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Ägypten: Dschihad gegen das Schwein


In Ägypten sollen alle 350.000 Schweine im Land geschlachtet werden. Das hat Präsident Hosni Mubarak als Maßnahme gegen die in Mexiko ausgebrochene Schweinegrippe angeordnet. Dass Fachleute derzeit keine Anzeichen für eine Übertragung des Grippevirus vom Schwein auf den Menschen sehen, stört die ägyptische Führung nicht. Vor allem die Muslimbruderschaft hat gegen die Schweine mobil gemacht. Sie sieht in der Schweinegrippe, an der bisher kein Ägypter erkrankt ist und von der bisher kein einziger Fall in der gesamten arabischen Welt bekannt wurde, die Chance, die ungeliebten unreinen Tiere der koptischen Christen loszuwerden.

glaubensstrenge muslimische Politiker, aus deren Sicht das Schwein ohnehin ein unreines Tier ist, das man nicht essen darf, wittern nun eine günstige Gelegenheit, um den ungeliebten Ringelschwanzträgern den Garaus zu machen. Dass alle international anerkannte Experten sagen, die Krankheit werde gar nicht vom Schwein auf den Menschen, sondern von Mensch zu Mensch übertragen, ficht sie in ihrer Anti-Schwein-Kampagne nicht an.

„Die Schweinegrippe ist gefährlicher als die Wasserstoffbombe!“, warnt die ägyptische Muslimbruderschaft am Dienstagabend auf einem Gesundheitssymposium in Kairo. Kurz zuvor hat ihre Parlamentsfraktion gemeinsam mit den Abgeordneten der Nationaldemokratischen Partei (NDP) von Präsident Husni Mubarak für eine Empfehlung gestimmt, die vorsieht, dass unter Aufsicht des Landwirtschaftsministeriums binnen weniger Tage alle 350.000 Schweine des Landes getötet werden sollen. In einigen Provinzen wurden schon Dutzende von Schweinen gekeult.
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Gesundheitsminister Hatem al-Gabali warnt jetzt davor, die notwendige Debatte über die Gefahren der Schweinegrippe auf eine Kampagne gegen das Schwein zu reduzieren. „Es geht nicht nur um das Schwein“, zitiert die staatliche Nachrichtenagentur Mena den Minister. Al-Gabali schließt zwar nicht aus, dass Ägyptens Schweine demnächst die Wohnviertel verlassen müssen oder möglicherweise sogar gekeult werden.

Natürlich geht es nur um das Schwein. Dem toleranten Islam im noch gemäßigteren Ägypten sind die Schweine der Christen (neun Prozent der Bevölkerung) schon lange ein Dorn im Auge. Denn mit Seuchenbekämpfung hat die Schlachtaktion in Ägypten nach dem Ausbruch im „benachbarten“ Mexiko natürlich nichts zu tun.

(Dank an alle Spürnasen)