden, die anderen nicht. Fertig. Auch nicht die Service-Mitarbeiter.“ Zwei haben nach seiner Aussage hinter ihm gesessen.

Und dort haben sie ihre Pflicht erfüllt, durch Nichteinmichung zur Deeskalation beizutragen und sich in erster Linie selbst zu schützen:

„Natürlich bedauern wir den aktuellen Vorfall. Wir nehmen das Ganze sehr ernst. Aber nach unserer Recherche haben unsere Mitarbeiter im Wesentlichen ihre Pflicht getan.“ (…) . „Wir sprechen uns in jedem Fall aktuell mit unserem Kunden ab, um die Arbeit zu optimieren und weitere Fälle zu vermeiden“, so Gülich. Optimierung etwa mit einem größeren Handlungsspielraum. Gülich: „Über die Türschwelle von Bus und Bahn hinaus.“ Im aktuellen Fall hätte das dem Prügelopfer Jochen B. vielleicht eine Menge erspart. Aber seine Mitarbeiter hätten im Auftrag und aus Eigenschutz gehandelt, wie es auch gewünscht sei, „der Rest wäre eine Frage der Zivilcourage gewesen“. (…) Gülich: „So tragisch der Fall auch war, er bleibt eine Ausnahme.“ Während Gülich-Gruppe und DSW21 im Gespräch sind und eine geeignete Lösung suchen, wird das Thema Zivilcourage und auch die Arbeit von Gülichs Mitarbeitern weiter heiß diskutiert. Für heute ist einer der drei mutmaßlichen Schläger aus dem Nachtexpress bei der Polizei vorgeladen.

Gülich arbeitet daran, es künftig noch besser zu machen. Und die Polizei sah offenbar keinen Anlass für eine Festnahme des brutalen Schlägers und hofft, dass der freiwillig kommt. Sicher auch eine Deeskalationsmaßnahme.

(Spürnase: Marc P.)

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