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Der Stasi-Mord, der Deutschland veränderte

KurrasDa kam sie nun gestern die Nachricht: Der Student Benno Ohnesorg, der auf einer Demonstration der Studentenbewegung gegen den Schahbesuch im Jahr 1967 in Berlin erschossen wurde, war das Opfer einer Stasi-Kampagne (PI berichtete). Der Polizist Karl-Heinz Kurras (Foto), der ihn erschoss, war Stasi-Mitglied und vieles spricht dafür, dass Benno Ohnesorg im DDR-Auftrag erschossen wurde, um Unruhen in Westdeutschland anzuheizen. Wie wir wissen, mit großem Erfolg.

Dafür spricht auch, dass Mitglieder der späteren RAF immer wieder in der DDR Zuflucht fanden. Im Prinzip müsste jetzt für viele Altlinke eine Welt zusammenbrechen. Ich selbst habe diese Ereignisse als jugendlicher Gymnasiast erlebt und weiß noch genau, wie dieses Ereignis zur Radikalisierung der Studentenbewegung bzw. in Folge zur Bildung der Baader-Meinhof Gruppe bzw. der späteren RAF geführt hat.

Der Hass auf das kapitalistische System, die Elterngeneration der „Täter“, die gefühlte Ungerechtigkeit des Krieges der USA in Vietnam, alle diese Gefühle wurden durch den Tod eines unschuldigen Studenten durch einen „Vertreter der Staatsgewalt“ aufgeheizt.

Es war das ausschlaggebende Ereignis für die Radikalisierung von Teilen einer Generation, die in den kommenden Jahren die Bundesrepublik intensiv in Atem halten sollte und 1977 in dem Geiseldrama von Mogadischu und der Entführung und Ermordung des Arbeitgeberpräsidenten Hans Martin Schleyer gipfeln sollte.

Ich bin sicher, alles dies hätte in dieser Radikalität nicht stattgefunden, wäre bekannt gewesen, dass es sich um eine Kampagne aus der DDR handelte, also der dortigen Sozialisten, der Linken. Die Geschichte müsste umgeschrieben werden. Davon bin ich als Zeitzeuge überzeugt.

Nun ist es zu spät. Dieses Ereignis hat eine ganze Generation beeinflusst und ist mitverantwortlich für die unerträglichen Zustände, die wir heute in diesem Land haben.

Ohne den Linksruck einer ganzen Generation bzw. großen Teilen derer, die heute in leitenden Positionen der Politik, Medien und Justiz sitzen, hätten wir andere Verhältnisse in diesem Land. Wir hätten keinen so verbreiteten linken Mainstream, kein solches Gutmenschentum und keine solche Islamophilie.

Für mich, der ich schon lange kein Linker mehr bin, hält sich der Schock in Grenzen. Allerdings sollte er Vielen meiner Generation und der eigentlichen älteren 68er zu denken geben, bzw. zum Umdenken anregen.

Ich fürchte aber, dazu ist es zu spät. Wer 40 Jahre mit einer Lebenslüge gelebt hat, dem wird es schwer fallen diese fallen zu lassen. Der Schaden ist angerichtet, den diese Generation bei dem „Marsch durch die Institutionen“ hinterlassen hat.

Wir leben bereits in einer post 68er-Gesellschaft.

» Bettina Röhl: Tod von Benno Ohnesorg: Staatsmord aus Ostberlin?

(Gastbeitrag von survivor)