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‚…steht für moderne, multikulturelle Gesellschaft‘

Vor kurzem berichteten wir über ein vom Ravensburger Verlag herausgegebenes Buch zur Geschichte der Bundesrepublik, auf dessem Cover ein verschleiertes, muslimisches Mädchen (Bild l.) abgebildet ist. „Was hat diese Religion mit 60 Jahre Deutscher Geschichte zu tun. Meine Antwort als studierter Historiker: Nichts!“, schrieb PI-Leser Fabian H. dem Verlag. Eine Woche später erhielt er folgende Antwort:

Sehr geehrter Herr H.,

vielen Dank für Ihre E-Mail und Ihr Feedback zum Cover unseres Titels „Die Bundesrepublik“ von Hermann Vinke.

Das von Ihnen kritisierte Foto zeigt zwei junge Mädchen aus Köln: eine Deutsche und ein in Deutschland geborenes muslimisches Mädchen. Sie stehen repräsentativ für die junge Bevölkerung der modernen Bundesrepublik, in der es unterschiedliche Bevölkerungsgruppen, Kulturkreise und Religionszugehörigkeiten gibt. Weil das Foto symbolisch für die moderne, multikulturelle Gesellschaft steht, hat sich der Ravensburger Buchverlag für dieses Foto entschieden. Das Foto soll darüberhinaus den zeitlichen Bogen des Inhalts repräsentieren: Er reicht von der Gründung der Bundesrepublik bis in die aktuelle Gegenwart 2009. Die Verwendung des Fotos ist kein Beitrag zum Kopftuchstreit und keine bewertende Stellungnahme des Ravensburger Buchverlags zu diesem Thema.

Wir bedanken uns nochmals für Ihr Interesse an unserem Buch „Die Bundesrepublik“ und verbleiben

mit freundlichen Grüßen

Angelika P.

Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH
Redaktion Kindersachbuch
Robert-Bosch-Straße 1
88214 Ravensburg

Woraufhin PI-Leser Fabian H. erneut an den Verlag schrieb:

Sehr geehrte Frau P.,

einmal abgesehen davon, dass der Islam in Deutschland sowohl hinsichtlich seiner Bedeutung in der Bevölkerung als auch in Hinsicht seiner rechtlichen Bedeutung zum Glück noch eine Minderheitenreligion darstellt – der Islam ist eine faschistische, menschenverachtende und frauenunterdrückende politische Religion. Sie hätten genauso gut einen Jungen in HJ-Uniform abbilden können. Ich muss an Ihrem Verstand zweifeln, wenn Sie ein zwangsverschleiertes kleines Mädchen als gelungenes Beispiel für eine „multikulturelle Gesellschaft“ anführen. Davon abgesehen: Die ersten Anhänger des Islams kamen erst in den 60er Jahren nach Deutschland. Also schon in zeitstruktureller Hinsicht impliziert das Titelbild des Buches eine völlige Verzerrung von historischen Tatsachen.

Ihre Aussage „moderne, multikulturelle“ Gesellschaft spricht entweder für fehlenden Sachverstand oder für eine bewusste Irreführung und stellt einen klaren Widerspruch zu Ihrer Aussage dar, dass der Buchumschlag keine „bewertende Stellungnahme“ sei. Er ist es sehr wohl – schon alleine weil damit eine Minderheits-Religion hervorgehoben wird, während das andere Kind auf dem Buchcover ja nicht als Christ oder Jude oder Hindu zu erkennen ist. Im Übrigen dürfte der politische Kampfbegriff „multikulturell“ auf die deutsche Gesellschaft allenfalls in einigen Großstädten, und dort auch nur Gebietsweise, annähernd zutreffen.

Im Fazit muss ich feststellen, dass es Ihnen, also den Verlags-Entscheidungsträgern, insgeheim tatsächlich um eine politische Beeinflussung geht. Und es ist traurig, dass Sie dies in einem unrichtigen historischen Kontext tun. Man kann Ihr Buch zumindest in einem Punkt nur begrüßen: Als zukünftiges außerordentliches schlechtes Beispiel in meinen Vorlesungen und Vorträgen über Themen mit Bezug zum historischen Rückblick auf die Geschichte der Deutschen.

Der Ravensburg-Verlag stand einmal für Qualität. Das scheint lange her zu sein.

Mit freundlichen Grüßen

Fabian H.

» info@ravensburger.de